Beitragvon Franz-Benno Delonge » 5. Oktober 2005, 10:27
Essen, 14. Oktober 2005, kurz nach 20 Uhr. Langsam erlischt die Hallenbeleuchtung der größten Brettspielveranstaltung der Welt. Die letzten Putzkommandos fegen zwischen den nun menschenleeren Messeständen den Müll zusammen, dann herrscht völlige Stille.
Doch was ist das? Hinter dem gigantischen Kosmos-Stand, im Schatten des Catan-Mobils wird ein diffuser Lichtschein erkennbar. Vorsichtig zoomt die Kamera näher.
Auf einem kleinen Holztischchen brennt eine Öllampe. Daneben eine "Schmidt"-Spieleschachtel - ja, hier wird "Diamant" gespielt. Vier verwegene Gestalten mit tief eingegrabenen Gesichtsfurchen starren mit flackerndem Blick auf die Hand eines der Spieler, der langsam ein kleines Kärtchen umdreht.
"Ein Skorpion!" zischt er. Die Mitspieler erbleichen; einer sackt wie vom Blitz getroffen in seinem Stuhl zusammen. Mit bösem Lachen schiebt der Kartenhalter ein Häufchen Diamanten in seinen Lederbeutel, und wir erkennen am Klang, daß hier echte Diamanten über den Tisch gehen. Ja - an diesem Tisch sind Profis am Werk!
Wir schauen uns weiter um. Im trüben Lichtschein erkennen wir, daß noch an einigen anderen Tischen gespielt wird. Dort drüben liegen kleine Barren aus massivem Gold auf dem Tisch, die mit Zahlen zwischen 21 und 36 beschriftet sind! Ein abgerissener Kerl, der seinen Blick hinter einer Sonnenbrille verbirgt, würfelt. "Verdammt - kein Wurm!" stöhnt er leise auf, und die Mitspieler greifen höhnisch lachend nach dem Goldstück, das vor ihm auf dem Tisch liegt...
Wir ziehen uns diskret zurück und verlassen diese traurige Szenerie, die uns zeigt, wie schnell aus unserem Hobby eine teuflische Sucht werden kann, die schon so manche Existenz vernichtet hat. Lassen wir es nicht so weit kommen! Freuen wir uns darüber, daß für uns das Spiel ein reines, unschuldiges Vergnügen geblieben ist! Und finden wir uns damit ab, dass wir in Essen kein Geld verdienen, sondern welches ausgeben!
Schönen Gruß
Benno