Beitragvon Roman Pelek » 22. März 2001, 02:30
Hi Tom,
wir haben also Africa gespielt. Hier mal in aller Kürze unser Eindruck:
Afrika ist ein typisches "Entdeckerspiel" mit all seinen Vor- und Nachteilen. D.h. man hat, gerade zu Beginn, nur die Chance, sich auf sein Glück zu verlassen beim Entdecken. Je mehr Plättchen aber aufgedeckt werden, desto mehr taktische Möglichkeiten gibt es, da man bestimmte Plättchen sammeln, bestimmte zu Gruppen umlegen und wieder andere durch Errichtung von Camps gewinnpunktebringend "erforschen" oder an sich nehmen kann.
Das Spiel hat, neben dem zufälligen Entdecken auch recht viel mit der Übersicht zu tun, die man über das Spielfeld hat. Was liegt wo, wo sind Freiräume, wieviele Plättchen gibt es wovon noch - wohin kann ich mich bewegen, um noch neues zu entdecken, aber auch schöne Camps zu bauen und evtl. Plättchen umzulegen oder an mich zu nehmen.
Das ganze klingt glücksorientiert, ist es auch. Aber nicht nur, es wird nämlich vom reinen Glücksspiel zu Anfang zu einer fast rein taktischen und durchplanbaren Sache gegen Ende. Man muss ab der Hälfte des Spiels seine Routen ziemlich genau planen, um zu schauen, wo man neues entdecken (gerade wenn man auf bestimmte neue Plättchen angewiesen ist) oder siegpunktsichere Aktionen vor den Gegnern durchführen kann.
Mir hat der Spannungsbogen des Spiels eigentlich sehr gut gefallen, der fliessende Übergang von schlichter Neugier "was liegt wo" zu sehr taktischen Überlegungen gegen Ende. Und, ein bisschen hat das "Übersicht behalten" und Plättchen sortieren etwas von einem Puzzle. Ich halte Africa für ein sehr gutes Familienspiel, und es kam bei unseren Gelegenheitsspielern auch sehr gut an. Sehr lockerer Einstieg, und gegen Ende dann ein hartes Ringen a la "reichen meine Siegpunkte, brauche ich noch bestimmte Dinge oder Punkte, wie blockiere ich den Gegner"?
Und, ja, man kann das Spiel auch mit Glück und ein bisschen Übersicht gewinnen. Ja, man muss etwas mehr die Übersicht gewinnen als alle Züge aller Mitspieler im Kopf ausrechnen zu müssen - es ist mehr ein "Überschlagen" der Möglichkeiten. Das macht das Spiel, in Verbindung mit dem Einstieg, leichter als viele andere taktische Brettspiele wie Java, Torres, Euphrat & Tigris oder auch Medina. Und gerade deshalb Familien- und Gelegenheitsspielertauglich.
Wenn man sowas nicht will, dann braucht man Africa nicht. Wer ein gutes Entdeckungspuzzle für viele sucht, das stetig taktischer wird, der ist mit Africa gut bedient. Meines Erachtens hat es einen ähnlichen Grad an Glücksabhängigkeit wie Carcassonne, nur dass man bei Africa mit reinem Glück anfängt und mit fast gar keinem aufhört. Neben Carcassonne und Capitol gefiele mir das Spiel für das SdJ ziemlich gut...
Kurzum: mir hats sehr gut gefallen, wenn man sich nicht 2h lang den Kopf nur wunddenken will. Aber dafür gibt's ja das andere Spiel namens Medina neuerdings...
Ciao,
Roman