Beitragvon Jan Ostmann » 4. Februar 2004, 13:17
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"Für den Ernst zu viel Spiel, für das Spiel zu viel Ernst"
Eine Lange Nacht vom Schach
Von Rainer-Kurt Langner
Infotext:
Ende des 18. Jahrhunderts reiste ein Herr von Kempelen mit einem Schachautomaten durch Europa, dem "Türken", der alle, die gegen ihn antraten, Schachmatt setzte. Benjamin Franklin verlor gegen den Automaten ebenso wie Napoleon verlor oder Katharina die Große. Kempelen galt den Zeitgenossen als Genie, seine Apparatur als ein rätselhaftes, mechanisches Wunderwerk. Dass im Innern der kunstvoll gearbeiteten Mechanik ein Liliputaner das Räderwerk bewegte, wussten nur wenige. Und die es wussten, schwiegen. Im 11. Jahrhundert setzte der Halberstädter Bischof einen Wendenfürst im Ströbecker Wehrturm fest. Seinen Bewachern, den Bauern des Dorfes, lehrte der Gefangene das Schachspiel und alle waren zufrieden. Als der Fürst entlassen wurde, wurden die Abgaben und Steuern der Ströbecker gesenkt - mit der Verpflichtung, das königliche Spiel nie zu vergessen. Seit 1823 wird in der Schule Schach gespielt, als Unterrichtsfach. Und das Ströbecker Hochzeitsrecht besagt, dass der Bräutigam seine Braut erspielen oder, wenn er verliert, Strafgeld in die Gemeindekasse zahlen muss. Schach fasziniert die Welt seit mehr als 2000 Jahren. Millionäre spielen es ebenso wie Obdachlose, Kinder wie Greise. Schach, heißt es, ist nicht wie das Leben: Schach ist das Leben. Die Lange Nacht vom Schach erzählt eine kleine Kulturgeschichte des Schachs und manch kuriose Anekdote; erzählt vom Wesen eines Spiels, vom dem Gotthold Ephraim Lessing sagte, dass es "für den Ernst zu viel Spiel und für das Spiel zu viel Ernst" habe.
Quelle: http://www.dradio.de/php_logic/beitrag_vorschau.php?programm=dlf&sendung=langenacht&id=220687