Anzeige

New England - Eure Erfahrungen?

Das ehemalige spielbox-Spielerforum
Benutzeravatar
Roman Pelek

New England - Eure Erfahrungen?

Beitragvon Roman Pelek » 14. März 2003, 01:39

Hi,

nachdem wir heute Abend "New England" zu viert zwei Male spielen konnten und zeitweise etwas ratlos (jaja, ich weiß, das wird bei mir zur Gewohnheit :-) waren, würden mich mal Eure Partien interessieren. Wir hatten Ausgänge von 31:31:31:30 (Startaufbau) und 32:32:32:26 (variabler Aufbau, die 26 Punkte bekam der, der sich 2x in die Mitte setzte). Irgendwie wurden alle am Tisch das Gefühl nicht los, dass es relativ egal war, was man tat (abgesehen vom Startaufbau) - es nivellierte sich am Ende vollkommen. Baut man einen Stadt-Vierer für 10, so wird man ihn nie wieder bauen können. Baut man einen 3er für 6 Punkte, so wird einem ein anderer was abjagen. Hat man viel Geld, so hat man wenig Siegpunkte. Und letztlich baut jeder jeden ein, so dass der Startaufbau maximal noch Varianz bringt. "Spannend" ist für mich was anderes: nämlich, dass man gegen den Führenden spielen kann, ihn ein- oder überholen. Aber nicht, dass das Spiel das schon selbst für einen erledigt. Dabei spielten wir vollkommen konträre Strategien: z. B. der eine auf Geld und Mehrheiten (6 Pilgerväter, 3 Schiffe), ich auf "billig" und große "Gebiete" etc. Lief es bei Euch auch so extrem wie bei uns?

Das Spielende empfanden wir darüber hinaus auch als unbefriedigend, genausogut hätte man auch gleichberechtigterweise 12 Runden spielen können, obwohl da das Material der limitierende Faktor gewesen sein dürfte. Apropos Materiallimitation: wenn Noris es schafft, 4 vollkommen nutzlose Markersteine beizulegen, dann sollte es doch so kein organisatorisches Problem sein, den wirklich notwendigen Stoffbeutel mitzuliefern. Bzw. die Auslieferung des Spiels zu stoppen und in diesem Bereich Abhilfe zu schaffen. Hier unterstelle ich mal Absicht in Kenntnis der Mängel.

Wie denkt Ihr darüber?

Ciao,
Roman (der, je mehr er von den Neuheiten spielt, umso weniger von der Qualität des aktuellen Jahrgangs überzeugt ist)

Benutzeravatar
Steffen S.

Re: New England - Eure Erfahrungen?

Beitragvon Steffen S. » 14. März 2003, 03:32

Hallo Roman,

ich konnte New England erst für 1 1/2 Partien spielen, eigentlich vermeide ich in solchen Fällen jedwede Einschätzungen. Deshalb diesmal nur so viel: Den von dir beschriebenen Nivellierungseffekt verspürten wir auch, wenn auch nicht ganz so drastisch. Das Spiel plätscherte irgendwie vor sich hin, jeder unternahm in unterschiedlicher Abfolge irgendwo dasselbe. Unterhaltsam ja, begeisternd nein. Und das abrupte Spielende wurde ja hier schon mehrfach diskutiert, es missfiel uns ebenfalls. Wir verwenden übrigens einen Stoffbeutel aus den "Magiern von Pangea" - da liegen nämlich so viele drin, dass das Spiel einen entbehren kann.

Fazir: Nett, aber nicht überragend.

Gruß, Steffen
(der bekanntlich das neue Löwenherz liebt und ansonsten seine Hoffnungen in Magna Grecia und Eiszeit setzt)

Benutzeravatar
Michael Andersch

Re: New England - Eure Erfahrungen?

Beitragvon Michael Andersch » 14. März 2003, 07:38

Hi Roman,

Tatatata... - der erste Einsatz meines Spieletagebuches...:

Unsere Partien endeten:
36 : 28 : 27 : 23
34+19Gold : 34+10Gold : 31 : 21

Von daher kann ich den Trend zur Nivellierung eigentlich nicht ganz nachvollziehen.
Meine erste Partie fand ich gut, die zweite sogar ziemlich spannend - allerdings könnte man auch sagen, dass die Spannung aus zwei Dingen entstanden ist:
-Das Warten auf eine 4er-Karte (die dann nicht kam :-( )
-Das Hoffen, aus einem Kopf-an-Kopf-Rennen (was für Deinen Nivellierungsgedanken spricht) als Sieger hervorzugehen.

> Das Spielende empfanden wir darüber hinaus auch als
> unbefriedigend, genausogut hätte man auch
> gleichberechtigterweise 12 Runden spielen können, obwohl da
> das Material der limitierende Faktor gewesen sein dürfte.

Das Spielende empfanden wir eigentlich als völlig ok. Sooo überraschend kommt's ja nicht...

> Apropos Materiallimitation: wenn Noris es schafft, 4
> vollkommen nutzlose Markersteine beizulegen, dann sollte es
> doch so kein organisatorisches Problem sein, den wirklich
> notwendigen Stoffbeutel mitzuliefern

Da stimme ich Dir zu!

> Roman (der, je mehr er von den Neuheiten spielt, umso weniger
> von der Qualität des aktuellen Jahrgangs überzeugt ist)

Auch da bin ich nicht ganz Deiner Meinung: Lieber ein paar wenige Perlen (und die gibt es m.E - z.B. das neue Löwenherz) und viel Schrott als jede Menge Durchschnitt.
Zumindest aus meiner ganz egoistischen Geldbeutel + Schrankplatz + Zeitmangel-Sicht...

Viele Grüße,
Micha

Benutzeravatar
Thomas Wagner

Re: New England - Eure Erfahrungen?

Beitragvon Thomas Wagner » 14. März 2003, 09:20

Hab erst eine Dreierpartie gespielt (heute Abend folgt die nächste-werde dann erneut berichten), von daher kann ich nur einen ersten Eindruck vermitteln.

Enttäuscht waren wir aus meiner Sicht vor allem aus dem Grund, weil man aufgrund der Vorberichte den Eindruck hatte, das ist der Kracher des Jahres.
Wenn er das tatsächlich ist, dann ist es wirklich kein starker Jahrgang, was aber nicht heisst, das wir das Spiel schlecht fanden.
Wir hatten einen Spieler dabei, der vorher zwei Viererpartien gespielt hatte (die ihm beide gefallen haben) und zwei Neulinge.
Endstand 31:30:28
Aufgefallen war uns insbesondere, das man beim Dreierspiel das Angebot etwas reduzieren sollte, da es beim Bieten selten dazu kam, das aufgrund unterschiedlicher Spieltaktiken einem nicht egal war Letzter zu sein. Das ist auch der Punkt, den wir heute Abend ausprobieren werden.
Ansonsten ist unser erstes Fazit:
Ein nettes ausgereiftes Spiel das es sich lohnt öfter zu spielen, auch wenn es mit seinem sehr starken Vorablob zu kämpfen hat.

Benutzeravatar
Gabi Goldschmidt

Re: New England - Eure Erfahrungen?

Beitragvon Gabi Goldschmidt » 14. März 2003, 17:27

Hallo Roman,

gestern Abend haben wir New England zu viert gespiel. Ergebnis:
31:28:27:21. Obwohl ich Letzte war, fand ich das Spiel sehr spannend.

Was findest Du daran schlecht, wenn man mit unterschiedlichen Taktiken zu ähnlichen Punktezahlen kommt? Schlimmer wäre es doch, wenn nur eine
Spielweise zu einem starken Punktevorsprung führen würde.

Vorher hatten wir das neue Löwenherz zu dritt gespielt. Ergebnis: 37:35:27.
Ähnlicher Punkteabstand, ähnlicher Spannungsablauf, gleiche kurze Spieldauer.
Leider habe ich auch dieses Spiel verloren :-(.

Ich würde aber für beide klare Kaufempfehlung geben.

Ciao Gabi

Benutzeravatar
Roman Pelek

Re: New England - Eure Erfahrungen?

Beitragvon Roman Pelek » 14. März 2003, 18:03

Hi Gabi,

Gabi Goldschmidt schrieb:

> Was findest Du daran schlecht, wenn man mit unterschiedlichen
> Taktiken zu ähnlichen Punktezahlen kommt? Schlimmer wäre es
> doch, wenn nur eine
> Spielweise zu einem starken Punktevorsprung führen würde.

Ich finde es nicht schlecht, wenn verschiedene Strategien das Potenzial haben, zu ähnlichen Ergebnissen zu führen. Im Gegenteil: so etwas macht Spiele ja spannend und abwechslungsreich. Ich empfand es eher als Manko in unseren konkreten Spielverläufen, dass man quasi, egal wie man spielte, zu wenig falsch oder richtig machen konnte. D. h. bei uns "leitete" uns das Spiel, egal welche Richtung wir ausprobierten, sehr stark auf eine Punktzahl um die 30 hin. Und da hat mich dann doch interessiert, wie's in anderen Runden lief, weil ich konkret nicht ersehen konnte, wie man aus dieser "Führung" durch das Spiel weiter ausbrechen kann. Oder anders formuliert: im Gegensatz zu vielen anderen Spielen hatte ich nach diesen beiden Partien erstmal keine Idee, was ich das nächste Mal anders oder besser/schlechter machen könnte ;-)

Ciao,
Roman

Benutzeravatar
Gabi Goldschmidt

Re: New England - Eure Erfahrungen?

Beitragvon Gabi Goldschmidt » 14. März 2003, 18:25

Hallo Roman,

... da habe ich einen großen Vorteil - ich weiss genau, was ich beim nächsten Mal anders machen werde: nicht wieder für eine 4-Felder-Mühlenkarte 8 Dukaten ausgeben, die ich im weiteren Spielverlauf gar nicht mehr einsetzen kann.
Ich hatte nicht daran gedacht, dass ich mir mein 2-Plättchen mit dem Scheunenbau bis zum Spielende blockiert hatte :-( . (War wohl gestern nicht mein Tag...)

Meine erste Partie am Dienstag verlief auch sehr spannend (die Spielstände lagen verteilt zwischen 35 und 25) , obwohl wir wie gestern Abend festgestellt, falsch gespielt hatten. Wir dachten, man dürfe nur Schiffe versetzen nicht auch Personen.

Vielleicht als Variante mal ausprobieren ;-) ...

Ciao Gabi
(die hofft, heute Abend nicht wieder von Mare Nostrum enttäuscht zu werden, das wir beim letzten Spiel nach 2 1/4 Stunden zu dritt entnervt abgebrochen haben)

Benutzeravatar
Tanja Sepke

OT: Mare Nostrum

Beitragvon Tanja Sepke » 14. März 2003, 18:48

Gabi Goldschmidt schrieb:
>
> Ciao Gabi
> (die hofft, heute Abend nicht wieder von Mare Nostrum
> enttäuscht zu werden,

das wünsche ich Dir ! :-)


>das wir beim letzten Spiel nach 2 1/4
> Stunden zu dritt entnervt abgebrochen haben)

war bei uns ähnlich. :-( :roll: Nach über 3 Stunden haben wir (5 Personen) abgebrochen, als kein Ende in Sicht war.

Am nächsten Abend wollte ich es eigentlich nicht mehr spielen, habe es doch getan und....es war um Klassen besser !!!
:-)

Viel Spaß mit MN
und Grüße aus Soest
Tanja

Benutzeravatar
Marten Holst

Strategien

Beitragvon Marten Holst » 15. März 2003, 00:30

Moinle Roman,

es ist mal wieder an der Zeit, ewige Weisheiten vom Katheder zu lassen. Oder so. Nein, tatsächlich habe ich mehr so eine Frage mit einer Theorie.

>> Was findest Du daran schlecht, wenn man mit unterschiedlichen
>> Taktiken zu ähnlichen Punktezahlen kommt? Schlimmer wäre es
>> doch, wenn nur eine
>> Spielweise zu einem starken Punktevorsprung führen würde.
>
> Ich finde es nicht schlecht, wenn verschiedene Strategien
> das Potenzial haben, zu ähnlichen Ergebnissen zu führen. Im
> Gegenteil: so etwas macht Spiele ja spannend und
> abwechslungsreich. Ich empfand es eher als Manko in unseren
> konkreten Spielverläufen, dass man quasi, egal wie man
> spielte, zu wenig falsch oder richtig machen konnte. D. h.
> bei uns "leitete" uns das Spiel, egal welche Richtung wir
> ausprobierten, sehr stark auf eine Punktzahl um die 30 hin.

Gerade, da ich ja in letzter Zeit auch ein wenig gegen PR und FvF-Analysten gemeckert hatte... wie geht man eigentlich als "Vielspieler" an ein neues Spiel heran, was Strategien betrifft?

- Hat man schon schnell "Instantstrategien" parat - "bei Spielen dieses Themas/Mechanismus/Autors ist es tendenziell immer wichtig", "das scheint mir sound so zu sein" u.s.w.? Und wenn ja - wie flexibel sind die, werden sie auch überprüft? (und zu einer ordentlichen Überprüfung gehören auch Falsifizierungsversuche, das bekommen ja auch Wissenschaftler nicht hin)

- Wird einfach aus dem Bauch probiert, wird schon schief gehen?

- Wird die Strategie des ersten Siegers zum Allheilmitel (siehe oben) einer ganzen Runde?

Gerade bei Pürtorico habe ich so ein wenig den Verdacht: bei mir hat dasunddas zwei Mal geklappt, dasunddas nicht, also vertrete ich die These, dass es immer besser ist, "a" zu machen als "b". Kann es sein, dass man mit zunehmender Spielerfahrung manchmal auch dogmatischer und unfehlbarer wird?

Hmmm, ich fasele schon wieder, dabei bin ich gerade heute mal nicht besoffen - oder liegt's daran?

Ernüchterte Grüße
Marten (der hofft, dass Ihr dennoch begreift, was er fragen will)

Benutzeravatar
Roman Pelek

Re: Strategien

Beitragvon Roman Pelek » 15. März 2003, 01:08

Moinle Marten,

Marten Holst schrieb:

> Gerade, da ich ja in letzter Zeit auch ein wenig gegen PR und
> FvF-Analysten gemeckert hatte... wie geht man eigentlich als
> "Vielspieler" an ein neues Spiel heran, was Strategien
> betrifft?

Ich persönlich: anfänglich mal "schauen was passiert". Merke ich im weiteren Spielverlauf, dass mir etwas mehr zu bringen scheint als anderes, dann spiel' ich darauf hin.

> - Hat man schon schnell "Instantstrategien" parat - "bei
> Spielen dieses Themas/Mechanismus/Autors ist es tendenziell
> immer wichtig", "das scheint mir sound so zu sein" u.s.w.?

Was ist "schnell"? Bei mir persönlich: Vor dem Spiel - nein. Nach dem ersten Spiel: ein sehr vages Gefühl für das Spiel. Nach dem zweiten Spiel: je nach Verlauf. Meistens isses ja so, dass die zweite Partie die Erfahrungen der ersten auf den Kopf stellen und man viel mehr entdeckt und immer noch nicht schlau ist. Und dann spielt man weiter und schaut mal. Selten passiert es, dass sich was 1:1 wiederholt. Und das ist dann der Punkt, wo ich ins Grübeln komme und - falls ich da partout nicht weiterkomme, was schiefgelaufen ist - einfach mal dumm frage, wie's denn andern so ergeht ;-)

> Und wenn ja - wie flexibel sind die, werden sie auch
> überprüft? (und zu einer ordentlichen Überprüfung gehören
> auch Falsifizierungsversuche, das bekommen ja auch
> Wissenschaftler nicht hin)

Tja, auf was beziehst Du das: auf Spielerunden, die nach 1, 2 misslungenen Spielen vielleicht keine Lust mehr haben, ein Spiel je wieder hervorzuholen? Auf Forumsdiskussionen bzgl. Strategien? Auf Rezensenten, die versuchen, den Spielreiz über mehrere Spielrunden hin auszuloten? Auf Redakteure, die unter einer Vielzahl von Spielen, die täglich auf dem Tisch liegen, schnell eine Entscheidung treffen müssen? Generell würde ich sagen, dass die meisten Spiele nicht annähernd ausgelotet werden. Wer bringt auch die Zeit/Geld und den Ehrgeiz mit und - häufig zu Recht auch - warum? Immerhin gibt's ja das Forum, wo man mal schauen kann, ob man völlig auf dem Holzweg ist. Anreize sammeln hilft doch schon weiter.

> - Wird einfach aus dem Bauch probiert, wird schon schief gehen?

Bei mir persönlich: ja. Ich möchte erstmal spielen, experimentieren, mich auf ein Spiel mal unbefangen einlassen.

> - Wird die Strategie des ersten Siegers zum Allheilmitel
> (siehe oben) einer ganzen Runde?

Hm, die Gefahr ist immer da. Es gibt schon solche Selbstläufer in einigen Runden, obwohl das Spiel gar nix für kann. Da hilft nur Feedback aus anderen (eigenen oder fremden) Runden, um davon wegzukommen.

> Kann es sein, dass man mit zunehmender
> Spielerfahrung manchmal auch dogmatischer und unfehlbarer wird?

Unfehlbarer nicht unbedingt wesentlich, deutlich päpstlicher aber kann allzu leicht passieren ;-)

> Hmmm, ich fasele schon wieder, dabei bin ich gerade heute mal
> nicht besoffen - oder liegt's daran?

Ich fand das schon ganz ordentlich für einen Vertreter der finnischen Minderheit im Forum hier, oder habe ich Dich ganz falsch verstanden? :-D

Ciao,
Roman

Benutzeravatar
Marten Holst

RE: Strategien

Beitragvon Marten Holst » 15. März 2003, 16:51

Moinle Roman,

>> - Hat man schon schnell "Instantstrategien" parat - "bei
>> Spielen dieses Themas/Mechanismus/Autors ist es tendenziell
>> immer wichtig", "das scheint mir sound so zu sein" u.s.w.?
>
> Was ist "schnell"? Bei mir persönlich: Vor dem Spiel -
> nein.

Naja, was ich meine ist ja schon, dass man sich durch die Regeln eine erste Meinung bildet, etwa bei FvF "Gebäude sind nicht so wichtig, höchstens als Hilfsmittel". Die kann richtig sein, oder auch falsch sein, die Frage ist, wie schnell diese Idee zur "Meinung" wird. Sprich, kommt man da noch von runter? Insbesondere, wenn die erste Partie nicht unbedingt schlecht lief?

> Selten passiert es, dass sich was 1:1
> wiederholt.

Das ist fein, aber ich kenne auch Gegenbeispiele. Sonst nicht dumme Leute, die Partie X fast identisch wiederholen, auch wenn dabei natürlich immer der selbe verliert, aber er meint dann halt, gegen die Strategie von A sei halt kein Kraut gewachsen.

>> Und wenn ja - wie flexibel sind die, werden sie auch
>> überprüft? (und zu einer ordentlichen Überprüfung gehören
>> auch Falsifizierungsversuche, das bekommen ja auch
>> Wissenschaftler nicht hin)
>
> Tja, auf was beziehst Du das: auf Spielerunden, die nach 1,
> 2 misslungenen Spielen vielleicht keine Lust mehr haben,
> ein Spiel je wieder hervorzuholen?

Eher "Mehrspieler", die eine gewisse Meinung haben, was gut sei, und dann immer die gleiche Leier versuchen. Ich will mich selber da nicht ausnehmen, man ist ein "bestimmter Typus", vielleicht eher destruktiv, oder unauffällig, oder gegen den ersten spielend oder früh Gegner um Plätze ausguckend oder oder - und das scheint immer durch. Aber wenn, und hier will ich niemandem auf den Schlips treten, z.B. Volker L. sagt, er versuche bei "Puerto Rico" immer die Hazienda zu bekommen, andere hingegen sagen, sie nähmen sie nie, weil taugt nichts - dann ist das völlig normal, aber es zeigt eben, dass man keine wirklich qualifizierte Meinung zu den Strategien hat. Man bekommt vielleicht mit, welche Strategien bei einem am Tisch erfolgreich sind, aber sind es die Strategien oder die Spieler, die dieses Spiel vielleicht besser im Blut haben und daher taktisch cleverer agieren? (Taktik - Strategie hier als kurz- bzw. langfristiges Nachdenken).

Manchmal erinnert mich das an die berühmte Geschichte, bei der ein Millionär den damaligen Schachweltmeister Lasker zu einem Wettkampf über 12 Partien herausfordern wollte, ob weiß oder schwarz besser dran sei. Ergebnis: beide haben die gleichen Chancen, denn im Wettkampf wurden 6 Partien mit weiß gewonnen und 6 mit schwarz - eben alle von Lasker.

Was ich mit "Falsifizierung" meine, ist folgendes berühmte Experiment. Man nehme ein paar hundert Wissenschaftler, und gebe ihnen die Zahlenfolge "1, 2, 4, 8". Sie sollen nun heraus bekommen, nach welchem Prinzip diese Folge aufgebaut ist, indem sie "experimentieren", also eine Zahl nennen und vom Versuchsleiter gesagt bekommen, ob die hier passt oder nicht, bis sie der Meinung sind, die Systematik erkannt zu haben. Unter einigen hundert der besten Wissenschaftler in Medizin und Chemie lösen nur ca. 1-2% dieses richtig, weil sie nicht falsifizieren (und ich hätte es wahrscheinlich selber auch vermasselt).

> Auf Forumsdiskussionen
> bzgl. Strategien?

Also ja, das war mein Aufhänger.

> Generell würde ich sagen, dass die meisten
> Spiele nicht annähernd ausgelotet werden. Wer bringt auch
> die Zeit/Geld und den Ehrgeiz mit und - häufig zu Recht
> auch - warum?

Ja. Nur habe ich eben manchmal das Gefühl (auch nach der Lektüre eines Berichtes über eine Deutsche Meisterschaft), dass viele der Meinung sind, sie haben ein Spiel ausgelotet, obwohl sie es vielleicht noch gar nicht haben, und gegenteilige Meinungen nicht akzeptieren. (Wobei mit letzterem das rein inhaltliche gemeint ist - ausfallend sind diese "Meinungsvorträge" eigentlich nie gewesen).

>> - Wird die Strategie des ersten Siegers zum Allheilmitel
>> (siehe oben) einer ganzen Runde?
>
> Hm, die Gefahr ist immer da. Es gibt schon solche
> Selbstläufer in einigen Runden, obwohl das Spiel gar nix
> für kann. Da hilft nur Feedback aus anderen (eigenen oder
> fremden) Runden, um davon wegzukommen.

Wenn man es denn annimmt... ;-)

>> Hmmm, ich fasele schon wieder, dabei bin ich gerade heute mal
>> nicht besoffen - oder liegt's daran?
>
> Ich fand das schon ganz ordentlich für einen Vertreter der
> finnischen Minderheit im Forum hier, oder habe ich Dich
> ganz falsch verstanden? :-D

Pää kiini ja mene pois!

Sich verstanden fühlende Grüße
Marten (der hofft, dass niemand das Finnische übersetzt, da es nicht wirklich höflich ist... man denke sich einen Smiley dazu)

Benutzeravatar
Roman Pelek

RE: Strategien

Beitragvon Roman Pelek » 15. März 2003, 17:20

Moin Marten,

Marten Holst schrieb:

[Meinung über Strategie nach 1. Partie]
> Sprich, kommt man da
> noch von runter? Insbesondere, wenn die erste Partie nicht
> unbedingt schlecht lief?

Entweder durch Neugier auf anderes - oder man gerät an eine Runde, die einem durch ihre Spielweise anderes aufzeigt. Aber in der Tat: in fixen Gruppen kann sich sowas dahingehend "festsetzen".

> Das ist fein, aber ich kenne auch Gegenbeispiele. Sonst nicht
> dumme Leute, die Partie X fast identisch wiederholen, auch
> wenn dabei natürlich immer der selbe verliert, aber er meint
> dann halt, gegen die Strategie von A sei halt kein Kraut
> gewachsen.

Hm, klar. Das Phänomen gibt's, wie man ja auch an manchen Diskussionen hier sieht. Aber wie will man dann ohne weitere Überlegungen und andere "Versuche" mit anderen Runden wegkommen? Wer dazu keine Zeit oder Lust hat, wird dann halt das Spiel abstempeln...

> Aber wenn, und hier will ich niemandem auf den Schlips treten,
> z.B. Volker L. sagt, er versuche bei "Puerto Rico" immer die
> Hazienda zu bekommen, andere hingegen sagen, sie nähmen sie

Das Hospiz. Volker haut sich gerne sein Tableau mit Männchen voll :-)

> nie, weil taugt nichts - dann ist das völlig normal, aber es
> zeigt eben, dass man keine wirklich qualifizierte Meinung zu
> den Strategien hat. Man bekommt vielleicht mit, welche

Wo wir schon konkret bei Hospiz/PR sind: ich seh's auch eher als persönliche Präferenz denn als einen Beleg für die Notwendigkeit eines bestimmten Gebäudes für den Sieg oder eine erfolgreiche Strategie. Ich persönlich nehme eigentlich seit langem nie das Hospiz, und die Siegquote sieht trotzdem (bei unterschiedlichen Strategien) besser aus als Volkers ;-)

> Ja. Nur habe ich eben manchmal das Gefühl (auch nach der
> Lektüre eines Berichtes über eine Deutsche Meisterschaft),
> dass viele der Meinung sind, sie haben ein Spiel ausgelotet,
> obwohl sie es vielleicht noch gar nicht haben, und
> gegenteilige Meinungen nicht akzeptieren. (Wobei mit
> letzterem das rein inhaltliche gemeint ist - ausfallend sind
> diese "Meinungsvorträge" eigentlich nie gewesen).

Nun ja, man muss sich schon auf verschiedene Sichtweisen einlassen, um irgendwann zu einem weitgehend passenden Urteil kommen zu können. Aber, nuja, wir betreiben hier halt keine Wissenschaft. Auch wenn ich Dir Recht gebe, dass manche Strategiediskussionen etwas "stur" verlaufen, d. h. man gemütlich ein bissl aneinandervorbeiredet und am Schluss jeder dieselbe überzeugte Position hat wie vorher :-D

> Pää kiini ja mene pois!
> Sich verstanden fühlende Grüße
> Marten (der hofft, dass niemand das Finnische übersetzt, da
> es nicht wirklich höflich ist... man denke sich einen Smiley
> dazu)

Den Spruch werd ich mir dann mal übersetzen lassen :lol:

Ciao,
Roman

Benutzeravatar
Marten Holst

RE: Strategien

Beitragvon Marten Holst » 17. März 2003, 10:32

Moinle Roman,

> [Meinung über Strategie nach 1. Partie]
>> Sprich, kommt man da
>> noch von runter? Insbesondere, wenn die erste Partie nicht
>> unbedingt schlecht lief?
>
> Entweder durch Neugier auf anderes

immer was feines... aber vielleicht ist nicht einmal der Mangel an Neugier ein Problem, sondern ein "Mangel" an Kreativität, wenn eine Möglichkeit in einer Spielrunde kollektiv übersehen wird... bis sie dann irgendwann dereinst vielleicht auftaucht wie ein UFO von Beteigeuze (neulich ist mir beim Tichu auch eine "völlig neue Idee" untergekommen - ich will also nicht sagen, dass mir das nicht auch passiert).

>> Das ist fein, aber ich kenne auch Gegenbeispiele. Sonst nicht
>> dumme Leute, die Partie X fast identisch wiederholen, auch
>> wenn dabei natürlich immer der selbe verliert, aber er meint
>> dann halt, gegen die Strategie von A sei halt kein Kraut
>> gewachsen.
>
> Hm, klar. Das Phänomen gibt's, wie man ja auch an manchen
> Diskussionen hier sieht. Aber wie will man dann ohne
> weitere Überlegungen und andere "Versuche" mit anderen
> Runden wegkommen? Wer dazu keine Zeit oder Lust hat, wird
> dann halt das Spiel abstempeln...

Dagegen habe ich ja auch nichts (das heißt: ich finde es schade). Ich hatte nur in einigen der hiesigen Diskussionen das Gefühl, dass genau dieser Fall vorliegt, sodass es dann Diskussionen der Art gab:
A: "Bei Bohnanza kann man nur und ausschließlich gewinnen, wenn man die Blauen Bohnen sammelt"
B: "Kann nicht sein. Es hat zwar bei uns noch niemand probiert, blau zu sammeln, aber kurze Überlegungen und die Spielpraxis führen dazu, dass die einzige Strategie die Gartenbohnen sind."
C: "Stimmt beides nicht, wichtig ist, dass man auf dem Stuhl nach Süden sitzt (in Vollmondnächten nach Westnordwest) und jede Verhandlung mit klingonischen Ehrerbietungen eröffnet"

u.s.w.

>> Aber wenn, und hier will ich niemandem auf den Schlips treten,
>> z.B. Volker L. sagt, er versuche bei "Puerto Rico" immer die
>> Hazienda zu bekommen, andere hingegen sagen, sie nähmen sie
>
> Das Hospiz. Volker haut sich gerne sein Tableau mit
> Männchen voll :-)

Hoppala. Schande über mein Haupt - aber irgendwie verwechsele ich die beiden gerne, wenn ich darüber rede. Sind aber ja auch beides irgendwie Füller. Oder ich verwechsele schon wieder was (ich habe das Gefühl, ich spiele PR zu selten).

>> Ja. Nur habe ich eben manchmal das Gefühl (auch nach der
>> Lektüre eines Berichtes über eine Deutsche Meisterschaft),
>> dass viele der Meinung sind, sie haben ein Spiel ausgelotet,
>> obwohl sie es vielleicht noch gar nicht haben, und
>> gegenteilige Meinungen nicht akzeptieren. (Wobei mit
>> letzterem das rein inhaltliche gemeint ist - ausfallend sind
>> diese "Meinungsvorträge" eigentlich nie gewesen).
>
> Nun ja, man muss sich schon auf verschiedene Sichtweisen
> einlassen, um irgendwann zu einem weitgehend passenden
> Urteil kommen zu können. Aber, nuja, wir betreiben hier
> halt keine Wissenschaft. Auch wenn ich Dir Recht gebe, dass
> manche Strategiediskussionen etwas "stur" verlaufen, d. h.
> man gemütlich ein bissl aneinandervorbeiredet und am
> Schluss jeder dieselbe überzeugte Position hat wie vorher
> :-D

Und keiner übernimmt die meine, einzig selig machende Meinung. :-/ ;-)

>> Pää kiini ja mene pois!
>
> Den Spruch werd ich mir dann mal übersetzen lassen :lol:

Wenn ich erwähne, dass "mene" der Imperativ zu "mennä" ist, reicht sogar ein simples Wörterbuch im Bahnhofsbuchhandel... hoffentlich bekommt das niemand raus.

Frühmorgendliche Grüße
Marten (fürchtet, dass dieses sein vorerst letztes Friedensposting ist)

Benutzeravatar
Roman Pelek

[OT] Finnisch

Beitragvon Roman Pelek » 17. März 2003, 12:57

Marten Holst schrieb:

> >> Pää kiini ja mene pois!
> > Den Spruch werd ich mir dann mal übersetzen lassen :lol:
> Wenn ich erwähne, dass "mene" der Imperativ zu "mennä" ist,
> reicht sogar ein simples Wörterbuch im Bahnhofsbuchhandel...
> hoffentlich bekommt das niemand raus.

Aha, die Suchmaschine ist mein Freund: gehe ich recht in der Annahme, dass dieser Spruch salopp gesagt sowas heißt wie "Halt's Maul und verpiss Dich"? ;-)

> Frühmorgendliche Grüße
> Marten (fürchtet, dass dieses sein vorerst letztes
> Friedensposting ist)

Das fürchte ich jetzt auch, außer Du dementierst geschickt und sagst mir, dass der Spruch in Wahrheit sowas bedeutet wie "Ich wünsche Dir ein langes Leben mit beruflichem Erfolg und 1000 schönen Frauen an Deiner Seite" :lol:

Vokabelsuchende Grüße,
Roman

Benutzeravatar
Marten Holst

RE: [OT] Finnisch

Beitragvon Marten Holst » 17. März 2003, 13:59

Moinle,

>> >> Pää kiini ja mene pois!
>> > Den Spruch werd ich mir dann mal übersetzen lassen :lol:
>> Wenn ich erwähne, dass "mene" der Imperativ zu "mennä" ist,
>> reicht sogar ein simples Wörterbuch im Bahnhofsbuchhandel...
>> hoffentlich bekommt das niemand raus.
>
> Aha, die Suchmaschine ist mein Freund: gehe ich recht in
> der Annahme, dass dieser Spruch salopp gesagt sowas heißt
> wie "Halt's Maul und verpiss Dich"? ;-)

Inhaltlich ja. War aber netter formuliert: "Kopf zu und geh verloren"... ;-)

>> Frühmorgendliche Grüße
>> Marten (fürchtet, dass dieses sein vorerst letztes
>> Friedensposting ist)
>
> Das fürchte ich jetzt auch, außer Du dementierst geschickt
> und sagst mir, dass der Spruch in Wahrheit sowas bedeutet
> wie "Ich wünsche Dir ein langes Leben mit beruflichem
> Erfolg und 1000 schönen Frauen an Deiner Seite" :lol:

Hmmm, beruflicher Erfolg [i]und[/i] [b]1000[/b] schöne Frauen? Dann wünsche ich Dir erst einmal Josts 35-Stunden-Tag, und dann eine gute körperliche Verfassung...

Nähdään
Marten (he, das heißt wirklich nur "wir sehen uns", keine Panik...)

Benutzeravatar
Roman Pelek

RE: [OT] Finnisch

Beitragvon Roman Pelek » 17. März 2003, 15:48

Hi Marten,

Marten Holst schrieb:

> Inhaltlich ja. War aber netter formuliert: "Kopf zu und geh
> verloren"... ;-)

Ich hatte es ursprünglich als "Head closed and go away" übersetzt, dank dem Finnisch-Englisch-Online-Dictionary :-)

> Hmmm, beruflicher Erfolg [i]und[/i] [b]1000[/b] schöne
> Frauen? Dann wünsche ich Dir erst einmal Josts
> 35-Stunden-Tag, und dann eine gute körperliche Verfassung...

Nuja, erst kurzfristiger Erfolg ohne viel Arbeit, dann viel Geld und ein großes Anwesen, da kann man dann auch 1000 Frauen... und, äh, nun denn, lassen wir den hanebüchenen Blödsinn ;-)

> Nähdään
> Marten (he, das heißt wirklich nur "wir sehen uns", keine
> Panik...)

Hm, das klingt wie ein finnischer Narrhallamarsch... Nuja, ich geh dann besser mal weiterlernen :-(

Ciao,
Roman

Benutzeravatar
Thomas

Re: New England - Eure Erfahrungen?

Beitragvon Thomas » 18. März 2003, 12:39

Also ich hab es jetzt zum zweiten Mal zu dritt gespielt und fand es noch besser als beim erstenmal (wohl weil die hohen Erwartungen diesmal nicht negativ beeinflusst haben).
Das Ergebnis war 37:32:29, also ganz und gar nicht einheitlich und Spaß gemacht hat es trotzdem allen.
Trotzdem würde ich empfehlen, wozu ich mich diesmal noch nicht getraut habe, was ich aber beim nächsten Dreierspiel auf jeden Fall machen werde.
Reduziert zu dritt das Angebot, da die Preise sonst sehr niedrig sind und zuviel Geld ins Spiel kommt, weil eigentlich jeder fast immer noch was in der Auslage findet, auch als Dritter.


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 57 Gäste