Beitragvon Adam » 29. Mai 2001, 22:10
Prinzipiell spricht nichts dagegen.
Zum Spiel-des-Jahres 2000 fand sich z.B. Carolus Magnus auf der Nominierungsliste ("beste" 3 Spiele). Autor: Leo Colovini (geb. in Italien), Verlag: Winning Moves (USA).
Das ist zwar (noch) nicht Spiel-des-Jahres, aber immerhin besser als "nur" auf der Auswahlliste. Und das ist wiederum besser als gar keine Auszeichnung.
Internationale Autorenschaft ist als Kriterium vermutlich völlig irrelevant. Philippe Keyaerts (Belgier?) mit Vinci (Auswahlliste 2000), Bruno Faidutti (Franzose?) mit Ohne Furcht und Adel (Nominiert 2000) und Alan Moon (USA?) mit Elfenland (SdJ 1998) sprechen doch eine deutliche Sprache.
Ein Grund für Roads & Boats nicht auf der Auswahlliste zu erscheinen ist sicher die Verlagsgröße, gemessen an einsetzbarem Kapital, nicht an Belegschaft. Ein SdJ-Mitglied ließ sich an einer Stelle mal dazu aus, daß eine gewisse Verfügbarkeit sichergestellt sein muß. Die 1. Auflage von R&B betrug 50 Stk, die 2. dann 500 Stk. Ein SdJ wird in 6- oder 7-stelliger Anzahl benötigt. Da bei Splotter Spellen Erfindung, Entwicklung, Testen, Finanzierung, Produktion und Vertrieb alles quasi in einer Hand liegt, und das noch nicht mal hauptberuflich, ist auf absehbare Zeit kaum mit einer auszeichnungsgerechten Marktstellung zu rechnen.
Für die Spieleszene wäre es besser, wenn sich die Jungs von Splotter Spellen als Autoren bei einem der etablierten Verlage verdingen würden. Die Spiele wären dann nur noch halb so teuer und dabei auch noch in besserer Qualität. D’raf ist dafür ein Beispiel: z.Z. kostet es fast 60 DM, die Ausstattung ist mit Carcassonne (ca. 30 DM) vergleichbar. Die Leute von Splotter wollen aber nicht für einen anderen Verlag arbeiten, also bleiben sie selbstständig und die Preise hoch. Da kann man nichts machen.
Allein die niedrige Auflage kann natürlich auch kein Grund sein, der gegen die Auszeichnung spricht. Es kam bisher öfter vor, daß ein Verlag von der Wahl der Jury überrascht wurde und den einsetzenden Nachfrageschub nicht aus dem Bestand decken konnte. Dann wird eben nachproduziert, der Kunde muß sich eben gedulden.
Zurück zu Roads and Boats. Die wichtigsten Argumente gegen die Auszeichnung sind die Komplexität und daraus folgend die lange Spieldauer (>4h), sowie mangelnde Tauglichkeit für Gelegenheits- und Familienspieler. Zusammen mit der hervorragenden Spielmechanik, die es zu einem Deutschen Spiel (German Game, Gattungsbegriff, nicht Herkunftsbezeichnung) machen, sind das natürlich auch gerade die Gründe, die R&B für die Teilnehmer hier im Forum so interessant machen. Aber die SdJ-Jury erinnert sich dann und wann (nicht immer) an ihre hehren Grundsätze, wonach das oder die ausgezeichneten Spiele das Spielen in der Gesellschaft fördern soll. Und dafür gibt es nun mal weit besser geeignete Kandidaten als R&B. So hat dieses Spiel bei weitem nicht die Chance auch nur in die Nähe der Auswahlliste zu kommen.
Genug geschwafelt? Auf jeden Fall!
Gruß
Adam