Beitragvon Christian Schnabel » 2. April 2001, 18:29
Hallo Robert,
ich habe vor ca. 2 Wochen ein Handmuster gespielt.
Thematisch wird der 1. Kreuzug, der mit der Eroberung Jerusalems endete, nachgespielt. Und genau dies ist auch das Spielziel. Jeder Mitspieler (max. 5) übernimmt
ein an Größe zunächst recht bescheidenes Kreuzfahrerheer und startet dann als Gottfried von Boullion oder Sigurd von Norwegen... seinen Feldzug gegen den Islam.
Der Spielplan zeigt Europa, Kleinasien und den Mittelmeerraum; das Spielmaterial besteht aus Holz (Schatztruhen, "El-Grande-Caballeros" als Kreuzritter), Übersichtsblättern für die Mitspieler, einen dicken Stapel Karten und einem Würfelturm (Kampfturm) von ziemlicher Höhe.
Spielablauf:
1. von den max. 5 Handkarten 1 bis 5 ausspielen
a) 2. erreicht man eine christliche Stadt:
2.1. beten, zur Erhöhung der Moral der eigenen Truppen
2.2. anheuern neuer Kreuzritter oder
2.3. plündern der christlichen Stadt (nur möglich falls kein weiteres Kreuzfahrerheer in der Stadt ist), um neue Schatztruhen zu erhalten (nur bei Erfolg), womit dann in einer anderen christlichen Stadt neue Truppen angeheuert werden können.
b) stößt man auf ein Sarazenenheer oder -flotte = kämpfen
c) moslemische Städte: können ebenfalls angegriffen werden, um neue Schatztruhen zu erhalten
Erfolgreich geplünderte Städte werden übrigens vom Spielplan genommen.
3. max. 3 Karten nachziehen. Je nach Moral der eigenen Truppe kann sich der Kartennachschub auch auf 2 oder gar nur 1 Karte reduzieren. Da hilft dann nur noch beten, um die Moral wieder zu heben.
Im Kartenstapel befinden sich Bewegungs- und Ereigniskarten. Mit den Bewegungskarten (Meer, Gebirge, Ebene, Joker) kann das eigene Kreuzfahrerheer die entsprechenden Gebiete auf dem Spielplan betreten. Bei den Ereigniskarten gibt es sehr unterschiedliche:
- manche müssen sofort ausgespielt werden (z.B. islamische Verstärkungen für Jerusalem),
- mit anderen kann man allzu erfolgreiche Mitspieler behindern (Desertationen, Diebstahl von Schatztruhen, neue Sarazenenheere auftauchen lassen, ...),
- manche Karten sind positiv für das eigene Vorankommen
Kampfmechanismus:
Man nimmt eine beliebige Anzahl von eigenen Rittern, sowie die (in der Regel) definierte Menge an Klötzchen von den sich verteidigenden Städten/Sarazenenheeren/-flotten... und wirft beides gemeinsam in den Turm. In diesem sind mehrere Zwischenebenen eingezogen (deshalb kommt unten nicht unbedingt das heraus, was oben hineingeworfen wurde).
Kommen unten aus diesem Turnm mindestens genauso viele (oder mehr)eigene Kreuzfahrer (Klötzchen)heraus, wie grüne Steine (grün = Sarazenen, aber auch die sich verteidigenden christlichen Städte), dann war der Angriff erfolgreich.
Beispiel: die eigene Farbe ist Blau:
aus dem Turm kommen 4 blaue, 3 grüne und 2 gelbe Klötzchen. Ergebnis: Kampf gewonnen, 3 blaue (Verluste)und 3 grüne Steine gehen zurück in den Vorrat, 1 blauen Spielstein erhalte ich als Überlebenden zurück, 2 gelbe Klötzchen schließen sich meinen Heer an (Gefangenenbefreiung) und werden durch blaue Klötzchen ersetzt.
Für den Kampf um Jerusalem gibt es übrigens Sonderregeln (da ist Bluff/Pokern und Zocken angesagt, da ein Mitspieler die Verteidigung der Stadt übernimmt).
Moral:
Die Moral (Start mit 10 Moralpunkten)wird beinflußt durch das eigene Vorgehen; z.B. sinkt die Moral bei einen Angriff auf eine christliche Stadt um 3 Punkte (egal ob erfolgreich oder nicht); auch Niederlagen verschlechtern die Moral, Siege und "beten" (nur in christl. Städten möglich) lassen sie hingen wieder steigen. Für einen Angriff auf Jerusalem sind minimal
6 Moralpunkte notwendig.
Fazit: Das Spielmaterial des Handmusters und auch das Thema Kreuzzüge sind m.E. erstklassig umgesetzt worden. In den Ereigniskarten sind historische Begebenheiten mit eingearbeitet worden, wie z.B. das auffinden der "Heiligen Lanze" im Jahr 1098 in Antiochia. Auch der langsame Vormarsch nach Jerusalem, die Rückschläge auf dem Weg dorthin, das "Zocken" bei den Kämpfen (wieviele Kreuzfahrer werfe ich in den Kampf; wieviele Gefangene könnte ich befreien...) konnten mich überzeugen.
Allerdings: die Meinungen über "Im Zeichen des Kreuzes" waren in den verschiedenen Spielerunden teilweise sehr konträr (Afrika läßt grüßen!) und ich vermute einmal es wird auch in diesem Forum sehr unterschiedliche Meinungen hervorrufen.
Es handelt sich in jeden Fall nicht um ein knallhartes Strategiespiel (wie z.B. bei der Torres Meisterversion) Über den Wiederspielreiz kann ich nach nur 1 Partie natürlich nur spekulieren, aber ich denke, daß dieser hoch sein wird (vorausgesetzt man mag dieses Spiel überhaupt).
Konnte ich dir jetzt ein wenig weiterhelfen?
Viele Grüße
Christian Schnabel