Beitragvon Michael Weber » 4. Juli 2002, 22:08
Hm, also grundsätzlich hat er in vielen Sätzen Recht. Ich möchte auch nicht (wieder?) als Hardel-Kritiker missverstanden werden, aber in welche Richtung soll sich denn bitte die Jury bewegen? Das bleibt nämlich völlig offen. Wie können denn der Handel, die Verlage und die Autoren durch die Jury gestärkt werden? Doch wohl nicht durch eine Auszeichnungsinflation mit das Familienspiel, das komplexeste Spiel, das Kinderspiel, das Altenspiel... des Jahres? Auch nicht mit einem anderen Preismodell. Das Spiel des Jahres darf durch die Auszeichnung ja nicht teurer werden.
Was mich nebenbei ein bisschen stört ist die Bemerkung, dass komplexe Spiele möglicherweise erst gar nicht eingereicht werden und dann in Göttingen auftauchen.
---> Ich möchte meinen, hier werden zwei Dinge missachtet:
a) einfache Spiele können sehr wohl hochklassig sein und einen großen Spielreiz haben (Beispiel Carcassonne);
b) komplexe Spiele gab es immer und wird es immer geben. Die Mehrheit der Käufer findet sich jedoch NICHT für solche Spiele.
Deshalb ist es nur verständlich, wenn die Spieleverlage auf für die Masse zugängliche Spiele setzen. Nur so können komplexe Spiele den Weg in die Läden finden! Ob die Verlage sich die schwierig zu verkaufenden, aber gut in der Spieleszene zu pushenden komplexen Spiele leisten WOLLEN, ist eine andere Frage.
Ergo sind komplexe Spiele sowohl nicht unbedingt das Maß der Dinge, werden vorzugsweise von einer kleinen Szene gewünscht und müssen - nur weil sie komplex sind - nicht unbedingt gute Spiele sein.
Letztlich stellt sich hier die Frage nach dem Begriff "konstruktive Kritik". Obwohl ich die Ausführungen zu 90 % unterstütze, kommen sie in diesen "zehn Prozent" eher einer Vernachlässigung der Verhältnisse am Markt und der selbst gestellten Aufgaben der Jury gleich. Ganz abgesehen davon, sehe ich den angeblichen Trend zur Einfachheit nicht so deutlich.
Man mag ja von der Jury halten, was man will, dem Spiel als solches hat sie genutzt. Nur die Inflation der Pöppel auf den nun schon ungefähr 20 Schachteln pro Jahr schadet - der großen (und größeren) Zahl der wenig informierten Käufer und damit wiederum dem Spiel!
Michael
(hat wirklich nichts gegen Matthias)