Beitragvon Roman Pelek » 4. Dezember 2001, 14:35
Hi Arno,
Arno C. Hofer schrieb:
> Ich möchte Euch hier eine andere Notenbedeutung vorstellen,
> anders, nicht besser - wirklich nur anders. Und sie zur
> Diskussion stellen.
Gerne. Für diese Umfrage wird's zwar nix bringen, da die Skala feststeht, aber es keine Basis für zukünftige Sachen legen:
> Da jeder von uns noch dazu "unterschiedliche Spielgattungen"
> oder "Kategorien" besonders gern mag, wird das mit der
> Bewertung äußerst, wirklich äußerst subjektiv. Einer/m,
> die/der nur hochstrategische Spiele mit hohem persönlichem
> Einflußfaktor mag, kann bei "Wanted" oder "Saloon" natürlich
> nie eine 9 oder 10 "auskommen", meinen
> GelegenheitsspielerInnen und SpieleinsteigerInnen
> andererseits wird auch ein Medina keine 7 oder 8 entlocken
> können.
Jepp, das ist richtig. Allerdings muss man zumindest bei dieser und den vergangenen Umfragen, die über das Forum hier liefen, eines bedenken: die teilnehmende Personengruppe konstituiert sich ziemlich homogen aus Vielspielern, so dass die einzelnen Noten ziemlich gut zueinander passen. Ich erkenne jetzt momentan keine Aufteilung der Teilnehmer in zwei Lager "Gelegenheits-" und "Vielspieler" von den Notenabgaben her, sondern eine ziemliche einheitliche "Vielspielerumfrage".
Die Umfrage ist und war so angelegt, dass Sie primär Leute anspricht, die sich hobbymäßig oder beruflich intensiv mit Spielen beschäftigen und regelmäßig in den Internetsites zum Thema zu Gast sind (sei's als Nurleser oder aktive Schreiber, vollkommen egal) - dies ist beileibe kein "Exklusivanspruch", sondern schlichtweg in der Entstehungsgeschichte und der Art der Bekanntgabe und Teilnahmemöglichkeit begründet.
Insofern denke ich, dass bei der Umfrage hier grundsätzlich die Trennung von Viel-/Gelegenheitsspieler bzw. der Notenmodus nicht so problematisch ist. Bei der Bekanntgabe der Ergebnisse allerdings sollte man darauf verweisen, dass dies primär eine Vielspielerumfrage ist, und ich denke, es macht nicht unbedingt Sinn, einen Spieleneuling oder Gelegenheitsspieler mit den Ergebnissen als Entscheidungshilfe zu konfrontieren, da das, was aus den Ergebnissen herauszulesen sein wird, primär die Bedürfnisse derer befriedigt, die sich eh schon viel mit der Materie beschäftigen.
> Ich glaube, man muß hier ganz einfach auch die
> "Sozialisation" der SpielerIn/des Spielers
> mitberücksichtigen. Deshalb bitte ich, bei der nächsten
> Umfrage auch eine Frage zur Spielerfahrung (zumindest von 1 -
> 6) miteinzubeziehen.
Das wird sehr schwierig zu gewichten. Das mag zwar z.B. mir bei der persönlichen Begutachtung einer Einsendung helfen und mir ein paar einzelne Noten erklären - aber wie soll man das jemals in eine Übersicht fassen? Das ist die Crux an so etwas...
> Denn stellt Euch bitte vor, z.B.
> Titicaca wird zum Spiel mit den meisten Punkten - und ein /e
> SpieleinsteigerIn orientiert sich nach dieser Wertung: ich
> fürchte, spätestens nach dem ersten spielen haben wir die/den
> [b]für immer verschreckt[/b]. Da meines Wissens aber auch
> viele "Normalspieler" hier zumindest mitlesen, sollten wir
> das natürlich aufklären. Wovon sprechen wir?
Es ist sehr wichtig, darüber zu sprechen, aber ich denke, dass es durchaus den hier Mitlesenden klar ist. Zumindest würde ich in 95% der Fälle davon ausgehen, dass jemand, der hier regelmäßig mitliest und an der Umfrage teilnimmt, eine Vorstellung dessen hat, was zu erwarten ist: nämlich eine Umfrage von Leuten, die sich im Internet aktiv oder passiv regelmäßig mit dem Thema "Spiel" beschäftigen - und das fällt für mich schon aus der Kategorie "Normalspieler" raus und tangiert zumindest den Bereich des "Vielspielers".
> Eine mögliche Notenskala nach dem jetzigen [b]sb 10 -1
> System[/b] würde ich - für Konsumenten durchschaubarer -
> ungefähr so anlegen:
> 8-10 Spielerfahrene, die regelmäßig in einer Gruppe spielen,
> sind absolut gefordert.
> 5 - 7 Gelegenheitsspieler haben bei diesen Spielen große
> Erfolgschancen
> 3 - 4 damit erfreuen und gewinnen wir EinstiegsspielerInnen
> 1 - 2 mit diesen Spielen beleidigt man den Begriff und das
> Kulturgut "Spiel"
Das wirft andere Probleme auf: die Masse der Vielspieler, die sich für die Umfrage interessiert, wird damit kaum viel anfangen können, weil es primär um die Qualität eines Spiels für Vielspieler geht, und nicht um eine Einordnung von Spielen in Anspruchskategorien. Außerdem: was ist mit Spielen, die sich in mehreren Bereichen aufhalten: gerade 5-7 und 3-4 sind sehr nahe beieinander. Es gibt nämlich m.E. eine Reihe von Spielen, deren Anspruch durchaus nicht sonderlich hoch ist, aber die Gelegenheits- wie Vielspieler begeistern. Man nehme z.B. das SdJ Carcassonne, oder dieses Jahr (zumindest entspricht das meinen Erfahrungen) die Zoch-Neuheiten "Hick Hack in Gackelwack" und "Villa Paletti", die sicherlich keine Cosim-Anspruchsqualitäten erfüllen, im Gegenteil. Aber auch solche gelegenheitsspielertaugliche Spiele mit relativ niedrigem Anspruch an besondere "Freakqualitäten" können Vielspieler begeistern. Und was macht man dann?
> Dieser Bewertungsraster ist ein komplett anderer Ansatz, als
> ihn z.B. KMW hier präsentiert hat - aber er kritisiert in der
> sb auch nur Spiele, die seinem "Bild von Spiel" entsprechen -
> wahrscheinlich tun das die meisten "Spielekritiker" - und
> dann ist sein Raster ok. Nur: das muß man glaube ich
> dazusagen, oder?
Ja, klar. Zum Teil, so denke ich aber, erschließt es sich schon in der Art der Publikation. Wer in einer Spielefachzeitschrift schreibt, kann ein solches Kriterium m.E. auch als bekannt voraussetzen, in einer Kritik einer allgemeinen Zeitung z.B. muss man, denke ich, mit einem anderen Anspruch herangehen.
So oder so empfinde ich es als sehr schwierig, eine Umfrage, die auch Gelegenheitsspielern zuverlässige Auskünfte gibt, zu machen, wenn mehrheitlich Spielefreaks teilnehmen bzw. die Umfrage dazu gedacht war, Spielefreaks etwas in die Hand zu geben, wo sie schauen können, was sie denn vielleicht bislang übersehen haben.... Ich denke, um diese Ansprüche zu erfüllen bräuchte es vermutlich eine andere Umfrage mit einer anderen Zielgruppe, dazu ist das Forum hier schon zu speziell, weil selbst die sporadischen Leser meist schon erfahrener oder zumindest anspruchsvoller (was Komplexität, forderndes taktisch-strategisches Spielerlebnis angeht) sind als der Durchschnitts-Gelegenheitsspieler.
Ciao,
Roman