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Sind Spieler unmodern?

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Lorenz Kutschke

Sind Spieler unmodern?

Beitragvon Lorenz Kutschke » 24. März 2003, 00:02

Hallo,

ich wollte an dieser Stelle mal ein paar Gedanken zum Editorial in der aktuellen Print-Ausgabe der Spielbox loswerden. Matthias Hardel stellt dort die Frage auf, ob wir, die Spieler, und ich präzisiere mal, die Viel-Spieler unmodern sind. Er macht es daran fest, dass sich viele anspruchsvolle Familien- und Erwachsenenspiele nach Meinung der Verlage wohl zu schlecht verkaufen und diese sich dann nach kurzer Zeit auf den Ausverkaufslisten wiederfinden.
Die Spiele seien von Jahr zu Jahr besser geworden und dabei nicht etwa schleichend komplizierter, so dass der Käufer nun endgültig überfordert wäre, so Matthias Hardel. Der Aussage, dass die Spiele in den letzten Jahren, und damit meine ich seit den letzten 6, 7 oder 8 Jahren, besser geworden sind, stimme ich uneingeschränkt zu. Ich denke aber, dass der Durchschnitt der Spiele tatsächlich in diesem Zeitraum schleichend komplexer und wohl auch komplizierter geworden ist. Das liegt vor allem an der wachsenden Zahl anspruchsvoller Familien- und besonders Erwachsenenspiele (bis 2002).
Und das sind genau die Spiele für uns Mehr- oder Vielspieler. Wie aber die im Artikel genannte Zahl von gerade mal 10.000 verkaufter Exemplare von Puerto Rico darlegt, scheint aber die Zahl der Vielspieler in etwa diesem Bereich oder kaum höher zu liegen: Da PR ein anerkanntes Highlight ist, gehe ich mal einfach davon aus, dass fast jeder der Vielspieler ein Exemplar sein eigen nennt oder mit Ehe- oder Lebenspartner teilt. Und dann sagt diese Zahl vielleicht einfach aus, dass die Fangemeinde dieser Art von Spiele einfach nicht größer ist.
Das würde bedeuten, dass höhere Auflagen, und damit für Verlage interessante Auflagen, eben weitestgehend nur mit anderen, einfacheren Spielen zu erreichen sind. Das muss dann ja nicht allereinfachste Spielkost sein, aber verstärkt Spiele mit etwas kürzerem Regelwerk, im Idealfall einigermaßen originell und für Familien und Gelegenheitsspieler ebenso reizvoll, wie vielleicht auch für Mehr- und Vielspieler.
Ich könnte mir vorstellen, dass in den nächsten Jahren der Trend dahin gehen könnte, da ja allereinfachste Spielkost, wie vom Marktführer Rav. Anfang der Neunziger vertreten, wie auch anspruchsvolle Kost in den letzten Jahren wohl nicht im gewünschten Ausmaß an den Mann/die Frau zu bringen war. Wenn dabei gute, wenn auch nicht ganz so anspruchsvolle Spiele rauskommen, soll es mir persönlich recht sein. Es werden sich auch noch genügend kleinere Verlage finden, die Anspruchsvolleres veröffentlichen. Insgesamt wird die Zahl solcher Spiele aber meines Ermessens nach sinken.
Würde mich über Eure Meinungen dazu freuen!
Grüße

Lorenz Kutschke

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Frank"Riemi"Riemenschneider

Re: Sind Spieler unmodern?

Beitragvon Frank"Riemi"Riemenschneider » 24. März 2003, 13:00

Hi Lorenz,

auf der einen Seite soll ja gerade in unseren Gefilden das "Spieleparadies" sein wo Spielebegeisterte aus allen Herren Länder ihre Erfüllung finden sollen.
Auf der anderen Seite gibt es zwar gute Spiele für den sog. Vielspieler, nur die bringen nicht so den Umsatz.
Geld scheinen nur die "Nicht.- oder Seltenspieler" zu haben. Tja, da wird sich halt auf den Markt eingestellt.
Aber solange so schöne Sachen wie PR hergestellt werden, solange werde ich meinem Hobby weiter frönen. Und zur Not, wenn man nichts mehr gescheites kaufen kann, gibt es ja noch die eigene Spielesammlung.

Gruß

Riemi

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Udo Möller

Re: Sind Spieler unmodern?

Beitragvon Udo Möller » 24. März 2003, 21:47

Ich galube nicht, dass Spieler unmodern sind -allerdings ist es viel einfacher, ein Computerspiel gegen den Siliziumfreund oder virtuelle Gegner zu spielen, als die richtigen Spielpartner zu finden! Wie schön, wenn man als Spielebegeistertes Paar ein anderes gleichgesinntes gefunden hat oder auch einen funktionierenden Spieletreff. Vielen Menschen fällt es aber schwer, die passenden Spielpartner zu finden - und liegt das manchmal nicht auch an den Spielern selbst?
Ich hatte auch schon Erlebnisse, das jemand einfach mal nicht spielen wollte, sondern lieber ins kino ging oder sonstwas. Das müssen wir "Vielspieler" nur akzeptieren.

Bei der Vielzahl der Spiele ist es auch schwer, den Überblick zu behalten und dann auch noch alle regeln der komplexeren Spiele parat zu halten. Oder wie oft spielt ihr im Jahr Vinic, Ursuppe, Euphrat & Tigris? Selbst als Vielspieler erstickt man an der Flut der Neuheiten - mein Armada liegt noch jungfräulich da, da erscheint schon Mare Nostrum! :-(

Also: wir brauchen die "guten" Spiele, aber deshalb ist Spielen nicht unmodern!

Und: wenn interessiert das schon? Gespielt wird immer werden, auch wenn es mal keinen Strom für den Computer gibt! :-)

LUdo ergo sum

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Lorenz Kutschke

Spielen nicht unmodern, aber .....

Beitragvon Lorenz Kutschke » 24. März 2003, 22:32

Hallo Udo,

ich glaube eigentlich auch nicht, dass das Spielen an sich unmodern ist, aber es gibt wohl einfach zu viele gute Spiele eines gewissen Anspruchs. Und mir geht es genauso wie Dir, dass soooo viele gute Spiele einfach im Regal liegen bleiben, weil es im Endeffekt für zu wenige Gelegenheiten zu viele geeignete Spiele gibt. Und wenn wir Vielspieler diese Spiele schon zu wenige spielen, dann ist das Ergebnis ja klar.
Mir geht es mit meinem Freundeskreis so: Das sind Gern-, aber keine Vielspieler. Wir treffen uns regelmäßig zum Spielen, aber nicht täglich oder wöchentlich, sondern einmal im Monat. Und da ist viel zu wenig Zeit immer was Neues zu probieren, und auch zu wenig Zeit, um immer etwas mit umfangreicherem Regelwerk zu testen. Da wird jetzt immer öfter gestreikt! Und das bei denjenigen, die grundsätzlich daran interessiert sind. Das vielleicht mal als Beispiel für die Übersättigung des Marktes an anspruchsvollen Spielen.
Ich warte aber trotzdem noch auf Amun Re (noch nicht gespielt) und auf Magna Grecia!
Verspielte Grüße

Lorenz Kutschke


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