Beitragvon Günter Cornett » 16. April 2007, 16:59
Ralf Arnemann schrieb:
>
> > Mal abgesehen davon, dass die in
> > England Herrschenden gegen die
> > napoleonische Kontinentalsperre
> > kämpften ...
> Das ist nun verkürzt bis ganz falsch.
> Schließlich waren die Engländer schon eine Weile am Kämpfen,
> BEVOR die Kontinentalsperre kam.
Jo, aber ich denke die war sicher stark die Ursache dafür, dass die Engländer die europäischen Herrscherhäuser unterstützten, die Völker eher nicht.
Oder hat es da so eine Große Einheit von Volk und Herrschern gegeben?
> Für die Kriegsführung der Engländer gab es die übliche
> Mischung mehrerer Motive. Dazu gehörten AUCH ökonomische.
> Dazu gehörte wohl nur sehr untergeordnet der Wunsch, den
> übrigen europäischen Völkern die Freiheit zu bringen. Aber
> sehr stark der Wunsch, selber frei zu bleiben.
>
> > Denn im zweiten Weltkrieg wurde
> > auch ein großer Teil Frankreichs
> > von den franzsösischen Armeen
> > befreit.
Den Satz möchte ich nicht ohne den darauf folgenden Satz zitiert wissen:
"Aber mit Befreiung des Landes und der darin lebenden Menschen hatte das gar nichts zu tun." Ansonsten ist das Zitat sinnentstellend wiedergegeben, ein definitiv falsches Zitat.
Es geht ja darum, dass ich über die unterschiedliche Verwendung des Begriffs Befreiung schreibe (was ich auch schon vor dem zitierten Satz deutlich mache):
Befreiung - meint ein mehr an Befreiung
Befreiung von - meint ein Entfernen von etwas
> Also selbst die Nazis haben m. E. nicht in Anspruch genommen,
> Frankreich von der eigenen Armee "befreit" zu haben ...
Nein, das meine ich auch nicht.
"Befreie alle Länder von den französischen Armeen."
ist eben etwas ganz anderes als
"Befreie alle Länder."
Ersteres hat nicht mit Befreiung eigentlichen Sinn zu tun.
> Umgekehrt kann man schon sagen, daß Frankreich und andere
> Länder später von den Nazis befreit wurden.
Ja, und in diesem Fall ist sowohl Befreiung der Menschen als auch Entfernung der Nazis richtig.
> > Wie bzw. wovon befreit man Länder?
> Ich würde mal sagen: Von etwas Unangenehmen, wovon sich das
> Land (aus Schwäche) selber nicht befreien kann.
Das ist immer eine Frage der Sichtweise. In dem Risiko-Beispiel "Befreie alle Länder von den französischen Armeen." werden die französischen Armeen moralisch nicht besser oder schlechter bewertet als jede andere Armee. Es geht da nur um Entfernung der Armeen.
> > aren die Menschen in den von
> > Napoleons Armeen befreiten
> > Ländern freier als in den von
> > seinen Truppen besetzten Ländern?
> In Summe: Ja.
Na, ich weiß nicht. Ohne mich für Napoleon beistern zu wollen, war das Leben unter seiner Herrschaft wohl doch etwas angenehmer als unter den russischen Zaren.
Da kann man sicherlich nicht so einfach eine Summe bilden.
> Und so haben das die Zeitgenossen auch mit großer Mehrheit
> und deutlich empfunden.
Mag durchaus sein, ich weiß es nicht.
Hast du dafür Belege?
> Dein Verweis auf die Bürgerrechte ist korrekt - aber die
> waren im napoleonischen Regime eher theoretisch, für das
> Alltagsleben relevant war die Guillotine vor Ort.
Na, ich denke die Bürgerechte sind heute noch relevant.
> > Wie man wohl die derzeitige Zeit
> > später nennen wird?
> Im meiner Jugend war das eine beliebte Quiz-Frage für
> Jugendbücher oder Schule. Und die offizielle Antwort war
> damals "Atomzeitalter".
> Ich glaube nicht mehr, daß das so kommen wird ;-)
Ich auch nicht.
> > Aber dein Beispiel ist imho
> > inhaltlich nicht wirklich passend,
> Als Historiker würde ich eher sagen: Es gibt wenig passendere
> Beispiele!
>
> Es gibt viele Kriege, für die dieses Etikett in Anspruch
> genommen wurde, manche, für die es auch paßt.
> Keines, bei dem es perfekt paßt.
Der Aufstand der Sandinisten in Nikaragua
> Aber daß ein Krieg von so vielen Völkern als Befreiung
> benannt und empfunden wurde wie im Fall Napoleon - da wüßte
> ich keine Konkurrenz.
1945 nicht?
Die Frage ist auch, ob die Völker die Befreiungskriege als Befreiung empfunden haben oder eben nur die herrschenden Schichten. Was überliefert wird, hängt doch immer auch sehr davon ab, wer die Geschichte (auf)schreibt.
Gruß, Günter