Beitragvon ludosophicus » 13. April 2007, 13:52
Hallo Faki,
wie Roland es schon angedeutet hat, handelt es sich bei dem Begriff "Familienspiel" um eine prinzipiell inhaltslose Worthülse, die lediglich zur Kategorisierung verschiedener Spiele dient. Hinter dem Ausspruch: "Dies ist ein Familienspiel", versteckt sich tatsächich folgende Aussage: "Ich ordne dieses Spiel einer Gruppe von Spielen zu, die ich als Familienspiel bezeichnen möchte". Im Moment dieser Zuordnung wird aber nicht eine qualitative Bestimmung der Kategorie sondern ausschließlich des kategorisierten Spiels getroffen. Es zeichnet sich nämlich (der neu geschaffenen Schublade gemäß) durch Gemeinsamkeiten mit anderen als bekannt vorausgesetzten Spielen aus, denen (in diesem konkreten Fall) der gemeinsame Stempel "Familienspiel" aufgedrückt wird.
Das größte Problem, dass sich aus einer solchen Kategorisierung ergibt, ist nicht unbedingt die Frage der Grenzziehung, welches Spiel sich denn noch innerhalb einer Kategorie und welches sich demnach bereits außerhalb der gleichen befindet. Viel problematischer ist der populäre und weit verbreitete Rückschluss, ein Spiel könne offensichtlich anhand von scheinbar einer übergeordneten Kategorie zugehörigen Kriterien oder Attributen eben dieser Kategorie zugerechnet werden. Dies impliziert die Annahme, eine Kategorie könne einzelne Inhalte (Spiele) rekrutieren, verschleiert jedoch die Tatsache, das genau der umgekehrte Vorgang eintritt, sobald die Zuordnung "Spiel"-"Kategorie" getroffen wird. (Nicht die Kategorien subsumieren spezifische Spiele, sondern die Spiele spezifische Kategorien! Anders ausgedrückt: Kategorien entstehen, weil es ihnen zugehörige Spiele gibt - Spiele existieren im Gegensatz dazu nicht erst, weil es zugehörige Kategorien gibt ;-) ) [i]die Kernproblematik ist eine philosophische und überschneidet sich mit einer vielzahl historischer und geisteswissenschaftlicher Debatten wie etwa dem Universalienstreit, Wittgensteins Sprachkritik oder etwa poststrukturalistischen Diskussion über die teils subversive , teils konventionalisierend-konstituierende Funktion illusionärer Hierarchien in der zeitgenössischen Sprache unseres (und anderer) Kulturkreises[/i]
Eine Definition des Begriffs "Familienspiel" kann und sollte es nicht geben - und dass nicht nur wegen meiner oben angerissenen Kritik am "falschen" und in erster Linie unserer individuellen und kulturellen Orientierung dienenden Schubladendenken. Sprach-symbolische Definitionen sind ob ihrer starr konstitutionalen Funktion in einem kreativen und sich frei entwickelnden Bereich wie dem Spiel (oder z.B. dem sogenannten Bereich namens "Realität" :-P ) wenig hilfreich. Indem du z.B. Spiele durch ein beliebig engmaschiges Netz filterst und die daraus resultierenden Klassifizierungen als verbindlich deklarierst, ignorierst du ihr nicht zu leugnendes Entwicklungspotential, dass alle Kategorien und Raster im positiven Sinne transzendiert...
Zwar verdient dieser Text noch eine Fortsetzung, doch muss ich mich vorerst den Grenzen der Zeit für die kommenden Tage geschlagen geben. Vielleicht also bis später - :-))
Spielerische Grüße
sendet Mirko