Anzeige

Was die Internetgemeinde zu sagen hat...

Das ehemalige spielbox-Spielerforum
Benutzeravatar
Roman Pelek

Was die Internetgemeinde zu sagen hat...

Beitragvon Roman Pelek » 16. April 2001, 04:25

Hi,
ich stelle hier immer wieder fest, dass grosse Übereinstimmungen über Makel an Spielregeln oder Spielverläufen und -material/-design ungeachtet des Spielegeschmacks besteht.
Deshalb frage ich mich oft, warum diese Fehler überhaupt noch auftreten.
Warum stellen die Verlage nicht noch drei-vier mehr engagierten Spielegruppen oder Forumsteilnehmern ihre Prototypen zur Verfügung? 95% der Fehler liessen sich dadurch ausmerzen. Und die Kosten sind wirklich gering, man könnte sich bei der Masse an Spielebegeisterten im Internet sehr leicht bei ein paar Spielekreisen oder Personen auf ein gewisses Honorar, ein "Neuheitenabo" oder ähnliches einigen - und die Fehler wären verschwunden.
So, wie's momentan läuft, heisst's doch meistens: "Ihr habt recht, wir versuchen, es das nächste Mal besser zu machen". Also kostenloser Service an die Verlage - und beim "nächsten Mal" doch die selben Fehler. Muss das sein? Die Vielspieler hier haben nix davon, und die Verlage noch weniger.
Was denkt Ihr? Ist das ein Hirngespinst - oder vielleicht ein bedenkenswerter Ansatz?
Ciao,
Roman

Benutzeravatar
Steffen

re: Was die Internetgemeinde zu sagen hat...

Beitragvon Steffen » 16. April 2001, 11:10

Hallo Roman,
ein Hirngespinst ist es sicher nicht. Es ist ja aber davon auszugehen, daß die Spieleverlage ihre Produkte sehrwohl von diversen Personengruppen testspielen lassen. Allerdings verwundert es vor diesem Hintergrund umso mehr, daß, wie Du richtig schreibst, die Quote der Spiele, die regeltechnisch "nicht wasserdicht" erscheinen, noch immer so groß ist.
Das Gegenargument, daß ich von Verlagsseite erwarte, sind Terminprobleme (Änderungen in letzter Minute), mögliche Kommunikationsprobleme (wo bleibt Euer Kommentar...), sowie "was 10 Spielegruppen nicht finden, finden zwölf auch nicht" - nach dem Motto: irgendwo muss man eine Grenze ziehen.
Ob man diese Argumente gelten lassen will oder nicht, ist jedem selbst überlassen.
Ein wichtiger Punkt mag aber die zweite Seite des Internets sein: Du argumentierst, daß das Internet, mit seinen gesteigerten Kommunikationsmöglichkeiten, die Option, Kontakte zu weiteren Testgruppen zu unterhalten, erleichtert. Das ist sicher richtig.
ABER: Es erleichtert eben auch das Ausbügeln von Fehlern. Der Trend ließe sich vergleichen mit der Softwarebranche: Die Möglichkeit der Firmen hier, Updates fast "im Minutentakt" über das Internet zum download anzubieten, ist ein sanftes Ruhekissen - nie vorher war es leichter (oder bestand überhaupt die Möglichkeit), nachträglich noch so umfassend an einem Produkt zu feilen. Und nie war neue Software fehlerhafter als heute - so zumindest mein Eindruck!
Das könnte auch für die (Brett-)Spiele gelten: Verbesserte Regeln auf der VerlagsHP anzubieten ist kein Problem. Und die Möglichkeit der Spieler, selbst in Foren wie diesen um Rat zu ersuchen, fängt sicher noch einiges an Problemen ab.
Segen und Fluch des Internets - wie eigentlich fast immer...
Gruß,
Steffen

Benutzeravatar
Roman Pelek

re: Was die Internetgemeinde zu sagen hat...

Beitragvon Roman Pelek » 16. April 2001, 18:32

Hi Steffen,
ich kann Deinen Ausführungen voll zustimmen - bis auf einen Punkt:
[Internet + Brettspiele]
>ABER: Es erleichtert eben auch das Ausbügeln von Fehlern. Der Trend ließe sich vergleichen mit der Softwarebranche: Die Möglichkeit der Firmen hier, Updates fast "im Minutentakt" über das Internet zum download anzubieten, ist ein sanftes Ruhekissen - nie vorher war es leichter (oder bestand überhaupt die Möglichkeit), nachträglich noch so umfassend an einem Produkt zu feilen. Und nie war neue Software fehlerhafter als heute - so zumindest mein Eindruck!<
Bei Software ist ja fast noch davon auszugehen, dass heutzutage jeder Softwarekäufer Zugang zum Internet hat (ist aber nicht immer so, und dann umso ärgerlicher: "Bitte installieren sie den Monitortreiber, wenn sie ihn sich von www.tollemonitore.de runtergeladen haben - Treiberdiskette liegt nicht bei").
Bei Brettspielen gibt's aber viele, die sie nebenher kaufen und NIE auf die Idee kämen, im Internet nach den Lösungen ihrer Probleme zu suchen - die werfen das Spiel in die Ecke und kaufen sich bei nächster Gelegenheit halt _keins_ mehr :( Und das ist die Masse, gerade auch die SdJ-Käufer...
Forumsteilnehmer hier haben damit natürlich kein Problem - Regelfrage gestellt, meist ist 2h später die Klärung der Probleme, oft von Verlagsseite oder Autor da. Das ist klasse - aber manche Fehler sollte man schon im Vorfeld, sprich der Regel vermeiden aus o.g. Gründen. Und auch ich ärgere mich, wenn ich das ausgepackte Spiel nicht gleich spielen kann oder mit unvollständiger Regel im "Hintertupfinger" Gemeindezentrum sitz' ohne Internet und was erklären soll :(
Wie gesagt: ich persönlich kann zwar damit leben, aber viele Gelegenheitsspieler schreckt sowas unnötig vom Hobby Spiel ab.
Ciao,
Roman (spielt momentan lieber Brettspiele als PC-Spiele, da man dafür normalerweise keine neuen Grafiktreiber, Bugfixes, Updates, Patches etc. braucht, sondern gleich spielen kann :)

Benutzeravatar
Bettina

re: Was die Internetgemeinde zu sagen hat...

Beitragvon Bettina » 16. April 2001, 19:29

Hallo Roman,
und selbst den Forumteilnehmern kann man das kaum zumuten - oder doch?
Ich jedenfalls bin genervt davon, wenn ich mir hier Regeländerungen, -verbesserungen etc. raussuchen muss. Zumal manches Mal ein Spiel "dran ist", das ich noch lange nicht habe. Und ob ich mich, wenn ich es dann habe daran erinnere, daß im Forum vor langer Zeit........usw.
Außerdem denke ich nicht, daß Internet ein Grund für zunehmend (hoffentlich nicht wirklich) schlechte Arbeit ist - und auch keine Entschuldigung.
Gruß
Bettina

Benutzeravatar
Markus.Barnick

re: Was die Internetgemeinde zu sagen hat...

Beitragvon Markus.Barnick » 16. April 2001, 19:48

> Ciao, Roman (spielt momentan lieber Brettspiele als PC-Spiele, da man dafür normalerweise keine neuen Grafiktreiber, Bugfixes, Updates, Patches etc. braucht, sondern gleich spielen kann :)
Wundert mich etwas, daß gerade DU sowas sagst...
Wenn man heute ein Spiel (ich sag jetzt nicht die Verlage) auspacke, brauche (bzw. wird mir angeboten) ich auch oft a) ein Update (El Grande, Siedler, Bohnanza), b) einen Patch (Vinci) und einen Regelerklärer (ZDR, Hannibal, Stephensons Rocket, Putsch, Junta).
Ich hab mich Verlagen auch schon angeboten als Spieletester, weil ich die Regelmiseren leid war. Was nützts, wenn der Verlag DANACH noch einen Lapsus einbaut (Drachendelta)? Der Verlag hat ja die Freiheit, das Spiel nach eigenem Gutdünken noch zu verändern.
Oder wenn die Testspieler evtl. die Regeln nicht zu sehen kriegen und der Autor das Spiel nur auf der Messe erklärt?
(Habe ich letzthin beim Spielekreis Ali Baba erlebt: "Regeln brauchen wir nicht. Das erklärt uns der Autor auf der Messe und das wars dann.")
Gute Erfahrungen habe ich mit Kosmos gemacht, die sind auf meine Verbesserungsvorschläge eingegangen (Siedler-Buch). Auch HIG kann man gute Karten geben, denke ich.

Benutzeravatar
Lars

re: Was die Internetgemeinde zu sagen hat...

Beitragvon Lars » 17. April 2001, 16:27

Ich persönlich empfinde es als Frechheit, daß immer wieder Spiele mit unvollständigem Material, schlechten Regeln oder Fehldrucken verkauft werden.
Ich kaufe zum Beispiel seit längerer Zeit keine Spiele mehr von Eurogames, weil ich mir fast sicher sein kann, daß es nicht oder nur sehr schwer spielbar ist.
Und ich frage mich, warumm in letzter Zeit so viele Spiele in so kurzen Zeitabständen erscheinen? Vor 3-4 Jahren, gab es gelegentlich neue Spiele, in einwandfreier Qualität. Mittlerweile werden die Spiele auf den Markt geworfen, um Schritt mit der Konkurrenz zu halten. Wer achtet auf die Qualität (macht das überhaupt jemand)?
Lars
(der mit dem Spielen (und dem Kaufen erst recht nicht) nicht mehr nach kommt.

Benutzeravatar
Benjamin Spicher

re: Was die Internetgemeinde zu sagen hat...

Beitragvon Benjamin Spicher » 17. April 2001, 16:45

zumindest bei EVO verpasst du da was. Im Prinzip bin ich mit Dir einverstanden, aber muss man das vom Verlag abhängig machen? Man sollte die Leute nicht nur durch "estrafung" erziehen, sondern wenn's angebracht ist auch durch Belohnung, und bei EVO sind's nun wirklich Kleinigkeiten, um nicht zu sagen Spitzfindigkeiten.

Benutzeravatar
Arno C. Hofer
Kennerspieler
Beiträge: 421

re: Was die Internetgemeinde zu sagen hat...

Beitragvon Arno C. Hofer » 20. April 2001, 22:25

Hallo Freunde,
wer einmal eine ganze Spielanleitung geschrieben hat kann von diesem wahren "Höllenritt" berichten. Da schwitzt man Blut und Wasser - denn unsere Sprache ist leider so unvollkommen, so missverständlich, so schwer beherrschbar wie wir Menschen halt alle auch. Ich habe das bei zwei kleinen Spielen, an denen ich mitgearbeitet habe erlebt. Wenn man keinen "Roman" (nein diesmal ist es nicht der Name) schreiben darf, weil den keiner liest und "in der Kürze die Würze liegt", dann ist es schlichtweg ein Höllenritt. Und wenn wir Österreicher dann auch noch "deutsch" verstehen sollen wirds manchmal vollends "(s)panisch", wie es uns bei "Ponte Vecchio" gegangen ist, das wir schlichtweg als "unspielbar" eingestuft haben ...
Doch ich kann Euch aus 15 Jahren Erfahrung versichern: so gut wie heute waren die Spielanleitungen noch nie - außer in der Zeit als man sie noch mündlich tradiert hat: deswegen - so schlecht ist der Spielekreis Ali Baba nicht dran, wenn ihnen der Autor die Regeln erklärt.
Aber vielleicht sollten die Verlage bei der Regelerstellung wirklich noch ein paar spielerfahrene Testspieler beiziehen (oder externe Autorenteams mit der Regelerstellung beauftragen) - das lässt sich aus meiner Erfahrung aber nur face2face machen: denn fast jede Spielgruppe versteht Anleitungen anders...


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 70 Gäste