Beitragvon Roman Pelek » 8. April 2001, 01:02
Hi Toasti,
>wie sind die ersten partien gelaufen?
interessiere mich sehr für dieses verhandlungs- und wirtschaftsspiel!<
Wenn Du auf Verhandlungs- und Wirtschaftsspiele stehst, zumindest ein bisschen, solltest Du das Spiel im Auge behalten. Doch dazu jetzt mehr:
>einstieg soll schwierig, da vielschichtig sein!<
Ja, das Spiel ist recht komplex und bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten, Aufträgen, Waren, Sonderkarten. Von Grafik und Zahl und Art des Spielmaterials erinnert es somit stark an Fürsten von Florenz, auch wenn es von der Spielidee und Mechanismus ein ganz anderes Spiel ist.
Die Lektüre der Regeln und der erste Spielaufbau bringen einige Probleme mit sich, es muss erstmal kapiert werden, was wohin gehört, welche Gebäude mit welchen Eigenschaften wo stehen und wie die Verhandlungen abzulaufen haben.
Im Prinzip läuft es so: der aktuelle Spieler erwürfelt einen Startplatz für den fünfteiligen Händler, und darf diesen im Rahmen seines Zuges vier Felder weit über Strassen und Gebäude mit verschiedenen Aktionsmöglichkeiten bewegen (wobei auf Startfeld und den vier anderen jeweils ein Teil zum Liegen kommt). Auf jedem der fünf Felder, das ein Gebäude zeigt, kann eine Aktion von einem Spieler ausgeführ werden - wobei jeder Spieler, ausser mit Sonderkarten, nur insgesamt eine Aktion zur Verfügung hat. Wer die einzelnen Aktionen ausführt bzw. wohin der Händler läuft, kann der aktuelle Zugspieler bestimmen, er läßt sich dabei allerdings gerne durch Geldangebote von Seiten der Mitspieler dazu bringen, dem einen oder anderen Spieler "einen Gefallen" zu tun und diesen eine Aktion ausführen zu lassen bzw. die Richtung des Händlers danach zu wählen.
Was im Spiel an Aktionen möglich ist, ist zu vielschichtig für einen ersten Eindruck in Form eines Postings hier, insofern nur ein kurzer Abriss: es können große und kleine Aufträge erfüllt werden (Waren verkaufen), Sonderkarten gezogen werden, Gebäude in Besitz genommen werden (bringt Einnahmen, falls dort Spieler Aktionen tätigen), Botschaften gegen Geld übermittelt oder Privilegienkarten gesammelt werden.
Die Verhandlungen im Spiel sind sehr lebhaft und komplex, man kann Ansinnen über längerfristige Ziele vortragen und unverbindliche Geldzusagen für deren Erfüllung machen, kann konkret um aktuelle Aktionen oder das nächste Feld des Händlers bieten, es wird eine Menge "geboten", diskutiert - und konterkariert durch die vorrangigen, eigenen Interessen des aktuellen Spielers. Manch böse Überraschung ist fällig, wenn man einen Mitspieler lang und breit überredet hat, irgendwohin zu ziehen, und der z.B. den bereits abgezählten Geldbetrag ablehnt, nur um selbst eine Aktion durchführen zu wollen.
Kurzum: für uns war jede Menge Leben im Spiel und eine gehörige Portion Taktik: was will ich wann machen, wo habe ich Chancen, was haben die Mitspieler vor. Die schönen Sonderkarten ermöglichen Gütertausch, Platzierung des Händlers etc.
Ach, und fast hätte es vergessen: sollte oben der Eindruck erweckt worden sein, man können nur mit Geld bieten oder Waren gegen Geld tauschen, so ist das Spiel viel komplexer: hier darf mit allem gehandelt werden, was man greifen kann: Waren gegen Geld, Sonderkarten gegen Waren, Aufträge werden zur Mildestimmung des wandernden Händlers angeboten etc. etc.
>spielreiz ungemein hoch (siehe pöppelrevue-kritik 01/2001)<
Kann ich nach der ersten Partie bestätigen. Wir haben zwei Stunden gespielt, und wäre nicht das Abendessen fällig gewesen, wir hättens gleich nochmal angefangen. Wie gut austariert die vielen Komponenten des Spiels allerdings langfristig sind, dazu kann ich nichts sagen, mag sein, dass da eine Macke ist. Wir alle lagen jedoch am Ende nahe beieinander mit völlig verschiedenen Strategien: der eine erfüllte nur große Aufträge, die andere schlug sich mit kleinen Aufträgen und Botschaftsübermittlungen durch, und ich verlegte mich auf Einnahmen durch Gebote der anderen, Gebäudeerwerb und Geld durch Presigekarten (habe knapp verloren...).
Erster Eindruck: exzellent, weitere werden in Kürze folgen. Ich hoffe, das Spiel hält, was die erste Partie versprach - dann wäre es bei mir auf jeden Fall unter den drei am liebsten gespielten Spielen von Essen/Nürnberg.
Ich hoffe, das hat Dir (und anderen) etwas weitergeholfen.
Ciao,
Roman