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Missverständliche Regelpassage oder Stilblüten

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Wolfram Püchert alias WeePee

Missverständliche Regelpassage oder Stilblüten

Beitragvon Wolfram Püchert alias WeePee » 29. April 2005, 20:44

Als Anmerkungen zu meiner Abhandlung zu den Spielregeln haben einige von Euch darauf hingewiesen, dass es hilfreicher wäre, eine Sammlung von "Stilblüten" oder missverständlichen Regelpassagen zu veröffentlichen - und wie sie zu umgehen wären.

Dieses würde ich gerne aufgreifen. Allerdings fehlt mir hier eindeutig die Erfahrung. Wenn mir genügend Spieleregelschreiber, Spieletester, erfahrenen Spieler "ihre" Erfahrungen mitteilen, werde ich diese gerne sammeln, bündeln und veröffentlichen.

(Und diesmal ohne den Urheberrechtshinweis *g)

Bisher haben zwei von Euch schon etwas dazu beigetragen:

-- Zitat (Beginn) --

Roman Pelek

Und, wie gesagt, ich würde versuchen, evtl. auch etwas mehr auf die (Alltags-)Probleme jenseits von Formalismen einzugehen, z. B. "wie teste ich eine Regel", "wie finde ich einen Schreibstil für die Zielgruppe" oder "wie muss ich arbeiten, um Fehler und Auslassungen möglichst gut zu vermeiden, wenn ich als 'Kenner der Regel' einem 'Nichtkenner' einen Sachverhalt nahe bringen muss". Da stößt man nämlich gerne auf Dinge, an die man ad hoc als Unerfahrener gar nicht bedenkt. Um als Denkanstoss ein paar Beispiele für Alltagsprobleme zu geben:

- Du schreibst in der Regel "Ausgespielte Karten kommen auf den Ablagestapel" - für Spieler etwas ganz selbstverständliches, tausendfach gelesen, jede Deiner Testgruppen kommt prima damit zurecht - und Du hast deshalb nicht weiter drüber nachgedacht. Dann kommt die Rückfrage von weniger spielebewanderten Zeitgenossen "Was bitte ist denn eigentlich ein Ablagestapel?"

- Oder Aktionspunktespiele: "Jeder Spieler verfügt über 10 Aktionspunkte". Ein Klassiker, denn mit absoluter Sicherheit wird irgendein Käufer reklamieren, dass "die 10 Aktionspunkte nirgendwo in der Schachtel zu finden sind".

- Auch beliebt, wenn auch in Deutschland mitunter nicht ganz so problematisch: "Der Spieler, der die höchste Karte gespielt hat, erhält den Stich". Tante Gudrun aus Buxtehude, die sonst nie spielt, fragt sich dann aber vielleicht auch "Stich? Bienenstich? Was wollen die von mir?".

Für sowas ein paar Tipps und Hinweise auf beliebte Fallstricke wären, denke ich, sicher nicht fehl am Platze in einem Guide, der gerade Einsteigern ein bissl Handwerkszeug an die Hand geben könnte. Und bzgl. obiger Beispiele halt auch, wie man diese Probleme zumindest abschwächen kann, ohne sich einen Erklärwolf zu schreiben oder gar wissenschaftlich anmutende Begriffsdefinitionen einzubauen.


peer

Ein kleines Beispiel: In einer Rezi schrieb ich "(...) jedem gleich viele Pokerchips geben(...) " und mir wurde vorgeworfen, ich hätte die Regeln falsch angewandt: "Es wird n i c h t gleichmässig alles aufgeteilt". Anscheinend scheint die Formulierung "jedem gleich viele Chips geben" leicht verwechselt zu werden mit "alle Chips aufteilen". Solche Fallstricke und ihre Vermeidung wären interessanter (sind aber auch schwieriger zu behandeln).

-- Zitat (Ende) --

Gruß Wolfram

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18xx

Re: Missverständliche Regelpassage oder Stilblüten

Beitragvon 18xx » 30. April 2005, 09:42

Interessanter Beitrag, Wolfram. Auch wenn ich jetzt leider keine Stilbüte beitragen kann, so brennt es mir unter die finger noch folgendes loszuwerden:

"Der Spieler, der die höchste Karte gespielt hat, erhält den Stich". Kann sein, dass mancher Leser nicht weiß, was ein Stich ist. Nur wie weit soll man "runter" gehen, in der Erklärung? Nächster Schritt wäre doch: Was bedeutet, dass man eine Karte ausspielt? -> Man legt sie vor sich ab! Verdeckt oder offen? etc.

Kurzum, wenn man zu detailiert wird, wird die Anleitung zu lange und 99,9% der Leser finden diese nicht gut und nur vielleicht 0,1% nützt es wirklich. Da würde ich eher dazu tendieren, gewisse Abläufe und Termini als bekannt vorauszusetzen und aufbauend auf diese eine kurze und prägnante Erklärung zu geben. Meiner Meinung nach müßte man Stich nicht weiter erklären!

Sorry für die Abschweifung :-)

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Roland G. Hülsmann
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Beiträge: 2598

Re: Missverständliche Regelpassage oder Stilblüten

Beitragvon Roland G. Hülsmann » 30. April 2005, 10:11

Nun, man könnte den Satz auch ohne "fachchinesisch" so schreiben:

"Der Spieler, der die höchste Karte gespielt hat, gewinnt die ausgespielten Karten."
Und wenn es für das Spiel von Bedeutung ist, kann man noch hinzufügen: "... und legt sie verdeckt vor sich ab."

Also es ist nicht immer so schwer, einen Satz für noch ein paar mehr Leser verständlich zu machen. Das Schwierige daran ist, die Passagen zu erkennen, die möglicherweise nicht für jedermann verständlich sind. Wer seit seiner Kindheit Kartenspiele spielt und mit "66", "Offizierskat", etc. groß geworden ist, kommt zunächst einmal gar nicht auf den Gedanken, daß jemand nicht weiß, was ein Stich ist.

Gruß
Roland
(der sich mehrere Jahre als Pastoralreferent mit wechselndem Erfolg bemüht hat, theolisches "fachchinesisch" in seinen Predigten zu vermeiden und dabei trotzdem tiefe theologische Inhalte zu vermitteln)

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18xx

Re: Missverständliche Regelpassage oder Stilblüten

Beitragvon 18xx » 30. April 2005, 11:28

Hi Roland!

Ich gebe dir schon Recht. Aber eigentlich kann man Mißverständnisse nie komplet aus dem Weg räumen. Unter Umständen könnte nämlich folgendes passieren...

> Nun, man könnte den Satz auch ohne "fachchinesisch" so
> schreiben:
>
> "Der Spieler, der die höchste Karte gespielt hat, gewinnt die
> ausgespielten Karten."
> Und wenn es für das Spiel von Bedeutung ist, kann man noch
> hinzufügen: "... und legt sie verdeckt vor sich ab."

...ausgespielten Karten dieser Runde, oder aller Runden? Meint er jetzt den Stich oder was? Warum schreibt er dann aber nicht einfach Stich, also muß doch etwas anderes gemeint sein...


du verstehst, auf was ich raus will? Oft meint man es gut, und erklärt es extra genau, und verwirrt dann aber nur noch mehr, als wenn man einfach den gebräuchlichen Term nimmt. In diesem Beispiel mag es etwas konstruiert sein von mir, da deine Formulierung durchaus präzise ist. Aber ein Leser könnte eben durchaus denken: Meint er jetzt den Stich und wenn ja, warum schreibt er das nicht einfach hin :-)

Fazit: Man wird es nie jedem Recht machen: Man muß gewiße Kenntnisse voraussetzen, wieviel hängt vom Zielpublikum ab.

Bei einer 18xx Erklärung mag ich am liebsten folgende Seite(n): Alles wie 1830 nur mit folgenden Änderungen...

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Roman Pelek

[OT] Das Sz an sich

Beitragvon Roman Pelek » 5. Mai 2005, 04:15

Moin 18xx,

> Fazit: Man wird es nie jedem Recht machen: Man muß gewiße
> Kenntnisse voraussetzen, wieviel hängt vom Zielpublikum ab.

Autsch - mir als Zielpublikum wäre allerdings etwas weniger Missbrauch in Forumspostings hinsichtlich des "ß" lieber ;-)

Ciao,
Roman (oder wie soll man irgendjemandem auf dieser Welt erklären, warum "gewiße" eine auch nur annähernde Berechtigung in der deutschen Sprache hat? *sfg*)


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