Beitragvon Roman Pelek » 23. Februar 2003, 02:37
Hi Brigitte und Wolfgang,
nachdem das Kind nun in den Brunnen gefallen ist und wir jenseits des Threads diskutieren, warum auch nicht?
Brigitte und Wolfgang Ditt schrieben:
> Häufig kommen Vorschläge für Regeländerungen, die Glück
> eliminieren sollen.
Ja, und häufig sind sie ein Gräuel ;-)
> (Auch in der Print-Spielbox findet man in
> den letzten Heften manche Anmerkung: wegen Glück keine höhere
> Note).
Hm, vielleicht Altersdemenz, aber ist mir im Besonderen so nicht aufgefallen.
> Für uns hat ein Glücksfaktor etwas Spielerisches;
> etwas, dass ein Spiel unberechenbar (aber evtl. durch
> Wahrscheinlichkeiten doch wieder berechenbar) macht und daher
> immer wieder interessant werden lässt.
Glückfaktoren sind z. T. enorm wichtig für ein Spiel, es kommt nur darauf an, wie sie eingesetzt werden und wie sie sich im gegeben Umfeld entwickeln. Es gibt Glücksfaktoren, die Varianz garantieren, welche, die im Kinder-/Familienspiel für Chancengleichheit sorgen, aber auch welche, die in einem strategischen Spiel jegliche Planung ad absurdum führen. Insofern sehe ich Glücksfaktoren als neutral an, man kann sie ge-, aber auch missbrauchen.
> Es ist die
> Leichtigkeit des Seins im Spiel oder wie Alex Randolph es mal
> sinngemäß ausdrückte, man kann sich dem Spiel hingeben, weil
> man für eine Niederlage keine Verantwortung trägt.
In passendem Umfeld: bedingungsloses Ja. Im falschen Kontext: Njet. Insofern halte ich dieses aus dem Kontext gerissene Zitat von Alex für wenig hilfreich in der aktuellen Diskussion
> Daher stellt sich für uns die Frage, warum immer wieder auf
> den Glücksfaktor bei Spielen herumgeritten wird, obwohl er
> bei vielen Spielen nicht einmal hoch ist oder es oft
> Möglichkeiten gibt, ihn zu beeinflussen.
Ich denke, passionierte Spieler mögen tendenziell eine Vorliebe für Taktik-/Strategiespiele haben, die mit einem geringen Glücksfaktor auskommen, ganz im Gegensatz zu den Familienspielern. Ich kann aber auch gut verstehen, wenn jemand, der ein 3h-Spiel spielt, bei dem strategisches Denken enorm gefordert wird, sich beschwert, wenn am Schluss ein überbordender Glücksfaktor das Spiel entscheidet. Denn dann kann man auch puzzeln oder Locken wickeln, das ist befriedigender, weil das Ergebnis gewisser, konstruktiver sowie auch weniger anstrengend ist. Glück im Spiel ist für mich nichts Negatives per se, im Gegenteil. Nur wissen allzu wenige Autoren es richtig zu dosieren.
Ciao,
Roman