Beitragvon Roman Pelek » 15. August 2001, 00:29
Hi Uwe,
>Nach den vielen Lobreden auf die Händler von Genua sind wir heute zum ersten Spiel gekommen - am Ende bei meinen Mitspielern Müdigkeit und etwas lange Gesichter. "Na ja, nette Grundidee" "Zieht sich einfach" "Kein Spannungsaufbau" "Ein bisschen viel, wirklich jeden Teilzug zu verhandeln" "Zu viele Möglichkeiten".<
Ich denke, dass bei der ersten Partie ganz klar die Fülle an Möglichkeiten etwas erschlägt und somit die Partie etwas zäh wird. Zudem hängt natürlich die Flüssigkeit der Verhandlungen von den Mitspielern und deren Verhandlungswillen bzw. Zielgerichtetheit ab; bei der ersten Partie ganz schwierig.
>Und ich muss auch sagen, bei mehr als 2h (wir haben mit Erklären fast 3 gebraucht), gleichen Verlauf in jeder Runde, schwierigen Überblick fallen mir auch eine Reihe von Spielen ein, die ich das nächste Mal lieber auf den Tisch bringen würde.<
Der Überblick stellt sich ein, für eine erste Partie ist es allerdings etwas viel verlangt. Das mit dem gleichen Verlauf jeder Runde stimmt schon, dennoch benötigt man ja auch Zeit, um seine Strategien und Aufträge aufzubauen. Mich stört der gleiche Ablauf nicht, da er für längerfristige Planungen notwendig ist und m.E. die Verhandlungen eh immer anders ablaufen und die variierenden Wege des Händlers und überraschende Einsichten in die Absichten der Mitspieler für Abwechslung sorgen.
>Einzelmeinung? Verändet sich das Spielgefühl beim zweiten und dritten Mal?<
Die Übersicht wird besser, es wird klarer ersichtlich, welche Linien man verfolgen kann. Ausserdem reizt es durchaus bei jeder Partie, neue Wege zum Sieg auszuprobieren. ABER - und das ist ein dickes "aber": in wenig verhandlungsfreudigen Runden kann HvG ein zäher, langatmiger, repetitiver Brocken sein. Es kommt ganz eindeutig auf die Mitspielerauswahl an, ob HvG hervorragend ankommt oder nicht. In Kombination mit der Fülle an Möglichkeiten ist der Einstieg zumal nicht so einfach.
Kurzum: kein Spiel für Jedermann und Jederzeit und für Regelselbstleser auch ein relativ harter Einstieg. Sind die Möglichkeiten aber erstmal verinnerlicht und die Runde in der Laune zu feilschen und knallhart zu verhandeln, dann ist es eine Riesengaudi.
Ich würde dem Spiel noch eine Chance geben, wie bei allen anspruchsvolleren Spielen muss aber auch die Spielrunde zum Spiel passen, sonst wird's nix. Kann also durchaus sein, dass es nicht "Euer" Spiel ist, ich habe Runden erlebt, die waren grandios und andere kamen überhaupt nicht in die Gänge. Hing von den Mitspielern und Laune ab.
Ich bring's sehr gern auf den Tisch, vergewissere mich aber vorher, dass die Rahmenbedingungen passen. Andererseits geht mir das bei Medina, Java etc. auch nicht anders; dafür sind diese Spiele einfach nicht "locker" genug, damit sie immer reinpassen. Würde ich aber weder Spieler noch Spielen ankreiden; ein trockener Roter ist auch nix für's Frühstück, aber deswegen noch kein schlechtes Lebensmittel ;-)
Ciao,
Roman