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Spielbox Editorial 3/2002

Das ehemalige spielbox-Spielerforum
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Dieter Niehoff

Spielbox Editorial 3/2002

Beitragvon Dieter Niehoff » 4. Juli 2002, 21:28

Alle Achtung, der Hardel schreckt auch vor Majestätsbelehrungen nicht zurück:

Da wirft der doch glatt den SdJ-Juroren entgegen, dass sie sich doch endlich mal bewegen sollen. Denn jetzt sei die Sackgasse wohl gänzlich zu Ende gelaufen. Er fordert auf (Zitat) : ".....zu einem Überdenken von Prozeduren und Strukturen....". Mit der ultimativen Schlußaufforderung: "Hoffentlich nutzt die Jury die(se Gelegenhiet)".

Hut ab. Journalistischer Eifer verstanden als konstruktive Kritik und nicht als (voraus-)eilender Gehorsam.

Interessant.
Weiter so.

Grüsse
Dieter Niehoff

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Michael Weber

Re: Spielbox Editorial 3/2002

Beitragvon Michael Weber » 4. Juli 2002, 22:08

Hm, also grundsätzlich hat er in vielen Sätzen Recht. Ich möchte auch nicht (wieder?) als Hardel-Kritiker missverstanden werden, aber in welche Richtung soll sich denn bitte die Jury bewegen? Das bleibt nämlich völlig offen. Wie können denn der Handel, die Verlage und die Autoren durch die Jury gestärkt werden? Doch wohl nicht durch eine Auszeichnungsinflation mit das Familienspiel, das komplexeste Spiel, das Kinderspiel, das Altenspiel... des Jahres? Auch nicht mit einem anderen Preismodell. Das Spiel des Jahres darf durch die Auszeichnung ja nicht teurer werden.

Was mich nebenbei ein bisschen stört ist die Bemerkung, dass komplexe Spiele möglicherweise erst gar nicht eingereicht werden und dann in Göttingen auftauchen.

---> Ich möchte meinen, hier werden zwei Dinge missachtet:
a) einfache Spiele können sehr wohl hochklassig sein und einen großen Spielreiz haben (Beispiel Carcassonne);
b) komplexe Spiele gab es immer und wird es immer geben. Die Mehrheit der Käufer findet sich jedoch NICHT für solche Spiele.

Deshalb ist es nur verständlich, wenn die Spieleverlage auf für die Masse zugängliche Spiele setzen. Nur so können komplexe Spiele den Weg in die Läden finden! Ob die Verlage sich die schwierig zu verkaufenden, aber gut in der Spieleszene zu pushenden komplexen Spiele leisten WOLLEN, ist eine andere Frage.

Ergo sind komplexe Spiele sowohl nicht unbedingt das Maß der Dinge, werden vorzugsweise von einer kleinen Szene gewünscht und müssen - nur weil sie komplex sind - nicht unbedingt gute Spiele sein.

Letztlich stellt sich hier die Frage nach dem Begriff "konstruktive Kritik". Obwohl ich die Ausführungen zu 90 % unterstütze, kommen sie in diesen "zehn Prozent" eher einer Vernachlässigung der Verhältnisse am Markt und der selbst gestellten Aufgaben der Jury gleich. Ganz abgesehen davon, sehe ich den angeblichen Trend zur Einfachheit nicht so deutlich.

Man mag ja von der Jury halten, was man will, dem Spiel als solches hat sie genutzt. Nur die Inflation der Pöppel auf den nun schon ungefähr 20 Schachteln pro Jahr schadet - der großen (und größeren) Zahl der wenig informierten Käufer und damit wiederum dem Spiel!

Michael
(hat wirklich nichts gegen Matthias)

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Monika Knauth

Re: Spielbox Editorial 3/2002

Beitragvon Monika Knauth » 5. Juli 2002, 07:14

Michael Weber schrieb:
> [snip]
> ---> Ich möchte meinen, hier werden zwei Dinge missachtet:
> a) einfache Spiele können sehr wohl hochklassig sein und
> einen großen Spielreiz haben (Beispiel Carcassonne);

Du wirst doch nicht wirklich Carcassonne und Villa Paletti in einen Sack stecken was das Thema Einfachheit angeht, da liegen ja wohl Welten dazwischen.

> b) komplexe Spiele gab es immer und wird es immer geben. Die
> Mehrheit der Käufer findet sich jedoch NICHT für solche Spiele.
> [snip]

Weshalb wird dann für die "ambitionierteren" Spieler kein Anhaltspunkt gegeben? Weshalb Pöppel auf jedes Spiel in der Liste und nicht einen Pöppel für das "Erwachsenenspiel" und einen für "Familienspiel" (nur als Beispiel), m.E. genauso berechtigt wie der Pöppel für "Kinderspiel".

Ich erlebe an den Fragen aus meinem Bekanntenkreis immer wieder, daß es sehr wohl viele Leute gibt, die ihr "Spielniveau" gerne steigern wollen, aber denen es schwer fällt, sich zu orientieren. Der Handel bietet hier auch nicht immer ausreichend Hilfe, und die Jury hätte zumindest die Chance hier etwas aufzuzeigen. Wenn man immer wieder nur auf "Massenware" setzt, braucht man sich hinterher nicht wundern, wenn sich keine, wie Du es nennst, "Mehrheit der Käufer" findet.

Monika

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Roland G. Hülsmann
Kennerspieler
Beiträge: 2598

Re: Spielbox Editorial 3/2002

Beitragvon Roland G. Hülsmann » 5. Juli 2002, 07:53

Monika Knauth schrieb:

> Du wirst doch nicht wirklich Carcassonne und Villa Paletti in
> einen Sack stecken

Oh je, das dürfte beim Spielen wirklich zu Problemen führen: Wie lege ich die sechseckige gelbe Säule jetzt an mein Kloster an? :grin:

> Weshalb wird dann für die "ambitionierteren" Spieler kein
> Anhaltspunkt gegeben?

Weil der keinmen Pöppel zum Kaufentscheid braucht und selber weiß, was ihm gefällt! ;-)
Ich habe nahezu noch nie ein Spiel mit Pöppel gekauft. Wenn das Spiel mir gefiel, hatte ich es vorher schon längst im Regal. Der SdJ-Pöppel ist nun mal für eine andere Zielgruppe ... und da funktioniert er auch ganz gut!

> Ich erlebe an den Fragen aus meinem Bekanntenkreis immer
> wieder, daß es sehr wohl viele Leute gibt, die ihr
> "Spielniveau" gerne steigern wollen, aber denen es schwer
> fällt, sich zu orientieren.

Dann sollten sie sich doch vertrauensvoll an Dich wenden. Den persönlichen Kontakt zu und den persönlichen Rat von anderen Spielern kann kein Pöppel ersetzen! Und gerade der Einstieg in komplexere Spiele gelingt eh nur, wenn man deren Regeln von erfahrenen Spielern erklärt bekommt. Jeder Siedler-Spieler wird ohne Probleme mit Puerto Rico klar kommen, wenn er sich die Regeln nicht selbst erarbeiten muß.

"Wir" hier im Forum brauchen die Preise doch nur, um ab und an darüber trefflich streiten zu können. ;-) Und zwischendurch tuns auch die Editoriale einer uns bekannten Zeitschrift für Spieler. :grin:

Gruß Roland

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Monika Knauth

Re: Spielbox Editorial 3/2002

Beitragvon Monika Knauth » 5. Juli 2002, 08:13

Roland G. Hülsmann schrieb:
[snip]
> Dann sollten sie sich doch vertrauensvoll an Dich wenden. Den
> persönlichen Kontakt zu und den persönlichen Rat von anderen
> Spielern kann kein Pöppel ersetzen! Und gerade der Einstieg
> in komplexere Spiele gelingt eh nur, wenn man deren Regeln
> von erfahrenen Spielern erklärt bekommt. Jeder
> Siedler-Spieler wird ohne Probleme mit Puerto Rico klar
> kommen, wenn er sich die Regeln nicht selbst erarbeiten muß.

Das Problem ist nur, daß die mich nicht alle kennen... ;-)

Was ich meine ist ja gerade, daß es z.B. eine Menge "Siedler-Spieler" gibt, die vieleicht auch mal was mit mehr Anspruch spielen wollen (so etwa nach der 250. Partie :-) ), und die müssen ja irgendwie auf z.B. Puerto Rico aufmerksam werden. Da ich nicht alle in diese Kategorie fallenden Menschen in Europa kenne und Sie demzufolge auch nicht persönlich beraten kann, sollte es eben auch über andere Wege möglich sein. Und sorry, aber es kennt auch nicht jeder die Spielbox oder Fairplay oder sonstige Medien, aus denen man ja auch einiges an Infos bekommt.

Monika

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Michael Schramm

Re: Spielbox Editorial 3/2002

Beitragvon Michael Schramm » 5. Juli 2002, 08:15

Hi Roland,

> "Wir" hier im Forum brauchen die Preise doch nur, um ab und
> an darüber trefflich streiten zu können. ;-) Und
> zwischendurch tuns auch die Editoriale einer uns bekannten
> Zeitschrift für Spieler. :grin:

genau ist es wohl, hier brach' ja schon wirklich die "Saure-Gurken-Zeit" aus und das "Sommerloch" schien erreicht - aber jetzt gibt es endlich wieder Diskussionsstoff! :grin: :grin:

nice dice

Michael


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