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Spielrunden mit Migranten und Flüchtlingen: Erfahrungsaustausch

Allgemeine Spiele-Themen
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widow_s_cruse
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Spielrunden mit Migranten und Flüchtlingen: Erfahrungsaustausch

Beitragvon widow_s_cruse » 3. November 2015, 13:11

Hallo,

um Ines Thread nicht weiterhin zu belasten, fange ich mal ein neues Thema an.

Unsere Szene scheint sich immer wieder dafür zu begeistern, Migranten in unsere so hoch geschätzte Spielkultur einbinden zu wollen. Mich tangierte diese Absicht in den letzten Jahren immer wieder. Sei es mit meiner konträren Meinung zu dem, was die Szene so glaubt zu wissen, oder beratend, weil Hilfeorganisationen sich an die Brettspielgruppe wenden, um in einem ähnliche Anliegen Unterstützung zu erhalten.

Nur - dass ich bisher selbst keine praktischen Erfahrungen gemacht hatte.

Unsere aktuelle Situation vor Ort ist:
- eine Turnhalle wird die kommenden Tage zu zweiten Mal mit ca. 200 Migranten belegt.
- ein Container-Bau für ca. 145 Migranten, belegt mit Personen (der Turnhalle), die bei einer Wohnungsvermittlung nicht zum Zug gekommen sind. In der Regel sind das junge Männer.
- Migranten(-familien), die in Wohnungen untergebracht sind.

Als vor einigen Wochen die Turnhalle und die Container belegt wurden, folgten Spendenaufrufe - unter anderem für Gesellschaftsspiele. Das war für mich Anlass, Kontakt mit dem örtlichen Helferkreis aufzunehmen. Nicht - um Spiele zu überlassen. (Die brauchbaren werden von der Gruppe selbst genutzt.) Sondern, um den Migranten das Angebot zu unterbreiten, sich in die Brettspielgruppe zu integrieren.
Aber - zu nächst einmal war das Bedürfnis an Gesellschaftsspielen und Spielrunden nicht so groß - verständlicherweise gab es Dringlicheres zu regeln.

Inzwischen gab es Aktivitäten des internen Helferkreises, um mit den Migranten in den Container Spielrunden zu organisieren. Der angebotene Erfahrungsaustausch wurde nicht wahrgenommen. Wie ich dem Newsletter entnommen habe, wurde eine Partie LIFESTYLE ausprobiert. Erfahrungen aus der Partie wurden nicht weitergeben.

Eine etwas ältere Teilnehmerin der Brettspielgruppe bringt sich aktiv im Helferkreis ein und hat die Patenschaft für einen Migranten übernommen. Den hatte sie schon zum vorletzten Spielabend eingeladen und die Teilnahme war vereinbart - aber sie wurde am Termin versetzt. Zum letzten Spielabend hat sie einen neuen Anlauf mit einer weiteren Einladung genommen. Sie erhielt Unterstützung von einer weiteren Helferin aus dem engeren Kreis und ein ganzes Zimmer des Containerdorfs mit jungen Männern aus Eritrea nahm an dem Spielabend teil.

Zuvor bat mich unsere Mitspielerin, dass ich mich auf die Teilnahme der Migranten am Treffen einstellen und entsprechend vorbereitet sein soll. Ihr habe ich, den recht interessanten Bericht zum Thema von Synes Ernst zu Verfügung gestellt, die leider ungelesen blieben. Mich hatte ich mit einigen zusätzlichen Geschicklichkeitsspielen für den Spielabend eingedeckt.

Migranten.jpg
Migranten.jpg (62.89 KiB) 6155 mal betrachtet

Diesmal nahmen die Migranten die Einladung zum Spielertreff tatsächlich wahr. Die vier Männer aus Eritrea waren im Alter von 19 bis ca. 25Jahre. Einer ist schon etwas länger hier in Deutschland und verfügt ein wenig über unser Sprachverständnis. Die anderen waren neu hier und selbst dem Englisch unkundig. Einer konnte also etwas von unseren Regelerklärungen übersetzen. Ansonsten wurde mit den Händen erklärt. Wie sich herausstellte, lag bei allen eine schulische Bildung vor.

Ich legte zunächst einmal ein 3D UBONGO auf den Tisch - um damit gleich zu scheitern. Gedacht war, das es einfach zu vermitteln sei (und auch ohne Wertung eine schöne Spielaufgabe ist). Es brachte keine schnellen Ergebnisse. Selbst die einfachen Aufgaben waren zu schwierig - und es wurde begonnen, die Spielregeln zu umgehen. Man konnte gar nicht so schnell schauen, wie schnell da statt drei vorgegebene Teile sechs oder sieben Teile in den Händen waren und zur Lösung verwendet werden wollten.

Die Patin mochte das UBONGO überhaupt nicht und bat darum, dass wir abbrechen und was ordentliches auf den Tisch bringen - ihre Lieblingsspiele. Also wurde ein QWIRKLE hergenommen. Ich lehnte mich da in meinen Stuhl erst mal etwas zurück und schaute mir die Entwicklung an. Obwohl den Orientalen eher die abstrakten Spiele liegen, war an eine Wertung der Züge nicht zu denken. Die Vermittlung der Anlege-Regeln war eine große Hürde. Ich hatte auch den Eindruck, dass Mehrpersonenspiele mit dem Reihumspielen nicht vertraut waren. Auch bei dem Titel folgte nach dreißig Minuten ein Abbruch.

Ich schlug dann eine Runde BLOKUS vor. Der Titel fand eine gute Akzeptanz. Das Spielziel ließ sich vermitteln. Aber es gab immer wieder Versuche, die bereits bestätigten Anlegeregeln auszuhebeln oder auf Ausnahmen zu prüfen. Bei dem Spiel tat sich der Jüngsten mit dem größten Verständnis hervor. Aber einem anderen Mitspieler wurde von uns leider doch soviel geholfen, dass er gewann. Es folgte sogar noch eine weitere Partie.

Dann schlug wieder die Patin einen (Lieblings)Titel vor - LAS VEGAS. Zu meiner großen Überraschung weckte dieser Titel zum ersten Mal, dass von mir erwartete Spielgefühl bei den Migranten aus. Um Geldbeträge zu würfeln, hatte ein sofortiges Verständnis. Die Ergebnisbedingungen wurden sofort akzeptiert und auch eingehalten. Die Jungs hatten richtig Spass.

Darauf aufbauend kam von mir ein weiter Vorschlag CUATRO / CASTRO. Aber es erwiesen sich die Würfelziele wie Mehrlinge und Co. als schwierig verständlich. Das Verhindern von Viererketten der Mitspieler wurde noch gar nicht in Betracht gezogen. Die Partie plätscherte so vor sich hin.

Inzwischen war es 23 Uhr geworden. Etwas erschöpft wollten die Migranten den Spielabend beenden. :D
Mal schauen, ob sich die Jungs noch mal auf ein solches Abenteuer einlassen.

So ganz zufrieden stellte mich der Verlauf des Abends nicht. Teilweise haben wir die Migranten mit der Titelauswahl überfordert. Meine bevorzugten Titel wie RIFF RAFF, PIRATENBILLARD oder SAFRANITO kamen wegen Abstimmungsdifferenzen unter den Ausrichtern (noch) nicht zum Zug.

Was mir eigentlich noch am Herzen liegt, ist, das wir zukünftig eher keine reinen Migranten-Spieltische bilden. Es soll ja eher das Ziel der Integration verfolgt werden. Ich nehme auch an, dass der Spielzugang erleichtert wird, wenn drei von vier Spielern die Regeln beherrschen, weil sich die richtigen Vorgänge leichter abgucken lassen und das Spielgefühl eher aufkommt.

Weitere Berichte von Spielrunden mit Migranten zwecks des Erfahrungsaustauschs würden mich freuen.
Zuletzt geändert von widow_s_cruse am 3. November 2015, 15:49, insgesamt 1-mal geändert.
Liebe Grüße
Nils
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Re: Migranten-Spielrunden - Erfahrungsaustausch

Beitragvon BGBandit » 3. November 2015, 14:45

Saubere Arbeit Nils, ganz großes Kino. Bitte halte uns auf dem Laufenden. Wäre toll, wenn du auf Dauer eine Liste zusammenstellen könntest, welche Spiele funktionieren und welche eher nicht geeignet sind. Also einfach "Name Spiel" und "Plus, Kreis und Minus"

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Re: Migranten-Spielrunden - Erfahrungsaustausch

Beitragvon Harry2017 » 3. November 2015, 15:02

Schwierig - Wie bei anderen Menschen auch wird wahrscheinlich nicht Spiel XY in jeder Migrantenrunde funktionieren - Geld/Glück/Würfelthematik ist in anderen Kreisen vielleicht nicht so "greifbar" dafür abstrakte Spiele und das" an Regeln halten" doch.

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Re: Migranten-Spielrunden - Erfahrungsaustausch

Beitragvon BGBandit » 3. November 2015, 18:15

Bei 100000000 Sppielen grenzt es die Suche aber auf jeden Fall ein ;-)

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Re: Migranten-Spielrunden - Erfahrungsaustausch

Beitragvon widow_s_cruse » 4. November 2015, 14:46

Hallo,

einen Dank der Statements.

Ich möchte Harry recht geben. Wenn Erfahrungsaustausch, dann ist es für eine Einschätzung ebenso wichtig, dass das Umfeld beschrieben wird. Hier treffen unterschiedlichste Kulturen aufeinander - von Zentral-Afrika über den Orient bis zum Balkan. Ich denke nicht, dass überall die gleichen Erfahrungen gemacht werden.

Es ist eigentlich auch nicht meine Absicht, die Thread allein zu betreiben. Ich bitte jeden, seine Erfahrungen mit mir und uns zu teilen.

Einen Titel vom Spielabend mit der Eritreern habe ich noch vergessen zu erwähnen. Ich nahm an, dass LAKOTA ein vorteilhafter Titel wäre.

Bild
Ich hoffte, dass deutliche Spielziel und die wenigen Regeln und das überschaubare Spielmaterial würden einen einfachen Zugang ermöglichen. Ich hatte aber nicht damit gerechnet, dass der Spielspaß eine hohe Regeldisziplin und etwas Ehrgeiz voraussetzt. Die Jungs waren so flink mit den Fingern die Hölzer am hin- und herschieben, dass ich nach wiederholten Abmahnungen fast geneigt war, die unerwünschten Fingerübungen abzubatschen. :cool:
Auch war es auch nicht zu vermitteln, dass man dem folgenden Spieler möglichst keine Vorlagen zum Brückenbau legen sollte. Das eigentliche Spiel wurde leider nicht erfasst. Mit anderen Worten - ich war nicht in der Lage LAKOTA als gutes Gesellschaftsspiel zu vermitteln.
Zuletzt geändert von widow_s_cruse am 6. November 2015, 08:09, insgesamt 1-mal geändert.
Liebe Grüße
Nils
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Re: Migranten-Spielrunden - Erfahrungsaustausch

Beitragvon Morti » 5. November 2015, 10:27

Wenn ich solche Berichte lese - und zwar unabhängig von Migranten/Flüchtlingen oder Deutschen -, dann frage ich mich immer, wieso derart viele Menschen unterschiedlichster Bildungsniveaus größte Probleme mit einfachsten Regelmechanismen haben (oder haben wollen); und zwar "einfach" nicht nur für Vielspieler, sondern generell im Vergleich zu gängigen Gesellschaftsspielen auf dem Markt. Sind die Leute zu vergeßlich, um sich Pipifax vorübergehend merken zu können? Reicht der menschliche Durchschnittsgeist nur (regeltechnisch) bis Schach, Dame, Mühle, MÄDN und Kinderklötzchenwegschieben? Ich meine... man... LAKOTA! Was kann man daran nicht hinkriegen? (Egal, ob man aus München oder Nigeria kommt.)
Ich habe solche Erfahrungen leider auch schon oft gemacht, und nicht wenige auch willige Mitspieler waren schon überfordert, wenn man zu MÄDN die Kartenerweiterungen dazunahm ("Ärger dich schwarz" usw.).
Ich finde, da müßte die Evolution noch etwas an der "Krone der Schöpfung" nacharbeiten.
Ich hätte nach diesen Erfahrungen schon keine Lust mehr, Spielerunden in diesem Kreis (oder vergleichbaren Kreisen) anzubieten.
:(

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widow_s_cruse
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Re: Migranten-Spielrunden - Erfahrungsaustausch

Beitragvon widow_s_cruse » 5. November 2015, 11:32

Hallo,
Morti hat geschrieben: Sind die Leute zu vergeßlich, um sich Pipifax vorübergehend merken zu können? Reicht der menschliche Durchschnittsgeist nur (regeltechnisch) bis Schach, Dame, Mühle, MÄDN und Kinderklötzchenwegschieben? Ich meine... man... LAKOTA! Was kann man daran nicht hinkriegen? (Egal, ob man aus München oder Nigeria kommt.)
.... Ich hätte nach diesen Erfahrungen schon keine Lust mehr, Spielerunden in diesem Kreis (oder vergleichbaren Kreisen) anzubieten.
:(

Ich sollte keine Brettspielgruppe leiten, wenn ich nicht über Misserfolge stehen würde. :cool:

Ich bilde mir ein, dass es keine Bildungsfrage ist. Eher sollte man in Betracht ziehe, welche gemachten Erfahrungen vorliegen. Ich gehe zum Kinderspieletesten in den Kindergarten. Hier merkt man sofort, bei welchen Kinder eine Substanz für das Gesellschaftsspiel vorliegt und bei welchen nicht. Spielfreuden muss man erst mal erfahren, um daran fortlaufend Vergnügen zu haben. Und je älter man wird, umso geringer wird üblicher Weise die Zugänglichkeit.

In der Migranten-Runde stoßen jetzt nicht nur unterschiedliche Erziehungsweisen sondern sogar ganz andere Kulturen aufeinander.

Bei LAKOTA ist der springende Punkt, ob die Mitspieler den Ehrgeiz aufbringen können, den Mitspielern keine Vorlage für den Brückenbau zu bereiten. Liegt dieser Ehrgeiz bei allen Mitspieler vor, habe ich schon viele sehr vergnügte Partien erlebt. Ist LAKOTA nur einem Mitspieler zu banal, kippt leider die ganze Partie.

Mich überraschte, dass LAS VEGAS die Mitspieler gleich in den Bann zog. Plätscherte die übrigen Partien eher so dahin, riss LAS VEGAS die Jungs wortwörtlich von den Stühlen und sie waren mit Begeisterung dabei - bei einem Spiel mit einer größeren Regelhürde wie LAKOTA.

Persönlich habe ich einen großen Respekt vor Spiele, die absolut reduziert sind und auf den Punkt kommen. (Im Moment zweifle ich gerade seeeehr an der Aufbauorgie von My Village - vom Spiel und der Partie)
Liebe Grüße
Nils
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Re: Migranten-Spielrunden - Erfahrungsaustausch

Beitragvon Stein-Schere-Papier » 5. November 2015, 22:31

Morti hat geschrieben:Ich meine... man... LAKOTA! Was kann man daran nicht hinkriegen? (Egal, ob man aus München oder Nigeria kommt.)


Unterschiedliche Gründe sind möglich:
Einige kennen Spiele mehr als Konzept gemeinsamen Spielens und nicht so sehr des gegenseitigen Wettstreits. Gegeneinander Wetten und Würfeln wie bei Las Vegas ist dann schneller verständlich, als der Sinn von Lakota oder Indigo.
Flüchtlinge haben manchmal / häufig, jedenfalls berichten es Psychologen und Sozialarbeiter, Schwierigkeiten mit kreativen Aufgaben bis hin zu Konzentrations- und Lernschwierigkeiten. Der Zusammenhang mit traumatischen Erlebnissen im Herkunftsland und auf der Flucht ist naheliegend.

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Re: Migranten-Spielrunden - Erfahrungsaustausch

Beitragvon Morti » 5. November 2015, 23:50

Naja, zwischen "manchmal" und "häufig" klafft ja doch eine ganz schön große Lücke.

PS: Wenn wir gerade beim Thema sind... da ist wohl so einiges dran.
http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/p ... -1.2722365

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Artikel: Flüchtlinge sind da. Was spielen wir?

Beitragvon zuspieler » 6. November 2015, 02:41

Siehe dazu auch den Artikel „Flüchtlinge sind da. Was spielen wir?“ von Synes Ernst:

Synes Ernst hat geschrieben: […] Sie [German Games] haben im Zusammenhang, um den es hier geht, nichts zu suchen. Nicht nur, weil der Einstieg ohne aufwendige Erklärungen nicht möglich ist (was Sprachkompetenz voraussetzt), sondern auch, weil zwischen unserer (Spiel)-Kultur und jener der Regionen, aus denen die Flüchtlinge und Asylsuchenden zu uns kommen, ein tiefer Graben besteht. […]

Den kompletten Artikel finden Interessierte unter http://www.infosperber.ch/Artikel/Gesel ... pielen-wir. Weitere Spiele-Empfehlungen gibt es in dem Diskussionsstrang "Einfache Spiele für Flüchtlinge", viewtopic.php?f=41&t=341677.

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Re: Migranten-Spielrunden - Erfahrungsaustausch

Beitragvon Stein-Schere-Papier » 6. November 2015, 08:56

@Morti
Ja, da ist eine Spannweite. Finde gerade den Artikel nicht, wo ich das gelesen habe. Traumazentrum Köln oder so. Man kann es aber auch nicht auf alle Flüchtlinge projizieren. Und es ist auch kein lebenslanger Makel. Aber vielleicht als Information für "enttäuschte" Brettspiel-Freiwillige interessant.
Zuletzt geändert von Stein-Schere-Papier am 7. November 2015, 12:29, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Migranten-Spielrunden - Erfahrungsaustausch

Beitragvon widow_s_cruse » 6. November 2015, 09:35

Hallo,

auf mich machten die vier Eritreer keinen ungesunden Eindruck - nicht ungesünder als die übrigen Teilnehmer am Spielabend. :D

Das größte Problem war das Überwinden der Sprachbarriere - und gelegentlich war ich stutzig, mit welcher Effizient es im arabischen / ?tigrinisch? möglich ist, Spielregeln zu vermitteln. :huh:
Wohl möglich, dass meine Erklärung nicht richtig verstanden wurden / der Übersetzer nicht gewohnt ist, Spielregeln zu vermitteln / ein gelegentliches Augenbinzeln auf mich den Eindruck machte, der Übersetzer betrachtet die Regelkenntnis als seinen persönlichen Spielvorteil. :angel:

Ein AfD-Banner sollte uns ambitionierten Spielvermittler doch zum Nachdenken anregen - vielleicht ist es nicht unbedingt das Problem, dass diese Partei hat. Aber wir sollten uns vielleicht mal mit unseren persönlichen spielerischen Absichten auseinander setzen.

afd.png
afd.png (692.86 KiB) 5749 mal betrachtet

Es ist ja nicht so, dass die Migranten keine Spielkultur haben. Die basiert eben eher auf Backgammon, Schach, Domino, Rommé, ?Pachisi?, Kalaha und Co - ihrer ?ach so fremden? Parallelkultur. Wenn wir nun im Namen der Integration beginnen, ihnen unsere Spielkultur "aufzudrängen", dann sind - bedingt durch den angestrebte Erfolg dieser Absicht - die Migranten wohl dort abzuholen, wo sie sich kulturell gerade befinden und was sie aktuell (spielerisch) verstehen können.

So viel Geschwafel basierend auf einen Spielabend :D

Der lokale Helferkreis bestätigt mir gerade weitere Unterstützung für eine Integration über den Spielabend in der Gersburg und möchte dafür die Paten der Migranten sensibilisieren. Das ist wohl unser Weg der Integration. Mir liegen Zweifel vor, dass die Migranten aus Eigeninitiative ihre Quartiere verlassen würden.
(eigentlich genauso wie der Rest von Aibling :D )

Nebenschauplätze:
Der Banner von oben wurde gestern - von mir ein wenig trotzig - auf der facebook-Seite geteilt, mit dem Verweis, dass wir Deutschen uns spielerisch mit den vielen fremdländischen Spielen eigentlich gut integriert hätten. Es fand reges Interesse - "gefiel" aber niemanden ausdrücklich - aber ein befürchteter Shitstorm blieb ebenso aus.
Aber - in meinem Newsletter der Brettspielgruppe (ca. 200ter Verteiler) wurde eher beiläufig die Beteiligung des Migrantentischs erwähnt - das erzeugte (ungewöhnlicher Weise) prompt zwei Bitten aus dem Verteiler genommen zu werden (unter anderem von einer ansässigen Französin). :huh:

Edit: Die aufgeführte Person hat mir mitgeteilt, dass sich die Löschung im Newsletterverteiler nur zufällig mit meiner Migranteninfo im Newsletter überschnitt und bittet um eine Richtigstellung der Verhältnisse.

Ich halte die Absicht der Integration durch die Brettspielgruppe für einen Drahtseilakt der Balance - viele Befindlichkeiten sind zu berücksichtigen. Gerade durch facebook erfährt man, dass manche meiner Mitspieler ganz anders ticken.
Zuletzt geändert von widow_s_cruse am 12. November 2015, 08:40, insgesamt 1-mal geändert.
Liebe Grüße
Nils
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Re: Migranten-Spielrunden - Erfahrungsaustausch

Beitragvon Sascha 36 » 6. November 2015, 16:17

Du machst jetzt hier keine Werbung für die Drecks Afd Partei oder ?
Sollte das nur irgendwie komisch gemeint sein oder ironisch, so fällt es mir schwer das nur im Ansatz lustig zu finden oder zu verstehen. Finde auch das das hier mal einfach nix zu suchen hat.

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Re: Migranten-Spielrunden - Erfahrungsaustausch

Beitragvon widow_s_cruse » 6. November 2015, 17:08

Hallo Sascha,

keine Sorge - ich finden den Banner nur einfach recht lustig. Achte mal auf die Dame im Spiel ...

Damit habe ich nur aufweisen wollen, dass jedermann ein solches Thema für sich adaptieren vermag - und deren Haltung damit vielleicht beliebig ist.

Deine Schmachausschütten über diese Partei - ist der Würdigung bereits zu viel.
Ich finde, solche Reaktionen geben ihnen eigentlich erst eine Oberfläche. ;)
Liebe Grüße
Nils
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Sascha 36

Re: Migranten-Spielrunden - Erfahrungsaustausch

Beitragvon Sascha 36 » 6. November 2015, 17:40

Mag sein ich finde es jedenfalls voll daneben hier solche Banner zu posten.

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Re: Migranten-Spielrunden - Erfahrungsaustausch

Beitragvon widow_s_cruse » 6. November 2015, 17:53

Naja - Sascha - von dir sind wir ja nichts anderes gewohnt - eigentlich ist es immer der gleiche Satz

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Re: Migranten-Spielrunden - Erfahrungsaustausch

Beitragvon Sascha 36 » 7. November 2015, 11:54

Ich finde einfach das sowas nicht in ein Spielforum gehört, ob meine Reaktion dem jetzt mehr Oberfläche verleiht als das Posten von solchen Plakaten bei Facebook oder hier stell ich da mal in Frage. Für mich ist es einfach ( ungewollte ) Werbung für die Partei, mögen manche anders sehen, ich finde es bedenklich.
Zuletzt geändert von Sascha 36 am 7. November 2015, 21:01, insgesamt 1-mal geändert.

Thygra
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Re: Migranten-Spielrunden - Erfahrungsaustausch

Beitragvon Thygra » 7. November 2015, 15:06

@Sascha: Du hast den Beitrag einfach nur falsch verstanden. Ich sehe da keine Werbung, wenn man das Plaket im Kontext betrachtet. (Oder ICH habe den Beitrag falsch verstanden.)
André Bronswijk
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(u. a. für Pegasus Spiele tätig)

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Re: Migranten-Spielrunden - Erfahrungsaustausch

Beitragvon Pindopp » 7. November 2015, 16:03

Hallo Nils,

inzwischen habe ich auch an einem Spieleabend mit Flüchtlingen aus Syrien und Afghanistan teilgenommen, ebenfalls vier junge Männer im Alter von 16 bis 25, bei denen Lakota super angekommen ist. Es war ein Dolmetscher mit dabei und weil es gleichzeitig ein Spenden-Spiele-Abend war, etwa 50 Deutsche, so dass wenn überhaupt höchstens mal zwei Flüchtlinge an einem Tisch gespielt haben. Da der Abend nicht von einer Brettspiele-Gruppe organisiert worden war, gab es ansonsten viel von dem üblichen Spiele-Sammlungs-Zeugs, was aber außer Mikado und Backgammon total floppte. Lakota war den Abend das beliebteste Spiel bei den Flüchtlingen.

Gruß,
Volker

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Re: Migranten-Spielrunden - Erfahrungsaustausch

Beitragvon widow_s_cruse » 7. November 2015, 16:35

Hallo André,

Thygra hat geschrieben:@Sascha: Du hast den Beitrag einfach nur falsch verstanden. Ich sehe da keine Werbung, wenn man das Plaket im Kontext betrachtet. (Oder ICH habe den Beitrag falsch verstanden.)

Es gibt User, denen es wichtig erscheint, möglichst viel verkehrt zu verstehen. Sei beruhigt, du zählst nicht dazu. :dodgy:
Sie als "Dreckspartei" zu bezeichnen, ziert den Verfasser dieser Wortwahl auch nur bedingt. Da frage ich mich doch, wen oder welches Niveau dieser Verfasser hier im Forum eigentlich zu finden glaubt.

Der Kontext dieses Banners passt recht gut zu dem Anliegen hier. Das Thema dieser Partei ohne eine weitere andere Beleuchtung zu überlassen, erscheint mir nicht vorteilhaft. Entlarven - das ist meine Art, Unannehmlichkeiten zu begegnen. :cool:
Liebe Grüße
Nils
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Re: Migranten-Spielrunden - Erfahrungsaustausch

Beitragvon widow_s_cruse » 7. November 2015, 16:51

Hallo Volker,

danke für Statement
Pindopp hat geschrieben: Lakota war den Abend das beliebteste Spiel bei den Flüchtlingen.

Ich mag auch bestätigen, wie toll LAKOTA sein kann, wenn man den Spielwitz verstanden hat und bereit ist, sich darauf einzulassen. Das Spiel ist leider so minimal, dass es nicht selbstredend ist.
Wie gesagt, weiß ich nicht, was mein "Übersetzer" verstanden hat und was er vermittelt hat.

Hier im Helferkreis ist man sehr engagiert, den Migranten Paten zur Seite zu stellen. Beide an den Spieltisch zu bitten, wird meine Richtung der Vorgehensweise sein. Das kommt meinem Empfinden der Integration am nahesten.
Liebe Grüße
Nils
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Sascha 36

Re: Migranten-Spielrunden - Erfahrungsaustausch

Beitragvon Sascha 36 » 7. November 2015, 18:43

Das Nils sich von dem Plakat noch von der Partei eindeutig distanziert finde ich es äußerst bedenklich, aber natürlich kann man sowas ja nur falsch verstehen wenn man nicht als Entlarver tätig ist.
Wenn ich eine Partei als Dreckspartei bezeichne, die Sachen sagt wie wir müssen doch unsere "blonden Frauen" schützen dann entspricht das einfach dem was ich von der Partei und den Mitgliedern halte.
Zuletzt geändert von Sascha 36 am 7. November 2015, 21:08, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: Migranten-Spielrunden - Erfahrungsaustausch

Beitragvon widow_s_cruse » 7. November 2015, 20:51

Lieber Sascha,
bis ist du eigentlich davon überzeugt, dass sich dein unterstellendes Herumgepöbel von den Äußerungen dieser Partei in irgendeiner Form unterscheidet?
Liebe Grüße
Nils
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ErichZann
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Re: Migranten-Spielrunden - Erfahrungsaustausch

Beitragvon ErichZann » 8. November 2015, 01:34

Also mir fallen zur AFD noch ganz andere Sachen ein...Dreckspartei ist dabei noch das mit weitem Abstand harmloseste...

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Re: Migranten-Spielrunden - Erfahrungsaustausch

Beitragvon zuspieler » 8. November 2015, 08:25

Bevor wir hier nur noch über die AFD diskutieren, erinnere ich an unsere Foren-Regeln, viewtopic.php?f=11&t=384392.

Bitte veröffentlicht themenbezogene Beiträge und schweift in Diskussionen nicht vom ursprünglichen Thema ab. Eröffnet gegebenenfalls lieber ein neues Thema.

In diesem Diskussionsstrang könnt ihr über Spiele-Erfahrungen mit Migranten und Flüchtlingen diskutieren. Wer über Parteien diskutieren möchte, kann das unter "Sachfremdes" viewforum.php?f=13, oder in Politik-Foren tun.


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