Beitragvon Roman Pelek » 27. Oktober 2005, 17:26
Hallo Atti, hallo Marten,
hochinteressante Diskussion, die ihr da grade führt:
Attila schrieb:
> Die Chancen ob ich diesen einen Kampf gewinne oder nicht kann
> ich abschätzen, ob dadurch meine Siegchancen steigen oder
> nicht kann man eigentlich nicht abschätzen. Und genau das
> bereitet meiner Erfahrung nach vielen Spielern probleme. Die
> völlig falsche Schlussfolgerung ist dann oft: Ist nicht
> Deterministisch, kann man nicht ausrechnen, ist also zufällig
> und somit ein Glücksspiel.
Gibt's ne Liste, in der man sich eintragen kann, um diesen Gedanken zu unterschreiben? Risikomanagement und auch, jenseits des Glücksfaktors, (Mitspieler-)Psychologie gehören zu den m. E. am meisten unterschätzten strategischen Qualitäten. Und das ist auch Strategie, sie springt nur aus dem Raster der Durchrechenbarkeit.
> > Niagara gülte es auch). Je geringer der Glückseinfluss, die
> > Chance auf "unverdiente Niederlage" ist, desto berechenbarer
> > das Spiel, und desto weniger werden die (wünschenswerten)
> > Zusatzqualitäten benötigt.
> ... desto langweiliger ist das Spiel ...
Hm, nicht uneingeschränkt - m.E. kann es auch sehr reizvoll sein, diese Komponenten mal auszuklammern, z. B. in einem abstrakten Zweier. Wobei da eigentlich auch immer "psychologische Kriegsführung" mit am Start ist...
> > ernsthaft diskutieren, sollte natürlich nicht komplett
> > zufallsgesteuert sein
> Logisch. Das kann man ja auch kaum als Spiel bezeichnen.
Man kann durchaus, ob man was damit anfangen kann, ist etwas anderes. Aber ich persönlich mag rein zufallsgesteuerte Spiele auch nicht besonders, ich würde eher den Begriff "Beschäftigungstherapie" als "Spiel" verwenden, aber "Spiel" sind sie m. E. dennoch.
> Viele Spiele werden schlichtweg zu unrecht als "ach das ist
> viel zu Glücksabhängig" abgeurteilt. Meistens hab die Spieler
> schlichtweg im ganzen noch gar nicht begriffen. Aber die
> erste "Schlussflogerung" ist ja: Ich hab nicht gewonnen, also
> ist das Spiel glücksabhängig. Das Nervt! :-)
Durchaus. Spiele mit höherem Glücksfaktor (sofern dadurch nicht vollkommen beliebig, aber das sind die wenigsten) haben nunmal die Eigenschaft, dass sich der "bessere Spieler" erst langfristig und "im Schnitt" zeigt. Die Geduld bringt aber heute niemand mehr auf, Dinge langfristig zu sehen. Bei rein deterministischen Spielen ist die Sachlage von Anfang an klar, und man muss keine weiterführenden Überlegungen anstrengen. Vielleicht ist es aber auch genau das, was manche Spieler wollen: das Leben ist strategisch gesehen schon anspruchsvoll genug und mit Glücksfaktoren gepflastert, so dass man im glücksfaktorlosen Spiel schnell die ersehnte Bestätigung erfährt, wenn man besser agiert. Die ganze Wahrheit über Spiele hinsichtlich Strategie ist es aber sicherlich nicht, dazu gehören m. E. (s.o.) Risikomanagement und Psychologie dazu.
Ciao,
Roman