Beitragvon Helmut » 17. September 2000, 09:36
Ich hatte das Rezensenten-Glück, auf der Herbst-Neuheiten-Vorstellung des Kosmos-Verlages (u.a. "Herr der Ringe") anwesend sein zu dürfen.
Ich kam mit der Vor-Bemerkung KMWs dorthin, der seinen ersten Eindruck mit "enttäuschend" formulierte. Knizia selbst stellte sein Werk vor, er habe sich streng an die Roman-Vorlage gehalten, und ging augenzwinkernd davon aus,. dass alle Anwesenden Tolkiens Roman gelesen haben. Das war natürlich nicht der Fall. Auch ich kenne den Roman nur vom Titel her. Beim Stichwort "Es ist ein kooperatives Spiel herausgekommen" fielen mir sogleich die zwar pädagogisch wertvollen, aber nicht so viel (Gewinn-)Spaß vermittelnden Herder-Spiele ein. Nun haben wir das Spiel in deutsch-österreichischer Runde zu fünft zweimal gespielt, und unser erster Eindruck war, dass es durchaus Spaß gemacht hat, kooperativ gegen die "böse schwarze Figur" zu spielen. (Ich habe den Namen dieser Figur schon wieder vergessen und kann auch nicht nachschauen, weil ich das Spiel gleich zum weiteren Ausprobieren verliehen habe.) Also, von "Herder-Gefühl" keine Spur mehr! Freunde von Fantasy-Spielen, von Tolkien-Romanen, schönen Spielplänen, ineinandergreifenden Aktionen, Interaktionen usw. werden ihren Spaß an diesem Spiel haben. Ziel ist es, über Feld 60 hinaus zu kommen und damit den Ring zu gewinnen, bevor die schwarze Figur (Hieß sie "Sorgan"?) den Ring-Träger geschnappt hat. Damit sie ihn nicht schnappt, sind umfangreiche Absprachen nötig. In der ersten Partie kamen wir bis auf Feld 50, in der zweiten auf Platz 57. Wir haben es also zweimal nicht bis zum gemeinsamen Sieg geschafft. Trotzdem waren wir irgendwie stolz, beim zweiten Mal das Spiel besser verstanden und die Möglichkeiten besser ausgenützt zu haben. KMW meinte, das Spiel sei nichts für die Szene. Er kennt die Szene weit besser als ich. Vielleicht nicht für alle, weil ja die Spielinteressen unterschiedlich sind. Auf keinen Fall ist es ein Spiel für Wenigspieler, die sich nur zu Weihnachten ein Spiel kaufen. Die Spielregel ist schon ein paar Seiten lang, weil es viele Detailinformnationen gibt, der Spielverlauf aber dennoch relativ einfach. Ferdinand de Cassan (Wiener Spiel-Club)fragte daher auch augenzwinkernd nach der in letzter Zeit üblich gewordenen Kurz-Spielregel, die es aber nicht gibt. Obwohl Fantasy-Spiele nicht mein Ding sind, freue ich mich bereits auf die nächste Partie in unserem Spielkreis, weil ich mit anderen Mitspielern zusammen über die 57 hinweg kommen will.
Übrigens, Hartmut und KMW, wenn Ihr das lest: Schönen Gruß!
Helmut