Beitragvon Gustav der Bär » 19. April 2001, 23:43
Ob wir empfinden, dass ein Spiel so ist "wie ein anderes" mag auch daran liegen, welcher Aspekt eines Spiels uns besonders angesprochen und somit eingeprägt hat.
"Vinci" - zum Beispiel - ist wie "Empire" (oder, wenn wir es abqualifizierend formulieren wollen, wie "Empire für Arme", weil es sich etwa auf ein Drittel der Regeln beschränkt), aber trotzdem mag ich beide gern, weil ungeachtet der vielen Parallelen jedes seinen eigenen Reiz hat.
Der überwiegende Teil aller Bücher, Filme und Opern hat als wichtigste Handlungsbestandteile "Junge trifft Mädchen" und "Einer gegen Alle", aber trotzdem kann man an "Sleepy Hollow" Gefallen finden, auch wenn man "Stagecoach" kennt.
Aber ich will hier einen Kompetenteren als mich zu Worte kommen lassen, nämlich Gottfried Keller, der genau diesen Aspekt im ersten Abschnitt seiner Novelle "Romeo und Julia auf dem Dorfe" genauer und sprachlich besser formuliert hat, als ich es je könnte:
"Diese Geschichte zu erzählen würde eine müßige Nachahmung sein, wenn sie nicht auf einem wirklichen Vorfall beruhte, zum Beweise, wie tief im Menschenleben jede jener Fabeln wurzelt, auf welche die großen alten Werke gebaut sind. Die Zahl solcher Fabeln ist mäßig; aber stets treten sie in neuem Gewande wieder in die Erscheinung und zwingen alsdann die Hand, sie festzuhalten."
Auf Xuntheit!
Gustav der Bär
(a.k.a. Peter Gustav Bartschat)