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Frank Gebauer

Das ehemalige spielbox-Spielerforum
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Was kostet ein Spiel?

Frank Gebauer

Beitragvon Was kostet ein Spiel? » 23. Dezember 2002, 16:56

Gestern hatte ich mal wieder eine Diskussion darüber, ob Spiele denn nun viel zu teuer sind oder nicht. Ich meine NEIN! Ganz entschieden sogar. Mein Gesprächspartner war allerdings der festen Meinung, dass 30 Euro (zB für Tadsch Mahal oder PR - das haben wir nämlich gespielt) unverschämnt hoch wäre.
Gut, sage ich, aber wenn du ein gutes Spiel 5x spielst, dann ist es doch gar nicht mehr so viel. Kino kostet viel mehr. Und Bücher oder CDs sind wesentlich günstiger zu produzieren. Nuja, wie auch immer. Meine Meinung hierzu steht fest. Spiele sind nicht zu teurer. Im Gegenteil, wenn sie gut sind, dann sind sie eher noch zu billig.

An dieser Stelle nun mal eine Frage, die hier bestimmt jemand beantworten kann.
Was kostet eigentlich ein Brettspiel (PR oder Tadsch oder so) in der Produktion? Gibt es da eine Faustregel, ungefähr so: Verkaufspreis geteilt durch 10 oder so? Würde mich mal interessieren.

Frohes Fest wünscht Frank Gebauer (der G-Bauer)

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Marc Wickel

Re: Was kostet ein Spiel?

Beitragvon Marc Wickel » 23. Dezember 2002, 17:07

Aus meiner Zeit als Spieleverkäufer weiß ich, dass wir die Einkaufspreise immer mit 1,8 multipliziert hatten. Das würde bedeuten, dass ein ca. 30 Euro kostendes PR im Einkauf ca. 16,66 kostet. Allerdings bekommen Großabnehmer dazu noch mir unbekannte Rabatte und inwieweit sie die an die Kunden weitergeben,weiss ich nicht.

Frohes Fresst und fette Beute ;-) :-D

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Franz-Benno Delonge
Kennerspieler
Beiträge: 277

Was heißt "zu teuer"?

Beitragvon Franz-Benno Delonge » 23. Dezember 2002, 23:11

Lieber Frank,
eine Verständnisfrage: Was heißt in einer Marktwirtschaft "zu teuer"?
Wenn es keine mafiösen Absprachen unter den Spieleherstellern gibt ("Hähä! Den blöden Spielern verkaufen wir jede Schachtel mindestens zum Preis X !"), dann kostet jedes Spiel genau das, was es in der Herstellung kostet, plus den marktmäßigen Gewinn für jeden beteiligten Kaufmann (Hersteller, Händler).
Und wer zu frech ist und mehr verdienen will als die Konkurrenz, verkauft entsprechend weniger, wenn er nicht das Superüberfliegerspiel anzubieten hat.
Ich sehe aber jedenfalls nirgends Anzeichen für ein "Herstellerkartell".
Oder was meint Dein Mitspieler sonst mit "zu teuer"? Klar, wem die Relation zwischen Preis und Spaß beim Spiel nicht gefällt, der geht eben lieber ins Kino oder glotzt fern oder macht sonstwas preisgünstigeres...
Benno

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Marc Wickel

[OT] Marktwirtschaft

Beitragvon Marc Wickel » 24. Dezember 2002, 02:43

Naja, mit dem Argument ("Was heißt in einer Marktwirtschaft 'zu teuer'?") wäre ich vorsichtig. Denn: Was heißt "Marktwirtschaft"? Marktwirtschaft gibt es bei Spielen eher selten - zumindest bei den meisten Spielen, über die wir hier im Forum diskutieren.

Denn "Siedler" gibt es nur von Kosmos und "Scotland Yard" nur von Ravensburger - bis die Lizenz oder am Ende das Urheberrrecht ausgelaufen ist. Da kann ein Spiel fast so wie "Puerto Rico" (PR) sein wollen, das Original ist nun mal von Andreas Seyfarth und wird von Alea/Ravensburger verlegt.

Ich kann neue Autorenspiele nicht wie Zucker, Mais, Kaffee, Indigo und Tabak ;-) bei verschiedenen Herstellern erwerben und deren Preise vergleichen. Beim Welthandel mit Zucker, Mais, Kaffee, Indigo und Tabak kommt eher ein Markt zustande.

Bei allen Produkten mit Urheberrechten, Patentrechten und geistigem Eigentum ist das etwas schwierig. Einfach ein "Hispaniola" ;-) "erfinden" und billiger verkaufen, ist nicht so einfach. Und so einfach mit dem Abkupfern sollte es auch nicht sein, denn der Erfinder hatte ja Zeit, Gehirnschmalz und Entwicklungsarbeit reingesteckt.

Und würde Alea mir tatsächlich eine PR-Lizenz verkaufen, wenn ich dannach frage und meine Absicht kundtue, es billiger (und auch in Deutschland) zu verkaufen?

Meiner Meinung nach greift "Markt" bzw. dessen "unsichtbare Hand" nur dort, wo ich alles miteinander vergleichen und überall ohne weiteres erwerben kann. Bei Klassikern wie Schach, Backgammon, Dame, Mühle, Würfeln, Go, Skat, Rommé etc. funktioniert der Markt tatsächlich.

(Mir ist klar, dass es den echten Markt sehr selten gibt, denn da kommen ja fast immer noch Zölle, Steuern, Subventionen etc. dazu, die das Ganze "verzerren".)

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Roland G. Hülsmann
Kennerspieler
Beiträge: 2598

Re: [OT] Marktwirtschaft

Beitragvon Roland G. Hülsmann » 24. Dezember 2002, 12:38

Hallo!

Aber trotzdem funktioniert der Markt! Wenn ich mir ein Spiel kaufen will, muß es ja nicht "Puerto Rico" sein, sondern es gibt auch andere gute Spiele. Wenn mir also das Verhältnis Preis/Spielspaß bei einem Spiel überzogen scheint, kaufe ich eben ein anderes Spiel, wo das Verhältnis mir eher zusagt oder warte, bis das gewünschte Spiel einen Straßenpreis erreicht, den ich bereit bin zu zahlen!

Marktwirtschaft heißt, daß Angebot und Nachfrage den Preis regeln. Wenn ein Verlag seine Spiele zu teuer anbietet, dann wird sie niemand kaufen und er bleibt auf seinen vollen Lägern sitzen. Keine Nachfrage, kein Gewinn. Also wird sich der Preis so einpendeln, daß die Nachfrage der Produktion entspricht und die Spiele verkauft werden können. Im Zweifelsfall wird dabei Verlust gemacht. Der Verlust wäre aber noch größer, bliebe man auf den Spielen sitzen, denn gelagerte Spiele verursachen nur Kosten und bringen nichts ein. Selbst ein Spitzenspiel, das für den Großteil der Zielgruppe zu teuer ist, würde in den Regalen liegen bleiben; denn von den paar Freaks, die es trotzdem kaufen (mich wahrscheinlich eingeschlossen) wird der Verlag nicht leben können.

Kurz: Selbst dann, wenn es zu einem Produkt, was nicht jeder unbedingt braucht, keine Konkurenz gibt, wird der Preis von der Nachfrage marktwirtschaftlich geregelt. Bei Spielen gibt es aber reichlich Konkurenz, da es für nahezu jeden Geschmack reichlich gute Spiele auf dem Markt gibt.

Gruß
Roland

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Michael Weber

Re: Frank Gebauer

Beitragvon Michael Weber » 24. Dezember 2002, 15:23

> Gestern hatte ich mal wieder eine Diskussion darüber, ob
> Spiele denn nun viel zu teuer sind oder nicht. Ich meine
> NEIN! Ganz entschieden sogar. Mein Gesprächspartner war
> allerdings der festen Meinung, dass 30 Euro (zB für Tadsch
> Mahal oder PR - das haben wir nämlich gespielt) unverschämnt
> hoch wäre.

Ohne jetzt Werbung in eigener Sache machen zu wollen, empfehle ich deinem Freunmd ganz dringend ein wenig Recherche zum Thema, zum Beispiel unter dem oben genannten Link.
Denn der Spielepreis hat ja seinen Grund ...

> Gut, sage ich, aber wenn du ein gutes Spiel 5x spielst, dann
> ist es doch gar nicht mehr so viel. Kino kostet viel mehr.
> Und Bücher oder CDs sind wesentlich günstiger zu produzieren.
> Nuja, wie auch immer. Meine Meinung hierzu steht fest. Spiele
> sind nicht zu teurer. Im Gegenteil, wenn sie gut sind, dann
> sind sie eher noch zu billig.

Sehe ich so ähnlich.

> Was kostet eigentlich ein Brettspiel (PR oder Tadsch oder so)
> in der Produktion? Gibt es da eine Faustregel, ungefähr so:
> Verkaufspreis geteilt durch 10 oder so? Würde mich mal
> interessieren.

Bitte fangt jetzt nicht wieder an, die reinen Produktionskosten mit dem Verkaufspreis zu zu vergleichen. Wenn es so schöne Werbungen wie die von Hasbro auf der Rückseite der aktuellen Spielbox zum Beispiel nicht gäbe, würden wir gar nciht erst davon wissen, dass es ein neues tolles Spiel gibt. Ganz abgesehen davon, dass eine kleinere oder größere Firma immer Lohnkosten, Lagerkosten, Miete, Strom, Telefon usw. zahlen muss. Nein, die vermutete Rechnung geht definitiv NICHT auf. Zumal man sicher sein darf, dass kein ernsthafter Anbieter einfach nur die Kosten drin haben will, sondern natürlich auch ein paar Euro verdinen möchte.

Ein schönes Weihnachten

Michael

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Franz-Benno Delonge

Michael Webers Beitrag (link!) lesen!!

Beitragvon Franz-Benno Delonge » 25. Dezember 2002, 22:46

Lieber Michael,
herzlichen Dank für den Link zu Deinem ganz hervorragenden Artikel!
Benno


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