Ich könnte echt wahnsinnig werden. Da habe ich in einem Anfall von kompletter Selbstlosigkeit mein letztes Carcasonne verschenkt, wei ich dachte, ich bekäme ja sicherlich bald wieder Ersatz - und dann das:
Der Ersatz ließ ein bisschen länger als erwartet auf sich warten, aber schließlich bekam ich ihn. Heute Abend haben wir es zum ersten Mal wieder spielen wollen, machten frohen Mutes die Schachtel auf, sehen die neue Zählleiste, welche durchaus praktischer ist, aber über deren graphische Umsetzung sich streiten läßt, drücken die einzelnen Plättchen aus den Stanzbögen, legen mehrere Haufen zusammen und werden plötzlich stutzig. Liegt es nur an der düsteren Kneipenbeleuchtung oder haben wir einen Knick in der Optik?
Nein! einige Plättchen haben eine deutlich hellere Rückseite als andere. Beim genauen Nachzählen stellen wir fest, daß es 36 helle, fünfundreißig dunkle und ein Startlättchen gibt. Genau die Hälfte der Stanzbögen hat also eine andere Rüchseite, welche deutlich voneinander zu unterscheiden ist. anfangs denkt man sich noch nichts dabei, aber bei genauerem Hinsehen, stellt man fest, daß sich auf den dunklen Teilen ale Klöster, sowie spielentscheidende Teile, wie das Plättchen, daß auf allen vier Seiten Wege hat oder auch das reine Stattplättchen, befinden!
Damit kann man das Spiel nicht mehr normal Spielen! Wer auf Klöster aus ist oder das Vier-Wege-Plättchen benötigt, nimmt selbstredend ein Plättchen mit dunkler Rückseite, sofern vorhanden. Wir haben uns zwei Lösungsmöglichkeiten ausgedacht: Entweder tut man alle Plättchen in einen Sack oder , wie wir es in Ermangelung eines geeigneten Sacks getan haben, man macht lediglich einen Stapel und läßt dem Spieler keine Entscheidungsmöglichkeit mehr, von wo er zieht!
Zugegeben: Das funktioniert. Nur leider leidet die Atmosphäre des Spiels darunter. Es macht doch immer wieder Spaß von einem anderen Stapel zu ziehen. Entweder scheint ein Spieler einen Stapel für sich gepachtet zu haben und man greift mal zu diesem, damit man auch mal was davon hat oder der eine Stapel hat einem schon rundenlang kein Glück gebracht und man nimmt jetzt frustriert ein Kärtchen von einem noch jungfräulichen Stapel. Letzendlich steht ja auch in der Spielregel, daß man mehrere Stapel macht.
Was mich dabei wirklich ärgert, ist die Tatsache, daß es bei Hans im Glück entweder keine ordentliche Endkontrolle gegeben hat oder man einfach davon ausging, daß es die Kunden schon schlucken werden. Bei jedem Satz Spielkarten für 1,60 DM Verkaufspreis ist es selbsverständlich, daß alle Karte auf der Rückseite 100% identisch sind. Hat im Verlag wirklich keiner die Qualität des Drucks überprüft? Ansonsten hätte man die ganze Charge an die Druckerei zurückgeben müssen. Wenn man an die Probleme von "Ohne Furcht und Adel" in der 1. Auflage denkt, sollte man doch gerade bei HiG etwas aufmerksamer geworden sein. Oder dachte man sich einfach, daß es kaum einer merken wird und man nur schnell wieder die Neuauflage auf dem Markt haben muß um kräftig Kohle zu machen?
Da HiG in Punkto Service immer vorbildlich war, bin ich gespannt, was ich demnächst erhalten werde: Einen Leinensack für alle Pättchen oder drei neue Stanzbögen mit hellem oder dunklem Druck oder vielleicht noch ein letztes Exemplar der alten Auflage?
Es ist wirklich schade, daß ein derart tolles Spiel in der zweiten Auflage so miserabel im Vergleich zur Ersten dasteht. Fehldruck bei den Plättchen, andere Lackierung der Spielsteine (welche nicht mehr so schön wie früher aussehen) und eine Zählleiste, die zwar praktischer ist, aber in Ihrer graphischen Umsetzung gegenüber der Alten keinem von unseren Spielern gefallen hat. Wir haben am späten Abend eine alte Auflage geholt und daneben gestellt - leider wollte der Besitzer nicht mit mir tauschen :-(
Wenn ich es bisher bedauert habe, daß Carcasonne wahrscheinlich nicht Spiel des Jahres wird, so muß ich ganz klar sagen: In der Qualität, in der es derzeit auf dem Markt ist, hat Carcasonne den Titel auch ncht mehr verdient!
Bliebe noch die sehr kleine Hoffnung, daß mein Spiel ein Einzelfall ist und ich mich umsonst aufrege, aber alles deutet darauf hin, daß es sich um Fehler handelt, welche sich durch die ganze Auflage ziehen - Schade :-((
Mit traurigem Gruß,
Ralf