Beitragvon Marten Holst » 11. Oktober 2005, 00:30
Moin,
> Spielen und Spieltheorie sind zwei grundverschiedene
> Dinge. Klar war mir - als Mathematiker - das eigentlich
> immer schon. Doch ganz deutlich hat mich dann
> Reinhard Selten darauf hingewiesen, dass in seine Welt
> der Spieltheorie auch z.B. die Forschung zum
> Computerschach nicht hineingehöre.
find ich so formuliert schon recht gewagt. "Schach" lässt sich wunderbar mit spieltheoretischen Mitteln erfassen (ist sogar ein recht leichter Fall, endliches sequentielles Zwei-Personen Nullsummenspiel, vollständige Information - was will man mehr?). Was wohl gemeint ist: das, was momentan im Computerschach stattfindet ist mehr Algorithmen finden, um eben nicht den mathematischen Aspekt, sondern den praktischen zu finden. Auch das ist wertvoll (viele wirtschaftliche, spannende Dinge lassen sich kaum in brauchbarer Zeit wirklich durchrechnen), aber eben nicht im primären mathematischen Sinne interessant. Nichts desto trotz lässt sich Schach, wie fast alle Spiele, über die wir hier reden, spieltheoretisch erfassen. Bloß die Frage ist, ob das das ist, was sich einige hier versprechen :-) Schach jetzt komplett durchzurechnen, ist weder mathematisch noch wirtschaftswissenschaftlich spannend, sondern eine reine Plackerei :-)
Um es klar zu stellen: ich habe nicht vor, hier einem Nobelpreisträger zu widersprechen, denke aber, dass er falsch verstanden wurde, speziell vielleicht mit dem "seine Welt". Oder dass ich die Widergabe dessen, was er sagte, falsch verstanden habe - irgend so ein Kommunikationsknoten halt :-)
Tschüß
Marten