Beitragvon Hendrik » 13. Mai 2006, 19:18
Hallo Braz
Christian Schnabel schrieb:
"Railroad Tycoon ist aus meiner Sicht eine gelungene (Luxus-) Variante von "Age of Steam"; - mehr nicht."
und er schien Dich überzeugt zu haben.
Ich stimme dieser Schlussfolgerung der Luxusvariante insofern zu, dass es hübscher ist als der Ziehvater "Age of Steam".
Spielerisch (inhaltlich) gesehen muss ich aber widersprechen, denn folgende Punkte eines Vergleiches AoS mit RRT ist für einen Vielspieler (wie Dich) relevant:
Ergonomiepunkte wie ein (zu) grosses Brett (welches zum biegen neigt?), schwierig zu unterscheidendes blau mit violett, sowie grosse "empty City" Gadgets, welche die Übersicht hemmen, dürften Dir schon bekannt sein.
Man kriegt immer wieder gesagt, dass RRT Einsteigerfreudnlicher sei als AoS, dabei hat es ein umfangreichereres Regelwerk. RRT ist nur deshalb familien- oder einsteigerfreudnlich, weil dreiviertel des [i]Anspruches[/i] von AoS entfernt wurden:
Das grosse Brett bedeutet, dass Du in RRT ziemlich isoliert von Deinen Mitspielern spielst. Spieler Interaktion fehlt zumindest in der ersten Hälfte, dadurch wird der Spass merklich reduziert, bzw. kommt nur in grossen Spielrunden (5-6 Spieler) auf.
Die Bonusaktionskarten wie bspw. kostenloses Geleise legen oder Urbanisation weisen versteckten Kosten auf, da man eine Runde warten muss (nach dem ziehen) bis man sie benutzen kann. Dies verlangsamt das Spiel und vermindert das Kosten/Nutzen-Verhältnis dieser Karten.
Aufgrund der oben genannten beiden Gründe ist fraglich, warum ich mangels Interaktion (abwesende Angst, dass mir jemand meine Güterwürfel wegtransportiert) und der geringe Vorteil der Karten überhaupt um die Spielerreihenfolge bieten soll (im gegensatz zu AoS, wo dies unerlässliche Massnahmen sind).
Da Aktien beinahe permanent Ausgegeben werden können, fällt zu AoS wieder ein Planungs- und Spannungsfaktor weg.
Die Tycoon und die Auftragskarten (Goal Action) bringen einen hohen Glücksfaktor mit ins Spiel. Egal welche Tycoon-Karte du ziehst, sie bestimmt Deine Strategie, weil Du auf die 6-8 Punkte am Spielende nicht verzichten kannst. Glücklich kann sich auch ein Spieler fühlen, welcher in Milwaukee beginnt und dann zufälligerweise den Auftrag "Machen sie eine Lieferung von Milwaukee nach New Orleans" in die Hände kriegt.
Da nicht der ganze Stapel der Karten während eines Spiels aufgedeckt wird, gewinnt zu oft derjenige Spieler, der Glück mit seinen Tycoon und Goal Action Karten hat.
Fazit:
Im ernsthaften Vergleich auf Spielmechanik-Ebene schliesst AoS für Vielspieler viel besser ab als RRT:
Weniger Glücksfaktoren, mehr Interaktion, bessere Skalierbarkeit, mehr Freiheit bei der Wahl der Strategie/Taktik, bessere Übersicht, mehr Abwechslung durch Erweiterungs-Maps.
Vor einem Kauf sollte dies unbedingt beachtet werden.
Viele Grüße
Hendrik