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Nord & Süden - Was ist daran toll?

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toasti

Nord & Süden - Was ist daran toll?

Beitragvon toasti » 10. Februar 2002, 17:20

Bei der Roman Pelek-Umfrage hat Norden & Süden sehr gut abgeschnitten und ich frage mich wieso. Es ist doch nicht viel mehr als ein aufgeblähtes Würfelspiel. Die Spieldauer von 60 Minuten kann ich auch nicht nachvollziehen. Wir haben nach 2 Stunden abgebrochen. Außerdem war es für den Süd-Spieler recht langweilig, weil er so wenig Kämpfer hat und kaum etwas machen kann.

Über gegenteilige Meinungen mit Erörterung würde ich mich freuen.

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Roman Pelek

Re: Nord & Süden - Was ist daran toll?

Beitragvon Roman Pelek » 10. Februar 2002, 18:29

Hi Toasti,

toasti schrieb:
>
> Bei der Roman Pelek-Umfrage hat Norden & Süden sehr gut
> abgeschnitten und ich frage mich wieso. Es ist doch nicht
> viel mehr als ein aufgeblähtes Würfelspiel.

Hm, im Gegensatz zu Tenjo empfand ich bei "Norden&Süden" den Würfelanteil angenehmer, da man durch gezieltes Zuordnen von Einheiten doch einiges machen kann. Dennoch ist's halt ein würfellastiges CoSim, das muss man mögen, viele tun das :)

> Die Spieldauer
> von 60 Minuten kann ich auch nicht nachvollziehen. Wir haben
> nach 2 Stunden abgebrochen.

Nach unseren Erfahrungen liegt die Spieldauer zwischen 30 und 240 Minuten, je nachdem, ob der Südspieler schnell gewinnt oder nicht... Die 60Min. als fixe Angabe sind m.E. recht frech, ein weiter gefasster Zeitrahmen wäre ehrlicher gewesen.

> Außerdem war es für den
> Süd-Spieler recht langweilig, weil er so wenig Kämpfer hat
> und kaum etwas machen kann.

Nuja, das Hauptangriffsziel zu Beginn der Partie dürfte Washingten und die umliegenden Rekrutierungsstädte des Nordens sein, dann kann das Spiel auch recht fix zu Ende sein. Ansonsten heisst's für den Süden wohl eher "durchhalten", aber darauf will ich mich nicht festlegen, da mir dafür die Spielpraxis fehlt. Aber es gibt bestimmt einige hier, die fundierte Strategieerörterungen geben können.

Ich finde N&S jedenfalls nicht schlecht, rein subjektiv ist es eine für mich angenehme CoSim, zumal man zu zweit eher Mitspieler für sowas hat ;-) Aber ich halte solche Spiele auch für extreme Geschmackssache!

Ciao,
Roman

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Rainer Weuthen

Re: Nord & Süden - Was ist daran toll?

Beitragvon Rainer Weuthen » 12. Februar 2002, 01:20

Toll daran ist, dass es endlich ein weiteres, gut aufgemachtes, deutschsprachiges CoSim gibt, welches sehr gute Regeln in verdaulichen Portionen bietet, sowie interessant genug für Einsteiger und Fortgeschrittene ist.

Aber:
Norden&Süden ist ein reinrassiges CoSim (wenn auch nicht mit mindestens 30 Seiten dichtbedrucktem Regelbüchlein, 1000 funktional-hässlichen Countern etc.), bei dem die historisch korrekte Wiedergabe über allem steht (sonst wäre es keine historische ConflictSimulation) und nicht ein normales "strategisches Brettspiel", das ist nur ein irreführender Oberbegriff.
Dies führt dazu, dass bei einer historisch so einwandfrei belegten ungleichwertigen Ausgangsposition (der Süden hatte nie eine Siegwahrscheinlichkeit) keine spielerischen Ausgleiche erfunden werden, um dem Fairniss-Charakter eines Brettspieles Tribut zu zollen.
Je mehr optionale Regeln genutzt werden, um so weniger Chancen hat der Süden. Falls dem Konföderierten nicht eine erhebliche Verkettung glücklicher Zufälle zugute kommt, ist er sofort in der Defensive und muß versuchen durchzuhalten - 40 Runden lang. Wenn der Norden die logische Offensivroute nimmt (übrigens die historische Route), fällt der Süden mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit früher.

Zur Dauer:
Niemals unter 2 Stunden (nur bei Grundregeln durch Einnahme Washingtons möglich), eher zwischen 3 und 6 Stunden bei moderatem Spieltempo (der Süden braucht einfach eine längere Bedenkzeit).

Stichwort aufgeblähtes Würfelspiel:
Halte ich für nicht vertretbar, da die strategischen und taktischen Anforderungen (besonders für den Konföderierten) eine hohe Spieldichte mit Tiefgang (insbesonders durch die optionalen Regeln) ermöglichen und erfordern.
Abgesehen von Schach und ähnlich strategischen Spielen mit hoher Übersichtlichkeit, habe ich mich (als Konföderierter) bei keinem anderen Spiel so lange konzentrieren müssen, um überhaupt eine Chance zu haben.
Dabei finde ich den Aufwand für die Würfeleien angemessen und regeltechnisch gut gelöst.
Die meisten CoSims basieren auf Würfel-Kämpfen, um den Zufallsfaktor im Krieg und vor allem bei der Planung ausreichend zu berücksichtigen.
Durch das Einheitenlimit (Obergrenzen, Verknappung, Bewegungssystem, strategische Notwendigkeiten) bleiben die Kämpfe übersichtlich und durch diverse optionale Regeln auch hart & schnell (zB. Moral).
Alles in allem, ein strategisch anspruchsvolles Spiel.


Trotzdem kann ich die Entäuschung sehr gut verstehen, ich war nämlich nach mehreren Partien ziemlich entäuscht, da sich die Wirklichkeit stark von den Aussagen der Packung und dem SPIEL-Messestand unterschied.
Aus dem exotischen, anspruchsvollen 2-Personenspiel für Jedermann, wurde ein CoSim für Spezialisten.
Da bleibt einem nichts anderes übrig, als die Regeln durch einen Satz historisch-unkorrekter optionaler Brettspielregeln zu "verbessern". Aber das ist ein anderes Thema.....

Gruß
Rainer


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