Beitragvon Ernst-Jürgen Ridder » 7. Dezember 2008, 12:07
Hallo Peer,
ob man wirklich so klassifizieren kann, dass Gelegenheitsspieler abstrakte Spiele eher nicht mögen, weiß ich nicht recht. Ich bin kein Gelegenheitsspieler, aber auch nicht das, was sich hier als Vielspieler bezeichnet. Ich sehe mich als "engagierten Familienspieler" mit Hang zum Vielspielen.
Auf dieser Grundlage denke ich, für die Neigung zu abstrakten Spielen wird es weniger darauf ankommen, wie häufig jemand spielt, sondern darauf, was ihm, kennt er die verschiedenen Möglichkeiten, am ehesten Freude macht.
Wirklich rein abstrakte Spiele mag ich persönlich nicht, weil es mich einfach zu sehr an berufliche Anforderungen erinnert. Ich bevorzuge ganz klar thematische Spiele mit strategischem Anspruch, die aber auch mehr oder weniger ausgeprägte Glückselemente haben dürfen, wenn es gut zum Thema passt. Das kann man gut vergleichen bei Wikinger (PL) und Wikinger (HiG). Beide Spiele haben die Wikinger zum Thema. Gut thematisch angebunden ist aber nur das von PL, ein wunderbares Spiel mit Glück-/Pechelementen, wie sie nun einmal zum Thema gehören und deshalb mir als Spielelement sehr willkommen sind. Dagegen ist Wikinger von HiG doch eher ein abstraktes Spiel, dessen thematische Anlehnung an die Wikinger ziemlich beliebig ist; trotzdem ist es unter rein spielerischen Gesichtspunkten das wohl "bessere" Spiel, wenn auch das von PL mir mehr Spaß macht.
Ein sehr gutes Beispiel für ein thematisches Spiel mit dazu passenden Glück-/Pechelementen ist auch Jenseits von Theben. Der hier häufig geschmähte Grabe-Mechanismus ist doch schlicht großartig, wenn man es recht bedenkt, zumal man die Wahrscheinlichkeiten ja immerhin beeinflussen kann.
Der Erfolg von Siedler von Catan zeigt m.E., dass es auf dem bis dahin nicht gerade üppigen Spielemarkt einen Bedarf für ein neues Thema gab, das interessant umgesetzt ist. Dazu ist das Grundspiel jedenfalls von der Regel her einfach, die Regeln sind sehr gut aufbereitet und durch die Aufteilung in mehrere "Schichten" so gestaltet, das man nicht endlos lesen muss, bevor es losgehen kann, was für Gelegenheitsspieler wichtig sein dürfte. Wäre SvC gleich in der heutigen Fassung (Basisspiel+Seefahrer+Städte&Ritter+Händler&Barbaren) als ein Spiel erschienen, wäre es sicher gnadenlos als viel zu kompliziert gescheitert.
Spielerische Grüße
Ernst-Jürgen