Beitragvon Marten Holst » 25. März 2003, 18:40
Moinle,
>>Was Puerto Rico angeht, so zeigt sich die Tendenz bei deutschen Spielen, das Unangennehme (Sklaverei) einfach wegzulassen, während die Veranstalter hier aber Krieg an sich geil zu finden scheinen.
> Bei einzelnen Spielen ist das natürlich ok, bestimmte
> Aspekte auszublenden oder zu betonen, aber ein Award mit
> solch einer Schlagseite spiegelt einfach nur die
> Kriegsgeilheit (und das kommerzielle Interesse) derer aus,
> die ihn vergeben.<
>
> Kommerzielles Interesse? Bei Cosims? Ja, klar, wie jeder
> weiß, produzieren Firmen wie GMT ihre Spiele ja erst ab
> einer Auflage von einer halben Million.
Abgesehen davon, dass man natürlich gerne auch Produkte herstellt, die einem selber liegen: wenn es keinen Markt gäbe, gäbe es auch weniger Spiele dieses Typus.
> Die Sklaven-Debatte bei Puerto Rico hat mir eh nie 100 %
> eingeleuchtet: So viel ich weiß, arbeiten bei PR die
> Kolonisten im Rathaus, in der Kirche, im Kontor usw. Keine
> klassischen Einsatzgebiete für Sklaven, wie ich finde. Und
> den Nachweis, dass zu der Zeit, in der PR spielt,
> ausschließlich Sklaven auf Plantagen eingesetzt wurden, hat
> auch noch keiner plausibel gebracht (und nur der Nachweis
> der Ausschließlichkeit würde ja ausreichen, um zu
> behaupten, dass PR zynisch an der historischen Realität
> vorbeidesignt wäre).
Die Sklaven-Debatte bei PR hat mir zwar auch nicht eingeleuchtet, und man könnte nahezu jedes Spiel mit einem wie auch immer gearteten historischen Bezug dann auch verurteilen ob der vergessenen Schicksale, aber wenn man auf so etwas hinweisen möchte, dann benötigt man mitnichten einen Nachweis der Ausschließlichkeit, sondern lediglich einen der relevanten Häufigkeit. Aber wie schon gesagt, bei PR habe ich auch keine Probleme.
> Das Ding mit der Kriegsgeilheit lass ich jetzt mal so
> stehen, verweise nur auf das Gegensatzpaar Realität <->
> Fiktion, das Kulturkritiker so gerne übersehen.
Realität: In den USA verkaufen sich Spiele, die sich konkret auf historische Kriege und Schlachten beziehen, deutlich besser, als in den europäischen Ländern.
Fiktion 1: Jeder, der sich ein Spiel mit dem Thema "Krieg" kauft und es mit Vergnügen spielt, ist ein Mensch mit realen Eroberungsgelüsten und Kriegsgeilheit.
Fiktion 2: Jeder, der sich ein Spiel mit dem Thema "Krieg" kauft und es mit Vergnügen spielt, ist in der Lage zu erfassen, was Krieg konkret bedeutet, und dieses gilt für spielerischen wie für realen Krieg.
Realität ist aber auch, dass mit der Wahrnehmung einer Spielepreisjury, die PR in die SFFS-Ecke stellt, etwas anders ist, als mit meiner, es sei denn, als "historisch" gilt nur wirklich ganz genau so stattgefunden Habendes. Was allerdings einen Großteil der US-amerikanischen historischen Filme aus der Kategorie katapultierte.
Reale Grüße
Marten (findet die preisgekrönten Grafiken ziemlich scheußlich)