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Gelegenheitsspieler und Abstrakte Spiele

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peer

Gelegenheitsspieler und Abstrakte Spiele

Beitragvon peer » 7. Dezember 2008, 10:42

Hi,

ich hab mal eine Frage: Es wird oft behauptet, Gelegenheitsspieler haben eine Abneigung gegen abstrakte Spiele und moderne Spiele verkaufen sich dewegen so gut, weil es jetzt ein (mehr oder minder aufgesetztes) Thema hat.

Ist dem so? Immerhin sind viele Spiele der "Spielkultur" sehr bis völlig abstrakt:
Skat, Schach, MÄDN, Monopoly (ja nicht gerade eine Simulation, oder?), Backgammon, Mau-Mau, Uno, Twister, Trivial Pursuit, Kniffel ...

Was meint ihr? Und wäre Siedler weniger erfolgreich gewesen, wenn es abstrakter wäre (es den Handels- und den Würfelmechanismus aber gäbe)?

ciao
peer

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Golbin
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Re: Gelegenheitsspieler und Abstrakte Spiele

Beitragvon Golbin » 7. Dezember 2008, 11:24

Hallo Peer,

Gelegenheitsspieler haben meiner Ansicht nach keine Abneigung gegen abstrakte Spiele.

Wie du selbst schreibst, besteht unsere Spielkultur zu einem großen Teil aus solchen Spielen. Viele davon sind ein gesitiger Wettkampf, meist zu zweit (Schach, Mühle, Dame) und wir finden es auch in anderen Kulturen wieder (Go, Kalaha).

Aus meiner sicht liegt der wirtschaftliche Misserfolg eher darin, dass Spieler, die solche Spiele bevorzugen, eben aus diesem klassischen Fundus schöpfen können. Sie brauchen keine "modernen geistige Wettkämpfe".

Golbin

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Twixtim
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Re: Gelegenheitsspieler und Abstrakte Spiele

Beitragvon Twixtim » 7. Dezember 2008, 11:48

> Spiele und moderne Spiele verkaufen sich dewegen so gut,
> weil es jetzt ein (mehr oder minder aufgesetztes) Thema
> hat.

Letztlich sind natürlich alle Spiele abstrakt. Ob der Spielplan nun eine Landschaft zeigt oder in der Anleitung noch ein Thema dazugedichtet wird, ändert ja nichts daran, daß das Spiel selbst immer abstrakt ist. Andererseits habe ich die Erfahrung gemacht, daß eine attraktive Aufmachung (und damit meine ich: Spielplan, Karten, Figuren und auch die Verpackung) schon erheblichen Einfluß darauf hat, ob das Spiel bei uns auf den Tisch kommt oder nicht.

Allerdings glaube ich auch, daß häßliche thematische Spiele (Beispiel: "Cannes", leider) noch viel seltener gespielt werden als neutrale/abstrakte Spiele.


Tim

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Ernst-Jürgen Ridder

Re: Gelegenheitsspieler und Abstrakte Spiele

Beitragvon Ernst-Jürgen Ridder » 7. Dezember 2008, 12:07

Hallo Peer,

ob man wirklich so klassifizieren kann, dass Gelegenheitsspieler abstrakte Spiele eher nicht mögen, weiß ich nicht recht. Ich bin kein Gelegenheitsspieler, aber auch nicht das, was sich hier als Vielspieler bezeichnet. Ich sehe mich als "engagierten Familienspieler" mit Hang zum Vielspielen.

Auf dieser Grundlage denke ich, für die Neigung zu abstrakten Spielen wird es weniger darauf ankommen, wie häufig jemand spielt, sondern darauf, was ihm, kennt er die verschiedenen Möglichkeiten, am ehesten Freude macht.

Wirklich rein abstrakte Spiele mag ich persönlich nicht, weil es mich einfach zu sehr an berufliche Anforderungen erinnert. Ich bevorzuge ganz klar thematische Spiele mit strategischem Anspruch, die aber auch mehr oder weniger ausgeprägte Glückselemente haben dürfen, wenn es gut zum Thema passt. Das kann man gut vergleichen bei Wikinger (PL) und Wikinger (HiG). Beide Spiele haben die Wikinger zum Thema. Gut thematisch angebunden ist aber nur das von PL, ein wunderbares Spiel mit Glück-/Pechelementen, wie sie nun einmal zum Thema gehören und deshalb mir als Spielelement sehr willkommen sind. Dagegen ist Wikinger von HiG doch eher ein abstraktes Spiel, dessen thematische Anlehnung an die Wikinger ziemlich beliebig ist; trotzdem ist es unter rein spielerischen Gesichtspunkten das wohl "bessere" Spiel, wenn auch das von PL mir mehr Spaß macht.
Ein sehr gutes Beispiel für ein thematisches Spiel mit dazu passenden Glück-/Pechelementen ist auch Jenseits von Theben. Der hier häufig geschmähte Grabe-Mechanismus ist doch schlicht großartig, wenn man es recht bedenkt, zumal man die Wahrscheinlichkeiten ja immerhin beeinflussen kann.

Der Erfolg von Siedler von Catan zeigt m.E., dass es auf dem bis dahin nicht gerade üppigen Spielemarkt einen Bedarf für ein neues Thema gab, das interessant umgesetzt ist. Dazu ist das Grundspiel jedenfalls von der Regel her einfach, die Regeln sind sehr gut aufbereitet und durch die Aufteilung in mehrere "Schichten" so gestaltet, das man nicht endlos lesen muss, bevor es losgehen kann, was für Gelegenheitsspieler wichtig sein dürfte. Wäre SvC gleich in der heutigen Fassung (Basisspiel+Seefahrer+Städte&Ritter+Händler&Barbaren) als ein Spiel erschienen, wäre es sicher gnadenlos als viel zu kompliziert gescheitert.

Spielerische Grüße
Ernst-Jürgen

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Marc
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Re: Gelegenheitsspieler und Abstrakte Spiele

Beitragvon Marc » 7. Dezember 2008, 12:32

peer schrieb:
> Es wird oft behauptet,
> Gelegenheitsspieler haben eine Abneigung gegen abstrakte
> Spiele und moderne Spiele verkaufen sich dewegen so gut, weil
> es jetzt ein (mehr oder minder aufgesetztes) Thema hat.

Vermutlich kann man beides begründen:

Gelegenheitsspieler haben eine Abneigung gegen Themenspiele, weil das Thema (mehr oder weniger) unrealistisch umgesetzt ist und mit der Wirklichkeit "nichts" zu tun hat.

oder:

Gelegenheitsspieler haben eine Abneigung gegen abstrakte Spiele, weil sie so kalt mechanistisch sind und gar keine Atmosphäre aufkommt.

"Geschmackssache", sagte der Affe und biss in die Seife. ;-)

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Daniel R.
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Re: Gelegenheitsspieler und Abstrakte Spiele

Beitragvon Daniel R. » 7. Dezember 2008, 13:25

peer schrieb:
> Es wird oft behauptet, ...


Richtig, das klingt wie eine (nur schwach begründete) Behauptung.
Aufwendige Regelwerke sind sicher abschreckender als die Abstraktheit der Spiele.
Gerade rein abstrakte Spiele haben einfache Regeln und schnellen Zugang, bei trotzdem taktischer Tiefe:
Backgammon, Abalone, Blokus, Rumis, Gipf-Reihe und all die schon von anderen genannt worden. Gerade solche Spiele kann man mit Gelegenheitspieler viel einfacher Spielen als Caylus, Cuba, Säulen der Erde etc.


> Was meint ihr? Und wäre Siedler weniger erfolgreich gewesen,
> wenn es abstrakter wäre (es den Handels- und den
> Würfelmechanismus aber gäbe)?

Erfolgreicher sicher nicht, aber dies dann als Indiz für oben genannte These heranzuziehen wäre meines Erachtens nicht berechtigt genug. Das "Problem" ist vielschichtiger.

Gruss Daniel

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peer

Re: Gelegenheitsspieler und Abstrakte Spiele

Beitragvon peer » 7. Dezember 2008, 14:00

Hi,
Daniel R. schrieb:
>
> > Was meint ihr? Und wäre Siedler weniger erfolgreich gewesen,
> > wenn es abstrakter wäre (es den Handels- und den
> > Würfelmechanismus aber gäbe)?
>
> Erfolgreicher sicher nicht, aber dies dann als Indiz für oben
> genannte These heranzuziehen wäre meines Erachtens nicht
> berechtigt genug. Das "Problem" ist vielschichtiger.


Da hst du recht, das war ungünstig formuliert. Was ich meinte war: Wäre Siedler ein abstraktes Spiel, hätten die Gelegenheitsspieler dennoch ihre Freude daran gehabt? (Gut, dass lässt sich kaum beantworten. Ist mir auch klar. Aber ein bisschen philosophieren darf man ja mal :-) )

ciao
peer (wünscht i.ü. einen schönen Advent)

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Daniel R.
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Re: Gelegenheitsspieler und Abstrakte Spiele

Beitragvon Daniel R. » 7. Dezember 2008, 14:07

Bei mir verhält es sich sogar gerade umgekehrt:

Ich als Vielspieler bevorzuge thematische Spiele, weil nur diese mir ermöglichen, in mein Hobby einzutauchen, meine Passion zu pflegen oder wie immer man das formulieren will.

Andererseits habe ich gerade letzte Woche noch oft ein Rumis gespielt und Spass dabei gahabt, aller Abstraktion zum trotz.

Das Problem hier ist mal wieder die Verallgemeinerung. Sie funktioniert einfach nicht um die Begriffe thematisch und abstrakt gezielt Gelegenheitsspieler und Vielspieler zu zuordnen.

Advents-Grüsse
Daniel

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EgonG
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Re: Gelegenheitsspieler und Abstrakte Spiele

Beitragvon EgonG » 7. Dezember 2008, 18:17

Ich persönlich kenne mehr Gelegenheitsspieler, die abstrakte Spiele mit klaren, kurzen Regeln mögen, als solche Spiele mit "Gedöns", großer "Hintergrundgeschichte" und Gimmicks. Beispiel: Blokus. Was haben wir früher gespielt? Dame, Mühle, Halma. Kein Schnickschnack.

Heute muss alles irgendwie bunt sein, es muss in eine "Welt" passen. Dass viele Kinderspiele mit bunten Bildchen und wenig abstrakt sind, verleitete mich früher zu der falschen Annahme, das Kinder es lieber "bunt" mögen. Meine eigenen Kids haben mich das Gegenteil gelehrt: Schachspielen mit dem Opa war das größte, eine zeitlang wenigstens.

Egal ob abstrakt oder mit "Thema", die größte Hindernisse für Gelegenheitsspieler sind: zu umständliche, unintuitive Regeln und zu lange Spieldauer. Ich, als absoluter Vielspieler, mag inzwischen auch keine Spiele mehr, die länger als eine Stunde dauern.

Viele Grüße
EgonG (der sich oft mit Gelegenheitsspielern herumschlägt um sie zu "infizieren" mit dem Spielevirus)

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Günter Cornett

Re: Gelegenheitsspieler und Abstrakte Spiele

Beitragvon Günter Cornett » 7. Dezember 2008, 19:52

Ich denke, dass oftmals [i]abstrakte Denkspiele mit hohem Grübelfaktor[/i] gemeint sind, wenn von abstrakten Spielen die Rede ist. Einfach Genial, Tayü, Rumis, Blokus (und die erwähnten Klassiker) sind gute Gegenbeispiele.

Eine stimmige thematische Gestaltung sollte ebenso beim Gelegenheitsspieler ankommen, so dass Thema nicht hinterm Ofen hervorgeholt ist oder sich darin erschöpft, einen Haufen von an sich nutzlosen Einzelregeln zu generieren. ich glaube, hier unterscheiden sich Gelegenheitsspieler nicht so sehr von Vielspielen.

Was dagegen Gelegenheitsspieler stärker abschreckt als Vielspieler, ist alles, was nach Arbeit aussieht: ein schachähnliches Spielbrett oder eine lange Regel zum Beispiel. 'Das ist ja wie Siedler' dürfte dagegen eher positiv gemeint sein.

Gruß, Günter


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