Beitragvon Detlef Lammertz » 3. Juni 2000, 13:58
Wiederholt habe ich mich auch über das Spiel des Jahres geärgert. Ich nenne nur als Beispiele „Bluff“ oder „Barbarossa“. Inzwischen mußte ich aber einsehen, dass nicht das beste Spiel des Jahres gewählt wird, sondern das am besten einer möglichst großen Anzahl empfehlbare Spiel des Jahres.
Dies meine ich grundsätzlich erst einmal nicht negativ. Ich schätze, dass von den ausgezeichneten Spielen ca. 100.000 bis mehr als 1 Million Spiele verkauft werden. Ich meine, den Geschmack dieser Leute muß die Ernennung treffen. Die Leute sehen das Spiel des Jahres und kaufen es für ca. 30 – 50 DM, obwohl sie oft von dem Spiel nichts wissen, eben weil es den „SdJ“-Aufkleber hat. Es ist nur recht, wenn die Leute für ihr gutes Geld, ein von Ihnen oder den Beschenkten als gut empfundenes Spiel bekommen.
Deshalb stelle ich mir manchmal vor „1830“ oder „Civilization“ gäbe es noch nicht und würden neu auf den Markt kommen. Hier sehe ich für mich ganz klar, dass es tolle Spiele sind, aber als Spiel des Jahres aufgrund von Dauer und Komplexität nicht in Frage kommen sollten. Dies wären Kandidaten für den „Deutschen Spielepreis“.
Bis jetzt könnte es sich so anhören, als wenn ich inzwischen ein Verfechter der jeweiligen Entscheidungen der Jury bin. Dies ist aber ganz und gar nicht der Fall. Denn die von mir geschätzte Zahl der verkauften „SdJ“-Spiele zeigen mir ganz deutlich, dass vielleicht 100-300-tausend Spiele nur wegen des Aufklebers gekauft werden (je nach Verlag und Aufmachung). Werden aber weitaus mehr Spiele verkauft, denke ich, dass die Wahl wirklich ausgezeichnet war, denn dann haben die, die es gekauft haben, weiter empfohlen und die, die es bei anderen gespielt haben, sich selbst gekauft. Das hervorragendste Beispiel hierfür ist „Die Siedler von Catan“. Viele Kriterien, die dieses Spiel erfüllt, sehe ich als richtig für ein „Spiel des Jahres“ an. Kommunikativ, schönes Spielmaterial, ansprechendes Thema, interaktiv, insgesamt hoher Wiederspielwert. Deshalb fand ich letztes Jahr „Tikal“ nicht die erste Wahl (lange Wartezeiten, nicht kommunikativ und interaktiv).
Mein Vorschlag wäre es also, das „Spiel des Jahres“ nicht unter der Fragestellung: Ist es das beste Spiel des Jahres zu diskutieren, sondern sich zu fragen: Ist es das beste Spiel des Jahres für eine Gruppe von 100.000 Spielern, die es dann toll finden und weiterempfehlen? Allerdings möchte ich die Frage, was wäre, wenn es „Mensch ärgere dich nicht“ noch nicht gäbe und neu erfunden würde, nicht beantworten.