Hi Braz,
Braz schrieb:
> Was mich jedoch u.a. beim Siedeln störte...und ich denke, daß
> das Ennigen vielleicht so geht..... war/ist, daß das Spiel
> durch die beschriebene persönliche Willkür doch arg an
> Glücksanteilen zunimmt was mir mE dem Spielmechanismus nicht
> zuträglich ist.
M. E. sind das nicht Glücksanteile, sondern individuelle Spielarten, die man, wenn man die Gruppe kennt, miteinbeziehen sollte. Ich weiß nicht, wer's mal so treffend gesagt hat, aber: das Schlimmste am Spielen sind die Menschen :-)) Aber genau deswegen spiele ich: weil Menschen mit mir am Tisch sitzen. Menschen, die ich mag, die aber alle ihre Macken und Eigenarten haben, genauso wie ich selbst.
> Will sagen: Wenn ich meine Straßen, Städte etc. schön baue
> und eigentlich gar nicht mal soo schlecht dastehe (ausgehend
> von der Tatsache, daß das Spiel sich in der Mitte bis im
> letzten drittel der Spieldauer befindet) und jnd. auf die
> Idee kommt in der Gruppe plötzlich zu sagen "Hey, seid ihr
> verrückt mit dem zu tauschen..... der gewinnt doch eh
> gleich....." ( <- diese Aussageist mir eigentlich fast immer
> beim Siedeln passiert, wenn ich ehrlich bin)
Denkst Du, mir geht's besser? ;-) In meinen gemischten Spielegruppen heißt's im Zweifelsfall auch "der Roman ist der Arsch, hackt auf dem rum". Und wenn's nicht mich trifft, dann Claudia. Das ist auch richtig, denn im Zweifelsfall kennen wir die Spiele besser... So oder so haben wir Spaß, egal wer gewinnt.
> Dies wirft dich natürlich um Längen zurück und es war nicht
> selten, daß man zu Beginn des letzten drittels noch führte
> und am Ende an vorletzter oder letzter Stelle plötzlich
> dasteht....derjenige welcher aber gesagt hat, daß man nicht
> mit mir tauschen solle gewinnt aber plötzlich auf ganz
> wundersame Weise.... ;)
Naja, das ist die alte Spieleweisheit: früh führen, früh verlüren. Wer gewinnen will, sollte sich auch mal bedeckt halten.
> Also bitte versteh mich nicht falsch: Ich kann sehr wohl
> verlieren und habe auch bei den betreffenden Spielen Spaß
> daran (nicht natürlich das ich verliere sondern an dem Spiel
> - trotz des Verlierens ;) )- die Frage ist nur, ob diese
> persönliche Willkür einem Aufbauspiel gut tut -> Die Meisten
Hm, aufm Brett haben wir persönliche Willkür, aufm PC haben wir den Zufallsgenerator, der unseren Aufbau stört. Da fallen Dir bei Anno 1503 die Piraten ein, bei Alpha Centauri macht sich das planetenspezifische Geflecht eigenständig, bei Civilization zerhackstückt dir Sid Meiers Programm-Logik spontan die lang erhoffte Demokratie.
> scheint der Punkt ja nicht zu stören, da Siedler wie wild
> verkauft wurde - ich empfinde diesen Punkt jedoch als extrem
> störend und ärgerlich, da Siedler im Prinzip kein reines
> Verhandlungsspiel ist.
Als ärgerlich kann ich das nicht empfinden - ich bestaune lediglich, dass ein Spiel mit einem solch hohen Konfliktpotenzial und vergleichsweise komplexen Regeln zu einem solch grundlegenden Kulturgut wurde. Das hat damals keiner geahnt. Sowas ist auch nicht planbar, das sind schlicht Glücksfälle für die Branche. Oder um’s andersrum zu sagen: hätte Klaus damals seine Idee nicht durchgeboxt, wäre es fraglich, ob wir in dieser Form noch da wären. Vielleicht würden wir sonst Zinnminiaturen bemalen und darüber streiten, ob Zoll oder Zentimeter das adäquate Maß für Tabletops sind, während wir uns der konsequenten Ignoranz der Medien erfreuen. Besser ginge es uns jedenfalls nicht.
Ciao,
Roman