Beitragvon Frank » 1. September 2004, 01:57
> Nun, schauen wir uns doch einfach einmal die Käuferschicht
> beider
> Spielarten an: Ich glaube, daß die überwiegende Mehrheit der
> Kriegsspieler
> auf PC älter als 14 aber unter 25 bis 30 Jahren ist,
hmm, was meinst du jetzt eigentlich mit kriegsspiel ? ich fürchte fast, daß du 3d shooter meinst, die als spielhintergrund kriegerisches bieten. wenn man aber schon die brettspielszene mit der computerspiel vergleichen möchte und nach ursachen sucht, warum das eine in deutschland zu haben ist und das andere praktisch ausfällt, dann würde ich eher pc-strategiespiele mit cosims vergleichen wollen, denn das paßt irgendwie besser. pc-shooter ließen sich inhaltlich bestenfalls mit echtzeit-derivaten im brettspielbereich vergleichen, also z.b. ligretto oder so. oder liege ich da grunsätzlich falsch ?
wie auch immer, bei pc-spielern wäre ich mir nicht so sicher, was deine altersgruppeneinschätzung betrifft, denn diese haben mittlerweile ein recht stattliches durchschnittsalter erreicht und da die reflexe im alter bekanntermaßen abnehmen (*g*), spielen gerade die "etwas älteren" (also nach deiner definition ungefähr 30+) ganz gerne strategiespiele und oft auch rundenbasiertes bzw. cosims.
die "u25" tummelt sich heutzutage doch eher auf den konsolen rum und da ist mit cosims dank joypad nicht sonderlich viel los. obwohl nicht verschwiegen sei, daß es da auf dem gameboy advance (no joypad...) ein paar wirklich nette sachen gibt.
> während
> Brettspieler
> genau dies selten sind.
in der altergruppe 15 bis maximal 25 werden aber recht gern rollenspiele genossen und auch riskiko-derivate und da geht´s gewiß nicht sonderlich friedlich zu :-) klassische brettspiele sind aber tatsächlich eher bei den deutlich älteren männlichen, ganz jungen (also sozusagen die "u15") und weiblichen vetretern der gattung angesagt, in letzterem fall nach meinen erfahrungen aber alterstechnisch bunter gemischt, als die kerle...
> Zudem wurden PC-Kriegssimulationen
> erst populär,
> als sie ausreichend realisitisch darstellen konnten. Die
> Abstraktion auf dem
> Brettspiel schafft hier eine andere Empfindung (Empathie?).
nee, die gehörten von anfang an dazu (man denke nur an die ganzen alten ssi-klassiker !) und erfreuten sich früher größter beliebtheit, was aber auch bei pc-spielen heutzutage eher ein nischenmarkt geworden ist so wie bei brettspielen.
ich bin mir nicht wirklich sicher woran es liegt, aber eine der hauptursachen ist imho der "zahn der zeit" und der heißt hektik, schnell-schnell, nichts verpassen und gipfelt in kontinentübergreifender gehetztheit und völkerverbindenen schwächen, sich über einen etwas längeren zeitraum (und damit meine ich gerade mal den bereich 2 - 5 stunden) auf ein und dieselbe sache zu konzentrieren.
in deutschland war es in den 70er oder 80ern sicherlich bei vielen eine moralische frage, kriegsspiele nicht zu spielen, aber heutzutage spielt das im brettspielbereich in den köpfen der (in der mehrzahl männlichen) spieler mutmaßlich keine sooo große rolle mehr.
entscheidender ist da eher schon das o.g., d.h wir haben keine zeit und ruhe mehr, um uns mit derartigen spielen auseinanderzusetzen. das gilt in den usa ebenso und deshalb bröckelt der cosim-markt auch drüben weg und nicht nur in deutschland.
für deutschland würde ich noch einen wichtigen unterschied "zu früher" feststellen wollen, in den spielrunden befinden sich heutzutage bedeutend mehr frauen. an sich eine wirklich schöne sache im wahrsten sinne des wortes, auch wenn ich mich manchmal frage, ob hier nicht eine der ursachen dafür liegt, daß spiele im allgemeinen, also auch die "ganz normalen deutschen brettspiele", spürbar konfliktärmer geworden sind, als das noch vor 20 jahren der fall war. es gibt also heutzutage, dank der weiblichen belegschaft, mutmaßlich weniger "böse spiele" insgesamt und nicht nur einfach weniger cosims oder im spezialfall, weniger cosims in deutschland :-)
> Insofern hinkt der Marktvergleich, da die Zielgruppe wenig
> überlappend ist.
nee, bei cosims, ist´s sogar in der überwiegenden mehrzahl die gleiche gruppe.
> Vielleicht stolpert der Co-Sim/Kriegsbrettspielmarkt
> tatsächlich schon
> beim Händler.
das wohl auch, denn wer will schon nach außen als politisch unkorrekt erscheinen, wenn er einen laden betreibt :-)
> Aber es wird sich kaum verkaufen, dann realer
> Krieg wird
> hier sehr negativ wahrgenommen.
richtig, aber je weiter der zeitliche abstand zum gespielte geschehen zurückliegt, desto unbefangener wird denn soch damit umgegangen, d.h. z.b. römische kriegsspiele sind kurios, aber irgendwie o.k., 2. weltkrieg (aus sicherlich durchaus nachvollziehbaren gründen) eher nicht so. ist aber letztendlich alles "doppelmoralisch" und lediglich eine frage des abstraktionsvermögens, denn auch schach ist in diesem sinne ein kriegsspiel, das noch akzeptiert würde, wenn die aufgesetzte thematik z.b. römisch wäre (caesaren, gladiatoren, priester, was auch immer), aber sobald daraus hitlers, deutsche generäle und landser würden, wäre es aus mit der akzeptanz, obwohl es am spiel selbst nix ändern würde.
> Am PC kann man noch, im
> Ego-Shooter,
> seinen Held spielen.
*g*, also rundenbasierte pc-strategiepiele bzw. brettspiele, die im weitestens sinne als cosims zu bezeichnen sind, finden eh kaum mediale beachtung, aber gerade 3d shooter erfreuen sich einem ständigen, ziemlich beachtlichen mediengeschrei, daß man ja schon fast vermuten könnte, daß die tatsächlich schuld am moralischen niedergang unserer westlichen gesellschaften sein könnten. das stimmt aber natürlich so nicht, denn ursache und wirkung werden da ständig (und oft auch absichtlich) verwechselt, wie der blick beispielsweise auf asiatische gesellschaften zeigt, in denen gewaltdarstellungen in spielen und filmen bei weitem nicht so tabuisiert sind, wie bei uns und die seltsamerweise deutlich weniger gewaltrelevante probleme haben, die dem genuß dieser medien zugeschrieben werden.
> In Amiland gilt dagegen die Formel "Krieg = Sieg".
> Den
> bemerkenswertesten
> Hinweis dazu fand ich vor einiger Zeit in einem
> Hintergrundbericht zu Co-Sims:
> es gibt keine Vietnam-Co-Sim, zumindest nicht mit echter
> Marktpräsenz.
oh, dafür spielen die aber verflixt viele bürgerkriegsspiele und da gab´s ja eigentlich fast nur verlierer, denn geblutet wurde auf beiden seiten extrem viel und auch alamo und gereral custers letzte schlacht sind durchaus ein thema. und selbstverständlich gibt es auch cosims mit vietnam-thematik, nur eben nicht so viele, was mutmaßlich die gleichen urachen hat, wie die scheu vor weltkriegs-cosims bei uns, d.h. der zeitliche abstand ist noch zu gering, als das man die schmerzlichen erfahrungen wirklich gerne in spiekerischer form nachvollzieht.
frank