Hallo,
gestern hatten wir Europa-Wissen von noris das erste Mal auf dem Spieltisch. Der spielbox-Artikel und das neue Spielelement mit den Koordinaten-Schnüren hat mich zum Kauf verleitet, obwohl ich mit Geographie-Wissensspielen nicht arg viel anfangen kann.
Zum Glück für mich war weniger Wissen gefragt, sondern dominierten (zumindest in unserer Partie) eher skurile Fragen, wo man nur grob schätzen konnte. An sich ganz nett und unterhaltsam, nur krankt das Spiel an der redaktionellen Bearbeitung:
- Für die 12 Rateringe wurde arg dünne Pappe ausgewählt, so dass diese schnell unschön verbiegen. Zudem neigt die glatte Oberfläche auf dem Spielplan dazu, die Ringe verrutschen zu lassen. Besonders bei Speed-Runden, wo alle Mitspieler zeitgleich ihren Ratering legen, ist uns das negativ aufgefallen.
- Die Idee der Koordinaten-Schnüre ist nett, aber in der Spielpraxis neigen die rutschigen Rateringe beim Spannen der Lösungskoordinate zu verrutschen. Gerade eben dann, wenn es um ein paar Milimeter ankommt. Zudem ist die Handhabung der Schnüre eher umständlich, so dass wir im Laufe der Partie dazu übergegangen sind, die nur zu benutzen, wenn jemand in der Nähe der Lösung lag.
- Grösstes Problem ist aber das Handling der Fragenkarten. Auf Vorder- und Rückseite ist je eine Frage. Die Antwort dazu jeweils am unteren Rand der anderen Seite. Die Anleitung gibt nun vor, dass der Fragenvorleser die oberste Karte zieht, sich für eine Kartenseite entscheidet und dann diese Frage vorliest. Blöd nur, dass man die Rückseiten-Frage vergessen kann, da jeder schon die Lösung dazu auf der Vorderseite gesehen hat mit einem Blick.
- In der Spielpraxis ist es dann so, dass die Spieler, die zuerst ihren Ratering legen müssen, einen gravierenden Nachteil haben. Entweder hat man eh keine Ahnung und muss raten und hat keine Chance, vom Wissen der anderen Spieler zu profitieren, weil die ihren Ratering ja noch erst legen müssen. Oder man hat Ahnung und gibt den nachfolgenden Spielern die Lösung schon vor. Taktische Spieler können so immer mit dem Führenden gleichziehen nach dem Motto "ich hab bei der Frage keine Ahnung, wenn Deine Antwort aber richtig ist, bekomme ich zumindest auch die Punkte".
- Wozu die sechs Spielstands-Steine und der normale Würfel sein soll, dazu schweigt sich die Anleitung aus. Gebraucht werden nur vier Steine, da auch nur Rateringe in vier Farben vorliegen. Gewürfelt muss hingegen nur mit dem Spezialwürfel, wobei eine "x2 Runde" mit Verdopplung der Punktzahlen nur den Glücksfaktor erhöht, aber spielerisch keinen echten Mehrwert hat. Für die Speedrunde verrutschen die Rateringe leider zu leicht, wirkt deshalb eher nur auflockernd.
Mein Fazit: Die Grundidee von Europa-Wissen ist gut. Bei einigen Fragen haben wir geschmunzelt, uns gewundert, laut gelacht. Die Fragenauswahl fand ich interessant, weil mehr launiger Zeitvertreib als nervige Faktenabfrage. Aus dem Spiel hätte man mit dem entsprechenden Material (bessere Rateringe, Antworten nicht in Klartext, ...) mehr machen können, als in der vorliegenden Form. Warum die redaktionelle Bearbeitung so mangelhaft ausgefallen ist, weiss wohl nur noris selbst. Schade, weil verpasste Chance, das Europa-Wissen bei uns häufiger auf den Spieltisch kommt.
Eure Meinung?
Cu/Ralf