Beitragvon Günter Cornett » 16. April 2003, 19:37
Attila schrieb:
>
> Günter Cornett schrieb:
>
> > *Schlage den Gegner* ist etwas anderes als *sei schneller als
> > die anderen*.
>
> Es sind zwei Formulierungen die das gleiche Ausdrücken (wenn
> es nicht um das wortwörtliche Schlagen geht) !
> In einem Wettrennen wird ja auch von einem "Sieger"
> gesprochen - die anderen sind Logischerweise die "Besiegten"
> (wenn das auch nicht so ausgedrückt wird) ! Ist es an sich
> nicht agressiv wenn ein Spiel das Ziel hat die anderen "zu
> besiegen" ? ;-)
Ist das, was ich schreibe, wirklich so schwer verständlich ?
Also noch ein Beispiel. Dafür müssen wir aber mal nach draussen gehen: ;-)
Sandburgenbau:
Spielziel: bau die beste Sandburg.
Für bestimmte Elemente gibt es eine bestimmte Punktzahl.
Das Regelwerk sieht drei Varianten vor:
a) nimm Sand und Wasser und bau besonders gut (=punkteträchtig)
b) nimm Sand und Wasser und bau besser als die anderen
c) das 'besser-als-die-anderen' darf auch dadurch erreicht werden, indem du mal durch eine gegnerische Sandburg latschst.
a) ist nicht aggressiv
b) hat Wettbewerbscharakter: es geht um Sieg, aber nicht darum gegen den anderen zu spielen sondern für sich
c) dürfte eine wüste Keilerei ergeben
Ich denke mal, der Unterschied zwischen b) und c) dürfte klar sein.
Wollte man die Regeln von Go und Schach hier einordnen, so haben sicherlich beide Elemente von b) und c). Im Vergleich mit Schach ist Go aber näher an b) als an c)
> > Das ist dann aber ein anderes Spielziel, das Spiel kein
> > Schach mehr. Die Regeln wurden verändert.
>
> Richtig, das sagte ich ja ! Aber es ging um die MECHANISMEN !
> Und die können durchaus die selben wie bei Schach sein - ein
> anderen Spielziel und schon sieht es ganz anders aus -
> komisch ! :-)
Wer sagt denn, dass es nur um die Mechanismen geht ?
Das Spielziel gehört doch genauso zu den Regeln wie die Mechanismen.
> > > Das ist im Schach genauso der Fall !
> > Schach endet nie 122:115 Gebietspunkten sondern immer mit dem
> > Untergang einer Partei.
>
> Was hat das Wertungsverfahren nun damit zu tun ? :-)
Am Ende leben beide, der eine geringfügig besser als der andere.
Der eine Spieler ist gut, der andere besser. ;-)
Es ist sicherlich auch eine Auslegungssache, aber dahinter steckt auch eine andere Art von Denke. Das Ergebnis wird eben dadurch erzielt, dass man dem gegenspieler ebenauch Raum zum Leben lässt. Beim Schach schränkt man diesen auf Null ein.
> > Themen könen natürlich auch aggressiv sein, aber das war
> > nicht die Frage. Es ging - ganz wertfrei - um aggressive
> > Elemente in Spielen wie MÄDN, Schach und Siedler. Die Frage
>
> Die Frage war nach "agressiven Momenten in Spielen" und ich
> versuchte erstmal nur rauszufinden was damit genau gemeint
> ist ... imho ist das ganze ein ziemlich Dehnbarbares und kaum
> fassbares Thema !
Aber deinen ersten -und über lange Zeit einzigen - Gedanken in dieser Sache, damit seien wild um sich beissende Pöppel gemeint, halte ich doch fürsehr abwegig ;-)
> Du verstehtst offensichtlich was anderes darunter als ich !
> :-)
>
> > Einflüsse, die auf vieleSpieler ähnlich wirken. Nur wenige
> > vermeiden das Rausschmeissen eines Pöppels beim MÄDN, weil es
> > eben allen, die es spielen, Spass macht rauszuschmeissen. Das
> > liegt an den Regeln, an der Aufgabenstellung.
>
> Okay, aber dann sind wir wieder weg vom Mechanismus des
> Spiels !
Die Aufgabenstellung ist doch sehr wichtig, der Mechanismus in Zusammenhang damit zu verstehen.
Zum Abschluss noch ein Beispiel, wo es fast ausschliesslich von den Spielern abhängt, ob ein Spiel aggressiv 'ist' oder nicht: Siedler.
Ich habe es schon erlabt, dass jemand am Tisch aufgesprungen ist, die halbe Kneipe zusammengeschrien hat, weil ich an [i]seinem[/i] zehnten Siegpunkt gesiedelt habe. Aber ich habe auch schon gesehen,dass zwei Jugendliche das Grundspiel ganz friedlich miteinander spielten, dabei miteinander handelten, ohne sich groß in die Quere zu kommen. Der Räuber wanderte schon mal hin und her, aber das war nicht so wichtig. Es hat ihnen einfach Spass gemacht, die Siedlungen auszubauen. Mir wäre das viel zu langweilig(schon zu dritt gefälltes mir nicht so), aber es war eine interessante Erfahrung diese Partie beobachten zu können. Allerdings ist es eher selten, dass sich ein Spiel so sehr dem Naturell der Spieler anpasst wie Siedler (Spiel jetzt nicht physisch gemeint sondern im Sinn von 'das Spielen').
Gruß, Günter