Beitragvon Gerald Rüscher » 27. November 2000, 09:44
Andreas Haun fragt an:
> ich wuerde gerne einmal wissen ob die abteilung 18xx
> und aehnliche wuerdig sind gespielt zu werden.
Definitiv ja. Aus meiner Sicht sind die 18xx Spiele das Allerbeste was die Spieleszene zu bieten hat.
> ich habe pers. den verdacht, dass es immer die
> gleichen ueberlegungen sind, die im spiel zu dessen
> fortgang beitragen ?
Was heisst "immer die gleichen Überlegungen? Natürlich hat jedes Spiel wichtige (Teil)ziele ohne die man nur schwerlich gewinnen kann: beim Schach ist es Materialgewinn, beim Siedeln ist es guter Zugriff auf möglichst viele Ressourcen usw.
Bei 18xx haben natürlich alle Spiele der Familie einen gemeinsamen Grundmechanismus aber aus meiner Erfahrung (Dutzende von 18xx Spielen) liegen die Gewichte bei den verschiedenen Spielen deutlich an unterschiedlichen Stellen. Bei 1856 z.B. ist ein Schwerpunkt, sich möglichst gezielt zu verschulden. Bei 1841 ist es, möglichst clever Gesellschaft zu fusionieren und/oder Tochtergesellschaften zu gründen. Allen gemeinsam ist natürlich, dass man ständig sein Streckennetz im Auge haben muss und im Aktienmarkt ganz kühl sein Portfolio optimieren muss.
> ...wer die beste bahn am anfang ergattert hat
> gewonnen...
Keinesfalls. Es gibt natürlich so platte Aussagen wie "Wer bei 1830 die Camden&Amboy für < $200 bekommt, hat das Spiel so gut wie gewonnen". Aber das ist erstens nur bedingt richtig und kann zweitens ja auch leicht vermieden werden (hängt von den Mitspielern ab)
> und ...du darfst diese plaettchen
> dann und dann legen...
Auch das hängt enorm von der Spieldynamik ab.
Einen Kritikpunkt treffen deine Aussagen allerdings schon: das (m.E. einzige) Problem der 18xx Spiele ist, dass sie auf nichtvariablen Spielplänen stattfinden. Wenn man mit immer der gleichen Spielerunde immer die gleiche Variante spielt, dann drohen sich Standardstrategien einzuschleichen und dann kann genau das passieren, was Du beschrieben hast.
Wir haben z.B. eine Zeitlang recht häufig 1830 gespielt und nach einigen Spielen kam immer die gleiche Eröffnung vor: Einer macht Baltimore&Ohio auf, einer macht New York - New Haven auf, die anderen beiden splitten ihr Geld und Alle kloppen sich mittelfristig um den Zugang zu New York. Das war erstens suboptimal und hat sich zweitens geändert, als einer der Mitspieler auf dem Netz las, dass die Pennsylvania Railroad ein ganz toller Frühstarter ist. Irgendwann sind wir dann aber zu 1856 und 1841 gewechselt, dazu kommen dann noch 1870 und 1835.
Alles in allem: wer die Mitspieler & die Kondition hat, sollte sich die 18xx Spiele nicht entgehen lassen. Diese Spielreihe hat einfach alles: Spielathmosphäre dicht am Thema, Interaktion, Fiesheiten, Miteinander, Gegeneinander, Bluff (Zitat eines Mitspielers "Schlimmer als Pokern") und einen konstanten Spannungsbogen.
Gruß & nice dice,
Jerry ("Ich eröffne die Canadian Pacific Railways für $1000")