Beitragvon Roman Pelek » 8. Januar 2001, 23:50
Hi Erhard,
>Ravensburger setzt bei den beiden diesjährigen großen Nürnberg-Neuheiten
ja voll auf das bei allen Forumsteilnehmern so beliebte Spielprinzip: "Kleine
Würfelchen in Regionen setzen, dort Mehrheiten gewinnen und damit Punkte
sammeln."<
Die scheinen Würfel im Sonderangebot bekommen zu haben ;-) Obwohl: bei meinem "Big Shot" fehlen 6 schwarze Würfel - schau mal nach, ob das bei Dir auch so ist, könnte evtl. ein Serienfehler sein. Vielleicht waren bei unserer Ausgabe schlichtweg nur die Würfel der Bestückungsmaschine aus... :(
>Neben "San Marco" wird auch in dem neuen Spiel von Alex Randolph "Big
Shot" nach diesem Prinzip verfahren. (Das Spiel ist aber trotzdem ganz
anders als "San Marco". Ehrlich!)<
Ja. Für die anderen der Spielablauf in Kurzform:
Prinzipiell ist es ein 4-Spieler-Spiel, bei 3 Spielern nimmt eine Partie nicht teil, Farbwürfel dieser Partei werden aber dennoch gesetzt, da man damit evtl. Pattsituationen auslösen kann, die anderen Mitspielenden zum Nachteil/Vorteil gereichen. Bei 2 Spielern spielt jeder im Prinzip 2 Parteien und wählt bei jeder Runde eine von beiden, für die er gespielt hat. Muss man nicht verstehen, ist aber nicht so wichtig und im Prinzip ist es wie geschildert - jeder spielt für zwei und rechnet das Geld am Schluss von beiden zusammen. Jetzt aber zum Spiel an sich:
Das Spielfeld zeigt einen fiktiven Spielplan mit 14 Stadtteilen. Zwölf davon sind reguläre Stadtteile, die jeweils eine gewisse Summe (zwischen 9 und 21 Mio.) wert sind. Die zwei übrigen sind Parks an gegenüberliegenden Ecken des Plans, die den Multiplikator 2 für die jeweils angrenzen 3 Stadtteile verkörpern (die angrenzenden Stadtteile sind auch für sich "nur" 9,10,11 Mio. wert).
Um die Spielleiste herum verlaufen 18 $-Felder, in die zu Spielbeginn jeweils 4 Farbwürfel verteilt werden (wobei jeder der vier Spieler eine Farbe hat, es gibt also 4x18=72 Farbwürfel - zumindest theoretisch, wenn keine fehlen...). Auf diesen Feldern läuft ein netter oranger Ritter aus Torres, durch einen normalen 6er-Würfel gesteuert. Wie schon angesprochen, erhält jeder Mitspieler eine Farbe (in Form eines farbig hinterlegten Charakterplättchens zur Kennzeichnung) zugewiesen und 10 Mio. $ Startkapital, mit denen er steigern kann.
Ablauf ist nun folgender: der aktuelle Startspieler würfelt und bewegt den Torres-Ritter auf der Aussenleiste um soviele Felder (leere, bereits versteigerte Felder werden dabei übersprungen). Die 4 Würfel des Zielfeldes werden nun versteigert, es beginnt der Spieler links vom Startspieler mit einem Gebot. Reihum kann erhöht oder gepasst werden, wer passt ist 'raus. Der Spieler mit dem höchsten Gebot erhält den Zuschlag, gibt keiner ein Gebot ab, erhält der Startspieler die 4 Würfel kostenlos. Diese 4 Würfel dürfen nun nach eigenem Gusto auf die 14 Stadtfelder verteilt werden. Befinden sich danach in einem oder mehreren Stadtfeldern 7 Würfel, wird die "Region" gewertet. Hat einer die absolute Mehrheit, gehört ihm die Region, die Würfel werden entfernt und ein "SOLD"-Plättchen mit einem Farbwürfel des Gewinners wird hineingelegt zur Markierung für die Endabrechnung. In dieses Viertel kann nun nichts mehr gelegt werden. Gibt es ein Patt, so gibt es einen lachenden Dritten oder Vierten. Bei einer 3-3-1-Verteilung z.B. gewinnt der Spieler mit dem einen Farbwürfel, bei 2-2-2-1 ebenso.
So wird gesteigert, bis die 18 $-Felder abgegrast und alle Würfel verteilt sind. Doch halt: natürlich ist das Geld schnell alle, und neues erhält man durch Aufnahme eines Kredits. Dabei nimmt man sich jedesmal ein Schuldplättchen über 10 Mio. $, und erhält - tja - beim ersten Kredit aber nur deren 9 ausgezahlt, beim zweiten 8 usw. Doch nun zum Spielende und der Schlussabrechnung: die noch nicht gewerteten Stadtviertel werden nun gewertet - wieder gewinnt der mit der Mehrheit. Gibt es Patts, wird wie oben verfahren, nur dass es bei weniger als 7 Würfeln natürlich auch Patts geben kann, bei denen keiner gewinnt, so erhält z.B. bei 2-2-Patts niemand das Viertel.
Dann wird gezählt: das eigene noch vorhandene Geld minus die Summe auf den Kreditplättchen plus der Wert der eigenen Stadtviertel - Viertel in der Nähe der Parks werden dabei dann verdoppelt, wenn einem auch der Park gehört - sonst nicht.
Wer gewinnt? Na? Richtig: der mit der meisten Kohle (es gibt übrigens auch einen Charakter namens "Helmut Kohle" :). Das war's.
Wie spielt sich's nun? Tja, leider konnten wir's heute nur zu zweit ausprobieren - da war's ganz nett, aber es tauchen halt relativ wenig "gemeine" Pattsituationen auf, da jeder Spieler zwei Farben kontrolliert. Das dürfte bei 4 Spielern aber ganz anders und wesentlich spannender werden. Aber auch so gab es schon hinterhältige Spielsituationen - so macht es auch Sinn, jemanden hochzutreiben, wenn nur "andere" Farbwürfel versteigert werden. Und erhält man dann "unglücklicherweise" den Zuschlag, so nutzt man das ganz fies aus, um auf dem Brett Pattsituationen zu kreieren und so doch als Nutzniesser aus der Aktion hervorzugehen. Man hat also bei fast jeder Versteigerung ein Interesse, mitzuwirken, und sei es nur, um die anderen hochzutreiben und im Zweifel die Farbwürfel ungünstig für andere zu verteilen.
Ansonsten zählt die Strategie: eigene Regionen sichern, andere ins Patt fahren oder wenigstens unnütze Gegner-Würfelchen in Regionen zu werfen, in denen sie eh nix mehr ausrichten - die Ressourcen sind schliesslich knapp und jeder fehlplatzierte Würfel schmerzt den Besitzer. Und gegen Ende schnell noch mit 1-2 eigenen Würfeln eine bis dato vernachlässigte Region billig absahnen. So ergibt sich ein relativ kurzes, knappes Versteigerungsspiel (Dauer ca. 30 Minuten), das mit erfreulich wenig Regeln ganz schön fiese Möglichkeiten bietet. Könnte sein, dass das Spiel zu viert ein Hit ist - aber das bleibt noch auszutesten. Zu zweit sind jedenfalls die Ansätze dafür zu erkennen.
Das einzige, was mir ein Rätsel ist, warum man einen Würfel benötigt, um die zu versteigernden Steine zu wählen - klar kann man so nicht vorausplanen. Aber gegen Ende ist es recht lächerlich, für 3 Regionen zu würfeln. Ausserdem: warum sollte nicht einfach der aktuelle Startspieler die zu versteigernde Region bestimmen - das gäbe ihm noch eine nette kleine Taktikkomponente mit hinzu. Einziges Problem hierbei wäre wohl, dass bei 18 Feldern und 4 Spielern zwei Spieler einmal mehr bestimmen könnten - ich nehme an, dass darin der Grund liegt. Aber das hätte man durch eine geringfügig andere Felderzahl (z.B. 20 bei einer Stadtregion mehr o.ä.) lösen lassen. Naja, das wird wohl Alex Randolphs Geheimnis bleiben.
>Zwar hatte ich bislang leider noch nicht die Gelegenheit das Spiel auf Herz
und Nieren zu testen, die Lektüre der Spielregel verspricht jedoch - wie ich
meine - spannende und interessante Partien. Gibt es MitspielerInnen, die
meine Vermutung bereits durch Spielerfahrungen bestätigen (oder auch
widerlegen) können?<
S.o., der Spielablauf spricht für spannende 4-Spieler-Partien - bleibt aber auszutesten. Vielleicht geht's auch gut zu dritt - mag sein, dass man die "Fehlfarbe" auch geschickt nutzen kann. Zu zweit isses halt nur ganz nett, da nicht so richtig fies - aber dafür kauft's ja auch keiner. Wie immer nutzten wir die 2-Spieler-Variante zum Kennenlernen, um dann fit zu sein für zwei anderen Mitspieler morgen abend ;-)
Tja, nur warte ich jetzt, abgesehen von Java, auf das nächste richtig schöne, abendfüllende Spiel. Die scheinen dieses Spielejahr (ein Spielejahr: von SdJ zu SdJ :) rar gesät zu sein, qualitativ sind die kurzen Zeitvertreiber da deutlich im Vorteil (Carcassonne, Meuterer, Drachendelta, Zapp Zerapp, Cartagena... Und jetzt wohl Big Shot).
Ciao,
Roman