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Verlagsdruck auf Onlineshops beim Verkaufspreis

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raccoon

Verlagsdruck auf Onlineshops beim Verkaufspreis

Beitragvon raccoon » 7. November 2006, 18:48

Hallo,

in der vergangenen Woche gab es einige Beiträge zum Thema Preisgestaltung von Spielen bei unterschiedlichen Händlern. Da die Thematik bereits an anderer Stelle eifrig diskutiert wird, möchte ich sie an dieser Stelle nicht nochmals aufgreifen sondern ein konkretes Beispiel beitragen, wie sich das Preisdiktat in der Realität mitunter ausdrückt (das soll keineswegs eine Pauschalisierung sein sondern ist zunächst einmal als Einzelfall zu betrachten).

Der nachfolgend beschriebene E-Mail-Verkehr hat so stattgefunden, wobei mit "Kunde" ein Bekannter von mir gemeint ist.


----------------------------------------


Hier der Ablauf im einzelnen:

1. Kunde bestellt Artikel im Verlags-Webshop abc.de vor

2. Kunde sieht identisches Produkt bei anderen Online-Händlern bis zu 28% günstiger

3. Kunde sendet E-Mail an Verlags-Webshop abc.de mit dem Hinweis, das Produkt bei Shop xyz.com günstiger gesehen zu haben und daher die Bestellung beim Verlag stornieren zu wollen

4. Antwort-E-Mail des Verlags (auszugsweise und anonymisiert): "[...] danke für den Hinweis. xyz.com hat noch keine Ware (und schon gar nicht" [den Vorbestellungsbonus]). "Wer dort bestellt, kann sich also nicht sicher sein, das Spiel zu bekommen. Da wir kein Interesse daran haben können, dass unser Spiel schon vor Erscheinen verramscht wird, werden wir der Sache nachgehen und entsprechend handeln. [...]"

5. Vier Tage später: Online-Händler xyz.com erhöht den Artikelpreis um knapp 20%

6. Auf Anfrage teilt mir xyz.com mit (auszugsweise): "[...] aufgrund von Preiserhöhungen seitens des Herstellers mussten wir den Preis [...] ebenfalls erhöhen. [...]"

7. Kunde bestätigt Verlags-Webshop abc.de nun doch die Vorbestellung mit dem allgemeinen Hinweis, dass der Preis nach wie vor deutlich höher liege als in anderen Webshops (ohne Namen zu nennen)

8. Antwort-E-Mail des Verlags (auszugsweise und anonymisiert): "[...] Auch wären wir für Informationen dankbar, wer das Spiel noch für xy Euro anbietet. [...]"

9. Kunde teilt mit, keine Namen nennen zu wollen und weist darauf hin, dass inzwischen ein weiterer Webshop den Vorbestellungspreis um rund 28% (!) angehoben habe.


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Abschließende Hinweise/Bitten:

• Aus sämtlichen Zitaten wurden die (Personen-)Namen und Preise entfernt.

• Es geht nicht darum, zu erraten, um welchen Verlag, welches Spiel oder welche Online-Händler es sich handelt (Stammleser werden sich das ohnehin denken können), sondern um den oben beschriebenen Sachverhalt und wie Eure Meinung bezüglich der Vorgehensweise des Verlags aussieht.

• Da hier ein Foren-Thread zur Spiel '06 wegen einzelner abdriftender Reaktionen komplett (und nicht nur die fragwürdigen Beiträge) gelöscht wurde, bitte ich bei Eurem Feedback darum, ebenfalls "anonymisiert" zu reagieren und Verlagsnamen möglichst unerwähnt zu lassen, damit keine Angriffsfläche für eine evtl. Thread-Löschung geboten wird - danke.

• Um die Diskussion nicht von vornherein zu beeinflussen, halte ich mich mit meiner persönlichen Meinung zunächst zurück.

Ciao :)

raccoon

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Tim-spielbox

Re: Verlagsdruck auf Onlineshops beim Verkaufspreis

Beitragvon Tim-spielbox » 7. November 2006, 19:11

Hallo,

meiner Meinung nach ist das schlichtweg eine Unverschämtheit: Klar, der Verlag ist frei, einen UNverbindlichen Verkaufspreis zu empfehlen. Und der Händler ist genauso frei, seinen eignen Preis zu kalkulieren, vielleicht aus Werbezwecken eben niederiger als die Empfehlung des Verlages. Er kann genauso gut das Spiel an treue Kunden verschenken oder was auch immer. Meines Erachtens ist es eine ziemliche arrogante Haltung - auch gegenüber den Kunden - wenn ein Verlag derart probiert, die Preise zu kontrollieren und so den Spielern die Möglichkeit nimmt, ein sowieso hochpreisiges Produkt eventuell etwas günstiger zu erwerben. Und das Promo-Beigaben, die ja eigentlich als Dankeschön für die Vorbesteller, die, im Zweifel ohne das Spiel gespielt zu haben, es schon bestellen, zu sehen sind, dann auch noch als Druckmittel genutzt werden ist schon mehr als zweifelhaft. Im Übrigen meine ich im Forum des Verlages, um denn es hier wohl geht, sinngemäß gelesen zu haben: "Bestellen Sie bei uns, dann können Sie sicher sein, dass Spiel zu bekommen." Aber sorry, ich lasse mir doch nicht vom Verlag vorschreiben, WO ich mein Spiel zu kaufen habe?

Schöne Grüße
Tim

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Jens

Re: Verlagsdruck auf Onlineshops beim Verkaufspreis

Beitragvon Jens » 7. November 2006, 19:30

Ein Verlag, der durch eine VK-Preisreglementierung o.ä. Druck auf Händler ausübt, macht sich eines Verstoßes gegen das Bundeskartellrecht schuldig und damit strafbar. In der Vergangenheit wurden gegen Firmen, die dies versucht hatten, bereits empfindliche Geldstrafen verhängt.

Der Wettbewerb und die Nachfrage am Markt selbst bestimmen die Angebotspreise eines Produktes. Kein Händler sollte sich deshalb auf arrogante Drohgebärden eines Verlages oder einer Firma einlassen, die letztlich ein unhaltbarer Angriff auf sein Recht der freien Kalkulation seiner Verkaufspreise sind.

Allein die Idee eines Verlags, so etwas durchsetzen zu wollen, ist hochgradig naiv, die Umsetzung schließlich zum Scheitern verurteilt.
Es steht dem Verlag schließlich zu, auf seine Vertriebspartner zu verzichten und als Exklusiv-Vertreiber aufzutreten, wenn er glaubt, daraus einen Vorteil zu ziehen.

Die einzig rechtlich einwandfreie und plausible Möglichkeit der Preisangleichung eines Produktes ist eine Preisabsprache unter den Händlern selbst.

Jens

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kurt

Re: Verlagsdruck auf Onlineshops beim Verkaufspreis

Beitragvon kurt » 7. November 2006, 20:10

die Meisten Online Shops sind gezwungen, mit einer ganz geringen Gewinnspanne, die meist nur wenige Euro beträgt, zu kalkulieren.

Gezwungen sind sie deshalb, weil gerade die Vielspieler nur bei den billigsten Shops kaufen, wenn man also zu teuer ist, verkauft man einfach nichts mehr.

Dadurch wird es aber unmöglich, vernünftigen Service und Information zu bieten, da macht es einfach nur die Masse.

Stammkunden gibt es nur noch sehr sehr wenige. Die meisten Kunden sind hemmungslos der "Geiz ist geil" Mentalität verfallen.
Und das sind erfahrungsgemäß ganz besonders die, die sich hier im Forum dann sofort darüber beschweren, wenn wenn es Lieferschwierigkeiten oder andere Schwächen im Service gibt.

Liebe Leute, diese Anspruchshaltung ist einfach dermaßen arrogant und nervig, und gleichzeitig so naiv, daß es schon fast weh tut!!

Jeder Verlag ist nämlich darauf angewiesen, seine Spiele nicht nur in der Vielspieler Szene zu verkaufen, sondern barucht auch Kontakt zu ganz normalen Kunden. Die die Vielspieler schreien zwar am Lautesten, sind aber am notwendigen Umsatz nur zu einem geringen Teil beteiligt.

Doch auch die normalen Kundenvergleichen mittlerweile die Preise im Internet.

Also wird es immer weniger normale Läden geben, dies es sich noch leisten können, besondere Spiele in ihr Sortiment aufzunehmen, denn mit solchen geringen Gewinnspannen kann ein Laden, der bedeutend mehr Kosten hat, als ein Internetversand, definitiv nicht leben.

Das Ergebnis wird sein, daß die Verlage es sich immer weniger leisten können, innovative Spiele zu verlegen.
Und ihr könnt sie dann auch nicht mehr kaufen!! Selbst schuld!!

Da kann ich nur sagen: "Hut ab" vor einem Verlag, der versucht, dich gegen diese Entwicklung zu wehren.

Viele Grüße von

Kurt

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Alexandra

Re: Verlagsdruck auf Onlineshops beim Verkaufspreis

Beitragvon Alexandra » 7. November 2006, 20:27

kurt schrieb:

> die Meisten Online Shops sind gezwungen, mit einer ganz
> geringen Gewinnspanne, die meist nur wenige Euro beträgt, zu
> kalkulieren.

Niemand wird hier zu irgendetwas gezwungen. Noch nicht einmal dazu, einen Onlineshop zu betreiben.

> Stammkunden gibt es nur noch sehr sehr wenige. Die meisten
> Kunden sind hemmungslos der "Geiz ist geil" Mentalität
> verfallen.

...an der vor allem die Werbung eine Mitschuld trägt. Können wir auch wieder ändern, aber nicht so ;-)

> Liebe Leute, diese Anspruchshaltung ist einfach dermaßen
> arrogant und nervig, und gleichzeitig so naiv, daß es schon
> fast weh tut!!

Warum das denn?

> Doch auch die normalen Kundenvergleichen mittlerweile die
> Preise im Internet.

Die Bösen, Bösen...

> Also wird es immer weniger normale Läden geben, dies es sich
> noch leisten können, besondere Spiele in ihr Sortiment
> aufzunehmen, denn mit solchen geringen Gewinnspannen kann ein
> Laden, der bedeutend mehr Kosten hat, als ein
> Internetversand, definitiv nicht leben.

Der Handel verlagert sich. Bitter, aber auch mit eindeutigen Rechtsverstößen seitens eines Verlages nicht zu ändern.

> Das Ergebnis wird sein, daß die Verlage es sich immer weniger
> leisten können, innovative Spiele zu verlegen.
> Und ihr könnt sie dann auch nicht mehr kaufen!! Selbst schuld!!

Och @!#$, wie gemein...

> Da kann ich nur sagen: "Hut ab" vor einem Verlag, der
> versucht, sich gegen diese Entwicklung zu wehren.

Jetzt wird es wirklich interessant :-) Denn es gibt keinen Grund, den Hut vor einer Dubiosität zu ziehen, die aus wirtschaftlicher Sicht auch erheblichen Schaden anrichtet! Deiner Meinung nach belebt der Verlag mit deiner "ach so mutigen Tat" das Geschäft? Erhöht und verbessert das Angebot? Rettet die Fachgeschäfte? Vielleicht liest Du dich erstmal ein bisschen schlau, denn die freie Preisgestaltung hat durchaus ihren Sinn ;-)
Den Hut hätte ich vor einer durchdachten, rechtlich haltbaren Maßnahme gezogen (Stichwort: freiwillige Preisabsprache), aber doch nicht vor sowas!

> Viele Grüße von
> Kurt

Frage: Du hast nicht zufällig gerade vor Deinem eigenen Verlag den Hut gezogen, Kurt?

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Sven G

Absolut richtige Reaktion des Herstellers !

Beitragvon Sven G » 7. November 2006, 20:43

Die Reaktion ist aus meiner Sicht absolut richtig ! Immerhin hattest
Du einen Kaufvertrag geschlossen !!!

Sie mag zwar sehr hemdsärmlig wirken, aber zumindest
dürfte dies ein Versuch sein, den Einzelhandel vor Ort wieder
zu stärken !

Dem Kunde steht es wie immer frei, sich ein Produkt nicht zu kaufen !

Das Diktat der Konsumenten gegen jede Argumentation immer nur
die billigste Wahl zu treffen und dabei sogar eine günstige zu verachten
wurde hier in Zusammenhang mit China-Produkten schon einmal erörtert.

Qualität hat ihren Preis !


Sven

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kurt

Re: Verlagsdruck auf Onlineshops beim Verkaufspreis

Beitragvon kurt » 7. November 2006, 20:50

Hallo Alexandra,

War klar, daß solch eine Reaktion kommen musste, durch und durch von Egoismus geprägt und blind gegenüber den aktuellen Entwicklungen.

> ...an der vor allem die Werbung eine Mitschuld trägt.

Glaubst Du wirklich, daß die Menschheit so unmündig ist? Nein, jeder ist sich selbst der nächste und das ist die Ursache, daran krank die gesamte Gesellschaft.

> Vielleicht liest Du dich erstmal ein bisschen schlau, denn die freie >Preisgestaltung hat durchaus ihren Sinn.

Schon mal mitbekommen, daß sich die Welt ständig im Wandel befindet?? Was früher einmal richtig war und heute in den Lehrbüchern steht, wird morgen ganz anders aussehen.

Ihr werdet Euch noch alle wundern :-) spätestens wenn Euer eigener Job der digitalen Revolution zum Opfer fällt.

Trotzdem glückliche Grüße

kurt

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kurt

Re: Verlagsdruck auf Onlineshops beim Verkaufspreis

Beitragvon kurt » 7. November 2006, 20:53

die Meisten Online Shops sind, wenn sie weiterhin existieren wollen, gezwungen, mit einer ganz geringen Gewinnspanne, die meist nur 1-2 Euro beträgt, zu kalkulieren.

Gezwungen sind sie deshalb, weil gerade die Vielspieler nur bei den billigsten Shops kaufen, wenn man also zu teuer ist, verkauft man einfach nichts mehr.

Dadurch wird es aber unmöglich, vernünftigen Service und Information zu bieten, da macht es einfach nur die Masse.

Stammkunden gibt es nur noch sehr sehr wenige. Die meisten Kunden sind hemmungslos der "Geiz ist geil" Mentalität verfallen.
Und das sind erfahrungsgemäß ganz besonders die, die sich hier im Forum dann sofort darüber beschweren, wenn wenn es Lieferschwierigkeiten oder andere Schwächen im Service gibt.

Liebe Leute, diese Anspruchshaltung ist einfach dermaßen arrogant und nervig, und gleichzeitig so naiv, daß es schon fast weh tut!!

Jeder Verlag ist nämlich darauf angewiesen, seine Spiele nicht nur in der Vielspieler Szene zu verkaufen, sondern barucht auch Kontakt zu ganz normalen Kunden. Die die Vielspieler schreien zwar am Lautesten, sind aber am notwendigen Umsatz nur zu einem geringen Teil beteiligt.

Doch auch die normalen Kunden vergleichen mittlerweile die Preise im Internet.

Also wird es immer weniger normale Läden geben, dies es sich noch leisten können, besondere Spiele in ihr Sortiment aufzunehmen, denn mit solchen geringen Gewinnspannen kann ein Laden, der bedeutend mehr Kosten hat, als ein Internetversand, definitiv nicht leben.

Das Ergebnis wird sein, daß die Verlage es sich immer weniger leisten können, innovative Spiele zu verlegen.
Und ihr könnt sie dann auch nicht mehr kaufen!! Selbst schuld!!

Da kann ich nur sagen: "Hut ab" vor einem Verlag, der versucht, sich gegen diese Entwicklung zu wehren.

Viele Grüße von

Kurt

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Tim-spielbox

Re: Absolut richtige Reaktion des Herstellers !

Beitragvon Tim-spielbox » 7. November 2006, 20:54

> Die Reaktion ist aus meiner Sicht absolut richtig ! Immerhin
> hattest
> Du einen Kaufvertrag geschlossen !!!

Sorry, aber von diesem Vertrag kann man noch weitaus länger- selbst nach Erhalt der Ware - jederzeit gemäß dem Fernabsatzgesetz zurücktreten - aus welchen Gründen auch immer! Das Argument, es sei ein Kaufvertrag geschlossen worden, zieht also gar nicht.

> Sie mag zwar sehr hemdsärmlig wirken, aber zumindest
> dürfte dies ein Versuch sein, den Einzelhandel vor Ort wieder
> zu stärken !

Sorry, aber warum ist der Einzelhandel denn so heilig? Ich kaufe dort, wo ich das besser Angebot kriege. Das muss nicht nur im Preis, sondern kann auch im Service liegen oder anderem liegen. Zumindest dürfte es nicht Aufgabe des Verlages sein, seinen eigenen Endkunden vorzuschreiben, wo sie ein Spiel zu kaufen haben, nur weil der Verlag der Meinung ist, der Einzelhhandel sei besser.

> Dem Kunde steht es wie immer frei, sich ein Produkt nicht zu
> kaufen !
>
> Das Diktat der Konsumenten gegen jede Argumentation immer nur
> die billigste Wahl zu treffen und dabei sogar eine günstige
> zu verachten
> wurde hier in Zusammenhang mit China-Produkten schon einmal
> erörtert.

Das ist kein Diktat, sondern eine individuelle freie Entscheidung von Einzelpersonen. Umgekehrt ist es aber ein Diktat: Der Verlag will offensichtlich den Kunden vorschreiben, wo sie denn ein Spiel zu kaufen haben.

> Qualität hat ihren Preis !

Ja, auch 50 Euro, um diesen Betrag dürfte es in einem aktuellen Fall gehen, sind noch ein stolzer Preis.

Gruß
Tim

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Alexandra

Re: Verlagsdruck auf Onlineshops beim Verkaufspreis

Beitragvon Alexandra » 7. November 2006, 20:57

kurt schrieb:

> Ihr werdet Euch noch alle wundern :-) spätestens wenn Euer
> eigener Job der digitalen Revolution zum Opfer fällt.

Nur mal so ne Frage: Hat der Verlag eigentlich auch ne digitale Homepage?

:-D :)) :-D

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Mario Müller-Gräf

Re: Verlagsdruck auf Onlineshops beim Verkaufspreis

Beitragvon Mario Müller-Gräf » 7. November 2006, 20:59

Ganz schwieriges Thema, finde es sehr schön, dass das Ganze hier nochmal zur sachlichen Diskussion aufgebracht wird.

Einerseits finde ich es gut, wenn ein Verlag für - sagen wir mal - "angemessene" Preise kämpft. Vor allem dann, wenn der Verlag für wunderbare Ausstattung und 1A Qualität der Materialien bekannt ist und nicht im billigeren Ausland produzieren lässt.

ABER: Wir haben nun mal eine freie Marktwirtschaft. Und Online-Händler haben eben ein Geschäftsmodell, dass Ihnen die Möglichkeit gibt, in ihrer Preisgestaltung deutlich unter dem UVP zu bleiben. Das ist auch in anderen Branchen so. Ich habe früher gerne Kirmesmodelle von Faller gebastelt und die gibt es bei einem Spielwaren-Internet-Versender immer für exakt 70% des UVP.

70% des UVP ist auch so ca. das untere Limit bei den günstigsten Online-Spiele-Händlern. Scheinbar hat man das bei dem entsprechenden Verlag aber überhaupt nicht gewusst und sich darüber jetzt ordentlich erschreckt.

Die entscheidende Frage ist jetzt: Wie wurde die Preiserhöhung bei den Online-Händlern durchgesetzt? Eine Erhöhung des Abgabepreises an die Händler, weil man merkt, dass man sich verkalkuliert hat, wäre verständlich. Das ist zum Beispiel auch Kosmos bei der Siedler-3D-Version passiert. DAS hätte dann aber auch zwingend einen entsprechend höheren neuen UVP zur Folge.

Wenn der UVP aber gleich bleibt kann sich höchstwahrscheinlich der Abagabepreis auch nicht erhöht haben (Wie sollte sonst der normale Handel noch den UVP halten können?).

Genau das finde ich dann aber ziemlich fragwürdig. Dass mit Lieferengpässen gedroht wurde glaube ich nicht, aber vielleicht gab es ja so etwas wie ein limitiertes Goodie, an dem die Kunden und somit auch die Händler großes Interesse hatten und man hat sich dann freundschaftlich geeinigt - Schließlich profitieren ja auch die Händler vom höheren Preis (vorausgesetzt meine Hypothese mit dem konstanten Abgabepreis stimmt).

Ganz sauber finde ich das so nicht, aber ich habe trotzdem eine Vorbestellung zum neuen Preis getätigt, eben in der Hoffnung, dass die Mehreinnahmen meinem Stammhändler (Magnus-Spiele) zu Gute kommen. Hätte man sich dort auch mal verdient. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt auch noch, nur die doch mal wieder passierte Umrechnung in DM bereitet leichte Kopfschmerzen. :-)

Spannend bleibt auch die Frage, wie das zukünftig preislich mit Spielen des entsprechenden Verlages weitergehen soll, es kann ja nicht immer Goodies geben. Und insgesamt verteile ich mein Spiele-Budget gerne an möglichst viele Verlage und Autoren. Da kommt mir die Preisgestaltung von Online-Shops doch sehr entgegen.

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Jens

Re: Absolut richtige Reaktion des Herstellers !

Beitragvon Jens » 7. November 2006, 21:01

Sven G schrieb:

> Das Diktat der Konsumenten gegen jede Argumentation immer nur
> die billigste Wahl zu treffen und dabei sogar eine günstige
> zu verachten...

Das ist ja wirklich unglaublicher Stuss. Nicht der Konsument diktiert, sondern der Verlag versucht es!

Jens

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achim

Re: Verlagsdruck auf Onlineshops beim Verkaufspreis

Beitragvon achim » 7. November 2006, 21:02

kurt schrieb:
>
> Doch auch die normalen Kunden vergleichen mittlerweile die
> Preise im Internet.
>
> Also wird es immer weniger normale Läden geben, dies es sich
> noch leisten können, besondere Spiele in ihr Sortiment
> aufzunehmen, denn mit solchen geringen Gewinnspannen kann ein
> Laden, der bedeutend mehr Kosten hat, als ein
> Internetversand, definitiv nicht leben.

Hallo Kurt,

wahrscheinlich müssen wir uns verabschieden, von dem was wir gerne hätten, und dem was wir vorfinden.

Wir haben einerseits die großen Märkte, allen voran wahrscheinlich die Metrogruppe, die ihre Regale von den Großen der Spielebranche bestücken lässt.

Auf der anderen Seite haben wir die Onlinehändler, die dank ihrer Kostenstruktur zu niedrigen Preisen anbieten können, und das in reichhaltigster Auswahl. Es gibt meist kein lieferbares Spiel, das dort nicht gelistet wäre.

Und dazwischen werden die traditionellen Spielehändler zu Staub zerrieben.

Wie du selbst schreibst, sind Vielspieler und Enthusiasten stark in der Minderheit, und würden imo zahlenmässig wahrscheinlich auch längerfristig nicht ausreichen den trad. Handel zu retten, indem sie auf Preisvorteile und Verfügbarkeit beim Spielekauf bei Onlinehändler verzichten würden.

Schlimmer sehe ich auch noch den Angriff der Supermärkte, denn hier wird dem Kleinhändler die Nachfrage nach Massenprodukten entzogen.

> Das Ergebnis wird sein, daß die Verlage es sich immer weniger
> leisten können, innovative Spiele zu verlegen.
> Und ihr könnt sie dann auch nicht mehr kaufen!! Selbst schuld!!

Das sehe ich eher nicht so. Kleinverlage und auch innovative Spiele hatten es vor 15 Jahren auch schon schwierig ein Plätzchen im trad. Spielehandel zu finden. Ausnahmen bestätigen hier die Regel. Und damals gab es die Onlinehändler so noch nicht. Diese Spiele werden heutzutage mehr angeboten, als jemals zuvor.
Eine Schuldfrage stellt sich mir daher nicht.

Abschliessend sei noch erwähnt, der angesprochenen Preisgestaltung bestimmter Verlage sehe ich mal gelassen entgegen. Ein gut funktionierendes Distributionsnetz ist sehr wichtig. In wie weit dieses durch solche Maßnahmen gestärkt wird, vermag ich als Aussenstehender nicht zu erfassen.
Ravensburger, als einer der ganz großen Hechte im Spieleteich, hat es jedenfalls, so weit wie ich das sehe, nicht besonders geschadet, dass deren Spiele zur Weihnachtszeit seit Jahrzehnten wie geschnitten Brot über den Ladentisch gingen, und heutzutage der Bekanntheitsgrad der Marke wahrscheinlich über 90% liegt.

Gruß
achim

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Sven75

Re: Absolut richtige Reaktion des Herstellers !

Beitragvon Sven75 » 7. November 2006, 21:04

Nein, völlig falsche Reaktion des Herstellers und Gesetzeswiedrig obendrein.
Wie bereits gesagt, kann der Käufer jederzeit vom Kaufvertrag zurücktreten. Das ist sein gutes Recht.
Auch wenn ich ein Verfechter des Facheinzelhandels bin, kann ich solche Aktionen nicht gut heißen. Der Hersteller darf nicht in die Preisgestaltung der Einzelhändler eingreifen. Punkt. Kein wenn, kein aber.
Offen gestanden hätte ich nach so einer Aktion die Bestellung erst recht storniert.

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achim

Re: Verlagsdruck auf Onlineshops beim Verkaufspreis

Beitragvon achim » 7. November 2006, 21:05

Alexandra schrieb:
> Den Hut hätte ich vor einer durchdachten, rechtlich haltbaren
> Maßnahme gezogen (Stichwort: freiwillige Preisabsprache),

Hallo Alexandra,
was versteht man unter einer "freiwilligen Preisabsprache", die rechtlich haltbar ist?

Gruß
achim

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Sven75

Re: Verlagsdruck auf Onlineshops beim Verkaufspreis

Beitragvon Sven75 » 7. November 2006, 21:08

Zitat:
"Die einzig rechtlich einwandfreie und plausible Möglichkeit der Preisangleichung eines Produktes ist eine Preisabsprache unter den Händlern selbst."

Äh...bitte??? Das nennt man ein horizontales Preiskartell (wenn ich das nocht richtig im Kopf habe) und auch das ist auf alle Fälle strafbar!
*Jegliche* Form der Preisabsprache ist verboten. Aus, schluß, vorbei.
Ausnahmen bedürfen der Gesetzesform (siehe Buchpreisbindung).

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Ingo

Re: Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht

Beitragvon Ingo » 7. November 2006, 21:10

Sven75 schrieb:

> Nein, völlig falsche Reaktion des Herstellers und
> Gesetzeswiedrig obendrein.
> Wie bereits gesagt, kann der Käufer jederzeit vom Kaufvertrag
> zurücktreten. Das ist sein gutes Recht.
> Auch wenn ich ein Verfechter des Facheinzelhandels bin, kann
> ich solche Aktionen nicht gut heißen. Der Hersteller darf
> nicht in die Preisgestaltung der Einzelhändler eingreifen.
> Punkt. Kein wenn, kein aber.
> Offen gestanden hätte ich nach so einer Aktion die Bestellung
> erst recht storniert.

Absolut korrekt!
Es bringt doch nichts, hier Beifall zu klatschen für einen deutlichen Rechtsverstoß. Was der Verlag getan hat, ist STRAFBAR.
Es steht somit jedem Händler frei, derartige Maßnahmen umgehend der Wettbewerbszentrale zu übermitteln, damit so etwas nicht am Ende noch Schule macht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendein Händler begeistert darüber ist, dass hier jemand versucht, seine Kalkulation zu reglementieren!

Ingo

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Alexandra

Re: Preisabsprache

Beitragvon Alexandra » 7. November 2006, 21:14

achim schrieb:

> Hallo Alexandra,
> was versteht man unter einer "freiwilligen Preisabsprache",
> die rechtlich haltbar ist?

Verlag und Händler hätten, um einen Preiskampf zu unterbinden, einen konstanten, überall gleichen Verkaufspreis für ein Produkt vereinbaren können. Vollkommen freiwillig, vollkommen legal.

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Stephan

Kein Einzelfall?

Beitragvon Stephan » 7. November 2006, 21:17

Hallo,

interessant wäre auch einmal, ob es sich hier um Einzelfälle handelt oder nicht. Vor kurzem bestellte ich ein sehr gelobtes 2 Personen-Spiel der Essener Messe bei einem Internetversender. Als ich wenige Tage später ein zweites Exemplar ordern wollte, lag der Preis um 5 Euro höher. Meine Nachfrage per Mail, was eine solche Preiserhöhung solle, ergab, dies sei auf Druck des Verlages geschehen, da dieser sonst den Händler nicht beliefern würde. Scheint so, als würde nicht nur einem Verlag der Erfolg zu Kopf steigen...

Viele Grüße
Stephan

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achim

Re: Preisabsprache

Beitragvon achim » 7. November 2006, 21:20

Alexandra schrieb:
>
> achim schrieb:
>
> > Hallo Alexandra,
> > was versteht man unter einer "freiwilligen Preisabsprache",
> > die rechtlich haltbar ist?
>
> Verlag und Händler hätten, um einen Preiskampf zu
> unterbinden, einen konstanten, überall gleichen Verkaufspreis
> für ein Produkt vereinbaren können. Vollkommen freiwillig,
> vollkommen legal.

Ich kenne keine derartigen schriftlichen Vertragsbestandteile seriöser Geschäftspartner. Ebenso ist mir der Begriff "freiwillig" in der Geschäftswelt nicht sehr geläufig.

Hast du vielleicht Beispiele, welche Firmen das so handhaben?

Gruß
achim

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Alexandra

Re: Sorry !!

Beitragvon Alexandra » 7. November 2006, 21:23

achim schrieb:

> Hast du vielleicht Beispiele, welche Firmen das so handhaben?
>
> Gruß
> achim

Sorry, ich muss das revidieren. War ein irrtum, wie mir nach Lektüre der Gesetzeslage bezgl. Preisabsprachen gerade klar geworden ist, sorry.

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Sven G

Strafbar ?

Beitragvon Sven G » 7. November 2006, 21:31

Benenne die Strafnorm doch mal bitte und subsumiere
dann das Geschehene unter den Tatbestand.

Ich bin gespannt !

Sven :-)

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Sven G

Super Reakton des Herstellers !

Beitragvon Sven G » 7. November 2006, 21:32

Ich bleibe dabei ! Die Reaktion war genau richtig, wenn sie
denn so stattgefunden hat, wie sie hier beschrieben worden ist !

Sven

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Florian-spielbox

Re: Verlagsdruck auf Onlineshops beim Verkaufspreis

Beitragvon Florian-spielbox » 7. November 2006, 21:35

> Spannend bleibt auch die Frage, wie das zukünftig preislich
> mit Spielen des entsprechenden Verlages weitergehen soll, es
> kann ja nicht immer Goodies geben. Und insgesamt verteile ich
> mein Spiele-Budget gerne an möglichst viele Verlage und
> Autoren. Da kommt mir die Preisgestaltung von Online-Shops
> doch sehr entgegen.

war es bei zug um zug nicht schonmal genauso.... kaum war es spiel des jahres, wurde der preis überall auf 29,90 hochgesetzt

und war das nicht auch der gleiche verlag....

macht euch mal gedanken, was hat der händler denn für eine wahl wenn er vom verlag gesagt bekommt "entweder du verkaufst zum preis xx.xx eur oder du bekommst keine ware von uns". logisch, dass dann alle den preis hochsetzen.

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Sven G

Ganz ähnlich

Beitragvon Sven G » 7. November 2006, 21:37


sehe ich es auch !

Sven


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