Beitragvon Jerry » 28. September 2009, 20:40
Ich hatte das Vergnügen, "Donna Leon" schon einmal spielen zu dürfen.
Thematisch geht es bei diesem Spiels tatsächlich irgendwie um Ermittler, Verdächtige und Zeugen in Venedig aber im Prinzip ist "Donna Leon" eine aufgebohrte Memory-Variante mit Spielplan und Pöppeln (das soll nicht abwertend gemeint sein).
Auf dem Brett liegen verdeckt blaue, gelbe & grüne Plättchen die auf der Rückseite Personen zeigen. Zufallsgesteuert durch Karten gilt es nun, einige dieser Personen zu finden. Dazu ziehen die Spieler mit einer blauen, einer gelben, einer grünen und einer weißen Figur über's Brett um unter die Plättchen drunterzuschauen. Dabei darf man mit einer Figur nur unter ein gleichfarbigen Plättchen schauen (Weiß ist Jokerfarbe mit ein paar Einschränkungen). Findet man ein gesuchtes Plättchen bleibt es offen liegen und man bekommt Siegpunkte. Nach einer gewissen (variablen) Anzahl Runden ist Spielende und der Spieler der die meisten Punkte hat gewinnt. Aufgelockert wird das ganze durch Spaßkarten die die regulären Zieh-ein-Feld-und-schau-dir-ein-Plättchen-an Möglichkeiten ein wenig erweitern.
Deduktionselemente sind bei "Donna Leon" so gut wie keine vorhanden, es ist ein knallhartes Gedächtnisspiel. Die Plättchenanzahl ist beträchlich (ca. 35-40 nach meiner lückenhaften (s.u.) Erinnerung) und man muss sich einiges merken (können) wenn man gewinnen will. Falls man tatsächlich in der Lage ist, sich die vielen Personenpositionen zu merken, kommt noch ein kleines taktisches Element hinzu, indem man versuchen kann, dem nachfolgenden Spieler keine allzu gute Zugposition für seine Detektivfiguren zu hinterlassen. Aber - wie gesagt - das klappt nur für Leute die noch nicht verkalkt sind.
Bei mir hat "Donna Leon" einen gemischten Eindruck hinterlassen. Generell erscheint es mir gut designed, spannend, recht flüssig spielbar und mit der Ravensburger-üblichen, hohen Qualität. Als Angehöriger der Gruppe "Fast-schon-verkalkt" (aka 40+) überfordern mich solche Spiele aber leider schnell, insbesondere wenn sie nach einem langen Arbeitstag um 21:30 ihren Weg auf den Tisch finden :-) In solchen Situationen artet ein solches Spiel für mich in harte Arbeit (mit schlechtem Ergebnis) aus. Und selbst im ausgeruhten Zustand ist Memory nicht gerade die Fähigkeit, die ich in Spielen am liebsten auf die Probe stelle :-)
Spielern die Memory-Elemente gerne mögen und die geistig hinreichend flexibel sind kann man dieses Spiel aber auf jeden Fall empfehlen. Gleiches gilt für Leute, die Memory mögen und denen es nichts ausmacht wenn sie in Person von Inspektor Alzheimer einen soliden letzten Platz einfahren ;-)