Beitragvon Marten Holst » 15. März 2003, 16:51
Moinle Roman,
>> - Hat man schon schnell "Instantstrategien" parat - "bei
>> Spielen dieses Themas/Mechanismus/Autors ist es tendenziell
>> immer wichtig", "das scheint mir sound so zu sein" u.s.w.?
>
> Was ist "schnell"? Bei mir persönlich: Vor dem Spiel -
> nein.
Naja, was ich meine ist ja schon, dass man sich durch die Regeln eine erste Meinung bildet, etwa bei FvF "Gebäude sind nicht so wichtig, höchstens als Hilfsmittel". Die kann richtig sein, oder auch falsch sein, die Frage ist, wie schnell diese Idee zur "Meinung" wird. Sprich, kommt man da noch von runter? Insbesondere, wenn die erste Partie nicht unbedingt schlecht lief?
> Selten passiert es, dass sich was 1:1
> wiederholt.
Das ist fein, aber ich kenne auch Gegenbeispiele. Sonst nicht dumme Leute, die Partie X fast identisch wiederholen, auch wenn dabei natürlich immer der selbe verliert, aber er meint dann halt, gegen die Strategie von A sei halt kein Kraut gewachsen.
>> Und wenn ja - wie flexibel sind die, werden sie auch
>> überprüft? (und zu einer ordentlichen Überprüfung gehören
>> auch Falsifizierungsversuche, das bekommen ja auch
>> Wissenschaftler nicht hin)
>
> Tja, auf was beziehst Du das: auf Spielerunden, die nach 1,
> 2 misslungenen Spielen vielleicht keine Lust mehr haben,
> ein Spiel je wieder hervorzuholen?
Eher "Mehrspieler", die eine gewisse Meinung haben, was gut sei, und dann immer die gleiche Leier versuchen. Ich will mich selber da nicht ausnehmen, man ist ein "bestimmter Typus", vielleicht eher destruktiv, oder unauffällig, oder gegen den ersten spielend oder früh Gegner um Plätze ausguckend oder oder - und das scheint immer durch. Aber wenn, und hier will ich niemandem auf den Schlips treten, z.B. Volker L. sagt, er versuche bei "Puerto Rico" immer die Hazienda zu bekommen, andere hingegen sagen, sie nähmen sie nie, weil taugt nichts - dann ist das völlig normal, aber es zeigt eben, dass man keine wirklich qualifizierte Meinung zu den Strategien hat. Man bekommt vielleicht mit, welche Strategien bei einem am Tisch erfolgreich sind, aber sind es die Strategien oder die Spieler, die dieses Spiel vielleicht besser im Blut haben und daher taktisch cleverer agieren? (Taktik - Strategie hier als kurz- bzw. langfristiges Nachdenken).
Manchmal erinnert mich das an die berühmte Geschichte, bei der ein Millionär den damaligen Schachweltmeister Lasker zu einem Wettkampf über 12 Partien herausfordern wollte, ob weiß oder schwarz besser dran sei. Ergebnis: beide haben die gleichen Chancen, denn im Wettkampf wurden 6 Partien mit weiß gewonnen und 6 mit schwarz - eben alle von Lasker.
Was ich mit "Falsifizierung" meine, ist folgendes berühmte Experiment. Man nehme ein paar hundert Wissenschaftler, und gebe ihnen die Zahlenfolge "1, 2, 4, 8". Sie sollen nun heraus bekommen, nach welchem Prinzip diese Folge aufgebaut ist, indem sie "experimentieren", also eine Zahl nennen und vom Versuchsleiter gesagt bekommen, ob die hier passt oder nicht, bis sie der Meinung sind, die Systematik erkannt zu haben. Unter einigen hundert der besten Wissenschaftler in Medizin und Chemie lösen nur ca. 1-2% dieses richtig, weil sie nicht falsifizieren (und ich hätte es wahrscheinlich selber auch vermasselt).
> Auf Forumsdiskussionen
> bzgl. Strategien?
Also ja, das war mein Aufhänger.
> Generell würde ich sagen, dass die meisten
> Spiele nicht annähernd ausgelotet werden. Wer bringt auch
> die Zeit/Geld und den Ehrgeiz mit und - häufig zu Recht
> auch - warum?
Ja. Nur habe ich eben manchmal das Gefühl (auch nach der Lektüre eines Berichtes über eine Deutsche Meisterschaft), dass viele der Meinung sind, sie haben ein Spiel ausgelotet, obwohl sie es vielleicht noch gar nicht haben, und gegenteilige Meinungen nicht akzeptieren. (Wobei mit letzterem das rein inhaltliche gemeint ist - ausfallend sind diese "Meinungsvorträge" eigentlich nie gewesen).
>> - Wird die Strategie des ersten Siegers zum Allheilmitel
>> (siehe oben) einer ganzen Runde?
>
> Hm, die Gefahr ist immer da. Es gibt schon solche
> Selbstläufer in einigen Runden, obwohl das Spiel gar nix
> für kann. Da hilft nur Feedback aus anderen (eigenen oder
> fremden) Runden, um davon wegzukommen.
Wenn man es denn annimmt... ;-)
>> Hmmm, ich fasele schon wieder, dabei bin ich gerade heute mal
>> nicht besoffen - oder liegt's daran?
>
> Ich fand das schon ganz ordentlich für einen Vertreter der
> finnischen Minderheit im Forum hier, oder habe ich Dich
> ganz falsch verstanden? :-D
Pää kiini ja mene pois!
Sich verstanden fühlende Grüße
Marten (der hofft, dass niemand das Finnische übersetzt, da es nicht wirklich höflich ist... man denke sich einen Smiley dazu)