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"Capitol" abgebrochen!

Das ehemalige spielbox-Spielerforum
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Helmut

"Capitol" abgebrochen!

Beitragvon Helmut » 23. September 2001, 14:45

Hallo,
gestern hatten wir zum ersten Mal die Gelegenheit, Capitol zu spielen (zu dritt). Zuvor war Medina dran gewesen. Was soll ich sagen: Wir haben Capitol abgebrochen, weil wir es sehr langweilig fanden , und meinten, so könnte es wohl nicht die Lobeshymnen eingeheimst haben. Ich habe schon mit dem CAPTOL-Experten Erhard Portner Kontakt aufgenommen und bin schon ziemlich sicher, was wir falsch gemacht haben. Scheinbar sind wir bzw. ich nur so blöd, diese Regel misszuverstehen.
Es heißt im Kapitel "A. Bauphase: Beginnend mit dem Startspieler haben die Spieler reihum im Uhrzeigersinn jeweils EINE (Hervorhebung von mir) der folgenden Möglichkeiten".
So, "klar": Eine Möglichkeit, also hat sich jeder von uns zufälligerweise für "Baugenehmigung ablegen" und "Haus auf den Spielplan stellen" entschieden.
Da wir uns NICHT für "Passen" entschieden hatten, weil wir uns ja bereits für eine andere Möglichkeit entschieden, war für mich die Ausführung unter "d.Passen": "Die Bauphase endet, wenn alle Spieler gepasst haben" nicht von Bedeutung.
So plätscherte das Spiel, wir hatten immer mehr Karten auf der Hand, die Ablagestapel wurden leer, wir kamen schon zur 3. Wertung, hatten nur ein paar Häuser gebaut. Das konnte es nicht sein!
Haben nun wir diese "eine Möglichkeit"-Passage falsch verstanden?
Mit freundlichen Grüßen
Helmut (der Capitol noch eine Chance geben will und hofft, dass seine enttäuschten Mitspielerinnen mitmachen, die wenig später von Carcassonne begeistert waren.)

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Erhard Portner

Re: "Capitol" abgebrochen!

Beitragvon Erhard Portner » 23. September 2001, 15:22

Lieber Helmut,

ich finde, die Regel ist doch eigentlich in diesem Punkt recht klar.

Im Abschnitt "Der Spielablauf" heißt es unter "A. Bauphase" wörtlich:

"Beginnend mit dem Startspieler haben die Spieler reihum im Uhrzeigersinn jeweils eine der folgenden Möglichkeiten:

a. ...
b. ...
c. ...
d. Passen"

Wenn "reihum" jeder Mitspieler eine dieser Möglichkeiten getätigt hat, dann geht das Spiel in der Bauphase reihum weiter und jeder Mitspieler hat wiederum eine der vorgegebenen Möglichkeiten. Und das geht solange bis alle Mitspieler die Möglichkeit "d. Passen" gewählt haben. Das heißt, u.U. spielt am Ende der Bauphase auch nur noch ein Spieler Karten aus.

In der Regel heißt es dann am Ende der Beschreibung der Bauphase:

"Die Bauphase endet, wenn alle Spieler gepasst haben."

Erst dann beginnt die Auktionsphase. Bis dahin werden aber normalerweise alle Mitspieler in der Bauphase etliche ihrer Handkarten ausgespielt haben und damit Bausteine erworben, Dächer auf Bausteine gelegt und fertige Häuser auf Bauplätze gesetzt haben.

Nur so macht das ganze Spiel doch überhaupt nur einen Sinn. Wenn jeder Mitspieler in der Bauphase nur eine einzige Karte ausspielen dürfte, dann wäre das Spiel ja sehr schnell beendet und es würde sich Null Spannung ergeben.

Ich hoffe, Du kannst Dir jetzt zumindest ein wenig ausmalen, wie sich das Spiel entwickelt und in welche Zwänge man gerät, wenn man die Bauphase so spielt, wie sie von den Autoren gedacht war.

Mit verspielten Grüßen
Erhard

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Stefanie

Re: "Capitol" abgebrochen!

Beitragvon Stefanie » 23. September 2001, 15:31

Irgendwie habe ich Dein Problem noch nicht verstanden.
Habt ihr pro Bauphase nur eine Aktion pro Spieler durchgefuehrt?

In der Bauphase sucht sich jeder Spieler reihum (beginnend mit
dem Startspieler) eine Aktion aus - Bausteine nehmen, Gebaeude
bedachen, bauen. Und das passiert immer wieder, eben solange, bis alle gepasst haben. Eine Bauphase bedeutet also i.a., dass jeder Spieler mehrere Aktionen durchfuehrt!
Da jede dieser Aktionen Karten kostet (je eine), entscheidet man sich irgendwann (gerade auch mit Blick auf die Auktionsphase) zu passen. Wenn ein Spieler passt, ist fuer ihn die Bauphase zuende; haben alle gepasst, endet die gesamte Bauphase,
und es kommt zur Auktionsphase. Erst danach gibt es neue Karten.

Beantwortet das jetzt deine Frage? Oder habe ich Dich nicht verstanden?

Cheers,
Stefanie

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Roland G. Hülsmann
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Beiträge: 2598

Re: "Capitol" abgebrochen!

Beitragvon Roland G. Hülsmann » 23. September 2001, 15:45

Ich kann Erhard nur zustimmen, genau so habe ich CAPITOL spielen und schätzen gelernt. Für war war die Regel an sich klar, daß es so lange rundherumgeht, bis keiner mehr was machen will. Genau das macht ja den Reiz: verbrate ich viele Karten oder hebe ich mir die wertvollerem zum Steigern auf ... wobei es der Teufel will, daß die wertvolleren Handkarten justament auch die sind, die am sinnvollsten zu verbauen wären ...

Lediglich der Versuch der Hersteller, sich anstelle einer soliden "Kramerleiste" etwas originelles einfallen zu lassen, ist furchtbar in die Hose gegangen.

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Helmut

Re: Capitol abgebrochen!

Beitragvon Helmut » 23. September 2001, 17:30

Erhard Portner schrieb:
>
>
> "Beginnend mit dem Startspieler haben die Spieler reihum im
> Uhrzeigersinn jeweils eine der folgenden Möglichkeiten:
>
>
> Wenn "reihum" jeder Mitspieler eine dieser Möglichkeiten
> getätigt hat,

Eben, eine Tätigkeit, so haben wir uns für "Haus auf Plan stellen" entschieden, halt nicht für "Passen". Für mich war "Passen" eine gleichberechtigte Tätigkeit, die halt nicht in Frage kam, weil ich mich für "Haus auf Plan stellen" entschieden habe.

> Nur so macht das ganze Spiel doch überhaupt nur einen Sinn.
> Wenn jeder Mitspieler in der Bauphase nur eine einzige Karte
> ausspielen dürfte, dann wäre das Spiel ja sehr schnell
> beendet und es würde sich Null Spannung ergeben.

Eben. diese "Null-Spannung" hatten wir, und daher haben wir Schluß gemacht.
>
> Ich hoffe, Du kannst Dir jetzt zumindest ein wenig ausmalen,
> wie sich das Spiel entwickelt und in welche Zwänge man gerät,
> wenn man die Bauphase so spielt, wie sie von den Autoren
> gedacht war.

Na klar doch!
Anscheinend gehöre ich zu den Wenigen, die die Regel falsch verstanden haben. Ich frage mich da nur, wer von den Wenigspielern ohne Spielregelerfahrung da auch Probleme haben.
MfG
Helmut

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Helmut

Re: "Capitol" abgebrochen!

Beitragvon Helmut » 23. September 2001, 17:33

Stefanie schrieb:
>
> Irgendwie habe ich Dein Problem noch nicht verstanden.
> Habt ihr pro Bauphase nur eine Aktion pro Spieler
> durchgefuehrt?

Ja, in der Regel steht "eine Aktion". woher weiß ich, dass "reihum" mehrmals reihum bedeutet?
>
> In der Bauphase sucht sich jeder Spieler reihum (beginnend mit
> dem Startspieler) eine Aktion aus - Bausteine nehmen, Gebaeude
> bedachen, bauen. Und das passiert immer wieder, eben solange,
> bis alle gepasst haben.

Geht m.e. nicht so klar hervor, weil ich davon ausgegangen bin, dass "Passen" eine Alternativ-Tätigkeit ist.


Eine Bauphase bedeutet also i.a.,
> dass jeder Spieler mehrere Aktionen durchfuehrt!
> Da jede dieser Aktionen Karten kostet (je eine), entscheidet
> man sich irgendwann (gerade auch mit Blick auf die
> Auktionsphase) zu passen. Wenn ein Spieler passt, ist fuer
> ihn die Bauphase zuende; haben alle gepasst, endet die
> gesamte Bauphase,
> und es kommt zur Auktionsphase. Erst danach gibt es neue
> Karten.

Ist jetzt klar. Dann braucht man auch neue Karten. Ich hatte unheimlich viele Karten in der Hand und dachte, das kann's nicht sein.
Danke!
Helmut

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Erhard Portner

Re: Capitol abgebrochen!

Beitragvon Erhard Portner » 23. September 2001, 19:15

Helmut schrieb:

> Ich frage mich da nur, wer von den
> Wenigspielern ohne Spielregelerfahrung da auch Probleme haben.
>

Ich denke, da sprichst Du wahrscheinlich in der Tat ein schwieriges Thema an. Ich befürchte auch, dass viele Käufer viele Spiele nicht so spielen, wie es eigentlich von der Regel her gemeint ist. Und dann kann es leicht passieren, dass der Reiz eines Spieles überhaupt nicht erkannt und das Spiel (oder im Extremfall noch schlimmer: Spielen generell!) für langweilig befunden wird.

Es gibt sicherlich viele Gründe dafür, warum das so ist.

Es kann z.B. an der Regel liegen, die nicht klar und verständlich geschrieben wurde. Obwohl ich hier den Eindruck habe, dass die Regeln in den letzten 10 bis 15 Jahren ([b] insbesondere auch seitdem KMW auf diesem Gebiet mitmischt! [/b]) deutlich besser geworden sind.

Es kann auch daran liegen, dass viele Leute sich nur oberflächlich (quasi so nebenbei) mit den Regeln beschäftigen und so wesentliche Regelteile nicht, nur unvollständig oder falsch verstehen.

Oder manche Leute lassen auch bewusst einige Regelfeinheiten im Spielablauf einfach weg, weil sie meinen, diese Feinheiten seien nicht so wichtig oder zu kompliziert oder was auch immer. Auch das halte ich für gefährlich, weil so das Spiel sich in seiner vollen Dimension, so wie es vom Autor entwickelt wurde, nicht entfalten kann.

Übrigens abschließend nochmals zu "Capitol": Wahrscheinlich hast Du Recht, Helmut. Man hätte diesen Punkt, an dem ihr gescheitert seid, vielleicht in der Regel doch noch etwas deutlicher, vielleicht auch anhand eines Beispiels erklären sollen. Der Ablauf war mir beim Lesen zwar schon von Anfang an klar. Aber Dein Beispiel zeigt, dass gerade solche Abläufe vielleicht doch einer vertieften Darstellung bedürfen. Man kann bei solchen Spielabläufen, die nur kurz und abstrakt dargestellt werden, auch manchmal leicht in eine Denkblokade geraden, und dann ist es immer gut, wenn das Ganze nochmals anhand eines kleinen Beispiels verdeutlicht wird.

Mit verspielten Grüßen
Erhard

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Bernd Eisen

Re: Capitol abgebrochen!

Beitragvon Bernd Eisen » 23. September 2001, 20:48

Hallo Helmut!

Ich hatte einem Freund auch das Spiel empfolen und die haben dann beim Ausprobieren genau den gleichen Fehler gemacht und dann auf mich gescholten, wie ich so ein ödes Spiel empfehlen kann... zum Glück hat sich das dann bei der zweiten Partie gegeben. Weil wirklich öde und langweilig ist Capitol nur zu zweit (auch mit der richtigen Regel)...

Grüße

Bernd

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Helmut

Re: Capitol abgebrochen!

Beitragvon Helmut » 24. September 2001, 06:16

Hach, zum Glück gibt es doch noch einen "Doofen", der die Spielregel falsch ausgelegt hat.
VG
Helmut (der Spielregl-Unklarheiten hasst und sich fragt, wieviele Normalspieler ihre Spiele aus diesem Grund im Regal verstauben lassen)


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