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Was ist ein Familienspiel ?

Das ehemalige spielbox-Spielerforum
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faki
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Was ist ein Familienspiel ?

Beitragvon faki » 12. April 2007, 20:23

Hallo zusammen,

mich würde mal interessieren, ob es eine allgemein gültige Definition für den Begriff "Familienspiel" gibt. Ich hab jetzt auf einer Internetseite in einer Besprechung zu Colosseum gelesen, daß es sich dabei nach Meinung des Besprechenden um ein Familienspiel handeln soll. Da bei Colosseum aber jetzt schon öfter Vergleiche mit "Die Fürsten von Florenz" getätigt wurden und ich dies nicht eben für ein Familienspiel halte (ich finde, ein Familienspiel sollte leicht verständliche, schnell zugängliche Regeln haben und nicht all zu sehr in Denksport/Strategie ausarten und zudem auch eine Spieldauer von maxcimal 1 1/2 Stunden), stellt sich mir jetzt die Frage, was Ihr unter Familienspiel versteht ?!

Gruß
David

P.S.: O.K., O.K., ich erwarte nicht die eine, alles überstrahelnde, unzweifelhafte Definition.....mich interessiert halt nur Eure Interpretation ;-)

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Roland G. Hülsmann
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Re: Was ist ein Familienspiel ?

Beitragvon Roland G. Hülsmann » 12. April 2007, 20:37

Hallo David,

ich denke, "Familienspiel" ist eben ein Schubladennamen, wie viele andere auch: Und über das, was in die Schublade paßt, streiten sich die Geister ... und auch die Forumsteilnehmer!

Eine allgemeingültige "Definition" wird es da eben so wenig geben, so wie es vermutlich auch keine zwei Familien mit exakt demselben Spielegeschmack geben wird.

Aber man kann vielleicht eine Annäherung versuchen: Eine Familie zeichnet sich dadurch aus, daß deren Mitglieder (2 oder mehr) mehreren Generationen angehören. Daher sollte ein für Familien geeignetes Spiel sowohl jüngere als auch ältere Menschen gleichermaßen ansprechen und unterhalten und auch für 3 oder 4 Spieler spielbar sein.

Ob man viel mehr unwiedersprochen der Definition hinzufügen kann, wage ich zu bezweifeln.

Allein der Begriff "allgemeingültig" kann schon zu Irritationen führen, wie andere Threads im Forum naheliegen. Allzu oft steht "allgemeingültig" für "meine Meinung, von der ich in Selbstüberschätzung annehme, daß sie die Mehrheit meiner Mitmenschen teilt". ;)

Gruß
Roland

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Olav Müller
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Beiträge: 638

RE: Was ist ein Familienspiel ?

Beitragvon Olav Müller » 12. April 2007, 20:44

"faki" hat am 12.04.2007 geschrieben:
> mich würde mal interessieren, ob es eine allgemein gültige
> Definition für den Begriff "Familienspiel" gibt. Ich hab
> jetzt auf einer Internetseite in einer Besprechung zu
> Colosseum gelesen, daß es sich dabei nach Meinung des
> Besprechenden um ein Familienspiel handeln soll.

Trifft es meiner Meinung nach ziemlich gut. Wenn auch für "gehobene Spielerfamilien". Ein Familienspiel zeichnet aus (so denke ich) dass es eben keine ZU komplexen Regeln hat, also sowohl von Mama als auch von Papa und dem 8-jährigen Töchterchen verstanden und gespielt werden kann. Dazu kommt ein mehr oder weniger familientaugliches Thema und vielleicht noch ein gewisser Glücksfaktor, damit man hinterher etwas hat, worauf man seine Niederlage schieben kann.

Gut, Colosseum bietet das alles, aber ich würde es in zweiter Betrachtung dann vielleicht doch nicht als typisches Familienspiel betrachten. Es ist schon etwas "mehr". Eben DURCH die Entschärfungen, die Wolfgang Kramer hier im Forum schon angesprochen hat, aber auch kein lupenreines "Vielspielerspiel" (was auch immer das jetzt wieder sein soll ...)

Ich denke aber auch, dass es von Fürsten noch eine Ecke entfernt ist. Fürsten ist komplexer (nicht unbedingt komplizierter) und hat vor allem die unangenehme Eigenschaft, dass es kaum Fehler verzeiht. Gerade diese kann man sich aber bei Colosseum in gewissem Maße erlauben.

Nebenbei bemerkt: DIe Spieldauer habe ich in der Betrachtung, was ein Spiel zu einem Familienspiel macht, absichtlich außen vor gelassen. Ich denke nicht, dass sie einen besonderen Einfluss hat. Dann schon eher die Frage der Wartezeit zwischen meinen einzelnen Spielzügen, Entscheidungen. Aber das zeichnet für mich ein jedes Spiel aus, lange Ruhepausen stören mich nicht nur bei Familienspielen.

CU,
Olav

PS: Ich hab' die Tage ein Bild auf den BGG hochgeladen, dass ein ganz klein wenig zum Thema passt: http://www.boardgamegeek.com/image/201231

Alles nur Zufall? Auch, dass diese Diskussion gerade jetzt aufkommt? ;-)

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Ferdi

Re: Was ist ein Familienspiel ?

Beitragvon Ferdi » 12. April 2007, 20:59

Hallo David,

deiner Definition

"(ich finde, ein Familienspiel sollte leicht verständliche, schnell zugängliche Regeln haben und nicht all zu sehr in Denksport/Strategie ausarten und zudem auch eine Spieldauer von maxcimal 1 1/2 Stunden)"

kann ich (fast) voll zustimmen, und deshalb ist Colosseum ein gutes Familienspiel!
Fast: Bei einem spannenden Spiel vergeht die Zeit bekanntlich wie im Fluge, deshalb darf auch ein Familienspiel ruhig mal 2 Stunden, u. U. sogar etwas länger dauern. Letztendlich ist die Dauer bedeutungslos, so lange es nicht langweilig wird. Aber "einfache" Spiele schaffen es halt normalerweise kaum, die Spannung länger als 1 bis 2 Stunden aufrecht zu erhalten. Ich würde bei deiner Definition einfach "maxmal" durch "circa" ersetzen.

"Die Fürsten von Florenz" habe ich gerade gedanklich nicht so genau parat, ich meine es eher unter "anspruchsvolles Familienspiel" einordnen zu können - womit um himmelswillen nicht gesagt sein soll, Colosseum wäre nicht anspruchsvoll, aber eben nicht soooo ... auf jeden Fall sehr spielenswert!

Tja, mit den Defintionen ist das so'ne Sache ...

Definitive Grüße
Ferdi

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Ernst-Jürgen Ridder

RE: Was ist ein Familienspiel ?

Beitragvon Ernst-Jürgen Ridder » 12. April 2007, 21:09

"faki" hat am 12.04.2007 geschrieben:

> stellt sich mir jetzt die
> Frage, was Ihr unter Familienspiel versteht ?!
>
Hallo David,

unter Familienspiel verstehe ich ein Spiel, das Jung und Alt zusammen spielen können, wobei alle beteiligten Altersgruppen ihren Spaß haben können.

So weit, so gut, aber ein bisschen allgemein, nicht wahr? Es wird wohl auch auf die konkrete Familie ankommen, insbesondere auch auf deren Spielerfahrung. Mein 10-Jähriger kann Spiele spielen, für die die meisten seiner mir bekannten Altersgenossen weder das "Sitzfleisch" noch die Konzentrationsfähigkeit aufbringen können; das liegt nicht daran, dass er ein Genie wäre, sondern er hat schlicht Übung. Auch bei den beteiligten Erwachsenen wird es Unterschiede geben.

Geht man von einer Familie aus, die im Jahr nicht mehr als ein oder zwei Spiele kauft und für die das "Spiel des Jahres" eine wichtige Empfehlung ist, so dürfte das zugleich auch die "Marke" sein, die zunächst erreicht werden kann. Aber auch das ist keine einfache Antwort. So manches "Spiel des Jahres" mag seine Käufer mangels Spielerfahrung überfordert haben. Hier im Forum könnte man dagegen den Eindruck gewinnen, Familienspiel sei alles, was den Vielspieler unterfordert.

Am ehesten wird man als Familienspiel ansehen können, was eine Familie von Gelegenheitsspielern nach einmaligem Lesen der Spielregeln in Angriff nehmen mag, statt es einfach ins Regal zurückzustellen. Hm, auch keine sonderlich griffige Definition.

Spielerische Grüße
Ernst-Jürgen
www.djridder.de

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Matthias Wagner
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Re: Was ist ein Familienspiel ?

Beitragvon Matthias Wagner » 13. April 2007, 06:59

Wenn man die Mehrheit der Bevölkerung betrachtet dann ist ein Mensch-Ärger-Dich-Nicht wohl als normales Familienspiel zu betrachten. Grobe Richtlinien sind meiner Meinung nach eine kurze Anleitung + Spieldauer, wenig Mechanismen und ein ordentlicher Glücksfaktor - wobei was ist "kurz","wenig" und "ordentlich" ;-)?
Von meinem Empfinden her gehört Thurn & Taxis noch klar in die Kategorie Familienspiel. Ich habe allerdings schon Familien an der Anleitung und damit dem Spiel scheitern gesehn und das qualifiziert sie laut spielbox nichtmal zum ziehen eines Nahverkehrscheins. Ich denke die Spieletauglichkeit der "Normalo-Familie" wird von uns "Spielern" eher überschätzt.

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Marcus
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Re: Was ist ein Familienspiel ?

Beitragvon Marcus » 13. April 2007, 07:44

Hallo,

Matthias Wagner schrieb:
> Ich denke die
> Spieletauglichkeit der "Normalo-Familie" wird von uns
> "Spielern" eher überschätzt.

da kann ich nur zustimmen. Ich denke, dass Spielen ist eine Übungssache wie viele andere Dinge auch. Wenn man erst einmal eine gewisse Übung darin hat, kann man sich gar nicht mehr vorstellen was eigentlich so schwierig dabei ist. Ich denke da immer an Lesen oder Autofahren, am Anfang bekommt man es kaum hin und nach einer gewissen Zeit funktioniert es automatisch. Persönlich habe ich schon öffter die Erfahrung gemacht, dass viele Spiele die ich eher als "leichte Koste" bezeichnen würde (wie z.B. Elfenland) viele ungeübte Spieler von den Spieleregeln bereits sehr vordern. Da habe ich meistens mit einfachen Spielen wie "Engel und Bengel" oder "Can't Stop" mehr Begeisterung erziehlt.

Gruß

Marcus

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Martin M
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Beiträge: 73

Re: Was ist ein Familienspiel ?

Beitragvon Martin M » 13. April 2007, 09:59

Ich habe neulich eine schöne Definition gehört, die von einem Kosmos-Mitarbeiter stammte:

Ein Familienspiel ist, wenn der schlecht spielende 10-jährige Sohn den gut spielenden Vater schlagen kann.

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Thomas O.
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Re: Was ist ein Familienspiel ?

Beitragvon Thomas O. » 13. April 2007, 10:00

Matthias Wagner schrieb:
>
> Von meinem Empfinden her gehört Thurn & Taxis noch klar in
> die Kategorie Familienspiel. Ich habe allerdings schon
> Familien an der Anleitung und damit dem Spiel scheitern
> gesehn und das qualifiziert sie laut spielbox nichtmal zum
> ziehen eines Nahverkehrscheins. Ich denke die
> Spieletauglichkeit der "Normalo-Familie" wird von uns
> "Spielern" eher überschätzt.

Hallo Matthias,

im Grund sehe ich das wie du, ich würde nur in deinem letzten Satz "Spieletauglickeit" durch "Spielwilligkeit" ersetzen. Der durchschnittlich begabte Erwachsene ist vom Intellekt her bestimmt in der Lage, eine Spielregel zu lesen, zu erfassen und mit seinen Handlungen am Spieltisch umzusetzen (so wie ich bestimmt in der Lage bin, die grundlegenden Techniken des Tapezierens eines Raums zu erlernen). Allerdings scheitern viele an der Spielregel, weil sich mangels Interesse an der Sache die Motivation und Bereitschaft nicht recht einstellen will (so wie bei mir die Motivation zum Tapezieren partout nicht entstehen will und ich es somit nicht kann).

Aus meiner Sicht sollte ein "typisches Familienspiel" (neben den bereits genannten Kriterien) noch folgende Merkmale aufweisen:
- keine kriegerischen oder kämpferischen Elemente; Spielablauf thematisch eher friedlich
- attraktive Illustration (Familienspieler sind oft visuell orientiert)
- ausreichend Interaktion, auch gerne mal Kooperation/Ärgerelement. Eine Familie ist es gewohnt, gemeinsam etwas zu unternehmen, und das soll auch am Spieltisch geschehen.
- überschaubare Wertungsmechanismen (nicht 28 Kriterien, für die es beim Spielende Punkte gibt)
- kleinere Erfolgserlebnisse zwischendurch wie z.B. Zwischenwertungen. Nicht nur eine Endwertung am Ende, und die 2 Stunden vorher hat jeder heimlich vor sich hin gespielt.

Spiele, die die meisten aller Kriterien annähernd erfüllen, sind aus meiner Sicht Carcassonne, Alhambra, Sagaland und die Dracheninsel (letzteres mit Einschränkungen).

Grüße Thomas

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heino

Re: Was ist ein Familienspiel ?

Beitragvon heino » 13. April 2007, 10:06

faki schrieb:
>
> P.S.: O.K., O.K., ich erwarte nicht die eine, alles
> überstrahelnde, unzweifelhafte Definition.....mich
> interessiert halt nur Eure Interpretation ;-)

hallo faki,

ne definition find ich auch problematisch.

eins scheint mir aber wichtig zu sein:

ein familienspiel soll weder über- noch unterfordern.

es soll trotz einfacher regeln nicht "einfach" zu spielen sein.

ein typisches beispiel hierfür ist carcassonne.

ein weiteres beispiel wäre (für mich) expedition.

bei beiden spielen existiert eiin thema und es entwickelt sich eine (spiel)geschichte.

also nicht einfach nur zeitvertreib wie wie würfelnj, rausschmeissen, schadenfreude, wutausbrüche...

was die regeln betrifft: sie müssen nachvollziehbar sein. wenn sie das sind, dürfen sie auch mal etwas umfangreicher ausfallen. beispiel: siedler grundspiel.

vielen fehlt derm zugang zum medium spiel. wenn wir spielerinnen also da was ändern wollen, solten wir die oben beschriebenen gegebenheiten zur kenntnis nehmen.

eine allgmeine definitionfür familienspiele kann es nicht geben.

mama, papa, 5jährige tochter stellen andere ansprüche als mama 12jähriger sohn, oma und uropa...

spass und kommunikation sind mir persönlich immer am wichtigsten.

deutschland - finden sie minden, ostern "das" familienspiel bei uns. meine partnerin, meine erw. töchter plus kerle und oma hatten spass. mit 6jährigen kann man das spiel aber wiederum nicht spielen...

grüsse
heino

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peer

Re: Was ist ein Familienspiel ?

Beitragvon peer » 13. April 2007, 10:07

Hi,
"Ein Familienspiel ist das, was als Familienspiel verkauft wird"...

Martin M schrieb:
>
> Ich habe neulich eine schöne Definition gehört, die von einem
> Kosmos-Mitarbeiter stammte:
>
> Ein Familienspiel ist, wenn der schlecht spielende 10-jährige
> Sohn den gut spielenden Vater schlagen kann.

Da ist sowgar was wahres dran:
EIn Familienspiel enthält in der Regel einen ausgleichenden Faktor (z.B. Glücksfaktor), der verhindert, dass das Spiel nur durch reines Optimieren gewonnen werden kann - dadurch haben die Kinder auch eine Siegchance.

ciao
peer

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Ingo Althöfer
Kennerspieler
Beiträge: 585

Re: Was ist ein Familienspiel ?

Beitragvon Ingo Althöfer » 13. April 2007, 10:53

Bisher noch nicht explizit genannt wurde
der Aspekt, dass ein Familienspiel
Männlein und Weiblein (Jungs und Mädel)
gleichermassen ansprechen sollte.

(also nix mit Barbie-Puppen, und auch
wilde Handball-Kerle wären problematisch)

************************************

Vielleicht kann man auch die Auszeichnung
"Grossfamilien-Spiel" einführen für Spiele,
die sowohl für grosse Runden als auch für
3-(oder 3++)-Generationen am Tisch schön
sind.

Ingo.

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Harald

Familienspiel - irreführender Begriff

Beitragvon Harald » 13. April 2007, 11:26

Ich halte den Begriff "Familienspiel" für total irreführend. Er geht davon aus, dass Spiele ursprünglich für Kinder erfunden wurden und diese mit ihren Eltern spielen.

Der Erfolg des "German type game" beruht jedoch auf etwas ganz anderem: dass Erwachsene mit Erwachsenen spielen.

Angesichts unserer Geburtenrate (8,5 pro 1000 Einwohner) ist es ausgeschlossen, dass es das "German game" gäbe, wenn es sich dabei zu einem größeren Teil tatsächlich um Familienspiele handelt.

Gruß
Harald

http://fairplay-online.blogspot.com
http://gamesweplay.de

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peer

Re: Familienspiel - irreführender Begriff

Beitragvon peer » 13. April 2007, 11:49

Hi,
Harald schrieb:
>> Angesichts unserer Geburtenrate (8,5 pro 1000 Einwohner) ist
> es ausgeschlossen, dass es das "German game" gäbe, wenn es
> sich dabei zu einem größeren Teil tatsächlich um
> Familienspiele handelt.

Das hat auch keiner behauptet. German Games können Familienspiele sein, müssen aber nicht. Hier ging es explizit um den Begriff "Familienspiel" als Abgrenzung von "Erwachsenenspiel". Beides sind Kategorien, beide können nebeneinander existieren ("Kinderspiele" gibt es ebenfalls). Nur: Wann fängt das eine an und hört das andere auf?

ciao
peer

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ludosophicus

Re: Was ist ein Familienspiel ?

Beitragvon ludosophicus » 13. April 2007, 13:52

Hallo Faki,

wie Roland es schon angedeutet hat, handelt es sich bei dem Begriff "Familienspiel" um eine prinzipiell inhaltslose Worthülse, die lediglich zur Kategorisierung verschiedener Spiele dient. Hinter dem Ausspruch: "Dies ist ein Familienspiel", versteckt sich tatsächich folgende Aussage: "Ich ordne dieses Spiel einer Gruppe von Spielen zu, die ich als Familienspiel bezeichnen möchte". Im Moment dieser Zuordnung wird aber nicht eine qualitative Bestimmung der Kategorie sondern ausschließlich des kategorisierten Spiels getroffen. Es zeichnet sich nämlich (der neu geschaffenen Schublade gemäß) durch Gemeinsamkeiten mit anderen als bekannt vorausgesetzten Spielen aus, denen (in diesem konkreten Fall) der gemeinsame Stempel "Familienspiel" aufgedrückt wird.

Das größte Problem, dass sich aus einer solchen Kategorisierung ergibt, ist nicht unbedingt die Frage der Grenzziehung, welches Spiel sich denn noch innerhalb einer Kategorie und welches sich demnach bereits außerhalb der gleichen befindet. Viel problematischer ist der populäre und weit verbreitete Rückschluss, ein Spiel könne offensichtlich anhand von scheinbar einer übergeordneten Kategorie zugehörigen Kriterien oder Attributen eben dieser Kategorie zugerechnet werden. Dies impliziert die Annahme, eine Kategorie könne einzelne Inhalte (Spiele) rekrutieren, verschleiert jedoch die Tatsache, das genau der umgekehrte Vorgang eintritt, sobald die Zuordnung "Spiel"-"Kategorie" getroffen wird. (Nicht die Kategorien subsumieren spezifische Spiele, sondern die Spiele spezifische Kategorien! Anders ausgedrückt: Kategorien entstehen, weil es ihnen zugehörige Spiele gibt - Spiele existieren im Gegensatz dazu nicht erst, weil es zugehörige Kategorien gibt ;-) ) [i]die Kernproblematik ist eine philosophische und überschneidet sich mit einer vielzahl historischer und geisteswissenschaftlicher Debatten wie etwa dem Universalienstreit, Wittgensteins Sprachkritik oder etwa poststrukturalistischen Diskussion über die teils subversive , teils konventionalisierend-konstituierende Funktion illusionärer Hierarchien in der zeitgenössischen Sprache unseres (und anderer) Kulturkreises[/i]

Eine Definition des Begriffs "Familienspiel" kann und sollte es nicht geben - und dass nicht nur wegen meiner oben angerissenen Kritik am "falschen" und in erster Linie unserer individuellen und kulturellen Orientierung dienenden Schubladendenken. Sprach-symbolische Definitionen sind ob ihrer starr konstitutionalen Funktion in einem kreativen und sich frei entwickelnden Bereich wie dem Spiel (oder z.B. dem sogenannten Bereich namens "Realität" :-P ) wenig hilfreich. Indem du z.B. Spiele durch ein beliebig engmaschiges Netz filterst und die daraus resultierenden Klassifizierungen als verbindlich deklarierst, ignorierst du ihr nicht zu leugnendes Entwicklungspotential, dass alle Kategorien und Raster im positiven Sinne transzendiert...

Zwar verdient dieser Text noch eine Fortsetzung, doch muss ich mich vorerst den Grenzen der Zeit für die kommenden Tage geschlagen geben. Vielleicht also bis später - :-))

Spielerische Grüße
sendet Mirko

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Marc

Re: Was ist ein Familienspiel ?

Beitragvon Marc » 13. April 2007, 14:11

Ein Familienspiel können Kinder und Erwachsene in kurzer Zeit miteinander spielen. Jeder hat eine Chance zu gewinnen und kann seine Niederlage dem Würfel/Karten/Zufallsgeneratorpech zuschieben.

Zudem sollte das Thema unverfänglich sein. Denn "Risiko" würde ich nicht als Familienspiel bezeichnen.

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Klaus Ottmaier

Re: Was ist ein Familienspiel ?

Beitragvon Klaus Ottmaier » 13. April 2007, 14:34

Auf den Punkt gebracht. Würde ich so als Definition für ein Lexikon übernehmen.

Gruß

Klaus

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Matthias Wagner
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Beiträge: 292

Re: Was ist ein Familienspiel ?

Beitragvon Matthias Wagner » 13. April 2007, 15:43

:-) Nicht schlecht Herr Philosoph - und im philosophischen Sinne absolut korrekt.

Jetzt muss ich aber doch noch was darauf sagen:
Um es mal in den Worten eines Statistikers auszudrücken ist ein Familienspiel ein Spiel das von der Mehrheit der Population in einer Umfrage subjektiv (meist in der fälschlichen Annahme objektiv zu sein) als solches eingeordnet wird. Alles was man braucht ist also eine repräsentative Stichprobe der Population die ein Spiel kategorisiert und eine Hochrechnung auf die Population ist möglich. Fraglich ist natürlich die Wahl der Population, wobei ich hier einmal bei der Bevölkerung Deutschlands bleiben würde.

Dies nur mal als anderer Blickwinkel. Es geht also meiner Meinung nach eher um den allgemeinen Konsens der einem Begriff Bedeutung gibt als um eine philosophische Ergründung der Bedeutung. Aber letztenendes ist das wohl auch nur eine "Philosophie" ;-).

P.S: Witzigerweise arumentieren Philosophen immer mit Sprache wenn sie Sprache kritisieren...was sollen sie auch anderes machen ;-)

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Roman

Re: Was ist ein Familienspiel ?

Beitragvon Roman » 14. April 2007, 10:28

Hallo Matthias,

Matthias Wagner schrieb:

> Es geht also meiner
> Meinung nach eher um den allgemeinen Konsens der einem
> Begriff Bedeutung gibt als um eine philosophische Ergründung
> der Bedeutung. Aber letztenendes ist das wohl auch nur eine
> "Philosophie" ;-).

Mal vorausgesetzt, dass man in dieser Welt überleben möchte, geht es nur um die unmittelbare Konsensbedeutung eines Wortes. Und wenn man die verletzen möchte, muss man schon einen verdammt guten, für die mit der Materie nicht Vertrauten verständlichen, Grund aufweisen können.

> P.S: Witzigerweise arumentieren Philosophen immer mit Sprache wenn sie Sprache kritisieren...was sollen sie auch anderes machen ;-)

Das stört mich wenig. Viel mehr stört es mich, was sie sich auf ihre eigenen Wortkaskaden, die letztlich auch nur Phrasen und Hülsen sind, einbilden.

Ciao,
Roman

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Peter Gustav Bartschat

Re: Was ist ein Familienspiel ?

Beitragvon Peter Gustav Bartschat » 14. April 2007, 11:13

Der Science Fiction-Autor Brian Aldiss hat einmal auf die Frage, was Science Fiction sei, folgede Antwort gegeben, die meine Einstellung zu Genre-Definitionen nachhaltig geprägt hat: "Science Fiction ist das, was in einer Buchhandlung im Science Fiction-Regal steht."

In dieser Tradition ist meine persönliche Definition eines Famlienspiels: "Ein Familienspiel ist das, was Familienangehörige miteinander spielen."

Wenn ich versuche, mir ein Bild davon zu machen, wie meine persönliche Vorstellung davon ist, wie verschiedene Genres innerhalb eines Mediums sich zueinander verhalten, dann sehe ich nicht etwa Kästen mit fett gezeichneten Rändern, die sich klar voneinander abgrenzen ("Das ist kein Taktikspiel, sondern ein Strategiespiel.").

Ich sehe eher so etwas wie amöbenhafte, sich gegenseitig überlagernde Gruppierungen mit unklar erkennbaren und im höchsten Maße durchlässigen Rändern ("Das ist ein Eroberungsspiel mit taktischen und strategischen Elementen, spielbar in einer Zeit zwischen einer und drei Stunden, geeignet für Leute, die sich eine halbe Stunde auf eine Regelerklärung konzentrieren können, die die Verwendung von Würfeln nicht stört und die nicht sofort zur Beichte rennen müssen, wenn sie mal eine Spielkarte mit der Aufschrift 'Bestechung' ausgespielt haben.")

Mit einem lieben Gruß
Gustav

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Ernst-Jürgen Ridder

RE: Was ist ein Familienspiel ?

Beitragvon Ernst-Jürgen Ridder » 14. April 2007, 11:24

"Peter Gustav Bartschat" hat am 14.04.2007 geschrieben:

>"... die nicht sofort zur Beichte rennen
> müssen, wenn sie mal eine Spielkarte mit der Aufschrift
> 'Bestechung' ausgespielt haben.")
>
Hallo Gustav,

so gerne ich Deine Beiträge im allgemeinen lese, so wenig gelungen finde ich diesen ziterten Abschnitt. Vielleicht fällt Dir der Grund dafür ja von selber ein.


Spielerische Grüße
Ernst-Jürgen
www.djridder.de

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ludosophicus

Re: Was ist ein Familienspiel ?

Beitragvon ludosophicus » 15. April 2007, 22:41

Hallo Roman,

Roman schrieb:
>
> Mal vorausgesetzt, dass man in dieser Welt überleben möchte,
> geht es [i]nur[/i] um die unmittelbare Konsensbedeutung eines
> Wortes.

Aus exakt diesem Grund halte ich eine um Genauigkeit bemühte Definition des Begriffs "Familienspiel" ja auch für völlig überflüssig. Denn letztlich verhält es sich mit diesem Begriff wie mit allen anderen sprach-symbolischen Termini: Sie sind in ihrer Funktion absolut rahmengebunden und es bedarf keiner transaktionsanalytischen Untersuchung, um feststellen zu können: Angewandte Sprache und Sprachinhalte sind letztlich nichts anderes als Kontext(e) in Kontexten in Kontexten...

Ob ein solcher kontext/Rahmen nun z.B. kultur- oder sozialspezifischer Natur ist, bleibt völlig gleich, so lange halbwegs klar ist, dass Kommunikator und Rezipient eine ungefähr deckungsgleiche Vorstellung vom Inhalt eines gemeinsam genutzten Begriffs (wie z.B. "Familienspiel") haben. In einem Spielerforum sollte (das hoffe ich zumindest stark) etwa der Informationsinhalt des Terminus "Familienspiel" recht konsensfähig sein, ohne dass es einer diesbezüglich kollektiv abgesegneten "Definition" bedarf.

Diese (Definiton) verleitet indes lediglich zu der Annahme, es gäbe eine kontextunabhängige, ontologisch eindeutige Bedeutung des Begriffes "Familienspiel". Dies ist [b]1.[/b] falsch und [b]2.[/b] vollkommen unerheblich, da wir den Begriff "Familienspiel" ohnehin nur in einem uns von vornherein (offenbar mehr oder weniger) bewussten Kontext anwenden. Zum Beispiel dem Kontext der deutschen Sprache, die uns nahe legt, dass ein Familienspiel ein von Familien genutztes Spiel ist. Braucht es da noch eine weitergehende Definition?

Und, ja! - ohne entsprechenden Kontext stellt letztlich jeder (wie auch immer geartete) Begriff eine inhaltslose Worthülse dar.


> Und wenn man die verletzen möchte, muss man schon
> einen verdammt guten, für die mit der Materie nicht
> Vertrauten verständlichen, Grund aufweisen können.

Wer fühlt sich denn da verletzt? Wovon eigentlich?

> Das stört mich wenig. Viel mehr stört es mich, was sie sich
> auf ihre eigenen Wortkaskaden, die letztlich auch nur Phrasen
> und Hülsen sind, einbilden.

Womit ich keine zwischen uns liegenden (inhaltlichen?) Differenzen ausmachen kann - Bruder im Geiste? :-P :-))
[Zur Erinnerung:]
Und, ja! - [b]letztlich[/] stellt ohne entsprechenden Kontext jeder (wie auch immer geartete) Begriff eine inhaltslose Worthülse dar.

Konsensfähige Grüße
ludosophicus [i]alias[/i] Jan Mirko Lüder

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ludosophicus

Re: Familienspiel - irreführender Begriff

Beitragvon ludosophicus » 15. April 2007, 23:20

Hallo Harald & Peer,

> Hier ging es explizit
> um den Begriff "Familienspiel" als Abgrenzung von
> "Erwachsenenspiel". Beides sind Kategorien, beide können
> nebeneinander existieren ("Kinderspiele" gibt es ebenfalls).
> Nur: Wann fängt das eine an und hört das andere auf?

Ich denke, an dieser Stelle wird ganz klar, warum eine "Definition" des Begriffs [i]Familienspiel[/i] unsinnig ist: Sie suggeriert, es handele sich beim [i]Familienspiel[/i] um eine Kategorie, die (objektiv) stringent von anderen zu trennen sei. Dies allerdings ist mehr als aberwitzig, denn warum sollte ein Spiel eigentlich nicht zugleich [i]German Type Game[/i], [i]Erwachsenenspie[/i] und auch [i]Familienspiel[/i] sein? Da die Auslegung der jeweiligen Kategorisierung ohnehin kontextunabhängig sein [i]muss[/i], kann von den Begriffen inhärenten, einander widersprechenden Implikationen nicht die Rede sein.

Darin sehe ich auch bestätigt, dass derartige Begriffe (wie etwa [i]"German Game"[/i]) zwar sehr gut geeignet sind, den gemeinsamen Charakter einiger (bestimmter) Spiele zu betonen. Sie sind aber nicht dazu geeignet, auf - den Spielen immanente - zwangsläufig analoge Grundanlagen zurück zu schließen. Es handelt sich dabei eben [b]nicht[/b] um Gattungen, sondern um zuweilen sehr elegante Charakterisierungen von miteinander "verwandten" Spielen.

Spielerische Grüße
sendet Mirko


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