Beitragvon Marten Holst » 13. März 2008, 18:09
Moin,
zunächst: Caylus ist ein Spitzenspiel, ich hab das damals nicht umsonst über nicht nur den grünen sondern auch den violetten Klee gelobt.
Aber: wer Caylus als "Arbeit" empfindet, hat mein Verständnis - es ist sehr offen, wenn man ein Gebäude bauen kann, hat man gleich eine große Auswahl. Es hat (außer der Startaufstellung) keinerlei Zufallselement, das einen mal begünstigen, mal bremsen kann, auch das macht "genaues" spielen (bzw. arbeiten) unabdinglich. Es ist durchaus bei massiver taktischer Komponente (das einsetzen der Arbeiter) sehr strategisch, d.h., wer keine langfristige Idee hat, hat zum Ausgleich ein langfristiges Problem. Und es ist sehr lernintensiv. Wer mit erfahrenen Spielern spielt, wird kein Land sehen, und auch innerhalb einer fixen Spielegruppe prinzipiell ähnlicher "Stärke" im Spielen kann sich hier ergeben, dass wirklich immer der- oder dieselben gewinnen. Was ja an sich nicht schlimm ist oder sein muss, aber einer gemütlichen Runde doch abträglich sein kann. Die positive Seite ist natürlich: wenn man weiß, was man tun will, wenn man so richtig "in den Fluss kommt", die Züge "im Rückenmark" hat und das im Rahmen des Spieles umsetzen kann, das ist dann ein Genuss. Wo der Vergleich mit Schach bereits fiel: 2-Spieler-Caylus ist dann in dieser Richtung komplett die Hölle. Und wo der Vergleich mit Schach bereits fiel: "Arbeit" ist auch das mal, wie jedes Spiel, das man konzentriert angeht hart. Nämlich in den Partien, in denen man nicht in die Hufe kommt, in denen an schlechten Tagen, in denen gegen zu viel bessere Gegner, da kommt Arbeit und Frust auf. Gerade weil die Möglichkeiten so zahlreich sind und die langfristige Wirkung eines Zuges so wenig absehbar ist. Das heißt, "Analysis Paralysis", wie die Boardgamegeekler es nennen, ist auch ein echtes Risiko bei diesem Spiel.
Und zu Magna Carta: ähnlich wie bei dem Paar Puerto Rico/San Juan, das allerdings in meinen Augen weniger Ähnlichkeit hat, ist es für mich undenkbar, auf "das Große" verzichten zu mögen. Aber wenn es Knopf auf Spitz kommt, lächelt der kleine Bruder oft verführerischer. (Wobei meine Stamm-Spielrunde PR einem SJ stets vorzieht).
Tschüß
Marten