Beitragvon Duchamp » 24. September 2008, 11:36
Letztlich geht es ja darum, eine Geschichte (und ein gutes Spiel hat immer einen Spannungsbogen, der dem einer gut erzählten Geschichte gleicht) mit "Sinn" zu erfüllen.
[Anmerkung: Deswegen ist m.E. Schach so überaus erfolgreich. Eröffnung, Mittelspiel und Endspiel sind sehr unterschiedlich und ergeben fast zwangsweise einen Spannungsbogen bis zur letzten Minute (halbwegs gleichstarke Spieler vorausgesetzt). Geschichten wie Spiele scheitern oft, wenn sie zu gleichförmig verlaufen, der Ablauf unbeeinflussbar ist, das Ende vorhersehbar, oder der Höhepunkt schon in der ersten Hälfte liegt, (das einzige Gegenbeispiel dazu ist Monopoly, das schwer repetitiv, glücksabhängig und oft früh entschieden ist. Aber da sind wir beim ewigen "Reiz der Raffgier") Ende der Anmerkung]
Dieser "Sinn" wird natürlich letztlich vom Rezipienten hinzugegeben (vom Autor nur angelegt). Als man (für unsere Begriffe sehr einfache) Filme Menschen in Zentralafrika zeigte, die mit diesem Medium noch nie in Berührung gekommen waren, verstanden sie überhaupt nichts.
"Erfolgreiche" Pinzipien zur Sinnstiftung in Medien sind eben diejenigen, die wir auch im Leben damit verknüpfen. Wir wollen gerne etwas tun, das dann für uns positive Wirkungen zeitigt. Oder uns verlieben, und zwar unsterblich. Oder eben Wohlstand "anhäufen" (das ist selbst dann befridigend, wenn man das nur infach für sich tut, daher das manchmal bemängelte Fehlen allzu deutlicher Interaktion bei Spielen wie "Agricola"). Oder uns einem Kampf stellen und diesen gewinnen.
Ich finde es ja beinahe schon bedenklich, dass diese "Ressourcenverwaltungs-" und "Handelsspiele" in den letzten Jahren so überaus erfolgreich waren. Die hiesigen Menschen scheinen einen Hauptsinn darin zu sehen, schlau zu "wirtschaften" und andere "by the way" in den Ruin zu treiben. Interessant, das genau jetzt kooperative Spiele deutlich zunehmen (Pandemie, Space Alert, Ghost Stories, Roter November ...) Ein Gegentrend? (Über-)Interpretatoren vor!
Ich persönlich mag die im OP genannten Spiele im Übrigen gar nicht so - wenn ich die ganzen Holz-, Lehm- und Sonstwas-Würfelchen sehe, törnt mich das eher ab. Vermutlich bin ich einfach keine "Krämerseele", ich brauche Abwechslung! Kein Spiel wie das andere, bitte. Da darf dann auch ein Wirtschaftsspiel dabei sein, aber dann wieder XiangQi, Hotel Life, Axiom, Confucius, Neue Heimat, Terrain Vague und Ein Solches Ding ... ;-)