Beitragvon Gustav der Bär » 14. Mai 2002, 05:59
Ich denke, lieber Dimi, dass beides zugleich richtig ist.
> Ich bin der Meinung, dass es früher viel mehr "0815-Spiele"
> gab, und jetzt mehr die Qualität im Vordergrund steht.
Schon in den 70er und 80er Jahren habe ich gern gespielt, aber ich kann mich nicht erinnern, damals jedes Jahr aufs neue ein so reichhaltiges Angebot an verschiedenen Spielen gefunden zu haben, die mir alle gleichermaßen verlockend erschienen.
Es gab aber immer wieder mal etwas, das mich gereitzt hat. Ich vermute daher, dass die Autoren früher genau so gut waren, wie heute, dass den Verlagen aber oft der Mut fehlte, außergewöhnliche Konzepte zu produzieren.
Inzwischen ist es so, dass sich ein bestimmter Anteil an Spielen, die von den Spielern intensive Einarbeitung verlangen, immer wieder in den Neuerscheinungen findet und auch ihre Käufer finden.
> Er meinte: Die heutige "Spiele-Gesellschaft" ist leider nicht
> mehr bereit umfangreiche Regeln zu lesen, somit gleicht sich
> Qualität mit Quantität aus.
> Er meinte; Je einfacher die Regeln sind, umso mehr ist ein
> Markt dafür da.
Das ist sicher ebenfalls wahr - und wohl nicht mehr als eine Binsenweisheit. Die Mehrheit der Leute mag´s immer gern einfach und bequem, das war aber auch schon 1972 so wie 2002 (und 2002 v. Chr. wohl auch). Wenn man also eine wirkliche Massen-Auflage verkaufen will, tut man gut daran, die Regeln einfach und leicht zugänglich zu halten.
Was sehen wir also? Wir sehen, dass die Welt bei den Spielen genau so ist wie bei Büchern und Filmen
- Einige Leute lesen zum Vergnügen Marcel Proust, aber viele lesen lieber Heinz G. Konsalik.
- Einige Leute sehen zum Vergnügen Filme von Andrej Tarkowskij, aber viele sehen lieber Filme von Steven Spielberg.
Es gibt also einen Markt für die Qualität und es gibt einen Markt für die - sagen wir - "leichte Muse."
Aber: Proust UND Konsalik werden gelesen, Tarkowskij UND Spielberg werden gesehen!
Daran sollte man, ehe man zu einem pessimistischen Urteil über Verlage, Käufer oder gar die Welt im allgemeinen kommt, auch denken: "Qualität" und "leichte Muse" sind nicht unbedingt Widersprüche. Ein Spiel kann, wie ein Buch oder ein Film, gleichzeitig qualitativ hochstehend und leicht zugänglich sein.
> Stichwort: Carcassone!
Genau das richtige Stichwort, denke ich, um das letzt Genannte zu belegen (bloß, dass viele Spieler mit der "Carcassonne"-Schachtel noch jemanden mitkaufen sollten, der die Bauern-Punkte für sie berechnet, dann dazu muss man tatsächlich schon mal zwei oder drei Minuten nachdenken).
> Hintergrund: Ich plane ernsthaft selber einen Laden zu
> eröffnen.
Dazu wünsche ich dir auf jeden Fall einen riesen Haufen Glück und Erfolg, Kunden für einfache Spiele (für den Umsatz) und Kunden für komplizierte Spiele (für den Spaß an Verkaufsgesprächen).
Auf Xuntheit!
Gustav der Bär
(Peter Gustav Bartschat)
(Smilies bei Bedarf bitte in gewünschter Menge selbst einfügen)