Beitragvon Roman Pelek » 28. Juli 2004, 17:29
Hi Michael,
Michael Weber schrieb:
> Manchmal glaube ich, dass die Rezensenten einfach zu viele
> gute Spiele kennen, um den Weret von einfachen Mechanismen
> und den Massengeschmack noch zu kennen. Wie häufig wird denn
> ein Spiel abqualifiziert, weil es zumindest im Vergleich
> einfach belanglos erscheint.
Dem Punkt möchte ich gerne widersprechen, denn es ist ja genau Aufgabe eines Rezensenten, aus der Masse das Besondere herauszufiltern. Dass das Mittelmäßige auch Spaß bereitet, wenn man das Herausragende nicht kennt, sollte weder Sorge noch Manko des Kritikers sein.
Wenn ich mir eine Fachzeitschrift zu einem Thema kaufe, erwarte ich auch, dass die dortigen Autoren mir klar und mit Begründung sagen, was das Beste aus dem Themengebiet ist, damit ich mich nicht durch den Wust der Mittelmäßigkeit quälen muss - einfach, um (Frei-)Zeit und Geld für Wichtigeres zu sparen, und genau dafür bezahle ich ja auch ein paar Euro.
> Im Grunde muss man sich sogar fragen, ob nicht Rezensenten
> langsam aber sicher im Laufe ihrer Tätigkeit gar nicht mehr
> nachvollziehen können, was die Spielermasse mag. Ist es
> vielleicht am Ende sogar so, dass deshalb komplexe Spiele gut
> bewertet werden, aber einfache Spiele sich meist wesentlich
> besser verkaufen?
Dass sich einfache besser verkaufen, ist eine Binsenweisheit der Branche. Dass komplexe eher gelobt werden, ohne dass deren Macken erkannt werden, ist allerdings ein Kritikpunkt, dem ich mich gerne anschließen möchte. Manchmal habe ich das Gefühl, dass man der Szene eher ein schlechtes komplexes Spiel als ein gutes einfaches Familien-/Kinderspiel verkaufen kann. Wobei das "Verkaufen" natürlich relativ ist, und sich eher auf internes Renommée und Hype denn auf Stückzahlen bezieht.
> Nicht, dass es nicht schlechte komplexe
> Spiele gibt, aber wie im Forum ist es bei den Rezensionen
> eben häufig auch so, dass mit dem Wissen, dass Spiele wie
> Puerto Rico gibt, die angeblich familiengeeigneten mitunter
> daran unbewusst gemessen und deshalb abgewertet werden. Der
> "einfache" Spieler wäre vielleicht verwundert.
Ist er sicher auch, aber wenn das passiert, haben diejenigen, die das auslösen, gewisse Maßstäbe und Genre- sowie Zielgruppenunterscheidungen nicht im Griff... 'Tschuldigung, wenn ich das so offen sage, aber wer als Rezensent ein einfaches Familienspiel nicht zu würdigen weiß, weil er ein Puerto Rico als Vielspieler hoch schätzt und alles daran misst, hat seinen Beruf verfehlt. Dieses Können zur Trennung muss man schon mitbringen, es ist elementar. Also sind wir uns darin wohl einig :-)
> Ein bisschen mehr Bodenaftung und spielerischer Kontakt zu
> den "Spielemuffeln" oder "Wenigspielern" täte allen,
> besonders aber Rezensenten gut. Ich versuche zum Beispiel
> Spiele möglichst in Runden zu spielen, die man zum Spielen
> überreden muss. Das gelingt nicht immer, wenn kommen aber
> mitunter völlig andere Ergebnisse heraus ...
Soweit ich weiß, versucht jeder (ernstgenommene sowie ernstzunehmende) Rezensent, dies zu tun. Aber wie Du richtig sagst: das gelingt nicht immer, denn das willige Personal und dessen "Jungfräulichkeit" bzgl. Spielen erschöpft sich irgendwann. Im Übrigen geht's den Autoren und Redakteuren mit ihren Testgruppen auch nicht anders, insofern würde ich auf "Pari" statt "Atari" plädieren :-)) Wir hätten alle gerne mehr "Opfer", aber das fällt aus wegen "Is' nicht", mit Begründung "Is' nich', weil is' nich'" 8-)
> Michael
> (steht mit beiden Spielefüßen auf dem luftigen Boden der
> subjektiven Objektivität)
Wie wahr, wie wahr ;-)
Ciao,
Roman (sortiert lieber Urlaubsfotos als auf allzu objektiven Böden zu stehen, das macht subjektiv mehr Spaß :-) )