Beitragvon Rolf Mihm » 10. Juni 2003, 11:42
Thomas schrieb:
> In diesem Fall würde ich Gerechtigkeit so definieren, dass
> das Spiel den Preis erhält, das denen am besten gefällt, die
> diese Spiele spielen und wenn man den veröffentlichten
> Umfragen glauben schenken darf, ist das keins der nominierten
> Spiele.
Diese Meinung ist zu akzeptieren, aber ich interpretiere mal recht frei - das bedeutet also, das die Jury SdJ deiner Meinung nach keine Ahnung hat, weil ja nur Spiele nominiert wurden, die "den veröffentlichten Umfragen" zufolge eigentlich gar nicht auf dieser Liste erscheinen dürfen. Bitte nicht persönlich nehmen, ich will dir wirklich nicht zu nahe treten, aber nur so kann ich deine Äußerung verstehen - wenn ich dich mißverstanden haben sollte, bitte ich um Entschuldigung. Allerdings habe ich auch diese Meinung im Forum schon zur Genüge gelesen.
Ich finde ja, das Thema "Gerechtigkeit" ist in dieser Diskussion sowieso absolut fehl am Platze, denn imho empfinden einige anscheinend eigenartigerweise das als "gerechte" Entscheidung, was ihnen selbst als Entscheidung am besten gefällt. Frage - wieso soll das gerecht sein? Unter dem Signum "Gerechtigkeit" wird eine Meinung vertreten, die vordergründig keine anderen Argumente verträgt - nach dem Motto, das oder das ist gerecht, deshalb kann man nichts dagegen sagen. Dem ist aber nicht so...
Gerechtigkeit als Begriff steht in naher Verbindung zu dem Begriff Demokratie, d.h. alle dürfen über eine bestimmte Sache ihr Votum abgeben (je nachdem, um was es geht, natürlich nicht wirklich alle) - aber belassen wir es doch bei dieser recht einfachen Definition. Das bedeutet also, das ist gerecht, was von einer Mehrzahl als gerecht empfunden und daher gewählt wird. Anders ausgedrückt - wer am lautesten schreit hat recht. Kann man dem widersprechen - aber natürlich kann man!
Ich habe schon an anderer Stelle geschrieben, daß einige die ihrer Meinung nach fehlerhafte Entscheidung zur Vorauswahl, jetzt nur Nominierung und dann sicher auch zum SdJ wohl tatsächlich als eine Art persönliche Beleidigung auffassen - und leider haben mich einige der Reaktionen hier im Forum in dieser Annahme nur bestätigen können. Wie ich mittlerweile herausgefunden habe, wird dieses Stück aber jedes Jahr neu aufgeführt, mit wenigen Variationen, nur die Beschimpfungen scheinen zuzunehmen - weshalb sich also eigentlich aufregen.
Es sind die berühmten Eulen in Athen, die man besser zu Hause lassen sollte - aber der Preis SdJ ist KEIN Publikumspreis, er ist NICHT dazu gedacht, eine wie auch immer geartete GERECHTE Entscheidung über den jährlichen Spielejahrgang abzugeben, es geht NICHT darum, das tatsächlich BESTE Spiel zu prämieren, es geht NICHT darum, das Spiel bekannt zu machen, welches von den MEISTEN als das beste Spiel des Jahrgangs angesehen wird. Und vor allem geht es auch NICHT darum, daß sich die Jury nach irgendwelchen Umfragen oder Listen zu richten hat, nur weil das GERÈCHTER wäre
Vielmehr gilt es die Richtlinien zu bedenken, unter denen die Jury SdJ zu arbeiten hat - Förderung des Kulturgutes Spiel heißt es da in erster Linie, als Empfehlung verstanden an die spielenden Kunden, die keine Lust haben sich z.B. anhand eines solchen Forums immer wieder neu über Spiele zu informieren aber auch an die sogenannte VS (Vielspieler), von denen es sicherlich eine Menge gibt, die mit der Auswahlliste durchaus sehr zufrieden sind, Handhabe an den Verkäufer, guten Gewissens ein bestimmtes Spiel empfehlen zu können spielt da sicherlich auch noch eine Rolle.
Ich verstehe deshalb z.B. nicht, warum sich einige so aufregen, wenn sie sich nach eigener Aussage von der Entscheidung der Jury SdJ sowieso nicht beeinflussen lassen - gut, schön für sie. Es ist sogar zu lesen, das SdJ wird sie von jetzt an nicht mehr interessieren - was soll diese Aussage, frage ich mich: Entschuldigung, aber als Meinungsäußerung ist so was absolut wertlos und diskreditiert sich durch den Rahmen, in dem eine solche Aussage zumeist eingebettet wird nur selbst.
Tatsächlich scheint es einigen ja wohl eher darum zu gehen, daß die Auszeichnung SdJ oder auch nur das Erscheinen auf der Auswahlliste eine unglaubliche wirtschaftliche Macht nach sich zieht - ja, da heißt durchaus, daß durch die verkaufsfördernde Wirkung der Auszeichnung Hits richtiggehend "gemacht" werden können. Aber wie man an dem Beispiel Torres ablesen kann, ist die Auszeichnung eben nicht gleichbedeutend mit einem Hit.
Es ist ja durchaus auch so, daß das SdJ gekauft werden SOLL - was ist daran so schlecht, frage ich mich, und dazu gehört eben auch, daß ein Spiel, das diese Auszeichnung erhält, verkäuflich sein muß. In dieser Hinsicht hat sich die Jury z.B. bei Torres scheinbar wirklich geirrt, na und! Soll man das nun als Gegenbeweis anführen, daß sie sich immer irrt?
Seien wir doch mal ehrlich - einige scheinen es den ausgewählten Spielen einfach nicht gönnen, an so prominenter Stelle genannt zu werden: das sagt aber keiner so deutlich.
> Naja, zum Glück gibt es unterschiedliche Meinungen ;-)
Wie dem auch sei -
Schöne Grüße und trotzdem noch viel Spaß beim Spielen, Thomas...