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Aggression im Spiel

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Marten Holst

RE: Aggression im Spiel

Beitragvon Marten Holst » 16. April 2003, 14:47

Moin,

> Themen könen natürlich auch aggressiv sein, aber das war
> nicht die Frage. Es ging - ganz wertfrei - um aggressive
> Elemente in Spielen wie MÄDN, Schach und Siedler. Die Frage
> war in etwa: warum macht es so einen Spass, andern mal eine
> reinzuwürgen ? Nicht: ist es böse, eine Figur zu schlagen ?

Weil man dabei eine "direktere", einfachere Konkurrenz hat? Alles, was ich erreiche, ist gut, alles, was der Gegner erreicht, ist schlecht - im Gegensatz zu Deinen Gebietspunkten eben, bei dem man Differenzen bilden muss... aber das war ja die These oben, ich wollte sie nur stützen.

Grüße
Marten (hat gestern beim Schach einen Gegner "total zerstört", war aber auch mal wieder an der Zeit)

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Attila
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RE: Charakterschulung durch GO (?)

Beitragvon Attila » 16. April 2003, 18:26

Hiho,

Solche "benimmregeln" sind doch selbstverständlich ! Jeder Schachspieler weiss das, ohne das es irgendwo niedergeschrieben steht. Es gibt einen Zeitpunkt da gibt man besser auf und erspart sich und dem Gegner den Rest, das er besser ist hat er schliesslich schon gezeigt !

Atti

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Attila
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Re: Aggression im Spiel

Beitragvon Attila » 16. April 2003, 18:40

Günter Cornett schrieb:

> *Schlage den Gegner* ist etwas anderes als *sei schneller als
> die anderen*.

Es sind zwei Formulierungen die das gleiche Ausdrücken (wenn es nicht um das wortwörtliche Schlagen geht) !
In einem Wettrennen wird ja auch von einem "Sieger" gesprochen - die anderen sind Logischerweise die "Besiegten" (wenn das auch nicht so ausgedrückt wird) ! Ist es an sich nicht agressiv wenn ein Spiel das Ziel hat die anderen "zu besiegen" ? ;-)

> Das Spielziel von Schach besteht darin den anderen
> vernichtend zu schlagen, das von Go mehr Gebiet zu
> kontrollieren. Es ist beim Go im Gegensatz zum Schach im
> Spiel eben nicht angelegt, den anderen völlig zu vernichten.

Naja, das Spielziel ist in Schach eigentlich nur den gegnerischen König Matt zu setzen. Schlagen ist ja sogar ausdrücklich verboten - also ganz und gar nicht agressiv ! :-)

> Damit ist relativ gesehen Schach ein aggressiveres Spiel als
> Go, absolut ist so etwas IMHO nicht messbar.

Da hast du absolut recht !

> Das ist dann aber ein anderes Spielziel, das Spiel kein
> Schach mehr. Die Regeln wurden verändert.

Richtig, das sagte ich ja ! Aber es ging um die MECHANISMEN ! Und die können durchaus die selben wie bei Schach sein - ein anderen Spielziel und schon sieht es ganz anders aus - komisch ! :-)

> > Das ist im Schach genauso der Fall !
> Schach endet nie 122:115 Gebietspunkten sondern immer mit dem
> Untergang einer Partei.

Was hat das Wertungsverfahren nun damit zu tun ? :-)

> Themen könen natürlich auch aggressiv sein, aber das war
> nicht die Frage. Es ging - ganz wertfrei - um aggressive
> Elemente in Spielen wie MÄDN, Schach und Siedler. Die Frage

Die Frage war nach "agressiven Momenten in Spielen" und ich versuchte erstmal nur rauszufinden was damit genau gemeint ist ... imho ist das ganze ein ziemlich Dehnbarbares und kaum fassbares Thema !
Du verstehtst offensichtlich was anderes darunter als ich ! :-)

> Einflüsse, die auf vieleSpieler ähnlich wirken. Nur wenige
> vermeiden das Rausschmeissen eines Pöppels beim MÄDN, weil es
> eben allen, die es spielen, Spass macht rauszuschmeissen. Das
> liegt an den Regeln, an der Aufgabenstellung.

Okay, aber dann sind wir wieder weg vom Mechanismus des Spiels !

:-)

Atti

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Günter Cornett

Re: Aggression im Spiel

Beitragvon Günter Cornett » 16. April 2003, 19:37

Attila schrieb:
>
> Günter Cornett schrieb:
>
> > *Schlage den Gegner* ist etwas anderes als *sei schneller als
> > die anderen*.
>
> Es sind zwei Formulierungen die das gleiche Ausdrücken (wenn
> es nicht um das wortwörtliche Schlagen geht) !
> In einem Wettrennen wird ja auch von einem "Sieger"
> gesprochen - die anderen sind Logischerweise die "Besiegten"
> (wenn das auch nicht so ausgedrückt wird) ! Ist es an sich
> nicht agressiv wenn ein Spiel das Ziel hat die anderen "zu
> besiegen" ? ;-)

Ist das, was ich schreibe, wirklich so schwer verständlich ?

Also noch ein Beispiel. Dafür müssen wir aber mal nach draussen gehen: ;-)

Sandburgenbau:
Spielziel: bau die beste Sandburg.
Für bestimmte Elemente gibt es eine bestimmte Punktzahl.

Das Regelwerk sieht drei Varianten vor:
a) nimm Sand und Wasser und bau besonders gut (=punkteträchtig)
b) nimm Sand und Wasser und bau besser als die anderen
c) das 'besser-als-die-anderen' darf auch dadurch erreicht werden, indem du mal durch eine gegnerische Sandburg latschst.

a) ist nicht aggressiv
b) hat Wettbewerbscharakter: es geht um Sieg, aber nicht darum gegen den anderen zu spielen sondern für sich
c) dürfte eine wüste Keilerei ergeben

Ich denke mal, der Unterschied zwischen b) und c) dürfte klar sein.

Wollte man die Regeln von Go und Schach hier einordnen, so haben sicherlich beide Elemente von b) und c). Im Vergleich mit Schach ist Go aber näher an b) als an c)

> > Das ist dann aber ein anderes Spielziel, das Spiel kein
> > Schach mehr. Die Regeln wurden verändert.
>
> Richtig, das sagte ich ja ! Aber es ging um die MECHANISMEN !
> Und die können durchaus die selben wie bei Schach sein - ein
> anderen Spielziel und schon sieht es ganz anders aus -
> komisch ! :-)

Wer sagt denn, dass es nur um die Mechanismen geht ?
Das Spielziel gehört doch genauso zu den Regeln wie die Mechanismen.

> > > Das ist im Schach genauso der Fall !
> > Schach endet nie 122:115 Gebietspunkten sondern immer mit dem
> > Untergang einer Partei.
>
> Was hat das Wertungsverfahren nun damit zu tun ? :-)

Am Ende leben beide, der eine geringfügig besser als der andere.
Der eine Spieler ist gut, der andere besser. ;-)

Es ist sicherlich auch eine Auslegungssache, aber dahinter steckt auch eine andere Art von Denke. Das Ergebnis wird eben dadurch erzielt, dass man dem gegenspieler ebenauch Raum zum Leben lässt. Beim Schach schränkt man diesen auf Null ein.

> > Themen könen natürlich auch aggressiv sein, aber das war
> > nicht die Frage. Es ging - ganz wertfrei - um aggressive
> > Elemente in Spielen wie MÄDN, Schach und Siedler. Die Frage
>
> Die Frage war nach "agressiven Momenten in Spielen" und ich
> versuchte erstmal nur rauszufinden was damit genau gemeint
> ist ... imho ist das ganze ein ziemlich Dehnbarbares und kaum
> fassbares Thema !

Aber deinen ersten -und über lange Zeit einzigen - Gedanken in dieser Sache, damit seien wild um sich beissende Pöppel gemeint, halte ich doch fürsehr abwegig ;-)


> Du verstehtst offensichtlich was anderes darunter als ich !
> :-)
>
> > Einflüsse, die auf vieleSpieler ähnlich wirken. Nur wenige
> > vermeiden das Rausschmeissen eines Pöppels beim MÄDN, weil es
> > eben allen, die es spielen, Spass macht rauszuschmeissen. Das
> > liegt an den Regeln, an der Aufgabenstellung.
>
> Okay, aber dann sind wir wieder weg vom Mechanismus des
> Spiels !

Die Aufgabenstellung ist doch sehr wichtig, der Mechanismus in Zusammenhang damit zu verstehen.

Zum Abschluss noch ein Beispiel, wo es fast ausschliesslich von den Spielern abhängt, ob ein Spiel aggressiv 'ist' oder nicht: Siedler.

Ich habe es schon erlabt, dass jemand am Tisch aufgesprungen ist, die halbe Kneipe zusammengeschrien hat, weil ich an [i]seinem[/i] zehnten Siegpunkt gesiedelt habe. Aber ich habe auch schon gesehen,dass zwei Jugendliche das Grundspiel ganz friedlich miteinander spielten, dabei miteinander handelten, ohne sich groß in die Quere zu kommen. Der Räuber wanderte schon mal hin und her, aber das war nicht so wichtig. Es hat ihnen einfach Spass gemacht, die Siedlungen auszubauen. Mir wäre das viel zu langweilig(schon zu dritt gefälltes mir nicht so), aber es war eine interessante Erfahrung diese Partie beobachten zu können. Allerdings ist es eher selten, dass sich ein Spiel so sehr dem Naturell der Spieler anpasst wie Siedler (Spiel jetzt nicht physisch gemeint sondern im Sinn von 'das Spielen').

Gruß, Günter

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Marten Holst

RE: Charakterschulung durch GO (?)

Beitragvon Marten Holst » 17. April 2003, 02:56

Moinle,

> Solche "benimmregeln" sind doch selbstverständlich ! Jeder
> Schachspieler weiss das, ohne das es irgendwo
> niedergeschrieben steht. Es gibt einen Zeitpunkt da gibt
> man besser auf und erspart sich und dem Gegner den Rest,
> das er besser ist hat er schliesslich schon gezeigt !

Naja, ganz dasselbe ist es nicht. Ich habe bei Schachspielern schon komische Verhaltensweisen erlebt, die einem beim Go nicht so passieren dürften, weil der Benimm in der japanischen Höflichkeitstradition wurzelt. Es hatte irgendwie anderes Flair als nur "Fair Play", obwohl ich das jetzt nicht fixieren könnte.

Grüße
Marten, der lieber Schach als Go spielt.

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Günter Cornett

RE: Charakterschulung durch GO (?)

Beitragvon Günter Cornett » 17. April 2003, 03:38

Marten Holst schrieb:
>
> Moinle,
>
> > Solche "benimmregeln" sind doch selbstverständlich ! Jeder
> > Schachspieler weiss das, ohne das es irgendwo
> > niedergeschrieben steht. Es gibt einen Zeitpunkt da gibt
> > man besser auf und erspart sich und dem Gegner den Rest,
> > das er besser ist hat er schliesslich schon gezeigt !
>
> Naja, ganz dasselbe ist es nicht. Ich habe bei Schachspielern
> schon komische Verhaltensweisen erlebt, die einem beim Go
> nicht so passieren dürften, weil der Benimm in der
> japanischen Höflichkeitstradition wurzelt. Es hatte irgendwie
> anderes Flair als nur "Fair Play", obwohl ich das jetzt nicht
> fixieren könnte.

Jo, aber es ist schon mehr der philosophische Background, nicht nur die japanische Höflichkeitstradition. Das Gospiel hat wohl taoistische Wurzeln (Ying Yang, Streben nach Gleichgewicht, Harmonie etc):

Aus Faulheit extrem stark gekürzt aus Michael Kohen, 'Die Mitte des Himmels- Go'
"Begehre nicht zu gewinnen
... bei Gesprächen mit Freunden, wo man nicht versuchen sollte, seinen Partner zu dominieren, sondern ihn mit einemGefühl der Überlegenheit zurückzulassen ... Anleitung zum konfliktfreien Zusammenleben ...
Für den Go-Spieler .. Harmonie auf dem Brett... Wer versucht, das fliessende Gleichgewicht des Spiels zu seinen Gunsten zu stören, schlägt einen Weg ein, auf dem es wahrscheinlicher wird, dass er eine Niederlage erleidet...'Es gibt kein größeres Missgeschick, als sich nicht begnügen zu können', sagt Laotse..."

Der Text geht in dem empfehlenswerten Buch ganz praktisch weiter (gar nicht mal so abgehoben, wie es hier vielleicht klingt). Irgendwo ist auch ein Beispiel drin von einer Partie Maler gegen Mathematiker, wo der Maler gewinnt, weil er sich von harmonischen Formen leiten lässt anstatt alles durchzurechnen versucht.

Das ist natürlich etwas völlig anderes als den Gegner zu zerstören, wie bei Schach und (anderen) Cosims. Man kann auch sagen: Go ist intuitiver als Schach und erfordert den Einsatz des ganzen Hirns.

[Meine dennoch vorhandene Abneigung gegen zu viel fernöstliche Ideologie im Gospiel mag - neben meiner gelegentlichen Rüpelhaftigkeit - u.a. auch daher rühren, dass es jemand in drsb+k mit zu viel schlauen Sprüchen von Respekt und Bescheidenheit übertrieben hat, und ausgerechnet dieser Typ die Hauptkraft war beim Unlesbarmachen von drsb+k durch seinen Einsatz für möglichst viele, wenn auch unsinnige Go-Postings sowie durch anschliessende Abstimmungsmanipulationen {die - Go sei dank - wohl letztlich zu seiner Abstimmungsniederlage geführt hatten ;-) }.
Ausserdem ging mir das Gerede ziemlich auf den Geist, mit dem man mich ziemlich penetrant davon überzeugen wollten, dass Go das objektiv bessere Spiel sei. Teilweise rannten man dabei offene Türen ein, teilweise wurde dabei so eine Menge Blödsinn verzapft (Schach = anspruchslos da im Grunde ausrechenbar wie TicTacToe), dass man mich davon überzeugte, dass es mit dem philosophischen Background und der Übertragbarkeit des im Go Gelernten auf das Leben doch nicht so weit her sein kann. ;-) ]

> Grüße
> Marten, der lieber Schach als Go spielt.

Dazu sagt der Gospieler:
'Schach ist das Spiel der Könige, Go das von Herrn Kaiser' (so oder so ähnlich)

Gruß, Günter


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