Hallo,
ich wollte an dieser Stelle mal ein paar Gedanken zum Editorial in der aktuellen Print-Ausgabe der Spielbox loswerden. Matthias Hardel stellt dort die Frage auf, ob wir, die Spieler, und ich präzisiere mal, die Viel-Spieler unmodern sind. Er macht es daran fest, dass sich viele anspruchsvolle Familien- und Erwachsenenspiele nach Meinung der Verlage wohl zu schlecht verkaufen und diese sich dann nach kurzer Zeit auf den Ausverkaufslisten wiederfinden.
Die Spiele seien von Jahr zu Jahr besser geworden und dabei nicht etwa schleichend komplizierter, so dass der Käufer nun endgültig überfordert wäre, so Matthias Hardel. Der Aussage, dass die Spiele in den letzten Jahren, und damit meine ich seit den letzten 6, 7 oder 8 Jahren, besser geworden sind, stimme ich uneingeschränkt zu. Ich denke aber, dass der Durchschnitt der Spiele tatsächlich in diesem Zeitraum schleichend komplexer und wohl auch komplizierter geworden ist. Das liegt vor allem an der wachsenden Zahl anspruchsvoller Familien- und besonders Erwachsenenspiele (bis 2002).
Und das sind genau die Spiele für uns Mehr- oder Vielspieler. Wie aber die im Artikel genannte Zahl von gerade mal 10.000 verkaufter Exemplare von Puerto Rico darlegt, scheint aber die Zahl der Vielspieler in etwa diesem Bereich oder kaum höher zu liegen: Da PR ein anerkanntes Highlight ist, gehe ich mal einfach davon aus, dass fast jeder der Vielspieler ein Exemplar sein eigen nennt oder mit Ehe- oder Lebenspartner teilt. Und dann sagt diese Zahl vielleicht einfach aus, dass die Fangemeinde dieser Art von Spiele einfach nicht größer ist.
Das würde bedeuten, dass höhere Auflagen, und damit für Verlage interessante Auflagen, eben weitestgehend nur mit anderen, einfacheren Spielen zu erreichen sind. Das muss dann ja nicht allereinfachste Spielkost sein, aber verstärkt Spiele mit etwas kürzerem Regelwerk, im Idealfall einigermaßen originell und für Familien und Gelegenheitsspieler ebenso reizvoll, wie vielleicht auch für Mehr- und Vielspieler.
Ich könnte mir vorstellen, dass in den nächsten Jahren der Trend dahin gehen könnte, da ja allereinfachste Spielkost, wie vom Marktführer Rav. Anfang der Neunziger vertreten, wie auch anspruchsvolle Kost in den letzten Jahren wohl nicht im gewünschten Ausmaß an den Mann/die Frau zu bringen war. Wenn dabei gute, wenn auch nicht ganz so anspruchsvolle Spiele rauskommen, soll es mir persönlich recht sein. Es werden sich auch noch genügend kleinere Verlage finden, die Anspruchsvolleres veröffentlichen. Insgesamt wird die Zahl solcher Spiele aber meines Ermessens nach sinken.
Würde mich über Eure Meinungen dazu freuen!
Grüße
Lorenz Kutschke