Beitragvon Roman Pelek » 23. März 2001, 04:35
Hi Heiko(s),
>Woher kennst du meine früheren Lieblingsspiele vom guten alten Atari 800 XL. Bei mir sind noch Lode Runner (besonders eigene Levels kreieren), Ultima-Reihe (bestes Rollenspiel seinerzeit), Schloss Schreckenstein (Kooperatives Geistergemetzel mit dichter Atmosphere)...zu nennen.<
Ach, Lode Runner, _schwelg_. Früher war alles irgendwie besser, aber wahrscheinlich nur für einen selbst. Habe das Spiel auch geliebt. Wobei mein erster richtiger Rechner jenseits programmierbarer Taschenrechner (Bitte geben sie ihren zu investierenden Treibstoff für die Mondlandung ein!) ein C64 war.
>Ja, ja, ich war ein Halbe-Nächte-Durchzocker und ausgiebiger Computerspieler bis ich das Brettspiel wiederentdeckt habe.<
Dito. Habe mir damals die Finger wundgetippt, nur um das neueste Listing des Monats unter dem Maschinencodeeditor einzugeben. Und dann die Suche nach den Fehlern... Trotz Prüfsumme war immer irgendeine Zeile falsch.
>Monopoly, Öl Magnat oder Risiko in den 70ern, dann kam meine Computersphase, auch damals übers VCS. Aber richtig gepackt haben mich schon immer am meisten die Spiele, die einen ausgefeilten Mechanismus hatten, wie z. B. eben M.U.L.E., das auch gut und gern ein Brettspiel sein könnte.<
Hm, Mule, klar, aber auch Kaiser war nicht von schlechten Eltern für damalige Verhältnisse.
>Ich glaube mein erstes Spiel in der Umbruchphase zwischen Computer und Brett war dann Auf Achse (1986), das mich wieder zurück an den Tisch brachte.<
Ich hatte meine Durststrecke zwischen Heimlich & Co ('85, '86?) und "Siedler" ('95), also im Alter zwischen 13 und 22...
>Auch heutzutage sitze ich immer noch viel lieber am Tisch, die Mitspieler um mich oder gegenüber. Ich kann das Material anfassen und wir können uns unser kleines Leben im Leben bauen. Gerade dieses Abstrakte der Klötzchen und Plättchen (ähnlich wie früher beim Atari)läßt mir viel Phantasie und ich schaffe mir meine eigene Atmosphere.<
Phantasie und die Reaktionen der Mitspieler sind die Essenz am Brettspiel, das ist wahr. Ich geniesse dieses Zusammensein, auch und gerade manchmal "böse Diskussionen", sofern sie nach dem Spiel geklärt sind. Manchmal kommen aber auch beim Spielen Konflikte durch, die durchaus realer Natur sind, manchmal werden Frustrationen oder persönliche (meist temporäre) Konflikte auch auf dem Brett und darüber hinaus ausgetragen. Habe ich heute abend erlebt - alle waren nicht so gut drauf (was man auch beileibe nicht immer sein muss, wenn man sich nicht von Designerdrogen ernähert). Freundin war unausgeschlafen, ich missgelaunt, und kurz vorher hatte das andere Pärchen das sensible Thema "wessen Eltern hatten welchen Bildungsstand" angeschnitten. Aber nuja, vielleicht war das Spielen ja ein besseres Ventil als ein Diskussionsabend. Und jetzt zurück zum [OT]:
>Das Grafik und Sound bei den heutigen Computerspielen immer realistischer werden brauch ich gar nicht, im Gegenteil. Das bringt einen ja gerade näher an die reale Gewalt (vorausgesetzt, es geht bei dem Spiel gewalttätig zu und das ist ja heufig der fall). Ich brauch mir halt nicht mehr vorzustellen, wie alles für mich realistisch aussieht, sondern ich bekomm es ja vorgegeben.<
Das bietet halt wiederum andere Möglichkeiten. Durch detailliertere Umgebungsabbildung erhältst Du ja auch andere Möglichkeiten bzgl. Aktion/Reaktion. Ob ich die explizitere Gewaltdarstellung brauche, ist ein anderer Fall. Habe allerdings damals schon öfters Spiele gespielt, in denen man für's Überfahren von Passanten oder Lehrererschiessen Punkte bekam. Hat sich aber, irgendwie, nicht negativ auf meinen Werdegang ausgewirkt :)
>Ich hab den Eindruck, daß sowieso viel zu viel vorgegeben wird, da laufen ja teilweise halbe Filme ab.<
Das mit den Filmen ist richtig, aber wird wirklich mehr vorgegeben? Die alten Adventures z.B. folgten einem klaren Handlungsstrang ohne jegliche KI. Ich habe mich damals sehr intensiv mit Adventure-Programmierung beschäftigt...Das ist heute anders.
>Da hab ich lieber mein Brettspiel vor mir und kann aus wenig viel gestalten.<
"Aus wenig viel gestalten" - das ist ein prima Satz und trifft genau das, was ich an Brettspielen mag. Einfache Regeln - klare Siegbedingung, und dazwischen ist das, was die Mitspieler daraus machen. Computerspiele sind oft zu linear - aber das waren sie auch früher noch mehr. Deswegen bevorzuge ich am Rechner mittlerweile Netzwerkspiele (Teambildung, Absprachen etc.) oder Spiele, die einem Freiraum zum Verbessern bieten (Rennspiele). Und alternativ Adventures mit knackigen logischen Rätseln. Ego-Shooter alleine z.B. empfinde ich immer mehr als öde, weil zu linear und bei Lösung der Probleme zu statisch (laden, probieren, laden, anders probieren, laden, Waffen aufsammeln, laden, andere Waffen aufsammeln). Aber, wie gesagt, früher wars teilweise noch schlimmer. Nur kamen aufgrund der abstrakten Grafik auch noch mehr Spiele zum Tragen, die eine realistische Grafik gar nicht benötigten, wie z.B. Logikrätsel.
>Computer ist halt ein ganz anderes Medium, mit dem man andere Spiele in anderer form spielen kann, die nicht unbedingt schlechter sein müssen. Ein paar Perlen sind da schon drunter, die ich ab und zu mal verzocke.<
Dito vollste Zustimmung.
>Doch mein Hauptmedium wird wohl jetzt das Brettspiel bleiben, da bin ich mir ziehmlich sicher.<
LAN-Parties - gerne. Brettspielabende - fast immer. So ungefähr mein Motto.
>Vielleicht bin ich ja ein typischer Fall von Computerspielausflügler, da mach ich mir überhaupt keine Sorgen um den Brettspielernachwuchs.<
Genauso. Was soll ich mir Sorgen machen um Kids, die sich genauso benehmen wie ich früher, nur mit aktuelleren Medien.
>Na, Heiko, was meinst du, sind doch schon witzige parallelen mit den Atari- und Brettspielen, oder?<
Was wahres ist dran, zumindest in meiner subjektiven Einschätzung. Auch wenn ich nicht Heiko heisse (o:
>Es grüßt,
Heiko ....mann (hat heute noch seine 5 1/4 Zoll-Disketten mit den Kultspielen Seven Cities of Gold, Great American..., Alley Cat, Necromancer, Alternate Reality, Return of Herakles......................)<
Seven Cities Of Gold? Hast Du nie den Vorgänger "Africa" gespielt? Oder das Adventure "Dr. Livingstone"? Was ist mit "Pirates"? Oder "Colonisation"? Alles klasse Klassiker :)
Ciao,
Roman