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Mein Messehighlight vom Freitag: Ghost Stories

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ravn

Mein Messehighlight vom Freitag: Ghost Stories

Beitragvon ravn » 24. Oktober 2008, 21:43

Nabend,

zwei Messetage sind vorbei, noch mehr Spiele gespielt, angeschaut, erklären lassen. Danke dafür an die ganzen ErklärbärINen. Mal kurz resümiert, wie sich Eure Sicht auf die Highlights und Anspiel-Enttäuschungen geändert hat:

*** Schnell erklärt, schnell gespielt und Spass dabei

Gambit7, weil man die Antworten schlicht kaum wissen und auch mit guten Schätzungen und etwas Risiko gewinnen kann. Braucht aber schon eine grössere Spielrunde, damit die Spielmechanismen greifen. In der Dreierrunde etwas öde, weil zu wenig Party im Spiel.

Getta Letter, weil es ein Zweikampf um passende Begriffe in Reinkultur ist. Lebt von dem Umklapp-Mechanismus der Buchstaben. Macht Laune und fordert zur Revanceh heraus. Konnte ich als Wortspiel-Fetischist nicht genug von bekommen.

Klickado, weil es ein umgedrehtes Mikado gegen die Schwerkraft ist, einen hohen Anspielreiz hat und in den Aktionen-Reaktionen verblüfft. Für Freunde von Bamboleo & Co sicherlich ein Pflichtkauf.

Ein bisschen Mord muss sein, weil es herrlich freies Vabulieren im Krimi-Ambiente ermöglicht. Aber genauso wie Ghost Stories nichts für nüchtern-unkommunikative Typen.

*** Aussergewöhliche Atmosphäre in der richtigen Spielrunde

Ghost Stories. Whow, was für eine packende Spielpartie am Repos-Messestand. Den Ansturm der Geister entgegentreten, gemeinsam statt gegeneinander. Wenn keine Spieler am Tisch sitzen, die das Geschehen aufs Grundgerüst der Wahrscheinlichkeiten reduzieren, sondern man zusammen die Story erlebt und sich darauf einlassen kann, meine Freitags-Empfehlung. Gefällt mir besser als Pandemie, weil es mehr Entscheidungsmöglichkeiten bietet und dadurch ein komplexeres Gesamtgeschehen entwickelt mit einem Spannungsbogen, der seines Gleichen sucht. Braucht aber eben die richtige Spielrunde, die ihre Rolle auch ausleben wollen am Spieltisch.

*** Subjektiv schnarchend enttäuschend

Palais Royal, weil es unübersichtlich ist, eine gehörige Downtime mitbringt, einen ewig gleichen Spielablauf hat und eigentlich nur ein Optimier-Spiel ist. Eine Mitspielerin hat es allerdings wirklich gut gefallen, wobei man dann gut sieht, dass Spiele schlicht Geschmackssache sind und die Bewertungen dazu genauso.

... so und jetzt Ihr! :-)

Cu/Ralf

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l8xx
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Re: Mein Messehighlight vom Freitag: Ghost Stories

Beitragvon l8xx » 24. Oktober 2008, 21:57

Gibt es bei Ghost Story einen Spielleiter oder Szenarien? Warum lebt das Spiel davon, dass man sich einlebt? Gibt es wenig strategische Entscheidungen?

Ich mag kooperative Spiele sehr gerne, Schatten über Camelot war lange Zeit unser Lieblingsspiel. Ghost Story, Battlestar Galactica und mit Abstrich (weil man auch alleine gewinnen kann) Freibeuter der Karibik interessieren mich da am meisten. Da ich ein Battlestar Galactica Fan bin, freue ich mich besonders auf dieses Spiel, Freibeuter habe ich bereits und Ghost Story kann ich mir auch gut vorstellen.

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ravn

Re: Ghost Stories, Atmosphäre spielt mit!

Beitragvon ravn » 24. Oktober 2008, 22:25

l8xx schrieb:
>
> Gibt es bei Ghost Story einen Spielleiter oder Szenarien?
> Warum lebt das Spiel davon, dass man sich einlebt? Gibt es
> wenig strategische Entscheidungen?

Es gibt keinen Spielleiter. Alle spielen gegen das Spiel. Wobei jeder Spieler zu Beginn seines Zuges sozusagen die Geister zieht und dabei dem Zufall unterworfen ist, aber auch eigenen Entscheidungen wie "wo lege ich den neuen Geist an" treffen kann.

Das Spiel gewinnt viel durch die passende Atmosphäre am Spieltisch. Die muss man erlauben, sich aufbauen zu können. Die Bedrohung von aussen durch die Geister. Das Dorf in der Mitte, das gemeinsam verteidigt werden soll. Die Bedrohung nimmt ständig zu. Ohne Zusammenarbeit ist man verloren und dem Tod nah.

Wer das auf "ich muss jetzt dahin ziehen und Du dorthin und wir haben da eine 15% höhere Wahrscheinlichkeit, weil Du viele gelbe Counter hast" reduziert, dann klappt das Spiel immer noch. Aber man nimmt sich einiges von dem, was ich als "being there" Gefühl bezeichne, wie ich es von Pen-and-Paper-Rollenspielrunden kenne und liebe. Aber nötig ist das atmosphärische (gedankliche und teils im Dialog mit seinen Mitspielern ausgesprochene) Ausleben des Spiels nicht.

Entscheidungen gibt es genug. Ob die jetzt taktisch, strategisch oder was auch immer sind, kann ich nicht einordnen und wird meist auch unterschiedlich verwenden und verstanden von den Begriffen. Du hast viele Optionen, wie Du zum Spielsieg beitragen kannst, da alle neun Dorffelder unterschiedliche Sonderaktionen bieten und jeder Spieler ebenfalls eine Sonderfunktion besitzt. Dazu noch einige Geister, die ebenfalls diese Sonderfunktionen beeinflussen oder stören. Hört sich komliziert an, ist durch die Piktogramme aber schnell einleuchtend, wer was wie kann und wo. Wir haben das Spiel auf Messestand eher aus dem Bauch gespielt und es hat Spass gemacht, war spannend, herausfordernd mit einem tollen Spannungsbogen. Perfekte Unterhaltung für mich. Auch oder gerade deswegen, obwohl wir total überrannt wurden, nachdem wir uns fast als strahlende Sieger sahen und uns zu sicher fühlten.

> Ich mag kooperative Spiele sehr gerne, Schatten über Camelot
> war lange Zeit unser Lieblingsspiel.

Im Vergleich sehe ich Schatten über Camlot zu eindimensional. Ghost Stories scheint da (sofern ich das nach einer Partie überhaupt bewerten kann für andere) mehr zu bieten, weil Bewegung, Aktionen, Sonderfähigkeiten und gesammelte Würfelglück-Ausgleicher im Spiel stecken. Würfelpech muss man aber ebenso zulassen können und da bin ich legendär drin!

Wenn möglich, Ghost Stories einfach mal mitspielen. Erst dann wirst Du wohl wissen, ob Dir das Spiel liegt. Wenn Du es eher extrem strategisch reduziert angehen willst, könnte es nur mittelmässig sein, aber immer noch herausfordernd.

Cu/Ralf

PS: Die Regeln bei Repos bringen das Spielsystem auf den Punkt http://www.rprod.com/files/GS_RULES_GE.pdf - können aber nichts zur Spielatmosphäre sagen. Das muss man schlicht selbst erleben und mögen oder eben auch nicht.

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Niccolo
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Re: Ghost Stories, Atmosphäre spielt mit!

Beitragvon Niccolo » 24. Oktober 2008, 22:43

ravn schrieb:

> Aber man nimmt sich einiges von dem, was ich als
> "being there" Gefühl bezeichne, wie ich es von
> Pen-and-Paper-Rollenspielrunden kenne und liebe.

Stell ich mir gefühlsmäßig super vor... aber wie kann ich mir - als eher strategisch reduzierter Spielertyp der ich wohl bin, sowas wohl wirklich vorstellen?

Weil Spiele wie Runebound, Arkham Horror, o.ä. entfachten bei mir leider noch nie ein solches Feuer, dass ich mit "Ah" und "Oh" johlend vom Sessel bounce.

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ravn

Re: Mit der richtigen Atmosphäre gewinnt jedes Spiel an Spielwert

Beitragvon ravn » 24. Oktober 2008, 23:05

Niccolo schrieb:

> Stell ich mir gefühlsmäßig super vor... aber wie kann ich mir
> - als eher strategisch reduzierter Spielertyp der ich wohl
> bin, sowas wohl wirklich vorstellen?

Kann man nicht beschreiben, muss man erleben. Echte Rollenspielrunden mit Spielleiter, die Wert auf Story und nicht aufs Monsterkloppen legen, bieten dieses "being there" Gefühl in Reinkultur. Weil davon leben Rollenspiele - zumindest für mich.

Wenn Dich das wirklich interessiert, dann mal zu einem Rollenspielladen in Deiner Nähe pilgern und dort nachfragen, ob Storytelling-Rollenspiel-Einsteigerrunden angeboten werden. Einfach mal mitspielen und diese Erfahrung auf atmosphärische Brettspiele übertragen. Wenn die Mitspieler mitspielen, dann klappt das als Gruppenerlebnis.

Aber viel zu oft erlebt man es leider ja, dass bei neuen Brettspielen nur die Regeln erklärt werden, aber die ganze Hintergrundgeschichte und das generelle "Setting" weggelassen und im Spiel völlig ignoriert wird. Manchmal ist es auch arg aufgesetzt und selbst vom Autor oder Redakteur anscheinend als unwichtig eingestuft. Finde ich echt schade, wenn man sich nicht die Zeit dafür nehmen mag.

Cu/Ralf


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