Hallo Zusammen,
eigentlich eine spontane Fehlbestellung, um keine Versandkosten zahlen zu müssen. Meinte ich doch, die deutsche Ausgabe von "Wits and Wagers" zu kaufen. Ich hatte schlicht beide Spielenamen nach den genialen Videos von www.boardgameswithscott.com verwechselt. Ob ich mir ansonsten GiftTRAP aus den Heidelberger Spieleverlag gekauft hätte, das weiss ich nicht.
Inzwischen kann ich sagen, dass GiftTRAP ein Glücksgriff war. Bisher zwar nur einmal in einer gemischten Fünferrunde gespielt, aber die Spielpartie hat schlicht Spass gemacht - allen Mitspielern. Vergnügt, gelacht, geschmunzelt, sich gewundert, manchmal etwas verblüfft. Ein Spiel, über das man redet. Interaktion pur. Was will man mehr?
Ok, wer die nüchtern-strategisch-taktische Herausforderung sucht, der sollte einen grossen Bogen um GiftTRAP machen, oder sich einfach mal auf das Partyspiel einlassen. Allerdings empfehle ich, das Spiel nur in einer Runde von Freunden, Bekannten und generell netten Mitspielern zu spielen. Weil ansonsten könnte das Spiel kippen, wenn man bewusst unbeliebte Geschenke den Anderen reinwürgen will und nur auf Sieg spielt. Bei GiftTRAP ist hingegen - wie bei so vielen Partyspielen - das Spielgeschehen schon Sieg genug. Wer dann schliesslich gewinnt, das ist eher zweitrangig.
Um was geht es? Das ist schnell erklärt. Es werden Geschenkekarten aufgedeckt. Immer eine mehr als die möglichen 3 bis 8 Mitspieler. Vier Wertkategorien stehen dabei zur Auswahl. Jeder schenkt jetzt, verdeckt per Zahlenplättchen realisiert, eines dieser Geschenke an einen Mitspieler, der sich am meisten darüber freuen würde. Sind alle Mitspieler geheim beschenkt, verteilt man noch verdeckt seine eigene Gunst bis Missgunst gegenüber der ausliegenden Geschenke.
Anschliessend wird einzelnd Spieler für Spieler aufgedeckt, was er denn toll findet aus der Auswahl. Das gibt ein erstes "Oh" und "Ah", wenn man den Spieler doch ganz anders eingeschätzt hätte. Ein zweites "Oh" und "Ah" folgt, wenn man die für einen selbst gedachten Geschenke-Zahlen-Plättchen der Mitspieler umdreht. Punkte gibts für Beide - Schenker und Beschenkter - wenn man bei der Einschätzung richtig lag. Im Unkehrfall kann man mit einem unliebsamen Geschenk aber auch Punkte verlieren. Danach gehts weiter mit dem nächsten Spieler.
Bei mehr als fünf Spielern könnte sich so eine Spielrunde ziehen, bis wieder neue Geschenke zur Auswahl stehen, was ich in der Praxis noch nicht überprüfen konnte. In der Maximalbesetzung von acht Spielern sollte man dann wohl ein wenig Geduld mitbringen. Ein grosser Reiz entsteht halt daraus, was die neuen Geschenkekarten denn so alles zeigen werden. Das muss man abwarten können, ohne in Hektik zu verfallen.
Das Spielmaterial ist über jeden Zweifel erhaben. Fast schon zu kitschig, sehen die farbigen Geschenksäckchen aus, in denen das eigene Material verstaut ist. Einzig die vielen Geschenkekarten sind arg dünn. Aber einmal ausgeteilt auf dem Plan, sind die nicht weiter in Gebrauch, so dass dieses Detail im Grunde kein Manko ist. Die Wertung mit geschenkt-und-beschenkt-Leiste kann verwirren, aber wenn man da nicht wild durcheinander wurschtelt, sondern dem aktiven Spieler diese Aufgabe überlässt, dann klappt auch das. Dazu kommt, dass die Auswahl der Geschenke redaktionell wirklich gelungen ist. Langeweile kommt da nicht auf, besonders in der preiswertesten Wertkategorie, die einige arg skurrile Geschenke vereint.
Mit den Expertenregeln, bei denen Zusatzkarten ins Spiel kommen, mit denen jeder Geschenke blockieren oder Wertungen verdoppeln kann, haben wir nicht gespielt. Das Spiel braucht meiner Meinung nach diese taktische Komponente nicht.
Fazit: Für gut 22 Euro Versandpreis eine absolute Empfehlung, die auch zusammen mit Nichtspielern zündet. Aber auch für alle übersättigten Vielspieler, die abseits der ausgetretenen Mehrheits-Siegpunkte-Pfade mal wandeln wollen ein Kauftipp. Eine Stunde Unterhaltung pur, denn schenken und beschenkt werden, das macht - in den richtigen Spielrunden - einfach Spass!
Cu/Ralf