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Wo ist die Jugend?

Das ehemalige spielbox-Spielerforum
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peer

Dejá vú

Beitragvon peer » 23. März 2001, 10:25

Hi,
<i´ve got the terrible feeling of deja vú<
-Monthy Python
Wie auch du Roman, habe ich früher Rollenspiel gespielt (tue ich heute noch). Das war noch so in den späten 80ern und da waren Rollenspieler ja das Böse schlechthin. Worte wie "Realitätsflucht", "Okkultismus", aber auch "Gewaltverherrlichend" waren in den Medien mit Rollenspielen verbunden, was in erster Linie daran lag, dass sie keine Ahnung hatten, um was es sich eigentlich handelt (.O.K. Realitätsflucht ist ja im Prinzip sogar gewollt...:-) Nur weil in der Fantasy fremde Götter, Dämonen und Magie vorkommen, wird man kaum zum Okkultisten?!?!
Und jetzt soll Magic okkultistisch sein, weil die Bilder gruselig sind? Naja, RPGs sind auch nicht harmloser geworden (z.B. Vampire (derzeitiges lieblings-RPG), die Werbung ist z.T. unheilvoller (Cinemaxx z.B.) und ich denke auch im Brettspielbereich gibt es das eine oder andere gruselige Spiel, dass man mit "Okkultismus" in Bezug setzen könnte -z.B. Vampir von Knizia, White Lady von Wittig, das neue Pangea ist defintiv unchristlich...Und das sind nur die, die mir gerade einfallen.
Ich denke man sollte vorsichtig sein, etwas als okkultistsich abstempeln, nur weil man es nicht richtig kennt. Fantasy-Bilder allein sind nun wirklich nicht okkult!
Ich selber bin übrigens kein grosser Magic-Fan, das liegt aber mehr an der finanziellen Ebene, die schon angesprochen wurde.
ciao
Peer (der bereits seit 15 Jahren vorm Computer sitzt, RPGS spielt und (früher mehr) Heavy Metal und Alternative hört und trotzdem weder Satanist noch Schwerverbrecher ist)

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Carsten Wesel

re: Wo ist die Jugend?

Beitragvon Carsten Wesel » 23. März 2001, 10:52

Zu diesen Fragen hat Arno C. doch oben schon seine Erfahrungen mitgeteilt. Das las sich auch recht interssant.
Link ist hier unten klickbar.
Gruß Carsten (hat heute wieder Spieleabend - freu!)

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Roland G. Hülsmann
Kennerspieler
Beiträge: 2598

re: Bin gegen Magic usw.

Beitragvon Roland G. Hülsmann » 23. März 2001, 11:23

1. Weiß ich nicht, was an Magic "okkult" ist. Es geht um eine Phantasiewelt mit Phantasiegestalten. Ich wüßte nicht, wie so etwas Einfluß auf mich ausübt. Und gerade Kinder wissen sehr gut zwischen Märchen und Realität zu unterscheiden, auch wenn sie die Gabe haben, besser unt intensiver als manch Erwachsener in ihre Spielwelt abzutauchen. Unter "Okkult" verstehe ich Aberglauben, wie Tische rücken, Geister beschwören, etc. das heißt: wenn jemand glaubt, daß es so etwas wirklich gibt. (Magic beinflußt den Spieler genauso wenig wie angebliche Rückwärtsbotschaften auf Platten von Black Metal Bands. So was glauben nur Sekten, die mir eher okkult vorkommen.)
2. Wenn man Magic nicht in Tunieren spielt, sondern in Familie etc, so kommt man mit einem Starterpack (25 DM) und einigen Boosterpacks bequem aus. Zum Geld ausgebnen gehören immmer (mindestens) zwei.
3. Und wer die grausliche Fantasygrafik nicht mag (es sind wirkliche Kunstwerke darunter), der nimmt halt die knuddeligen Pokemon, an denen wohl niemand etwas okkultes funden wird.

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Carsten Wesel

re: Computerspiele vs. Brettspiele

Beitragvon Carsten Wesel » 23. März 2001, 11:46

> Lode Runner (besonders eigene Levels kreieren)
Das waren noch Zeiten - ich liebte Lode Runner. Ich habe Lode Runner allerdings auf eine Apple][ gespielt - muß ja nicht alles Atari sein.
Besonders stolz war ich damals darauf, daß ich andere Spiele spielte, als alle anderen. Die haben sich nämlich hauptsächlich mit Baller- & Scheißspielen beschäftigt (Schreibfehler? Nö!). Meine größte Annäherung an Ballerspiele war "Little Brick Out" oder ein selbstgeschriebenes BASIC-Programm a la PacMan, wo ich auch gegen die Bösen bestehen musste.
> Umbruchphase zwischen Computer und Brett
Das war für mich "Res Publika", als ich es bei einem Freund gespielt hatte. Gleich näxten Tag habe ich ihn zu "Das Spiel" geschickt (Studenten kommen da gut vorbei) und ich hatte mein Umbruch-Spiel, das ich übrigens auch heute noch gerne spiele.
Gruß Carsten (hat sogar die alten Apple-Programme noch)

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Benjamin Spicher

re: Bin gegen Magic usw.

Beitragvon Benjamin Spicher » 23. März 2001, 12:04

>3. Und wer die grausliche Fantasygrafik nicht mag (es >sind wirkliche Kunstwerke darunter), der nimmt halt >die knuddeligen Pokemon, an denen wohl niemand etwas >okkultes funden wird.
Da irrst du dich aber gewaltig. Auch die Pokemons wurden schon zur Genüge als Jugenverführer und Teufelszeug verschrien. Was ein echter Fanatiker ist schreckt vor nichts zurück...

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Roland G. Hülsmann

re: Bin gegen Magic usw.

Beitragvon Roland G. Hülsmann » 23. März 2001, 12:25

>> Auch die Pokemons wurden schon zur Genüge als
>> Jugenverführer und Teufelszeug verschrien.
>> Was ein echter Fanatiker ist schreckt vor nichts
>> zurück...
Es wird immer einen Sektierer geben, der alles für Teufelszeug hält, was er nicht mag oder versteht. Möglicherweise gibt es auch irgendwelche Sekten mit verlemmten Menschen, die meinen, daß der Satan persönlich (als ob es so etwas gäbe!) über die Pokemon Gewalt über unsere Kinder bekommt ... und mit Sammelbildchen für die Haut (Tatoos) werden sie süchtig gemacht, weil Rauschgift drauf ist ... Aber muß man das alles ernst nehmen?

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Heiko Hartmann

re: Computerspiele vs. Brettspiele - Nur, weil´s mir grade einfällt ...

Beitragvon Heiko Hartmann » 23. März 2001, 15:52

Hallo!
> Heiko ....mann (hat heute noch seine 5 1/4 Zoll-
Disketten mit den Kultspielen Seven Cities of Gold, Great American..., Alley Cat, Necromancer, Alternate Reality, Return of Herakles......................)
Nicht zu fassen! Nochmal einer der 'Return of Herakles' kennt! Das war Kult. Total.
> Ich glaube mein erstes Spiel in der Umbruchphase zwischen Computer und Brett war dann Auf Achse (1986), das mich wieder zurück an den Tisch brachte.
War bei mir etwas anders: Wir haben schon damals parallel zu den Computerspielen nächtelang 'Risiko' gezockt bis uns die Hände vom vielen Würfeln abfielen (das Ganze freilich nach den alten Risiko-Regeln und später auch mit selbstgemalten Spielbrettern :-).
Ähnlich ist allerdings meine Einstellung zu heutigen Computerspielen. Vom alten Flair ist irgendwie nicht mehr viel übrig geblieben. Zu den wenigen Spielen die heute noch in meinem CD-Laufwerk landen zählen Heroes of Might & Magic III und 'You Don't Know Jack' - alles Spiele die man auch mal zu dritt vor einem Rechner spielen kann.
Ciao, Heiko.

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Heiko Hartmann

re: Bin gegen Magic usw.

Beitragvon Heiko Hartmann » 23. März 2001, 16:25

Hallo Markus!
Ich gebe Dir in Teilen recht. Mir gefallen die Karten mit den üblen Kreaturen auch nicht besonders. Das könnte man vielleicht etwas entschärfen.
Auf der anderen Seite hält sich Wizards of the Coast einen 'Art Director' und hat dutzende anerkannter Fantasy-Künstler unter Vertrag. Etliche der Karten sind wunderschön (ich mag vor allem die Landschaften von Rob Alexander).
Kleine Anekdote am Rande: WotC hatte schon einmal Probleme mit aufgebrachten Kirchenvereinigungen in den USA und hat daraufhin alle Kartennamen mit 'Demonic' abgeändert bzw. aus dem Spiel entfernt. Desweiteren wurde die Grafik einer Karte ('Unholy Strength') verschandelt indem man ein Pentagram im Hintergrund weg-retuschierte. Schizophren. Offensichtlich gehen gewisse Leute davon aus das ein Pentagram sehr wohl zum Beschwören von Dämonen zu gebrauchen ist und man es deswegen mit allen Mitteln bekämpfen muß. Als rationell denkender Mensch muß ich aber leider hier öffentlich bekannt geben das einem Pentagram überhaupt keine übernatürliche Kraft inne wohnt - es ist ein Zeichen, sonst nichts. Alles andere ist Esoterik.
Noch eine Anekdote: In den USA hat ein christlicher Priester öffentlich eine lebensgroße Pikachu-Stoffpuppe verbrannt und mit einem Schwert abgestochen. Vor den Augen einer Gruppe von Kindern. Dem Teufelszeug muß Einhalt geboten werden!
Denn liebe Kinder merkt euch folgendes: Was mir nicht in de Kram paßt wird verbrannt und abgeschlachtet. Der Zweck heiligt die Mittel!
Noch eine Anmerkung: Indem ich meinen Kindern verbiete bestimmte Dinge zu spielen oder Fernsehen zu schauen übe ich eine Art von Zensur aus. Zensur kann in Maßen angewandt durchaus einen Sinn haben - man muß sich nur ständig fragen was einem wichtiger ist: Freiheit oder (eine fragwürdige) Kontrolle.
> Markus
> (hält nix von Esoterik usw. in Spielen)
Esoterik kann es in Spielen gar nicht geben. Spiele an und für sich basieren auf der Vorstellungskraft der Mitspieler, d.h. auf deren Phantasie.
Ciao, Heiko.

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MarcFigel

re: Bin gegen Magic usw.

Beitragvon MarcFigel » 24. März 2001, 14:30

Deine grundsätzlichen Bedenken empfinde ich als sehr
positiv. Es gibt wenigstens noch Menschen, die nicht alles blind kaufen.
Aber: Es geht doch darum ob z.B."Magic-Karten"
wirklich eine "Kraft" besitzen, die wirkt, bzw.
ob jemand versucht bewußt Menschen zu beeinflussen
( nicht bei der Kaufentscheidung, sondern in der Persönlichkeit ). Dies muß ich für Magic, Pokemon, Teletubbies verneinen.
Weiter wichtig ist, ob ich selbst diesen Sachen diese
"Macht" zugestehe. Wenn ich feststellen würde, daß ich abhängig bin muß ich gegensteuern, egal was es ist.
Eltern obliegt nun die schwierige Aufgabe ihre Kinder zu mündigen, unabhängigen Bürgern zu erziehen.
Als Vater würde ich gegensteuern, wenn ich feststelle, daß mein Kind sich wegen z.B. Pokemon persönlich verändert, bzw. wenn meinem Kind P. nicht gefällt es aber trotzdem haben will.
Nun, soweit kurz einige Gedanken.
MF

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Markus N.

re: Wo ist die Jugend?

Beitragvon Markus N. » 25. März 2001, 01:11

ja ja. Der Mensch - das unbekannte Wesen...

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Roman Pelek

[OT] Zensur & Sinn

Beitragvon Roman Pelek » 26. März 2001, 02:31

Hi Heiko,
>Noch eine Anmerkung: Indem ich meinen Kindern verbiete bestimmte Dinge zu spielen oder Fernsehen zu schauen übe ich eine Art von Zensur aus. Zensur kann in Maßen angewandt durchaus einen Sinn haben - man muß sich nur ständig fragen was einem wichtiger ist: Freiheit oder (eine fragwürdige) Kontrolle.<
Ist auch immer die Frage, was Zensur nützt, da Zensur meist das Interesse an den zensierten Dingen noch fördert. Gerade unter Jugendlichen steigt das Interesse an solchen Sachen scheinbar proportional zum Grad der Zensur oder des Verbots.
Früher sind wir jedem zensierten Horrorstreifen nachgelaufen, und jedes indizierte Computerspiel war ein Muss in der heimischen Diskettenbox. Da konnte das "Produkt" selbst so schlecht oder belanglos sein, wie es wollte...
Und schon bei Kleinkindern ist nix reizvoller als die heisse Herdplatte oder die "verbotene" Steckdose :(
Ciao,
Roman (hat mit fünf Jahren mit dem Eisennagel zu seinem Glück NICHT die Phase in der Steckdose getroffen, bevor sein Vater kam)

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Heiko Hartmann

re: Wo ist die Jugend?

Beitragvon Heiko Hartmann » 27. März 2001, 13:01

Hallo!
> Woran liegt das nur. Warum kommen sie erst später
> zum "richtigen Spiel"?
> * Wegen dem (komplizierten) REgelstudium?
Wohl kaum. Magic und Warhammer schlagen sogar die Avalon Hill-Spiele was den Regelumfang angeht um Längen.
> * Weil Spielen langwierig und grüblerischer ist?
Auch nicht. Die meisten aktuellen Spiele sind auch nicht länger als eine Magic-Partie und schon gar nicht länger als eine Runde Warhammer. Ich kenne auch nur sehr wenige Spiele bei denen man mehr nachdenken muß als beim Zusammenstellen eines neuen Magic-Decks.
> * Weil die Warhammer-figuren noch im Sandkasten
> spielbar sind?
Gelbe Karte.
> * Weil man da keine Regel lesen / verstehen muß?
Siehe oben. Probier doch die 'Kinderspiele' erst mal aus...
> * Weil im "Normalspiel" weniger Action drin ist?
Der erste Punkt an dem etwas dran sein könnte. Tatsächlich geht's bei Magic- oder Warhammer-Partien immer sehr lebhaft zu. Vielleicht identifizieren sich dort die Spieler mehr mit dem Spiel?
> * Weil... ???
Vielleicht weil 'Magic' an und für sich eines der genialsten Spiele überhaupt ist? Ich habe daheim mehr als 200 Karten- und Brettspiele, dennoch spiele ich mit meinen Freunden die letzten 5 Jahre fast nur Mehrspieler-Magic.
Leute die nur Brettspiele spielen (der häufigste, und völlig verständliche, Grund hierfür ist das diese Leute nicht bereit sind etwa 10 DM pro Spieleabend auf den Tisch zu legen) reagieren darauf oft mit Unverständnis oder sogar offenen Angriffen. Schade eigentlich.
Ciao, Heiko.


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