Beitragvon Arno C. Hofer » 15. Oktober 2001, 10:01
Roman Pelek schrieb:
>
... ich setze mal 6
> unterhaltsame Partien a 120 Minuten mit enstprechendem
> Smalltalk drumrum an, sind 12h. Das sind merklich weniger als
> 5 Mark pro Stunde. Das ist nicht teuer. Geht man ins Kino, so
> kostet das meist 12-17DM für 90 Minuten + Werbung. In einer
> Kneipe versüsst man sich das Leben für 2h meist auch nicht
> unter 20DM. Essen gehen, oder ein Familienausflug sind meist
> deutlich teurer.
Wen mir die Leute sagen "Spiele sind teuer" dann frage ich genau nach diesen Relationen - Kino, Essen gehen, Konzert, Sauf-Abend in der Kneipe - und meistens sehen die Leute dann ein, wie sie sich in ihrer Einschätzung, die glaube ich noch immer von der Vorstellung "Spielen ist nichts wert" dominiert wird, vertan haben: Erst, wenn man die Spielenden (nach einem Spiel) dann fragt, was sie in den letzen 2h erlebt, was sie da gesehen, gehört, empfunden haben, kommen sie d'rauf, dass sie persönlich Mittelpunkt eines Gesamtkunstwerks gewesen sind - und aktiv daran beteiligt. An diesem Punkt liegts auch: "warum soll ich so viel Geld dafür ausgeben, wenn ich erst die Spielregeln erarbeiten und dann so viel Zeit - in der ich (wirklich) nichts anderes tun kann - investieren muß, um mir dann eine Welt zu erschließen, die ich eigentlich nicht brauche... ", dann ist's in der Tat eine teure Zeit. Aber so spielt sich's doch in Wirklichkeit nicht ab. Wir bei "Ludovico" haben schon viele "Nichtspieler" zum Spielen verführt und sahen diese dann freudestrahlend heimgehen und bald wiederkehren. Das "Medium Spiel" (also die Kiste, das Material, die Spielanleitung) sind hierzulanden wirklich billig - aber viele scheuen (zu Unrecht) die "Folgekosten" - den Zeitaufwand und die Mühen, sich durch so manche Spielanleitung "zu quälen"...
Irgendwie müßte es uns doch gelingen, dem Spiel "einen echten Wert" zu geben: einen, den viele gern bereit sind, zu akzeptieren:so wie die Ausgaben für das Fitness-Studio, die Sport-Mode, das Tuning fürs Auto, die oder jene CD, den einen oder anderen Kneipenbesuch ...
Denn: wenn die Spielerschar größer wird ist auch mit mehr Nachfrage zu rechnen und die - derzeit, glaube ichs wirklich - unter ihrem tatsächlichen Wert verkauften Spiele (vorallem von Kleinverlagen) würden, dank höherer Auflage, sich auch wieder besser rechnen. (Insofern freue ich mich immer, wenn ein SDJ aus einem Kleinverlag kommt!) ... denn was gerade hier, auf dem Spielemarkt an (jahrelanger) Selbstausbeutung passiert, ist nicht gerade menschenwürdig. Aber: ist das in anderen Kunstrichtungen besser? Ist nicht gerade in der Musik, in der Malerei und der Dichtkunst der "tote Künstler der beste Künstler"? Macht nicht dann erst der Besitzer, die Galerie, der Tantiemenberechtigte großen Gewinn? Steigt der Wert mancher Objekte (wie auch der der Weine) nicht erst lange nach dem Entstehungsdatum? Doch die Anerkennung von Spieleautoren als Künstler (Name auf der Schachtel) ist gerade erst zehn, fünfzehn Jahre alt - aber ich hoffe, sie hat sich (dank des Vorkämpfers Reinhold Wittig und der Gründung der SAZ) jetzt endgültig durchgesetzt ...
Im Übrigen: ich würde es verstehen, wenn Spiele teurer würden - aber das lässt, nach dem vorher Gesagten der Markt nicht zu (für manche Konsumenten: Gott sei Dank!, für manche Autoren, Redakteure, Verlage, Zulieferer: zähneknirsch - denn die Letzten beißen die Hunde [Papierpreis-, Werkzeugkosten-, Logistikkosten-Erhöhungen, etc. - und Erlöseinbrüche]). Wie dieses Spiel heißt? Sparefroh! Aber würdet Ihr dieses Spiel kaufen?
Arno