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Thema des Monats: Brettspiele - Hauptsache neu!?

Allgemeine Spiele-Themen
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SpieLama
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Thema des Monats: Brettspiele - Hauptsache neu!?

Beitragvon SpieLama » 1. Oktober 2017, 19:48

Lieber Ulrich,

unser neues Format (in Kooperation mit der Spiele-Autoren-Zunft (SAZ)) haben wir unter viewtopic.php?f=63&t=391131 ja schon angekündigt. Heute starten wir unsere erste Diskussion. Ich freue mich darauf und auf alle, die mit uns darüber diskutieren wollen.

Neulich ist etwas Faszinierendes passiert. Ich habe auf SpieLama eine Rezension zu „5 Minute Dungeon“ veröffentlicht. Kurz nachdem das Video im Netz stand, kommentierte ein Nutzer es. Er fragte: „Warum kommt jetzt eine Rezension von einem seit Monaten erhältlichen Spiel?“. Ich war irritiert. Das Spiel erschien im Mai 2017. Es war bis zum Erscheinen der Rezension drei Monate auf dem Markt. Und doch beschwerte sich unser Zuschauer über eine Rezension zu so einem vermeintlich alten Spiel.

Immer schneller? Viele Spieler gieren nach neuem Stoff. Auf der Spiel 2017 werden laut dem Merz Verlag mehr als 1.200 Neuheiten präsentiert. Und alle so „Yeah“. Wie viele Klassiker auf der Messe präsentiert werden, interessiert keinen.

Warum ist das so? Was denkst Du?

Ratlose Grüße
Sebastian

Übrigens: Wir sind nicht die Einzigen, die sich über Neuheiten Gedanken machen. Vor einigen Wochen hat Ben2 unter http://gameinn.de/brett-vorm-kopf-01/ zu dem Thema einen Podcast verfasst.

[Die Antwort von Ulrich findet ihr unter viewtopic.php?f=22&t=391180#p430306.]

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ulrichblum
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Re: Thema des Monats: Brettspiele - Hauptsache neu!?

Beitragvon ulrichblum » 1. Oktober 2017, 19:49

Lieber Sebastian,

auch ich bin manchmal irritiert, wie schnell Spiele wieder in der Versenkung verschwinden. Aber ich muß mich da auch selbst schuldig bekennen. Mein Spielverhalten war schon immer so, dass ich sehr daran interessiert war, Spiele zu spielen, die ich noch nicht kannte. Durch den Beruf als Spieleautor wurde das noch verstärkt, da ich nun zusätzlich daran interessiert bin welche Spiele neu erscheinen. Also nicht nur Spiele die ich noch nicht gespielt habe, sondern idealerweise Spiele die vor kurzem erst erschienen sind.

Schließlich sollte man als Autor so halbwegs im Blick haben, was gerade an Spielen erscheint um einzuschätzen, was in der Zukunft interessant sein könnte und in diese Richtung entwickeln. Durch dieses Verlangen viele Spiele zu kennen, spiele ich wenige Spiele häufiger. Auf mehr als 5 Partien kommen meist nur kurze Spiele und die 4-5 Spiele pro Jahr die mich dann doch vollkommen packen.

Trotzdem finde ich die Reaktion auf deine Rezension etwas extrem. “Neu” sind für mich persönlich Spiele die maximal ein halbes bis ein Jahr alt sind. Aber vielleicht ist das ja nur ein Ausdruck davon, dass “neu” von jedem anders definiert wird.

Dass Spiele gefühlt eine kürzere Halbwertszeit als noch in den 90er Jahren haben ist aber klar erkennbar. Liegt das an den Vielen Neuheiten? Oder gibt es die Vielen Neuheiten weil die Spieler schneller was neues wollen? Wahrscheinlich ist das eine Huhn -Ei Frage. Hast du da eine mögliche Erklärung?

Verspielte Grüße
Ulrich

[Die Antwort von Sebastian findet ihr unter viewtopic.php?f=22&t=391180&p=430305#p430307.]

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SpieLama
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Re: Thema des Monats: Brettspiele - Hauptsache neu!?

Beitragvon SpieLama » 1. Oktober 2017, 19:50

Lieber Ulrich,

ich glaube, es gibt so viele Neuheiten, weil der Markt gewachsen ist, vor allem international. Ausländische Verlage werden in Deutschland aktiv, deutsche Verlage im Ausland. Durch die zunehmende Globalisierung und das Entstehen neuer Märkte in anderen Ländern gibt es auch mehr Spiele. Man muss jedoch auch beachten, dass von den 1.200 Essen-Neuheiten - wenn überhaupt - höchstens die Hälfte relevant für den Massenmarkt ist.

Das erklärt aber immer noch nicht die Frage, warum viele Spieler so heiß auf neue Spiele sind. Vielleicht muss man zur Beantwortung der Frage seinen Fokus etwas weiten und nicht nur innerhalb der Spieleszene nach Erklärungen suchen. Beginnen wir also ganz vorne.

  • Spieler sind Menschen und streben deshalb danach, ihr Glück zu maximieren.

  • Wie Spieler ihr Glück maximieren, unterscheidet sich von Person zu Person und ist auch unter Wissenschaftlern umstritten. Einige behaupten, dass uns Menschen ein Einkauf glücklich macht, andere Wissenschaftler behaupten das Gegenteil.

  • Laut Hirnforschung werden die meisten unserer Entscheidungen emotional getroffen. Das nutzen auch Spieleverlage. Sie setzen auf emotionales Marketing. Gedankenwelt schreibt dazu:
    Gedankenwelt hat geschrieben:[Bei emotionalem Marketing] werden vor allem Wertvorstellungen betont, die mit den Wünschen, Sehnsüchten und Hoffnungen des Konsumenten in Verbindung stehen. Der Schlüssel liegt also in der Herstellung emotionaler Verbindungen. Die Produkte der Zukunft appellieren mehr an unser Herz als an unseren Verstand.

    Spontan musste ich bei diesen Zeilen an Kickstarter und Tinder denken. Tinder hat unsere Sicht auf die Liebe verändert. Der Stern stellte sich die Frage: "Warum sollte man sich auf jemanden einlassen, wenn der Nächste nur einen Klick entfernt ist?" Gilt das inzwischen auch für Spiele?

  • Unabhängig davon, ob wir neue Spiele kaufen oder nicht gilt: Nicht alles, was wir kaufen, konsumieren (also spielen) wir auch. Der Soziologe Hartmut Rosa wird in der Zeit wie folgt zitiert:
    Die Zeit hat geschrieben:Wir kaufen uns heute lediglich die Option, Dinge zu benutzen, also den Zugang zu vielen Dingen. Aber wir konsumieren immer weniger, weil wir leider keine Zeit mehr haben – Konsum ist ja zeitaufwendig. Außerdem gibt es immer etwas Interessanteres, was wir uns noch kaufen könnten, deshalb kommen wir gar nicht mehr dazu, das Erworbene zu benutzen.

    Das Phänomen ist auch unter Spielern bekannt und nennt sich Stapel der Schande. Auf diesem Stapel liegen alle Spiele, die Spieler sich gekauft haben, aber noch nicht gespielt haben.
Nun wissen wir, warum einige Menschen sich so sehr auf neue Spiele freuen. Dabei muss man differenzieren. Auch alte Spiele wie Monopoly, Catan: Das Spiel oder Carcassonne können für einen Käufer neue Spiele sein, da er sie vorher noch nicht kannte. Für uns Kennerspieler sind solche Klassiker natürlich alte Kamellen. Aber zeigen die genannten Beispiele nicht auch, dass es zwar viele neue Spiele gibt, sich bestimmte (gute?) Spiele aber langfristig auch am Markt durchsetzen?

Fragende Grüße
Sebastian

Übrigens: Auch ich bekenne mich schuldig. Auch ich spiele fast nur Neuheiten. Klassiker kommen bei mir vor allem in den Sommermonaten auf den Tisch. Wie ist das bei anderen Forumsnutzern? Spielt ihr eher Neuheiten? Oder kommen bei euch auch regelmäßig Klassiker auf den Tisch?

[Die Antwort von Ulrich findet ihr unter viewtopic.php?f=22&t=391180&p=430397#p430397]

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H8Man
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Re: Thema des Monats: Brettspiele - Hauptsache neu!?

Beitragvon H8Man » 1. Oktober 2017, 21:17

Ein stets interessantes Thema, wenn auch ein mühseliges.

Wie ist das bei anderen Forumsnutzern? Spielt ihr eher Neuheiten? Oder kommen bei euch auch regelmäßig Klassiker auf den Tisch?


Ich bin auf beiden Seiten vertreten, wobei es bei den neueren Titel hauptsächlich darum geht, herauszufinden ob ich es mir zulegen muss oder nicht. Ansonsten bin ich da ganz bei Ulrich, ich muss den Markt kennen um eigene Spiele besser platzieren und entwickeln zu können.

Meine Sammlung bekommt nur selten Neuheiten spendiert, da mich die meisten Spiele schlicht nicht umhauen. Nur sehr selten zieht mich eine Neuheit überhaupt noch so an, dass ich sie spielen will. Es gibt einfach zu viel vom Gleichen und ich brauche keine aufgewärmten Versionen alter Klassiker.

Ein neues Worker-Placement Spiel muss bei mir erstmal an Caylus, Egizia und Tribun vorbei.
Ein neues Mehrheiten Spiel muss sich mit Titeln wie Tikal, Mexika und Samurai messen.
Bietspiele an Goa, Modern Art und anderen...
usw. usf.

Die Frage ist eben auch was ein Spieler schon alles kennt. Ich spiele seit Ende der 80er und kenne entsprechend viele Spiele und damit auch solche, die viele andere nicht mehr kennen. Entsprechend sind die meisten "innovativen" Elemente für mich nicht wirklich innovativ. Bestenfalls mal eine interessante Abwandlung, aber wirklich neu ist fast nichts (was keinesfalls beudeten soll, dass es zwingend erfolderlich wäre!).

Ein richtig gutes Spiel muss nichts neues bieten, solange es bekannte Dinge zu etwas eigenem verbindet. Dies wird aber natürlich mit der Zeit immer schwieriger, da das Meiste schonmal da war.

Ebenso ist es eine Frage des Zeitpunktes, wann ein Spieler angefangen hat. Je nachdem in welcher Reihenfolge jemand die Spiele kennenlernt, wird das eine oder andere Spiel bevorzugt.


Zum eigentlichen Thema "Hauptsache neu!?"...
Ein großer Teil des Ganzen ist auch die Einstellung, bzw. der Gedanke nichts verpassen zu wollen.
"Wenn Ihr glaubt mich verstanden zu haben, dann habe ich mich falsch ausgedrückt..."

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Dee
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Re: Thema des Monats: Brettspiele - Hauptsache neu!?

Beitragvon Dee » 1. Oktober 2017, 23:00

Siehe hierzu auch mein Thread: Wie viele (neue) Spiele spielt ihr?

Ich gebe zu, dass mich Essen dieses Jahr fast kalt lässt, weil es einfach nur mehr von allem ist. Ich komme mir übersättigt vor, was die neuen Spiele angeht und ich habe inzwischen kein schlechtes Gefühl mehr, wenn ich ein Spiel wie Scythe nicht gespielt habe. Ist halt so, gibt genug anderes.

Dennoch habe ich wieder eine Essenliste gemacht und Spiele rausgesucht, die ich anspielen und auch kaufen werden. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass mindestens die Hälfte der gekauften Spiele nächstes Jahr auf dem "Zu verkaufen"-Stapel liegt. Warum ich die Spiele dennoch kaufe? Weil ich kurzzeitig Spaß habe, aber aufgrund der Fülle der Spiele insgesamt (also auch der neu kommenden) nicht dazu komme, mehr als eine Partie zu spielen.

Das war letztens bei der "Wanderer"-Erweiterung von Isle of Skye auch so. Einmal gespielt und danach mussten wir wirklich einplanen, es noch ein zweites Mal in der Gruppe zu spielen. Es lag sicher auch dran, dass die Erweiterung nicht bei allen ankam, aber auch bei großartigen Spielen, spielen wir diese ein-, zweimal und dann kommt der nächste und bringt die nächste Kickstarter-Neuheit an.

Es ist sicher schön, dass der Spielemarkt so brummt. Aber ich wünschte mir auch, es würde nur 1/10 an neuen Spielen pro Jahr auf den Markt kommen. (Natürlich nur die guten 10% ... ;))

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Re: Thema des Monats: Brettspiele - Hauptsache neu!?

Beitragvon Bona-SpieLama » 2. Oktober 2017, 02:14

Was Essen betrifft, hat man sowieso keine Chance, eine Rezension zu allen deutschsprachigen Spielen rechtzeitig rauszubringen, schon gar nicht, wenn man sie alleine schreibt...
Also passiert das halt mal, dass eine Rezension veröffentlicht wird, dessen Spiel schon ein viertel oder halbes Jahr auf dem Markt ist, das ist einfache Logik. Deswegen ist es aber doch noch nicht alt :dodgy:

Also wenn jetzt zu Star Wars Rebellion eine Rezension rauskommen würde, würde ich mir denken: "Wow, ihr seid damit aber spät". Vielleicht würde ich das auch schreiben, ist ja eine freie Meinungsäußerung, aber beschweren, weil es zu alt ist? Nö, ist doch noch "relativ neu"! Gut, ein Jahr ist viel, das ist wie mit Computer, kauft man sich einen neuen und stellt ihn zu Hause auf, ist er wieder alt...
In einem Jahr tut sich viel. Also bis zu etwa einem Jahr würde ich nichts sagen. Aufregen sowieso nicht. Ein paar Monate Verspätung ist ein Witz! Frühjahrsneuheiten 2017 sind immer noch Neuheiten DIESEN Jahres, also einen drauf gepfiffen. Blöd nur, wenn man ganz heiß auf ein Spiel ist, und man ungeduldig wird, weil man endlich Rezis haben möchte, ob das Spiel einem auch wirklich zusagt. Aber dann macht es halt ein anderer Uploader, Streamer, Rezensent, wie auch immer wo ist das Problem? Ich sehe da keins!

*Und jetzt gibts erstmal eine Beschwerde, weil erst jetzt Pandemie - Die Heilung rezensiert wurde..... das Spiel ist doch uralt! Anno Topak! Kann nicht wahr sein sowas!* Also wirklich... :rolleyes:

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Re: Thema des Monats: Brettspiele - Hauptsache neu!?

Beitragvon Mitspieler » 2. Oktober 2017, 05:36

Hi Ihr,

ja, ich würde sogar noch weiter gehen:

Warum muss man denn nur die neuen Spiele spielen? Da ständig so viele Neuheiten herauskommen, würde man ja allein aus Zeitgründen jedes noch so gute Spiel nur 1-2x spielen können, wenn man jede Neuheit gleich kennenlernen muss.. das ist doch schade.
Ich habe für einen derartigen "Verschleiß" eh nicht das Geld, aber ich fände es auch total schade um die langfristig guten Spiele (bzw um die Spiele, deren Spielwert sich erst nach und nach erschließt).

Daher freu ich mich zwar mit Spannung auf besonders interessant klingende Neuankündigungen (siehe meine momentane Signatur unten :blush: ), aber

> ich kaufe davon nur die allerbesten und spiele ansonsten vorwiegend die guten Spiele, die bereits (schon seit längerem) in meinem Bestand sind,
> ansonsten lohnt es sich (bei Neuheiten) ja auch, ein bissl abzuwarten, denn wenn ein gutes Spiel nicht mehr taufrisch auf dem Markt ist, bekommt man es oft zu viel niedrigeren Preisen.
Aus diesen beiden Gründen suche ich durchaus auch öfters nach Rezensionen zu älteren Spielen..
Da aber aufgrund der Schnelllebigkeit des Spielemarktes (ständige Neuheiten) und dem Hervorstechen von "gehypten" Spielen,die jeder Rezensent sofort spielen und bewerten zu müssen glaubt, viele gute Spiele übersehen oder rasch wieder vergessen werden, gibt es zu manchen für mich interessant klingenden Spieletiteln nur ganz wenige (oder fast keine deutschsprachugen) Rezensionen. Darum finde ich es super, wenn ein Rezensent auch mal ein "älteres" Spiel testet und rezensiert!

Außerdem erkennt man (wie ich weiter oben bereits angedeutet habe) bei manchen Spielen
gewisse versteckte Strategiemöglichkeiten, Spieltiefen und Kniffe (oder aber auch gewisse Mankos) erst nach sehr vielen Partien
und kann erst dann (mit gewissem "Abstand") deren tieferen Langzeit-Spielwert bewerten und im Vergleich mit anderen Spielen einordnen.
Daher kann eine allzu prompte Rezi einer brandaktuellen Neuheit, die der Rezensent in der Neuheitenhektik nur mal schnell binnen weniger Tage oder Wochen 3-5x gespielt ("abgehakt") hat, um konkurrenzfähig zu sein und die Erwartungen der Spieleszene zu erfüllen, oftmals vorschnell sein -- und viel weniger zuverlässig als eine Rezension zu einem älteren, über lange Zeit mehrfach gespieltem Spiel.


Fazit: Ich finde es auch interessant und lesenswert, wenn eine neue Rezension zu einem nicht mehr brandneuen (oder gar schon älterem) Spiel veröffentlicht wird.



Liebe Grüße!
Daniel
Zuletzt geändert von Mitspieler am 2. Oktober 2017, 16:23, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Thema des Monats: Brettspiele - Hauptsache neu!?

Beitragvon Mitspieler » 2. Oktober 2017, 06:22

zuspieler hat geschrieben:Auf der Spiel 2017 werden laut dem Merz Verlag mehr als 1.200 Neuheiten präsentiert. Und alle so „Yeah“. Wie viele Klassiker auf der Messe präsentiert werden, interessiert keinen.



1.) Es ist fraglich, ob die "Extremvielspieler", die wöchentlich Spiele bestellen, pro Woche 5 Neuheiten "runterspielen", schon nach kurzer Zeit alle "wichtigen" Neuheiten durchgespielt haben und sich in den Spieleforen und auf Spieletreffen entsprechend äußern, wirklich repräsentativ für die Spieleszene sind.
Denn die meisten Gernspieler haben, Hobby hin oder her, dazu gar nicht die Zeit, da Job und Familie sie ausfüllen.

2.) Auf der Messe sind natürlich die Neuheiten besonders spannend und daher besonders anziehend, sowohl fürs Fachpublikum (Händler usw), als auch für die Spielefreaks. Daher werden ja auch hauptsächlich die "Brandneuheiten" von den Verlagen in den Vordergrund gestellt und zum Anspielen aufgetischt.
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Re: Thema des Monats: Brettspiele - Hauptsache neu!?

Beitragvon hgzwopjp » 2. Oktober 2017, 10:36

Beitrag von zuspieler » So 1. Okt 2017, 19:48
Beitrag von ulrichblum » So 1. Okt 2017, 19:49
Beitrag von zuspieler » So 1. Okt 2017, 19:50


Machen wir jetzt scripted discussion oder sowas? Alle so yeah! :dodgy:

Aber zum Thema: da ich nicht so oft spielen kann, wie ich möchte, versuche ich tendenziell auch eher aktuelle Spiele auf den Tisch zu bekommen (wenn ich sie bis zur nächsten Spielemesse nicht gespielt habe, ist das Mist). Andererseits, wenn mal häufiger Spiele auf den Tisch kommen, wie beim Urlaub auf dem Bauernhof, dann gerne auch ältere (und auch weniger komplexere) dabei - da hatten wir Via Nebula (neu für mich, aber schon älter), K2, El Dorado (auch neu für mich), Kingdom Builder auf dem Tisch, aber auch Great Western Trail zweimal (immer noch highlight von letztem Jahr). Und Key Market hatten wir tatsächlich letztens auch mal wieder auf dem Tisch. Dafür hab ich Terra Mystica, Tzolk'in und andere in letzter Zeit eher erfolglos dabei gehabt...

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Rei
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Re: Thema des Monats: Brettspiele - Hauptsache neu!?

Beitragvon Rei » 2. Oktober 2017, 13:13

Man muss vielleicht auch bedenken, woher die Spieler kommen. Bei Video- und PC Spielen sind Reviews am Tag des Releases, eher eigentlich sogar davor, schon lange gegeben. Das war schon bei den Zeitschriften in den 90ern und durch das Internet ist es noch schneller geworden. Dazu muss man wissen, dass dort der meiste Umsatz bei der Veröfentlichung gemacht wird. Nach 3 Monaten sind die Verkaufszahlen da schon gewaltig eingebrochen.

Bei Brettspielen geht der Trend gefühlt auch zur zeitnahen Veröffentlichung. Bei KS sind Previews (oder kann man sie schon als Review bezeichnen?) längst gang und gebe. Was bisher hier in der Regel nicht passiert, sind Spiele Jahre im voraus schon groß anzukündigen.

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TRRazor
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Re: Thema des Monats: Brettspiele - Hauptsache neu!?

Beitragvon TRRazor » 2. Oktober 2017, 13:56

Was bisher hier in der Regel nicht passiert, sind Spiele Jahre im voraus schon groß anzukündigen.

Auch wenn der Vergleich etwas hinkt: So manche Kickstarter-Kampagne hat dann doch schon zum Teil über ein Jahr in Anspruch genommen, bis die Backer Ihre Produkte in der Hand halten durften.

Ich denke auch, dass viele den Vergleich zum Medium Videospiele ziehen. Und wie bereits über mir von Rei beschrieben ist es da eben Gang und Gäbe die Titel dort meistens vor bzw. spätestens zum Release zu rezensieren. Alle Magazine, die da zu spät kommen, können sich die Rezension un die damit verbundenen Leserzahlen (Sprich: Clicks) meist schenken.

Ist der Vergleich zum Medium Brettspiel hier aber angebracht? Ich denke nicht.
Wie wir alle wissen, ist das Medium Brettspiel deutlich geduldiger und weniger unmittelbar als ein Videospiel. Letztere enthalten keine Spielregeln die man zunächst erlernen und dann anwenden muss (für viele Spieler auch ein Grund Videospiele den Brettspielen vorzuziehen). Meistens erhält man die Spielmechanismen und Regeln zu Beginn des Spiels mundgerecht in kleinen Happen gereicht, sodass die Lernkurve sehr steil verläuft - bei so manchem Experten- / Kennerspielregelkompendium verzweifelt so manch einer schon, noch bevor überhaupt ein einziger Spielstein bewegt wurde.

Wie häufig ertappe ich mich selbst dabei, Spiele anzuschaffen und diese monatelang nicht spiele, weil ich einfach nicht dazu komme, bzw. mir die Zeit für andere Dinge eben wichtiger ist.

Also Brettspiele zum Erscheinungsdatum rezensieren, ansonsten bleiben lassen? Meines Erachtens nach, absoluter Unfug. Kann man machen, wenn man den Anspruch an sich selbst stellt, die User zeitnah mit aktuellem Content zu versorgen, aber ansonsten gilt: Gut Ding will auch gern mal Weile haben.

Ich persönlich schaue mir dann doch lieber gut und sauber strukturiert und aufgearbeitete Videos an, statt diesem Blödsinn, bei dem einfach die Kamera eingeschaltet und drauf losgelabert wird, damit auch ja die nach "News" lechzende Meute befriedigt ist. Nach der Qualität fragt hier dann selten jemand...

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sbso
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Re: Thema des Monats: Brettspiele - Hauptsache neu!?

Beitragvon sbso » 2. Oktober 2017, 21:22

Vielleicht auch ein Phänomen der wachsenden Spielergemeinde?

Die vermeintliche Selbstverständlichkeit, dass Klassiker (mindestens) so gut wie Neuheiten sein können, ist nicht einfach aus Foren zu erfahren, sondern muss (nicht normativ gemeint) vielleicht einfach selbst erfahren werden.

Je schneller Spieler/Hobbyisten dazu kommen, desto schneller, d.h häufiger pro Zeit wird diese Erfahrung gemacht/offenkundig.

Es könnte also sein, dass wir nicht eine Veränderung oder Besonderheit der individuellen Interessen erleben (schneller mehr Neuheiten), sondern nur, was für alle mal relevant war, in schnellerer Abfolge (zuerst beliebigem ausgesetzt, später ggf. systematische Vertiefung), weshalb die Besonderheit nur in der Masse bemerkbar wird. Kickstarter etc. ist vielmehr ein (sicherlich wie ein positives Feedback verstärkendes) Reaktionsphänomen auf diese Entwicklung.

Geht das Neuen in anderen Bereichen anders? Systematisches Lesen, Filmeschauen, Kunst, ...? Man guckt/liest/... erst Angesagtes oder Besonderes oder Zufälliges, um später (eventuell) die "Herkunft" erfahren zu wollen usw usw

Um konkret auf OP zu antworten: Nein, nicht Hauptsache neu (nicht mehr als früher), nur (glücklicherweise) immer mehr Personen, die ein tolles Hobby gefunden haben. Geduld.

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ulrichblum
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Re: Thema des Monats: Brettspiele - Hauptsache neu!?

Beitragvon ulrichblum » 4. Oktober 2017, 10:28

Verschiedentlich wurde ja schon zwischen unterschiedlichen Zielgruppen differenziert. Das möchte ich aufgreifen.

  • Kenner- und Expertenspieler haben sicher potenziell den größten Bedarf nach neuen Spielen. Mögliche Faktoren dabei sind: Sie Spielen viel. Neue Reglen zu lernen ist kein Problem. Sie sind informiert und erfahren so überhaupt von neuen Spielen.
  • Wenig- und Gelegenheitsspieler spielen schlicht nicht häufig genug um übermäßig viel Neues zu verlangen. Sie wollen auch weniger Regeln lernen und sind wahrscheinlich auch weniger informiert was andere Spiele anbelangt.
Trotzdem glaube ich, dass es in allen Zielgruppen auch ein Bedürfnis nach Neuem gibt. Neuheit kann in sich schon ein positiver Wert sein. Ist für uns eine Erfahrung neu, erleben wir sie intensiver und unser Gehirn speichert mehr davon ab. Das ist auch der Grund wieso als Kind die Zeit länger erscheint. Das Gehirn muß schlicht mehr Informationen verarbeiten. Je älter wir werden, desto mehr Routine gibt es und irgendwann fliegen selbst Jahre einfach so dahin, da nicht mehr so viel passiert, was wir noch nie erlebt haben.

Auf Spiele übersetzt: Selbst das beste Spiel liefert irgendwann nichts mehr neues. Man kann das Erlebnis lediglich wiederholen, weiß aber im Großen und Ganzen was passieren kann. Spätestens an diesem Punkt liegt der Gedanke nahe, etwas neues spielen zu wollen.

Aufgrund der oben genannten Faktoren könne man also behaupten: Der Unterschied zwischen den Zielgruppen ist nicht das Verlangen etwas neues spielen zu wollen, sondern lediglich die Häufigkeit in der dieses Verlangen Auftritt.

Daraus ergeben sich für mich einige interessante Fragen:

  • Was kann ein Spiel machen, um dieses Verlangen hinauszuzögern? Sprich: wie bleibt das Spiel länger interessant und gefühlt "neu"?
  • Ist ein Spiel dem dies gelingt dann automatisch das, was wir als Vielspieler als “gutes Spiel” bezeichnen würden? Schließlich halten sich Monopoly, Risiko, Cluedo etc. seit Jahrzehnten am Markt.
  • Andersrum gefragt: ist ein Spiel welches schnell wieder in der Versenkung verschwindet automatisch schlecht?
Wie seht ihr das?

[Die Antwort von Sebastian findet ihr unter viewtopic.php?f=22&t=391180&p=430456#p430456]

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Re: Thema des Monats: Brettspiele - Hauptsache neu!?

Beitragvon Florian-SpieLama » 4. Oktober 2017, 17:21

Zunächst mal generell:

Ich stehe auch auf neue Spiele und kaufe mir lieber ein neues Spiel, als mir für ein anderes in meiner Sammlung eine Erweiterung zu kaufen oder Spielmaterialaufzupimpen.
Dazu muss ich aber sagen, dass es mir darum geht, dass die Spiele für mich neu sind. Das heißt sie könnten sogar schon 10 Jahre auf dem Markt sein, wenn ich es noch nicht gespielt habe, ist das für mich genauso neu, wie die 2 Monate junge Essen-Neuheit. Deswegen bin ich auch keiner der Essen-Neuheiten jagt und viel vorbestellt oder soetwas. Hauptsache es ist für mich (und den Großteil meiner Spielegruppen) neu.
Dadurch, dass ich aber auch will, dass es für die Spielegruppen neu ist, ergibt sich, dass ich mir eher neuere Spiele hole.
Aus Geld-Mangel muss ich aber sagen, dass ich trotzdem keinen großen Neuheiten-Verschleiß habe und mein Stapel der Schande so gut wie nicht existent ist (2 Spiele). Ich versuche alles was ich mir kaufe (1-3 Spiele im Monat, wenn es kleinere/billigere sind kann es auch mal mehr sein oder wenn soetwas wie Geburtstag war), sehr schnell auf den Tisch zu bringen!

Warum ist das so? Nun die Begründung ist vielleicht etwas exklusiv und kann man nicht so ganz nachvollziehen, aber (ich glaube ich hab es auch an anderer Stelle schon erwähnt) eine Art Vorführer.
Mir bereitet es unglaubliche Freude meinen Freunden neue Spiele zu zeigen, die ihnen gefallen. Da kommt eine Art Geltungsbedürfnis zum Vorschein. Die Therapeuthen wollen mich nun sicher auf die Couch schmeißen, aber ich komm damit gut zurecht. Anfangs waren es DVDs, dann Videospiele für die Playstation und nun eben die Brettspiele. Ich freu mir einfach einen Ast, wenn ich den Satz höre: Der Flo hat immer so geile neue Spiele, da findet man immer was! Oder so in die Richtung. Auch wenn ich nichts gemacht habe, außer das Spiel zu kaufen, freue ich mich einfach riesig, wenn andere mit "meinem" Spiel Spaß haben. Das erhält quasi mein Qualitätssiegel (man denke an die How i met your mother Folge) und es ist richtig schön, wenn das Siegel bestätigt wird.
Das Gefühl will ich so oft wie möglich, daher suche ich immer neue Leute, um denen etwas Neues zu zeigen oder neue Spiele um den "alten" Leuten etwas neues zu zeigen.
Hinzu kommt natürlich auch, dass ich sehr viel Spaß daran habe neue Sachen zu entdecken, allerdings verspüre ich auch öfters das Verlangen, ältere Spiele (also welche die schon länger in meiner Sammlung sind) öfters zu spielen und in das ein oder andere Spiele etwas tiefer mit mehr Partien einzutauchen.

Nun ein Beispiel, welches Spiel dem Bedürfnis des Neuen sehr gut nachkommt, um die Frage von Ulrich zu beantworten.

T.I.M.E Stories und generell sich verbrauchende Spiele (Escape Room-Spiele und Legacy-Titel) kommen auf so viele Partien wie höchstens kleine Würfelspiele in meiner Sammlung. Das Grundkonzept, also das Spiel ist das gleiche. Dadurch, dass aber jede Partie etwas anderes (also neues) bringt, wie ein neues Szenario o.ä., bleibt man am Ball.
Diese Spiele sind quasi nur Konzepte in denen immer wieder neue Spiele rauskommen. Trotzdem sage ich ja: Ich habe heute T.I.M.E Stories gespielt, das Modul hat eher den Status einer Erweiterung. Hier merkt man auch, dass es genug neues bringt und sich anders anfühlt (z.B. wie eine neue Folge einer Serie), dass ich hier mein Kaufverhalten ändere. Statt komplett neue Spiele ist jede T.I.M.E Stories-Erweiterung/jeder neue Fall direkt auf meiner Einkaufsliste, obwohl ich sonst so gut wie nie Erweiterungen kaufe.
Also ich denke zumindest eine Möglichkeit ein Spiel für mehrere Partien interessant zu machen ist eine fortlaufende Story, eine Art Kampagne o.ä. mit einzubauen, dass die Spieler sich fühlen als lesen sie z.B. ein Buch und wenn man angefangen hat zu lesen, will man auch zuende lesen.

Dadurch ist es aber nicht automatisch gut bzw. kommt automatisch gut an , siehe Seafall.
Wie das Risiko und Monopoly schaffen ist eine gute Frage. Ich glaube ein stückweit einfach, weil sie es geschafft haben sich in die Kultur zu integrieren, mit gutem Marketing und in ihrere Anfangszeit bestimmt gute Spiele, haben sich diese Titel einfach einen Namen gemacht. Außerdem denke ich, dass es nicht so viele Spiele-Neuheiten zu der Zeit gab, als sich die Titel etablierten. Und jetzt sind es Selbstläufer. Opa hat mit mir nunmal genau diese Spiele gespielt und so lehren ältere Generationen den neueren diese Spiele, die jeder kennt und jeder zuhause hat.
Außerdem versuchen sie im Gespräch zu bleiben in dem sie einfach einen neuen Skin auf das Spiel klatschen. Star Wars ist gerade wieder in, also gibt es Star Wars Risiko, Monopoly usw. So gaukeln diese Titel Aktualität vor.

Andere Spiele die in der Versenkung verschwinden sind bestimmt nicht schlecht per se schlecht! Die Frage ist außerdem, was heißt verschwinden?! Nur weil kein Blogger, dass Spiel in seiner Top 100 erwähnt oder es nicht in jedem Geschäft im Regal steht, denke ich, dass sich immer noch sehr viele Leute an diesen Titel erfreuen.
Ich hab z.B. ein Rune Age (sogar mit Erweiterung). Davon hört man überhaupt nirgends etwas. Trotzdem besitze ich es noch, finde es sogar besser als Thunderstone und spiele es sehr gerne und nehme es auch auf Spiele-Treffs mit. Ich wette ich bin da nicht der einzige.
Viele Spiele haben bestimmt einfach nur Pech, weil sie zum Beispiel zum selben Zeitpunkt, wie ein anderes Spiel mit ähnlichem Mechanismus rausgekommen sind und das andere Spiel war etwas besser oder wurde einfach besser gepusht.
Es gibt sehr viele Spiele, die schnell wieder (zumindest aus den Medien) verschwinden und dafür kann es die verschiedensten Gründe geben. Pauschal zu sagen, dies seien dann schlechte Spiele, ist echter Murks.

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Re: Thema des Monats: Brettspiele - Hauptsache neu!?

Beitragvon Alexey » 4. Oktober 2017, 18:14

Ich denke es gibt unterschiedliche Motivationen neu erschienene Spiele zu spielen.

Für einen Teil der Vielspieler ist es glaube ich wichtig, up to date zu sein um mitreden zu können. Das geht in die Richtung mein Qualitätssiegel. Um Gleichgesinnte “beeindrucken“ zu können ist es wichtig, dass ich über die neuesten Entwicklungen Bescheid weiß und meinen Eindruck zur Neuerscheinung XY zur Diskussion beisteuern kann. Es hat etwas exklusives und zeichnet mich als Kenner.

Ist nicht negativ gemeint.

Ich glaube zudem, dass bei vielen echtes Interesse und Neugierde bzw. der Wunsch nach neuen Spieleerfahrungen dahinter stecken. Lässt sich mit Workerplacement noch ein neues Spielerlebnis erzeugen? Wie fühlt sich Card Crafting an? Ist der neue Uwe Rosenberg genauso fesselnd wie der letzte?

Es ist der Wunsch nach neuen Erfahrungen. Für Leute die noch nicht so lange dabei sind gibt es diese auch bei älteren Spielen.

Ich habe mich dieses Jahr von einem eher Neuheiten-Jäger zum gediegeneren Alles-Spieler entwickelt. Es ist mir zu teuer und neu heißt eben nicht immer gut. Mir ist es auch nicht wichtig, als Neuheiten-Kenner zu gelten. Wenn jemand etwas neues dabei hat, was mich interessiert, spiele ich gerne mit aber neue Genuss-Erfahrungen kann ich genauso gut mit älteren Spielen haben und erzeugen. Z.B jetzt am Wochenende mit Flamme Rouge, Mystic Vale, Takenoko und Risiko Evolution.

Für mich sind deshalb auch Rezensionen interessant, die sich etwas Abseits des Mainstream bewegen bzw. nicht nur die Neuheiten abarbeiten, da ich auch mit Perlen aus der Vergangenheit tiefer in das Hobby einsteigen kann.

Die Frage für Reviewer ist die der Zielgruppe. Beim http://www.brettspiele-report.de ist heute z.B. eine Rezension zu Golden Horn (2013) erschienen. Warum denn nicht?
Zuletzt geändert von Alexey am 4. Oktober 2017, 22:34, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Thema des Monats: Brettspiele - Hauptsache neu!?

Beitragvon Dee » 4. Oktober 2017, 18:16

Rune Age ist ein interessantes Beispiel. Ich hatte das Spiel sehr lange in meiner Sammlung. In den letzten zwei Jahren kam es aber nie auf den Tisch. Einmal, weil wir andere Deckbuilder haben, zum anderen, weil meist immer ein neues Spiel das alte verdrängte. Insofern zog ich die Konsequenz und verkaufte es. Insofern ist es zumindest bei mir tatsächlich in der Versenkung verschwunden, obwohl es ein sehr gutes Spiel ist. Aber es gab eben Spiele, die besser sind.

Das ist wohl auch das „Problem“. Spiele finden heute oft keine Erwähnung bzw. verschwinden nicht zwingend von Listen, weil sie schlecht sind, sondern weil es 10 andere, bessere Spiele gibt.

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Re: Thema des Monats: Brettspiele - Hauptsache neu!?

Beitragvon Mitspieler » 4. Oktober 2017, 18:35

Florian-SpieLama hat geschrieben:Andere Spiele die in der Versenkung verschwinden sind bestimmt nicht schlecht per se schlecht! Die Frage ist außerdem, was heißt verschwinden?! Nur weil kein Blogger, dass Spiel in seiner Top 100 erwähnt oder es nicht in jedem Geschäft im Regal steht, denke ich, dass sich immer noch sehr viele Leute an diesen Titel erfreuen.

Genau. Ich finde das einen ganz wichtigen Aspekt!
Gerade Familien mit diversen Aktivitäten sowie "nicht-extremviel-aber-trotzdem-gern-Spieler" mit einem breiteren Spektum an Hobbies kaufen sich nicht ständig jedes neueste Spiel, sondern erfreuen sich immer wieder auch an älteren guten Spielen aus ihrem Spieleschrank. Und trotzdem sind es Menschen, die zur Zielgruppe gehören, da sie immer wieder gerne spielen (durchaus auch das eine oder andere Kennerspiel).
Zuletzt geändert von Mitspieler am 6. Oktober 2017, 10:55, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Thema des Monats: Brettspiele - Hauptsache neu!?

Beitragvon Jester_dt » 6. Oktober 2017, 10:39

Oje, wenn man nur Spiele rezensieren dürfte, die brandneu sind, könnte ich einpacken. Zum Glück scheint es bei meinem YouTube Publikum zumindest nicht so zu sein. Die Rezensionen, die am häufigsten angeschaut werden sind bei mir die alten (teilweise über 10 Jahre alte Spiele).

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Re: Thema des Monats: Brettspiele - Hauptsache neu!?

Beitragvon Mitspieler » 6. Oktober 2017, 10:48

Jester_dt hat geschrieben:Oje, wenn man nur Spiele rezensieren dürfte, die brandneu sind, könnte ich einpacken. Zum Glück scheint es bei meinem YouTube Publikum zumindest nicht so zu sein. Die Rezensionen, die am häufigsten angeschaut werden sind bei mir die alten (teilweise über 10 Jahre alte Spiele).

Ich finde, Du bietest eine super Mischung aus neu und alt! Mach bitte weiter so.
Auch ich finde gerade die Rezis zu alten Spielen interessant, damit man alte "Schätze" entdeckt bzw sich wieder ins Gedächnis zurückruft, welche alten Spiele auch heute noch erlebnisreich sind.
Hast soeben mein Abo gewonnen. :cool:
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Re: Thema des Monats: Brettspiele - Hauptsache neu!?

Beitragvon Aaronia » 6. Oktober 2017, 12:48

Auch ich liebe neue Spiele und natürlich habe ich auch den Stapel der Schande .
Trotzdem gehöre ich zu den Spielern die "alte Spiele" immer wieder gerne spielen - sei es ein Scrabble, Catan, Puerto Rico oder auch Elfenland.

Als ich jetzt Teamer für Ferienspiele (Alter zwischen 16-20) im Erklären schulen durfte, stellte ich fest, dass diese kaum Spiele außerhalb von Uno und Monopoly kannten.

Hier habe ich einen Teil der Schulung mit Spielen wie Spitz pass auf, Malefiz, Mau Mau und Mühle gefüllt und diese kamen erstaunlich gut an. "Spitz pass auf" wurde sogar zum besten Kinderspiel gekürt und das obwohl auch IceCool, Speedcups, Dobble u.ä. zum Testen bereit standen.

Alte Spiele immer neu zu entdecken lohnt sich - auch in Rezensionen, da diese sich sehr wohl über die Jahre auch entwickeln können!

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Re: Thema des Monats: Brettspiele - Hauptsache neu!?

Beitragvon SpieLama » 7. Oktober 2017, 07:38

hgzwopjp hat geschrieben:
Beitrag von zuspieler » So 1. Okt 2017, 19:48
Beitrag von ulrichblum » So 1. Okt 2017, 19:49
Beitrag von zuspieler » So 1. Okt 2017, 19:50

Machen wir jetzt scripted discussion oder sowas? Alle so yeah! :dodgy:

*Ironie an* Verdammt, da ist mir bei der Programmierung des ulrichblum-Bots doch glatt ein Fehler passiert. Eigentlich sollten die Beiträge in größeren Abständen veröffentlicht werden. :D *Ironie aus*

ulrichblum hat geschrieben:Was kann ein Spiel machen, um dieses Verlangen hinauszuzögern? Sprich: wie bleibt das Spiel länger interessant und gefühlt "neu"?

Die Frage, wie ein Spiel länger interessant bleibt, ist die Frage danach, wie man den Wiederspielreiz erhöhen kann. Florian hat ja schon Legacy-Spiele erwähnt, die immer wieder neue Elemente in das Spiel einbringen. Weitere Möglichkeiten: modulare Spielbretter wie bei Catan, unterschiedliche Charaktere/Fraktionen mit speziellen Eigenschaften wie bei Terra Mystica, neue Geschichten/Szenarien wie bei Die Legenden von Andor, neue Regeln wie bei Die Paläste von Carrara, neue Karten mit neuen Fähigkeiten wie bei allen Living Card Games oder Sammelkartenspielen. Magic: The Gathering hat dieses System perfektioniert.

ulrichblum hat geschrieben:Ist ein Spiel dem dies gelingt dann automatisch das, was wir als Vielspieler als “gutes Spiel” bezeichnen würden? Schließlich halten sich Monopoly, Risiko, Cluedo etc. seit Jahrzehnten am Markt.
Andersrum gefragt: ist ein Spiel welches schnell wieder in der Versenkung verschwindet automatisch schlecht?

Ich würde differenzieren. Meines Erachtens gibt es einige ältere Spiele, die in der Gesellschaft tief verankert und ein Teil unserer Spielkultur sind, zum Beispiel Schach, Mühle, Mensch ärgere Dich nicht oder Monopoly. Bei diesen Spielen ist es egal, ob sie gut oder schlecht sind. Neue Spiele haben es schwer, diesen Status zu erlangen. Es gelingt - wenn überhaupt - nur sehr guten Spielen. Beispiele dafür sind Catan, Carcassonne oder Zug um Zug.

Ich möchte noch einen anderen Aspekt ansprechen. Es gibt Spiele, die immer wieder neu aufgelegt werden, aktuelle Beispiele sind Torres, Manhattan oder Ohne Furcht und Adel. Sind diese Spiele alte oder neue Spiele? Ich finde es schwierig, diese Frage zu beantworten. Was, wenn ein Spiel nur grafisch überarbeitet wird, aber die Mechanismen beibehalten werden? Was, wenn eine Zweite Edition mit neuen Regeln veröffentlicht wird? Was ist mit Spielen, die schon ewig am Markt sind, sich aber immer weiter entwickeln (Magic: The Gathering). Ob diese Spiele Neuheiten oder Klassiker sind, lässt sich wahrscheinlich nicht abschließend beantworten. Das sieht man übrigens auch an den Neuheitenliste vor den Messen. Auch hier definiert jeder anders, was eine Neuheit ist.

Die Neuauflagen zeigen aber, dass auch Klassiker gehegt und gepflegt werden müssen, bei Catan und Carcassonne wurden die Grafiken aktualisiert, für Zooloretto erscheinen regelmäßig Promoplättchen, bei anderen Spielen Reise- oder Deluxe-Editionen.

Hast Du oder hier mitlesende Redakteure Einblicke in die Mechanismen hinter diesem Phänomen? In welchen Abständen muss man ein Spiel wie aktualisieren oder überarbeiten? Warum macht man das überhaupt? Und was muss man bei einer Überarbeitung beachten?

[Die Antwort von Ulrich findet ihr unter viewtopic.php?f=22&t=391180&start=25#p430590.]

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Re: Thema des Monats: Brettspiele - Hauptsache neu!?

Beitragvon Jester_dt » 7. Oktober 2017, 09:35

Mitspieler hat geschrieben:Mach bitte weiter so. Auch ich finde gerade die Rezis zu alten Spielen interessant, damit man alte "Schätze" entdeckt bzw sich wieder ins Gedächnis zurückruft, welche alten Spiele auch heute noch erlebnisreich sind.
Hast soeben mein Abo gewonnen. :cool:


Danke dir, das freut mich! Ich versuche das so ausgewogen wie möglich zu machen, nur ist es mir einfach nicht möglich immer die neusten Spiele zu kaufen sobald sie auf dem Markt sind. Insgesamt finde ich sollte nicht neu oder alt darüber entscheiden was wir auf den Tisch bringen. Picken wir uns doch einfach die besten und lustigsten Spiele aus Alt und Neu heraus - ist ja schwierig genug bei der Auswahl heutzutage :)

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Re: Thema des Monats: Brettspiele - Hauptsache neu!?

Beitragvon Ernst-Jürgen Ridder » 7. Oktober 2017, 22:02

Ich lese oder sehe gerne Rezensionen auch zu älteren Spielen, aber besonders auch zu brandneuen, deren Erscheinen erst noch bevorsteht.

Bei denen zu älteren Spielen geht es mir eher darum, wie andere erfahrene Spieler Spiele sehen, die ich selber gerne mag oder übersehen habe.

Bei Rezensionen zu neueren Spielen geht es mir um Informationen zum Spielgefühl und vor allem anderen zum Verhältnis zwischen Thema und Spielmechanik.

Grundsätzlich bin ich immer an neuen Spielen interessiert, weil mich das Neue reizt, wenn es unter mein "Beuteschema" fällt. Je älter ich werde, um so weniger interessieren mich abstrakte Spiele, wozu ich auch solche zähle, die zwar ein Thema vortäuschen, spielmechanisch aber praktisch nichts damit zu tun haben oder ihr Thema geradezu "vergewaltigen". Letzte Feinheiten der Spielstrategie interessieren mich nicht, ich möchte ein "schönes" Spiel erleben, dessen Abläufe mir "eine Geschichte erzählen" und das mich dazu anregt, mich über das Spiel hinaus mit seinem Thema zu befassen.

Bei rund 500 Spielen, die ich habe, und weiteren rund 1300, die ich hatte, gibt es vergleichsweise wenige, die ich in den letzten 10 Jahren mindestens 10mal (23 Spiele) oder mindestens 5mal (weitere 61 Spiele) gespielt habe. Ich suche halt immer noch nach dem thematischen Spiel mit größtmöglicher Nähe zum Thema, die auch in den Spielmechaniken sich äußert. Da wäre es doch schön, wenn auch Rezensionen zu solchen Spielen stärkeres Gewicht auf das Verhältnis zwischen Thema und Spielmechaniken legten. Welcher thematische Gesichtspunkt wird durch welche Spielmechanik gut oder weniger gut abgebildet. Leider merkt man da so mancher Rezension an, dass für den Rezensenten die Spielmechanik im Vordergrund der kritischen Betrachtung steht.
Spielerische Grüße
Ernst-Jürgen

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Winston
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Re: Thema des Monats: Brettspiele - Hauptsache neu!?

Beitragvon Winston » 9. Oktober 2017, 11:51

Meine Sammlung ist nicht sehr groß und umfasst im Kern so zwischen 30 und 40 Spiele. Je nach Jahreszeit. Ein paar Spiele sind in einer Grauzone, wo ich noch nicht weiß wohin mit ihnen.
Jedes Jahr steigt zwar die permanente Anzahl so um 1-2 Spiele aber nicht mehr, weil mehr Spiele != mehr Zeit zum spielen.
Ich sehe mich überhaupt nicht als Sammler sondern als Spieler.

Sehr komplexe Strategiespiele habe ich nur wenige (1-3), weil das sind dann die Spiele in denen ich auch richtig gut werden will.
Der Großteil der Spiele verteilt sich im groben auf Spiele für Gelegenheitsspieler und Kennerspiele. Dazwischen noch ein paar Partyspiele und ein paar Filler und dann passts schon.

Wenn ein Spiel dauerhaft in die Sammlung will, muss es so etwas neues, ansprechendes, haben, dass ich dafür mein Limit erhöhe oder aber es übertrumpft eines der Spiele in derselbe Nische, weil es vom Feeling oder der Mechanik ähnlich aber dann doch besser ist.
Beispiel. Vor ein paar Jahren hab ich Royals abgegeben, weil es in der Area Control Kategorie gegen El Grande: Big Box antreten musste und ich bei einer Wahl zwischen den zwei Spielen immer El Grande wählen werde. Also musste Royals gehen, obwohl ich es gut finde ... aber eben nicht gut genug.

Vom Schnitt her ist die Sammlung bunt gemischt. Grade spiel ich richtig gerne Great Western Trail, Cyclades, Torres, das Arkham Horror LCG und eine Piquet Variante. Da hat man dann schon eine Bandbreite von ein paar Jahrhunderten :)

Neuheiten hab ich derzeit recht wenige auf dem Schirm. 3-4 Spiele die ich bei Gelegenheit noch anspielen will. Für einen Kauf brauche ich noch Infos.
Erweiterungen hab ich aber ein paar auf der Liste.
Alles in allem fühle ich mich derzeit recht gesättigt. Ich schau aber immer was neues rauskommt und suche das Spiel, wo ich mir "wow. Das ist genial anders" denke.

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Christian Beiersdorf
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Re: Thema des Monats: Brettspiele - Hauptsache neu!?

Beitragvon Christian Beiersdorf » 9. Oktober 2017, 15:59

zuspieler hat geschrieben:
Ich würde differenzieren. Meines Erachtens gibt es einige ältere Spiele, die in der Gesellschaft tief verankert und ein Teil unserer Spielkultur sind, zum Beispiel Schach, Mühle, Mensch ärgere Dich nicht oder Monopoly. Bei diesen Spielen ist es egal, ob sie gut oder schlecht sind. Neue Spiele haben es schwer, diesen Status zu erlangen. Es gelingt - wenn überhaupt - nur sehr guten Spielen. Beispiele dafür sind Catan, Carcassonne oder Zug um Zug.


Ich würde den Begriff Spielkultur nicht so eingrenzen bzw. in diesem Zusammenhang ein anderes Wording benutzen. Für mich gehören auch die Neuheiten dazu, unabhängig davon, ob sie sich dann als Longseller durchsetzen. Büchern oder Musiksongs würde man den kulturellen Status ja auch nicht absprechen, der vielleicht einfach nur dem momentan Zeitgeist entspricht.


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